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50 Jahre Garant-Möbel

Von Anfang an der Zukunft verpflichtet

Rheda-Wiedenbrück - Ein 50. Jubiläum ist mehr als die mathematische Differenz zwischen Gründungsjahr und Jetztzeit. Die Keimzelle der Garant-Möbel-Gruppe in Rheda-Wiedenbrück, die Firma Garant-Möbel Architekt Josef Lauten, ging 1956 an den Start. Das Gründungsdatum jährt sich mithin zum 50. Mal. Und die zeitliche Zäsur bilanziert ein stolzes Ergebnis. Versammelte die Gründung rund 180 Händler in der neu geschaffenen lnteressensgruppe, beläuft sich die Zahl der aktuell vergebenen Lizenzen auf rund 3.300 in Deutschland sowie in 19 weiteren Ländern. Die in der Garant-Möbel-Holding AG mit ihren Vorständen Franz Hampel und Horst Paetzel konsolidierte Garant-Möbel-Gruppe gilt heute als die am breitesten international aufgestellte Marketinggruppierung innerhalb der deutschen Möbelbranche.

Die Unternehmensgründung vor 50 Jahren schrieb allerdings nicht die ersten Zeilen in das eigene Geschichtsbuch. Die Selbständigkeit von Josef Lauten geht auf das Jahr 1937 zurück. Lauten, 1910 in Wachendorf im Kreis Euskirchen geboren, absolvierte in Euskirchen seine Lehre als Bildhauer. Eine zweite Berufsausbildung zum Tischler schloss sich in Beckum an. An der damaligen Tischlerfachschule Beckum erwarb er anschließend sein Diplom als Innenarchitekt. Ausreichend Arbeit allerdings gab es auch für gut ausgebildete Leute nicht, so dass Josef Lauten zunächst Italien vom Norden über Rom bis in den tiefen Süden einschließlich Sizilien durchwanderte. Daran schließen sich Tätigkeiten in einem Möbelhaus in Oberbayern und als angestellter Möbelentwerfer an, bis ihn der Ruf als Lehrbeauftragter an die Fachschule Beckum ereilt, was ihn in seinen jungen Jahren allerdings nicht ausfüllt.

Am 1. Oktober 1937 wagte er den Sprung in die Selbständigkeit. Mit seiner Firma "Architekt Josef Lauten" gründete er sein eigenes Entwurfsbüro, übernahm interessante Gestaltungsaufgaben im öffentlichen Bereich und startete seine Karriere als Möbelentwerfer. In den folgenden 20 Jahren summiert sich die Zahl der Möbelhersteller auf 400, für die er Möbelmodelle und stilgerechte Ornamente entworfen hatte.

Fast als logische Konsequenz folgte, dass sich der Designer Josef Lauten für die Vermarktung der von ihm entworfenen Modelle interessierte. Zusammen mit Geschäftsfreunden, von denen er sich ein Jahr später bereits wieder trennte, gründete er 1956 die Firma "Garant-Möbel Architekt Josef Lauten". Die Gründungsidee: Mittelständische Möbelhändler sollten mit Exklusiv-Modellen die Möglichkeit erhalten, sich im Markt durch Alleinstellungsmerkmale zu profilieren.

Die ersten zehn Jahre

Es ist der langjährigen Branchenerfahrung von Josef Lauten zuzuschreiben, dass er bereits bei Verbandsgründung 184 Händler zu seinem Abnehmerkreis zählen konnte. So bilanzierte das Rumpfgeschäftsjahr 1956 auf Anhieb 228.000 DM Umsatz auf Basis von Händler-Einkaufswerten der Eigenmodelle. Schon drei Jahre später wurden mit 222 Handelspartnern rund 3,3 Mill. DM Umsatz geschrieben, der sich bis 1962 bei nur gering gestiegener Mitgliedszahl auf 5,5 Mill. DM steigerte. Das schnelle Umsatzwachstum und der damit gestiegene Arbeitsaufwand waren guter Grund, 1962 das Büro aus dem privaten Wohnhaus in das neu erbaute Verwaltungsgebäude in der Fürst-Bentheim-Straße in Rheda zu verlegen. Garant-Möbel trug damit der Ausweitung des Leistungsspektrums für Handels- und Industriepartner konsequent Rechnung.

