100 Jahre Weberei Hohmann

"Zukunft beginnt täglich neu"

Der Name Hohmann ist ein Synonym für Erfolg. Wenn die Weberei heute auf 100 Jahre Firmengeschichte zurückblicken kann, ist dies das Resultat von Fleiß und Mut, Unternehmergeist und Innovationskraft auf dem Fundament traditionellen Handwerks. Stets hat sich das Familienunternehmen an veränderte Marktbedingungen angepasst und in neue Produkte und Techniken investiert - allein in den letzten drei Jahren 16 Mio. EUR. Heute werden mit 125 Mitarbeitern jährlich 20 Mio. qm Stoff produziert, die primär an die Industrie, Verlage und den Großhandel gehen, aber auch an Fachmärkte und Discounter.

Im Südosten Deutschlands, inmitten der reizvollen waldreichen Hügellandschaft Oberfrankens, liegt die wohl noch einzige funktionierende Textilregion der Republik. Hier sind vor allem viele Webereien ansässig, manche bereits seit mehreren Generationen - wie das 1907 gegründete Familienunternehmen Hohmann. Die Faszination für Stoffe, die Kompetenz für hochwertige Textilien und das stetige Eingehen auf die Bedürfnisse des Marktes ziehen sich wie ein roter Faden durch die 100jährige Firmengeschichte.

Seit 1994 führt Martin Buchta den Betrieb in der vierten Generation, wobei ihm Seniorchef Karl Hohmann mit fast 80 Jahren noch hilfreich zur Seite steht. Und das familieninterne Zusammenspiel zwischen dem studierten Textil-ingenieur und seinem Onkel funktioniert bestens: Trotz der schwierigen Zeiten für die Textilindustrie steht Hohmann auf einer soliden, gesunden Basis und verfügt bei einem konstanten Umsatz von 30 Mio. EUR auch über ausreichend Kapital, um sich für die Zukunft zu rüsten. Gewinne werden re-investiert und für Modernisierungen aufgewendet, allein in den letzten drei Jahren an die 16 Mio. EUR: für 96 neue Webstühle, 10 Zwirnmaschinen, die Erneuerung der Schaftweberei und eine neue 5.000 qm-Halle. Jüngster Neuerwerb sind 6 Jacquard-Webstühle, mit denen 88fädige, besonders feine Jacquards und Crepe-Gardinen gefertigt werden können. Damit gilt Hohmann heute als eine der modernsten Webereien Europas. Produziert wird ausschließlich am Standort Helmbrechts-Bärenbrunn, nicht im Ausland. Den Kostenfaktor habe man dabei im Griff, heißt es. So habe es während der gesamten Historie nicht einmal Preiserhöhungen im laufende Sortiment gegeben, sondern Verteuerungen seien immer durch Rationalisierungsmaßnahmen aufgefangen worden. "Und wir haben in 100 Jahren nie Kurzarbeit gehabt", betont Karl Hohmann.

Mit einem ebenso breiten wie tiefen Angebot ist Hohmann als typischer Buntweber gut aufgestellt am Markt: Aus eigener Produktion stammen Organza und Voiles, Drehergewebe und Inbetweens, Scherlis, weiße, farbige und bedruckte Gardinen, Druckdekos, Jacquards und Möbelstoffe. Dabei stellt Buchta einen leichten Rückgang im Druckbereich fest, während Möbelstoffe, langsam, aber stetig wüchsen. Dreherstores und feinfädige transparente Jacquards gelten als Spezialitäten im Sortiment. Die Ware ist qualitativ hochwertig, bei Preislagen im konsumigen bis mittleren Bereich.

Vom Entwurf eines Stoffes bis zum fertigen Gewebe erfolgen alle Produktionsschritte im Stammsitz Helmbrechts. Auf modernsten Webmaschinen werden täglich rund 45.000 laufende Meter Stoff produziert. Mit dem 5.000 qm -Neubau arbeitet Hohmann auf einer Fläche von 30.000 qm mit insgesamt 330 Dornier-Webmaschinen. Mit dem eigenen Atelier können Sonderwünsche oder spezielle Eigendessins innerhalb kurzer Zeit realisiert werden. Die Fertigung erfolgt nach neuesten technologischen Standards, unter anderem mit 200 Dornier Greifer-Webmaschinen im jüngsten Neubau. Neben dem reinen Webvorgang werden sämtliche Produktionsschritte von der eigenen Garnherstellung in der Zwirnerei, der Schärerei, das Waschen, vom Drucken bis hin zur Appretur, Bleibandkonfektion und Endaufmachung im eigenen Betrieb ausgeführt. In der Zwirnerei werden monatlich rund 75 Tonnen produziert - lediglich Effektgarne wie Bouclés werden dazugekauft. In der Regel wird dreischichtig an fünf Tagen in der Woche gearbeitet. Teilbereiche wie die Zwirnerei aber laufen durch - auch in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen.

