Eurobaustoff steuert erneut auf Rekordjahr zu

"Wir gehen mit einem guten Gefühl ins Jahr 2022"

Die Eurobaustoff hat seit 2015 ein rasantes Wachstum realisiert: In den letzten fünf Jahren konnte die Kooperation ihren Umsatz kumuliert um 40 % steigern. 2021 entwickelt sich erneut zum Rekordjahr, in dem locker die 8 Mrd. EUR-Hürde genommen werden dürfte. Auch für 2022 ist die dreiköpfige Geschäftsführung um Dr. Eckard Kern zuversichtlich. Eins der Kernprojekte für das neue Jahr ist die Ausweitung der Eigenmarke Prima auf neue Sortimente wie Bodenbeläge.

Auf der Jahrespressekonferenz der Eurobaustoff konnten Dr. Eckard Kern, Vorsitzender der Geschäftsführung, und seine Kollegen Hartmut Möller (Geschäftsführer Gesellschafter, Einkauf, Ländergesellschaften Österreich und Schweiz) und Jörg Hoffmann (Geschäftsführer Finanzen) wieder von einer ausgesprochen positiven Entwicklung der Kooperation berichten. Per 30. September lag das Einkaufsvolumen der 452 Gesellschafter um 13,5 % über dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr ging Kern von einem Anstieg auf 8,3 Mrd. EUR aus - das wären ca. 800 Mio. EUR mehr als 2020. "In den letzten fünf Jahren konnten wir kumuliert ein Umsatzplus von 40 % erzielen", sagte er nicht ohne Stolz, "das ist toll, weil es uns die Möglichkeit gibt, Projekte zu realisieren, für die wir Geld brauchen, vor allem im Bereich Digitalisierung."

Preiserhöhungen treiben den Umsatz

Wobei Kern nicht verhehlte, dass externe Faktoren das Geschäft beeinflussen. "2021 bleibt für uns das Jahr der Sondereffekte. Dazu zählen die anhaltenden Materialengpässe und damit verbunden eine teilweise sprunghafte Preisentwicklung in vielen Warenbereichen." Möller ergänzte: "Wir müssen sehr genau hinschauen und analysieren, was das Wachstum in den einzelnen Segmenten derzeit ausmacht: Menge oder Preis." Und Hoffmann fügte hinzu: "Unser zweistelliges Umsatzplus bleibt in erster Linie durch Preiserhöhungen bestimmt, der Mengenabsatz entwickelt sich größtenteils weiter stabil."

Leicht lief es 2021 trotz der guten Zahlen nicht. "Die Warenverfügbarkeit Anfang des Jahres war eine Katastrophe", erinnerte sich Kern. "Das hat an den Nerven gezehrt." Zweites Thema waren die Preiserhöhungen. Wie eklatant diese zum Teil waren, machte er am Beispiel Holz deutlich: "+ 60 % haben die Preise bei Holz angezogen bei - 12 % in der Menge, das kann man fast nicht mehr händeln."

Möller ging in den Warenbereichen ins Detail. In allen habe die Eurobaustoff Pluszahlen erreicht, Ausschläge registrierte er in zwei Segmenten: Erstens bei Bauelementen durch die extremen Verteuerungen, derzeit gäben die Preise aber wieder drastisch nach, unter anderem aufgrund der hohen Lagerbestände im Fachhandel und Handwerk. Zweitens bei Trockenbau/Dämmstoffen, wo bei guter Auftragslage weitere Preiserhöhungen zu verbuchen seien. "Die galoppierenden Kosten" für Gips, Karton und Silikone sorgen hier für ein anhaltend hohes Preisniveau. Die Fliese wiederum sei gut verfügbar, aber die höheren Herstellkosten durch zweistellige Energiepreissteigerungen würden sich in den Preisen niederschlagen. "Hier stellt sich die Frage nach Substituten", warf Kern ein. Der Einzelhandel hinkt mit einem "nur" einstelligen Zuwachs etwas hinter, was aus der schwierigen Warenversorgung aus Fernost resultiert.

Auch im Ausland erfolgreich

In Österreich und der Schweiz hat sich das Geschäft 2021 ebenfalls positiv entwickelt, in Österreich (+ 20 %) noch etwas stärker als in der Schweiz (+ 10 %), berichtete Möller. Geringere Aktivitäten und einzelne Projekte betreibt die Eurobaustoff in den Niederlanden, Schweden und Luxemburg, Deutschland macht aber mit 90 % weiterhin den Löwenanteil aus. Der Gesellschafterstamm ist stabil mit gut 450Unternehmen, die aktuell ca. 1.600 Standorte unterhalten. 2022 erwartet die Eurobaustoff einige Neuzugänge.

Für 2022 ist die Führungsriege zuversichtlich, auch weil die "Branche grundsätzlich intakt ist". "Deutschland ist noch nicht gebaut und birgt unter dem Strich mehr Chancen als Risiken". Kern glaubt auch, "dass sich das Thema Warenverfügbarkeit löst". "Wir gehen mit einem guten Gefühl ins neue Jahr."

Ein Projekt, das dieses gute Gefühl stützt, ist die Ausweitung der Handelsmarke Prima mit neuen Produkten, darunter auch Bodenbeläge - Parkett, Laminat, Vinyl. Bewusst hat man in Bad Nauheim auf renommierte, europäische Lieferanten gesetzt, weil eine gleichbleibende, hohe Qualität der Ware zum einen und Verfügbarkeit zum anderen gesichert sein sollen. "Es ist nicht unser Konzept, möglichst billig mit Eigenmarken zu sein", sagte Möller nachdrücklich. Zu den Sortimenten bietet die Eurobaustoffe ein umfangreiches Paket an Verkaufsunterstützung: für die stationäre Ausstellung ebenso wie für die digitale Darstellung. Start ist am 1. Januar 2022.

| Claudia Weidt


Geschäftsentwicklung in den Warenbereichen
*per 30. September 2021

Gesamt +13,5 %
Technischer Einkauf +24,5 %
Trockenbau/Dämmstoffe +22,3 %
Tiefbau/Galabau +14 %
Dach & Fassade/Baumetalle +13 %
Fliesen +7,4 %
Einzelhandel +5 %
Hochbau +4,7 %
aus Parkett Magazin 01/22 (Wirtschaft)