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Fachinformation Moudh

Der verkannte Bestseller

Wer Ein- und Verkäufer im Teppichfachhandel nach dem Moudh fragt, erntet meist mitleidige Blicke und abfällige Kommentare. So kommt schnell der Eindruck auf, dass diese ostiranische Provenienz nicht sonderlich beliebt ist. Am ehesten wird die "mäßige Qualität" der Ware als Grund für das schlechte Standing genannt. Doch paradoxerweise gehört Moudh stets zu den meistverkauften klassischen Orientteppichen im Handel. Carpet XL zeigt, was es mit diesem verkannten Bestseller auf sich hat.

Um es vorwegzunehmen: Die Qualität der Moudh-Teppiche hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Doch ein einmal ruinierter Ruf ist nicht so einfach wiederherzustellen, vor allem, wenn er in der Verwendung minderwertiger Wollqualität begründet liegt. Bis zu Beginn der 1950er Jahre haben die Knüpfer der südöstlich der Kreisstadt Birdjend in der Provinz Khorassan gelegenen Stadt Moudh ausschließlich Wolle aus dem nahen Zabol verarbeitet. Sie war für die Bauern erschwinglich und taugte für den Eigenbrauch, war allerdings nicht sehr hochwertig. Zusätzlich wurde der Djufti-Knoten verwendet - ein Knoten auf vier Kettfäden, statt auf zweien -, wodurch die Hälfte des Materials gespart und der Teppich "leicht" wird und nicht sonderlich strapazierfähig ist. Die Teppiche, die aus dieser Zeit außerhalb des Landes gehandelt wurden, waren zwar preiswert, hielten aber selten lange.

Die Geschichte des Moudh

Geprägt ist das südliche Khorassan im Osten Irans von Landwirtschaft und Viehhaltung, Industrie ist dort kaum vertreten. Wie in vielen anderen Regionen, wurde zunächst ausschließlich für den Eigenbedarf geknüpft. Heute ist die Teppichproduktion ist heute eine wichtige Einnahmequelle.

Ein erstes Aufblühen erlebte Khorassan 1930: Als für den Palast des Schahs in der Provinzhauptstadt Mesched immer mehr herausragende Teppiche geknüpft wurden und sich diese Stadt im Norden der Provinz Khorassan zu einem renommierten Teppichproduktionsort entwickelte - einer Region, die heute zu den produktivsten des Irans gehört -, drang ihr guter Ruf auch bis nach Birdjend vor. Davon angeregt, gründete Ebrahim Aalam die East Company of Birdjand, entwickelte neue Muster und ließ seine Teppiche aus hochwertigeren Materialien fertigen. Bis dahin gab es in der Region Birdjend keine einheitliche Dessinierung, in jedem Dorf wurde ein eigenes Muster geknüpft.

Durch den Erfolg dieser Ware wurde das Interesse an den Teppichen in der Region um Birdjend immer reger und es fanden sich Nachahmer. Der bekannteste unter ihnen war Amini: Er entwickelte ca. 1950 das Muster von Aalam weiter, kreierte das Medaillon-Muster mit seinen kontrastreichen Farben, das noch heute zu den am bestverkauften Moudh-Designs gehört. Aminis Kreation war so erfolgreich, dass nicht mehr nur für den örtlichen Bedarf geknüpft wurde, sondern für den ganzen Iran und sogar für das Ausland. Dieser zweite Schub für den Moudh brachte erneut Nachahmer auf den Plan, die das "Amini"-Muster nachknüpften. Doch sie begingen einen fatalen Fehler: Statt wie Amini hochwertige Materialien zu verwenden, nahmen sie ihre minderwertige Wolle und knüpften nur das Muster nach. Da die schlechten Qualitäten deutlich in der Überzahl waren, wurde binnen kurzer Zeit der gute Ruf ruiniert. Mit diesem schlechten Ruf hat der Moudh noch heute zu kämpfen, obwohl die Qualität in den letzten 20 - 30 Jahren deutlich verbessert wurde und hochwertige Ware produziert wird.

Da die überwiegende Zahl der Teppiche in der Region Birdjend und den umliegenden Dörfern Dorokhsh, Moudh, Assiaban, Pirkhast, Darb Abbas, Derakht Tut, Seyyedan und Sirkouh geknüpft wurden und werden, müsste diese Provenienz eigentlich Birdjend heißen. Da Amini seine Teppiche in dem kleinen Dorf Moudh knüpfen ließ und dieser Name für hohe Qualität stand, wurden die Teppiche fortan Moudh genannt.

Unterschiede

Heutzutage werden Moudh in drei Variationen geknüpft, die sich in den verwendeten Motiven unterscheiden: dem Medaillon-Muster - mit dem Amini berühmt geworden ist -, dem Allover- sowie dem Felder-Muster.