Karl Hohmann und Martin Buchta bekennen sich klar zum Produktionsstandort Deutschland - genauer gesagt: Oberfranken. "Zum einen hat man hier am Ort alles im Griff, hat den Überblick, man ist innerhalb weniger Minuten an jedem Fleck". Personalkosten seien dabei kein Problem, da Hohmann keine lohnintensiven, sondern eher kapitalintensive Arbeitsplätze habe. "Ein Weber bedient bis zu 34 Maschinen. So sind die direkten Personalkosten pro Meter Stoff in der Weberei relativ gering". Außerdem weiß Martin Buchta die Verfügbarkeit der Fachkräfte in der Textilregion Oberfranken zu schätzen, die größtenteils selber ausgebildet werden und vielfach aus Familien kommen, die seit Generationen in Webereien arbeiten. So wurde über Jahre ein zuverlässiger Mitarbeiterstamm aufgebaut. Zwischen der hochqualifizierten Belegschaft und der Unternehmensführung herrscht ein Verhältnis gegenseitiger Loyalität. Viele Werksmitarbeiter leben in einer der 51 betriebseigenen Wohnungen, die in herrlicher Lage in Bärenbrunn gebaut wurden.

Auch die textile Tradition ist ein wichtiges Argument für den Standort. "Man merkt an der textilen Infrastruktur wie den Zulieferern, Färbern, der Verfügbarkeit der Reparaturteile, dass die Region gewachsenes Textilzentrum ist." Service-Techniker der Maschinenhersteller sind in der Gegend ansässig, so dass Reparaturen kurzfristig durchgeführt werden.

Die aktuelle Kollektion umfasst rund 600 verschiedene Gardinen, Deko- und Möbelstoffe in jeweils 5 bis 6 Farben plus Unis, mit dem Schwergewicht auf Dekos und Gardinen. Zweimal im Jahr - zur Heimtextil und zum Juli - wird neu kollektioniert. Hohmanns Textildesigner entwickeln dazu jeweils ein großes Repertoire von klar bis verspielt, von klassisch bis modisch, aber immer mit Blick auf die aktuellen Trends.

Als Herbstneuheit kommen Gardinen und Dekos mit ausgefallenem Flockdruck, raumhohe Dekos mit Matt-Glanz-Effekten und Seidencharakter sowie Voiles und Doppelgewebe. In der Colorierung ist Rot noch immer stark vertreten, neue Trendfarben sind Anthrazit, Creme, Schwarz-Weiß und Pastelltöne wie Rosé, Flieder und Türkis.

Neben der Produktion befindet sich auch Verwaltung, Showroom und das moderne Hochreallager in dem rund 30.000 qm großen Betriebsgebäude, das durch seine charakteristische Brücke auffällt, die die beiden Ortschaften Ochsenbrunn und Bärenbrunn miteinander verbindet. Das moderne Hochregallager mit großzügigem Bestand - hier sind rund 4 Mio. Lfm untergebracht - garantiert sofortige Lieferfähigkeit. So sieht man sich in der Lage, flexibel und schnell auf spezielle Kundenwünsche zu reagieren. "Außerdem können wir so über alle Produktionsstufen hinweg den hohen Qualitätsstandard garantieren und direkt steuern", erklärt Buchta. Der Showroom wird zweimal im Jahr neu dekoriert - jeweils mit den Stoffen der neuen Kollektion.

Auf dem Heimmarkt Deutschland werden 60 % des Umsatzes erzielt. 16 freie Handelsvertreter, 10 kaufmännische Mitarbeiter im Innendienst sowie Verkaufsleiter Dirk Langnickel betreuen die Kunden aus Industrie- und Objektbereich. Da Hohmann nicht im Coupon liefert, sondern mit 33 m-Ballen bzw. Rollen im Stückgeschäft agiert, sind Großhandel, Verlage, gutsortierte Fachmärkte und Discounter die Haupt-Zielgruppe der Oberfranken.

Der Export hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und erreicht inzwischen einen Anteil von 40 % - mit weiterhin steigender Tendenz. Hauptabsatzmärkte sind die EU-Länder, Osteuropa und in steigendem Maße Fernost. Neben Büros in Polen und dem Baltikum unterhält Hohmann seit 18 Monaten auch ein Verkaufsbüro in Moskau, ist seit Anfang 2007 zudem in Peking mit einem Büro vor Ort vertreten. In anderen Ländern weltweit wird mit Handelsvertretern gearbeitet. Auf den Export will man sich in den kommenden Jahren verstärkt konzentrieren, insbesondere der Osten und China sollen weiter ausgebaut werden. Außerdem will man die arabischen Länder und den Mittleren Osten in Angriff nehmen.

