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Matratzenindustrie

Kartellamt nimmt Preispolitik unter die Lupe


Große Aufregung bei neun Unternehmen der Matratzenbranche und der Einkaufsverbände: Anfang August klingelte das Bundeskartellamt bei ihnen, durchsuchte die Büroräume und beschlagnahmte vermeintliches Beweismaterial. Betroffen waren unter anderem der Möbel-Einkaufsverband MZE sowie die Matratzen-Anbieter Fey, Malie, Metzeler, Recticel (Schlaraffia) und Tempur. Der Vorwurf: Matratzen-Anbieter und Händler sollen eine vertikale Preisabsprache vereinbart, also Mindest-Verkaufspreise miteinander abgestimmt haben, bei Nichteinhaltung sollen Strafen gedroht haben.

Das Kartellamt bestätigte der Haustex, dass es in sechs Bundesländern Durchsuchungen gegeben habe. Bei einem Kartellrechtsverfahren handele es sich in der Regel um sehr komplexe Zusammenhänge, so dass es mehrere Monate dauern werde, bis man beim Kartellamt zu einer Entscheidung komme, erklärte Jana Zacharias vom Bundeskartellamt. Danach werden, sollte sich der Anfangsverdacht bestätigen, die betroffenen Firmen noch einmal gehört und anschließend wird ein Bußgeld festgelegt, gegen das gerichtlich vorgegangen werden kann. Zacharias betonte, dass es sich derzeit lediglich um einen Anfangsverdacht bei den betroffenen Firmen handele und bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung zu gelten habe.

Ausführlich reagierte die Firma Fey, die als betroffenes Unternehmen mit einer Medieninformation in die Offensive ging. "Die Geschäftsleitung von Fey & Co. ist sich keiner Schuld bewusst. Das Unternehmen hat auch nichts zu verbergen.... Den weiteren Ermittlungen sieht die Geschäftsleitung von Fey & Co. gelassen entgegen', erklärte das Unternehmen unter anderem. Markus Veutgen, Geschäftsführer von Recticel Deutschland erklärte gegenüber Haustex, dass er wegen des laufenden Verfahrens keine Aussagen dazu treffen könne. Jürgen Seipel, Geschäftsführer von Tempur Deutschland, mochte nur bestätigen, dass man aus den bekannten Gründen Besuch von Beamten des Bundeskartellamtes erhalten habe. Malie, Metzeler und MZE wollten sich zu der Angelegenheit nicht äußern.

Es stellt sich die Frage, warum das Kartellamt ausgerechnet die Matratzenbranche wegen vertikaler Preisabsprachen unter die Lupe nimmt, wo es in der Konsumgüter-Branche durchaus üblich ist, auf eine einheitliche Preisgestaltung im Handel zu achten, speziell bei hochwertigen Markenanbietern. Beim Kartellamt betonte man, dass man nun mal eben Hinweise darauf bei den Matratzenanbietern bekommen habe. Sollte es solche in anderen Branchen geben, würde man die selbstverständlich ebenfalls verfolgen.

Sitz des Bundeskartellamtes in Bonn: Hier werden die Unterlagen der Matratzenfirmen gesichtet.

Es gibt allerdings Vermutungen, dass ein in der Branche wohl bekannter Internet-Versender dem Kartellamt entsprechende Hinweise gegeben haben könnte. Dieses Unternehmen bietet auf seiner Homepage Produkte von Marken an, die gar nicht zu den Lieferanten gehören. Zahlreichen Matratzen-Firmen ist dieses Unternehmen nämlich ein Dorn im Auge, da es mit Preisen arbeitet, die deutlich unter den empfohlenen Verkaufspreisen liegen. Verständlich, dass sie im Interesse des Marken-Images den Versender deshalb nicht beliefern wollen. Dessen ungeachtet nimmt der Versender Bestellungen für diese Artikel an, nur um später mit Bedauern auf zu lange Lieferzeiten aufmerksam zu machen, die den Lieferanten geschuldet seien. Im gleichen Atemzug bietet er als vermeintlich günstigere Alternative ein eigenes Produkt an. Auffällig sei zumindest, dass Firmen wie Dunlopillo oder Breckle, die mit diesem Händler zusammen arbeiteten, keinen Besuch vom Kartellamt erhalten hätten, erklärte ein Branchenkenner.

Der Matratzen-Verband wurde nach Bekanntwerden der Durchsuchung offenbar mit Anfragen bombardiert, die Telefone waren teilweise überlastet. Allerdings konnte er aufgrund seiner Statuten nicht recht zur Aufklärung beitragen. Dr. Ulrich Leifeld, Geschäftsführer des Verbandes, betonte, dass es sich bei den Untersuchungen nicht um Preisabsprachen zwischen den Matratzenherstellern handele. Befragt nach der Gefahr, dass Konsumenten aufgrund der Berichterstattung jetzt davon ausgehen würden, dass Matratzen allgemein zu teuer angeboten würden, erklärte man, dass im Gegenteil die Tendenz dahin gehe, Matratzen zu sehr über den (roten) Preis zu verkaufen. Der Verband setze sich schon seit Jahren dafür ein, statt durchgestrichener Preise argumentativ mehr auf die Wertigkeit der Matratze und die verwendeten Materialien einzugehen.

Der Verband der Bettenfachgeschäfte legt Wert auf die Feststellung, dass der Bettenfachhandel von der Durchsuchung genau so wenig betroffen sei wie die Einkaufsverbände ABK und Bettenring: "Fachkundige Beratung und reelle Preise erwarten den Kunden nach wie vor im Bettenfachgeschäft.'

aus Haustex 09/11 (Matratzen, Betten, Wasserbetten)