Allen gemeinsam ist der im Iran einmalige Farbduktus: Durch die Verwendung von sehr kräftigem Blau und Rot, sowie Beige als Grund sind die Teppiche sehr kontrastreich. In den Medaillons werden zusätzlich Türkis und Pink als Akzentfarbe verwendet. Seine sehr farbenfrohe Erscheinung, das deutlich ausgearbeitete Medaillon und das Herati-Muster machen ihn besonders bei westlichen Konsumenten beliebt, er kommt der Vorstellung eines "typischen" Orientteppichs besonders nahe.

Der Medaillon-Moudh zeigt in der Mitte ein kreisrundes Sternmedaillon mit Ansätzen oben und unten. Das hellgrundige, meist hellbeige Innenfeld ist durchgemustert mit dem Herati oder Mahi-to-hos-Muster. In der gleichen Farbe wie das Medaillon runden Eckzwickel das Innenfeld ab. Die Hauptbordüre ist meist Rot gehalten und zeigt Palmetten und stilisierte Blütenmotive.

Das runde Sternmedaillon auf dem hellgrundigen Herati-Innenfeld ist und bleibt das bekannteste Dessin des Moudh. Praktisch alle Teppiche in den letzten Jahren geknüpften dieser Provenienz zeigen diesen kontrastreichen Farbduktus mit dem kräftigen Rot und Blau mit einem Beigen Fond.
Die Stadt Moudh liegt im Nord-Osten des Irans.
Auch wenn das Medaillon dieses alten Moudh schon sehr an die aktuellen Teppiche erinnert, weichen doch Farben, Bordüre und die Musterung des Innenfelds stark ab.
Dieser Felder-Moudh beweist, dass sich auch die Teppiche dieser Provenienz weiter entwickeln. Die Farbgebung ist weniger kontrastreich und gut an den momentanen Einrichtungsstil angepasst.

Der Allover-Moudh ist eine vereinfachte Form des beliebten Medaillon-Moudh. Hier werden Sternmedaillon und Eckzwickel bei der Musterung weggelassen. Das meist hellgrundige Herati-Muster füllt das meist hellgrundige Innenfeld aus.

Eine völlig andere Dessinierung trägt hingegen der Felder-Moudh: Sein Innenfeld zeigt das in mehreren iranischen Provenienzen beliebte Felder- oder Gartenmuster. In den rechteckigen Feldern finden sich verschiedene Motive wie Blumen-Buquets, Trauerweiden, Lebensbäume und andere florale Motive. Die Hauptbordüre zeigt naturalistische Tier- und Pflanzenmotive, wie Rehe, Vögel und Blumen.

Herstellung und Formate

Bei Kette und Schuss wird bei allen Varianten Baumwolle verwendet. Für den Flor wird in den letzten Jahren Wolle aus dem Westen Irans verarbeitet - aus Kurdistan und Aserbaidschan; früher wurde häufig die günstige regionale Wolle verwendet. In jüngster Zeit werden bei besonders hochwertigen Moudh Konturen in Seide ausgearbeitet. Der Flor ist für einen so fein gemusterten Teppich recht dick, weshalb der Moudh im Vergleich zu anderen Provenienzen einen weichen Griff hat.

Geknüpft wird der Moudh mit dem asymmetrischen Knoten, die Knüpfung ist geschichtet. Von der Rückseite sind Moudh auch an den weiß durchschimmernden Kettfäden zu erkennen. Produziert werden Teppiche aller Größen, besonders die vom Handel benötigten Standardgrößen bis hin zum Übermaß.

Doch warum hat sich der Moudh zum Bestseller entwickelt? Die Gründe sind vielschichtig: Die Teppiche sind nicht nur fein gemustert, sondern bieten zusätzlich solide Qualität zu einem günstigen Preis. Besonders im Vergleich zu den renommierten Provenienzen Bidjar und Täbriz ist der Moudh ein solider Mittelklasseteppich. An deren Qualität kommt er jedoch nicht ganz heran, diese aber auch nicht an seinen günstigen Preis.


Moudh

Andere Schreibweisen: Mud, Muud, Mood
Andere Bezeichnungen: Birdjend/Birdjand
Ursprungsland, Region: Nord-Ost-Iran, südlicher Teil der Provinz Chorassan, Moudh liegt südöstlich von Birdjend
Bedeutende Knüpforte um Birdjend herum: Dorokhsh, Mud, Assiaban, Pirkhast, Darb Abbas, Derakht Tut, Seyyedan, Sirkouh .
Bekannte Knüpfer der Birdjand-Produktion bis ca. 1950: Saadi, Amini, Zahrai, Naggash, Zamani, Abdolahzadeh, Malek, Asadi, Bazargan, Maroufian.
Musterduktus: Ausschließlich floral, sehr viele Alloverdessins, meist Herati
Farbgebung: Sehr starke Kontraste durch Verwendung von Rot und Blau
Knüpfdichten: 250.000 - 350.000 Knoten/m2

aus Carpet XL 01/10 (Teppiche)