Die bedeutendste Messe ist für Hohmann die Heimtextil in Frankfurt. Außerdem ist das Unternehmen bei der Comfortex in Leipzig und der Decosit in Brüssel vertreten - zu einem unübersehbares Erkennungszeichen sind inzwischen die Stoffzelte geworden, in denen auf den Messen die Verkaufsgespräche stattfinden.


Weberei Hohmann Telegramm

Weberei Hohmann GmbH & Co KG
Bärenbrunn 4
95233 Helmbrechts
Tel.: 09252/7000
Fax: 09252/3100
EMail: info@hohmann-weberei.de
www.hohmann-weberei.de

Gründungsjahr: 1907 durch Johann Hohmann
Gesellschafter:Karl Hohmann, Martin Buchta, Edeltraud Heidemann
Geschäftsführende Gesellschafter: Karl Hohmann, Martin Buchta
Verkaufsleitung: Dirk Langnickel
Technische Betriebsleitung: Udo Schmidt
Umsatz: 30 Mio EUR
Exportquote: 40 % mit steigender Tendenz
Exportländer: EU-Länder, Osteuropa, Fernost Verkaufsbüros in Polen und dem Baltikum, in Moskau und Peking
Mitarbeiter: 125, sowie 16 freie Handelsvertreter, 4 Textilingenieure, 2 Designer, 3 Disponenten, Betriebsleiter

Sortiment: Organza, Drehergewebe, Voile, Inbetweens, Druckgardinen- und dekos, Naturdekos, stückgefärbte Stoffe, buntgewebte Jacquards und Möbelstoffe, Trevira CS-Stoffe - insgesamt 5.000 Positionen

Spezialität: Dreherstores und feinfädige transparente Jacquards.

Kunden: Industrie, Großhandel, große Verlage, gutsortierte Fachmärkte, Discounter

Produktionsfläche: 30.000 qm
Produktionsmenge: 45.000 lfm pro Tag, 20 Mio. qm Stoff pro Jahr, 70 t Garn monatlich in der Zwirnerei
Maschinenpark: 330 Dornier Webmaschinen sowie Schaft-, Zwirn- und Schärmaschinen, Bleikonfektion, Appretur/Spannrahmen
Lagervolumen: 4 Mio. lfm
Stärke: hohe Produktionskapazität (45.000 lfm. am Tag), Vollstufigkeit in der Produktion, schnelle Lieferfähigkeit, breit angelegte Kollektion
Besondere Serviceleistungen: große Lagerhaltung, schnelle Lieferung per Rolle/im Stück.
Messen: Heimtextil, Decosit, Comfortex

Hohmann Historie

1907: Gründung der Webwarenmanufaktur in Bärenbrunn durch Johann Hohmann. Zu dieser Zeit werden hauptsächlich Leinen und Wolle verwebt für Tischwäsche, Kinderstoffe und DOB
1924: Umstellung von der Handweberei auf mechanische Weberei
1938: 16 Webmaschinen. Karogemusterte Stoffe für DOB und Kinderkleidung weiter im Aufwind. Verkauf erfolgt durch Vertreter in Berlin und Sachsen
1945: Nach dem 2. Weltkrieg geht es mit 5 Webmaschinen weiter, da es an Ersatzteilen fehlt
1960: Pflegeleichte Kunst- und Polyesterfasern wie Dralon und Diolen erobern den Markt. Die Karostoffe sind nicht mehr gefragt. Hohmann errichtet eine Jacquard-Weberei und stellt auf Gardinen- und Dekostoffe um
1969 Phase des großen Ausbaus: Neue Betriebshallen, Lager und Büros entstehen. In den folgenden 20 Jahren versechsfacht sich die Produktionsfläche von 5.000 auf mehr als 30.000 Quadratmeter
1974: Erster eigener Spannrahmen und damit zugleich erster Schritt in Richtung Vollstufigkeit.
1979: Neubau eines Garnlagers
1983: Grundfläche in Bärenbrunn ist erschöpft, Brückenbau von Bärenbrunn nach Ochsenbrunn und Neubau eines weiteren Fabrikgebäudes.
1984: Mit dem Bau einer Anlage zur eigenen Wasserversorgung für die Produktion mit einer Hochdruckwäscherei wird die Entwicklung zur Vollstufigkeit konsequent fortgesetzt
1985: Neffe Martin Buchta tritt in die Firma ein
1991: Neubau Hochregallager
1992: Einrichtung der Zwirnerei mit über 7.000 Spindeln und damit der letzte Schritt zur Vollstufigkeit
1993: Eine Wirkerei mit 14 Raschelautomaten wird eingerichtet. Die Webkapazität steigt auf 234 Maschinen
2001: Wirkerei wird aufgelöst, um für 64 zusätzliche Webmaschinen Platz zu schaffen
2004: Mit dem Neubau der jüngsten Produktionshalle ist eine beachtliche Kapazität erreicht: 332 Webmaschinen produzieren 20 Mio. qm Stoff pro Jahr.
aus BTH Heimtex 09/07 (Wirtschaft)