Dr. Matthias Krull über den Dekorpapiermarkt 2021

"Drei Gründe sorgen für einen überhitzten Markt"


Ende 2020 stieg die Nachfrage nach Dekorpapier stark an - ein Ausgleich der coronabedingten Stillstände aus dem zweiten Quartal. Und dies erfährt aktuell eine nie dagewesene Fortsetzung: Wir erleben derzeit einen überhitzten Markt, der die Nachfrage nicht ausreichend mit den gewünschten Mengen in der geforderten Zeit bedienen kann. Begründet ist dies in der Corona-Pandemie; sie hat einige Veränderungen im Verbraucherverhalten bewirkt und davon profitiert unsere ganze Branche. Drei Hauptfaktoren treiben die Kaufbereitschaft an: die elastische Nachfrageentwicklung, der Cocooning-Effekt und das verfügbare Einkommen.

Ersteres zeigt sich daran, dass im vergangenen Jahr eine Kaufentscheidung getroffen wurde, zum Beispiel für einen neuen Laminatboden oder eine neue Küche, die jedoch aufgrund des Lockdowns nicht sofort umgesetzt werden konnte, aber nicht gestrichen, sondern aufgeschoben wurde und jetzt nachgeholt wird - zusätzlich zum üblichen Bedarf. Diese Überschneidung führt zu einer Überhitzung des Marktes.

Dazu kommt der Cocooning-Effekt: Wenn man nicht reisen kann und gezwungen ist, den Großteil seiner Zeit inklusive des Arbeitslebens zu Hause zu verbringen, will man den Lebensmittelpunkt, also das Zuhause, möglichst komfortabel einrichten. Durch die Nachfrage nach Wohn-, Homeoffice- und Küchenmöbeln wie auch Laminatböden und Türen im Renovierungsbereich erhöht sich auch der Bedarf an Dekorpapier.

Und damit verbunden ist der dritte Punkt: Da keine Ausgaben für Urlaub, touristische Reisen und Unterhaltung anfallen, steht das verfügbare Einkommen der Haushalte eher für Renovierungen und Möbelanschaffungen zur Verfügung. Zusätzlich gestützt wird dies durch staatliche finanzielle Maßnahmen, die zur Vermeidung hoher Arbeitslosenzahlen und Einkommensicherheit beitragen sollen.

Zu Beginn des Jahres 2021 meldete die Möbelindustrie einen Auftragsvorlauf bis zum Sommer 2021. Inzwischen werden schon Termine für das kommende Jahr aufgerufen. Die Holzwerkstoffindustrie arbeitet daher mit höchster Auslastung. Die Zulieferer wie Dekorpapierhersteller sind für Monate ausgebucht; dies alles basiert auf einer starken Erholung seit der zweiten Jahreshälfte 2020, aber auch der immer noch anhaltenden Unsicherheit und Einschränkungen in vielen Lebensbereichen durch Covid 19.

Generell könnte ein starker Markt als eine sehr gute Nachricht und ermutigend angesehen werden, jedoch ergeben sich aus der aktuell hohen Nachfrage mehrere Schwierigkeiten: Eine Verknappung, die wiederum zu längeren Lieferzeiten und schnell steigenden Rohstoffkosten führt. Wir kämpfen also mit Versorgungsengpässen auf Rohstoffseite und sehen uns gleichzeitig mit einer Kostenexplosion konfrontiert. Das verschärft die Lage nochmalig, weil es für einen zusätzlichen Nachfrageimpuls aus zwei Gründen sorgt: Zum einen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit, zum anderen dem Versuch der Beschaffung noch vor der nächsten Preiserhöhung. Die kurzfristigen Aussichten bleiben schwierig.
aus Parkett Magazin 05/21 (Wirtschaft)