Doch 1963 musste das noch junge und erfolgreiche Unternehmen einen deutlichen Umsatzeinbruch verkraften. Es war das Jahr, in dem in der laufenden Legislaturperiode Ludwig Erhard die Nachfolge von Konrad Adenauer antrat, das Bruttosozialprodukt nach exorbitanten Steigerungen in den Vorjahren nur noch um sechs Prozent zulegte, die Industrieproduktion mit einem Plus von 2,9 Prozent zufrieden sein musste und der Wechselkurs zum amerikanischen Dollar erstmals unter vier Mark lag. Der Umsatz mit den Garant-Möbel-Eigenmodellen brach 1963 um 40 Prozent ein. Die Marktnotwendigkeiten zwangen dazu, aus dem einst reinen Modellverband einen konditionsorientierten Großeinkauf des Möbelhandels mit vollständiger Servicepalette zu entwickeln. Wie richtig dieser Schritt war, zeigt das Jahresergebnis von 1966: 168 Handelspartner erwirtschafteten gegenüber Garant-Möbel einen Umsatz von 13,2 Mill. DM.

25 Jahre Garant-Möbel

Die eingeleitete positive Entwicklung überdeckte auch die erste Konjunktur- und Strukturkrise 1967, in dem das Bruttosozialprodukt nur noch um 1,3 Prozent zunahm. Garant-Möbel wuchs bis 1972 auf 233 Mitgliedshäuser, die 24,7 Mill. DM Umsatz repräsentierten.

Nach Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums mit Schwerpunkt Marketing an der Universität in Münster trat Hans-Dieter Lauten 1972 als diplomierter Kaufmann in das von seinem Vater gegründete und mittlerweile zur Kommanditgesellschaft gewordene Unternehmen ein. 1975 gründete Lauten die Garant-Möbel Service GmbH & Co. KG als künftige Zentralregulierungsstelle des Verbandes. 1981 folgte die Garant-Möbel Marketing Lauten GmbH. Bei beiden Gesellschaften war Hans-Dieter Lauten von Anfang an gleichberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer. Zum 25. Garant-Möbel-Jubiläum im Jahr 1981 weihte man das neue Verwaltungsgebäude an der Hauptstraße in Rheda-Wiedenbrück ein. In diesem Jubiläumsjahr zählten bereits 327 Anschlusshäuser einschließlich Filialen zu der Verbundgruppe.

Garant Holding GmbH
Die Garant-Möbel-Zentrale in Rheda-Wiedenbrück.
Garant Holding GmbH
Franz Hampel, Vorstandsvorsitzender der Garant-Möbel-Holding AG.
Garant Holding GmbH
Horst Paetzel, Vorstand Garant-Möbel-Holding AG.

Meilensteine des Wachstums

1986 überschritt die Mitgliederzahl erstmals die 400er Marke. Weil aber erkennbar war, dass Wachstum auf Dauer nicht mehr automatisch folgen wird, reiften die ersten Gedanken, ein strategisches Programm unter dem internen Arbeitstitel "Garant-Möbel 2000" aufzulegen. Zwei gravierende Tatsachen sprachen für diesen Umdenkungsprozess. Mit 400 Häusern, denen allen ein Gebietsschutz zugesagt war, ließ sich der Umsatz nur noch im Rahmen des allgemeinen Wirtschaftswachstums stabilisieren. Zum Zweiten vollzog sich ein immer deutlicher erkennbarer Wandel der Konsumgewohnheiten, dem nur mit einem breiter gefächerten Angebot begegnet werden konnte.

Die ersten Umrisse für die Notwendigkeit einer Modulstrategie nahmen Gestalt an. 1986 wurde die MDM Markt-, Daten- und Medien-Service GmbH ins Leben gerufen, die als Lizenzgeber für neue Vertriebsstrategien eingesetzt werden sollte. Es dauerte noch drei Jahre, bis 1989 aus den traditionellen Garant-Möbel-Händlern die Partner im ersten Modul "Garant für gutes Wohnen" wurden.

1994 folgten dann Module im Doppelpack. Mit "Morgana - Garant für guten Schlafkomfort" zielte man auf Expansionschancen im Sektor der Bettenfachgeschäfte. Mit "Patio - Wohnart ganz natürlich" trug Garant-Möbel dem Trend zum mediterranen Wohnen Rechnung. Dem immer stärker werdenden SB-Handel mit Möbeln widmete sich das Modul "SB-Möbel". Und aus dem so genannten Möbel-Einkaufsring, dessen Mitglieder bisher auf jede Marketing-Unterstützung verzichteten, wurde das Modul MER.

1997 erweiterte das seit 1991 unter Leitung von Horst Paetzel stark wachsende "Küchen-Areal" seine Aktivitäten um das Modul "Bad Perfect". Und im Jahr 1997 wurden die Bereiche Küche und Bad in die neu geschaffene Gesellschaft, Küchen Marketing MDM GmbH, ausgegliedert, als deren Geschäftsführer Horst Paetzel und Franz Hampel zeichneten. 2001 folgte neben "Morgana" die Vermarktungsalternative unter der neuen Handelsmarke "Notturno".

Das Jahr 2004 nutzte die Garant-Möbel-Gruppe, um die Marketing-Struktur zukunftsorientiert auszurichten und die Modulstrategie innerhalb der unterschiedlichen Marktsegmente straff abzugrenzen. Während die Module "SB-Möbel" und MER die Einstiegsstufe darstellen, deckt das Modul "Garant für gutes Wohnen" die Marktmitte ab. Im oberen Drittel positionieren sich die Module "Patio" und "Wohndesign". Um die Marktströmung von unten nach oben auch in den Modulen darzustellen, erhält jedes Modul ein Einstiegs-, Aufbau- und Aufstiegssortiment. Durch die so gewollt erzeugten Sortimentsüberschneidungen im Bereich Einstieg und Aufstieg kam es zu einer Straffung des Angebotes einschließlich der daraus folgenden Lieferantenkonzentration.

Gleichzeitig wird das Know-how der spezialisierten Module genutzt. Das Modul "Küchen-Areal" stellt seine Erfahrungen den Küchenabteilungen in Vollsortimentshäusern zur Verfügung, die Bettenspezialisten tragen dazu bei, den Umsatz der Schlafzimmerabteilungen in den Möbelhäusern zu optimieren. "Trends & Trade" bündelt unter anderem die Event-Veranstaltungen im Handel. Entsprechend geordnet wurde das Modulmanagement. Für "SBMöbel" und MER zeichnet Lars Eichwald verantwortlich. Das Modulmanagement für "Garant für gutes Wohnen" obliegt Herbert Brummel. Joachim Jacobsen verantwortet die Module "Patio" und "Wohndesign". Unverändert bleibt das Modulmanagement für "Küchen-Areal" bei Dieter Danisch, für "Bad Perfect" bei Peter Tornow und für "Morgana" und "Notturno" bei Hans-Jörg Koch. Das Modul übergreifende Sortimentsangebot von "Trends & Trade" betreut seit Anfang 2006 Carsten Lenz.

Zu Beginn des Jubiläumsjahres 2006 repräsentiert die Garant-Möbel-Gruppe in Deutschland insgesamt 1.745 Modullizenzen innerhalb der Möbel-, Küchen-, Bad- und Einrichtungsbranche. Außerhalb Deutschlands ist die Gruppe in 19 Ländern mit rund 1.600 Lizenznehmern in den unterschiedlichen Modulen aktiv. In ihrer Dienstleistungszentrale in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt Garant-Möbel rund 80 Mitarbeiter.

aus Haustex 06/06 (Wirtschaft)