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Palastrevolution beim Südbund?


Der Südbund kommt nicht zur Ruhe. Nach außen hin zur Zeit relativ ruhig, brodelt es hinter den Kulissen: Personelle Veränderungen, Unsicherheit und Unzufriedenheit bei einigen Mitgliedern, auch von Uneinigkeiten im Aufsichtsrat ist zu hören. Manche Quellen wollen sogar wissen, dass es innerhalb des obersten Kontrollgremiums der Genossenschaft eine Diskussion über den weiteren Verbleib von Vorstand Jörg-Andreas Grundmann gegeben haben soll, die nur knapp zu seinen Gunsten entschieden worden sei....

Tatsache ist, dass das Personalkarrussell rotiert. Sowohl auf der mittleren Führungsebene wie auch im Außendienst gehen Mitarbeiter oder sind schon weg. Der in der Hierarchie am höchsten angesiedelte Abgang ist der kaufmännische Leiter Klaus Beiswenger, erst seit Anfang des Jahres in Backnang unter Vertrag, der am 21. Juni überraschend seinen Stuhl räumen musste. Offiziell heißt es zu dem Rausschmiss: "Der Vorstand hat das Arbeitsverhältnis mit Herrn Beiswenger während der Probezeit gekündigt, da das Vertrauen des Vorstandes in Herrn Beiswenger nachhaltig gestört ist und er zudem die fachlichen Anforderungen nicht erfüllt hat."

So steht es in einer Mitglieder-Information vom 6. Juli. Dass Beiswenger die fachlichen Anforderungen nicht erfüllt haben soll, verwundert insofern, als er bei seinem Antritt noch als "erfahrener Genossenschaftsmann" gelobt und zwischen den Zeilen sogar die mögliche spätere Weihe zum Finanzvorstand in Aussicht gestellt wurde. Auch wird nicht offenbart, woher der Vertrauensverlust des Vorstandes rührt. Die Buschtrommeln berichten davon, dass Beiswenger Grundmann unbequem geworden sein soll, weil er unter anderem gegen eine Vertrags-Verlängerung der die Südbund-Sanierung begleitende Unternehmensberatung Fides votiert habe. Aber das sind nur Gerüchte. Auf eine diesbezügliche Anfrage beim Südbund erhielten wir keine Antwort.

Tatsache ist, dass Fides nicht wie ursprünglich geplant nur bis zum Sommer in Backnang beschäftigt ist, sondern darüber hinaus. Dazu heißt es in der Mitglieder-Information: "Nach intensiver kontroverser Diskussion in der Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass gegenwärtig der sofortige Ausstieg der Berater zur Gefährdung der Restrukturierungserfolge führen würde".

Beiswengers Aufgabenbereiche im Finanzwesen haben kommissarisch Grundmann und Fides-Projektleiter Rainer Wohlers übernommen.

Beiswenger ist nicht der einzige, der den Südbund verlässt. Auch die Kündigung von Produkmanager Krauss liegt vor. Er hat sich "aus persönlichen Gründen entschlossen, eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen". Und dann scheiden mit Raimond Otto und Stefan Prein noch zwei Mitarbeiter aus dem Außendienst auf eigenen Wunsch aus.

Nicht neu-, aber umorientieren muss sich Peter Heinisch, bislang für den strategischen Einkauf zuständig. Er ist in die Abteilung von Vertriebsleiter Herbert Falkenstein gewechselt; ein neuer Leiter für den strategischen Einkauf wird per Stellenanzeige in der FAZ rekrutiert. Bereits "erfolgreich zum Abschluss gebracht" wurde die Suche nach einem Forderungsmanager. Ein "in diesem Bereich erfahrener junger Mann aus Backnang" soll spätestens zum 1. Oktober anfangen.


Soweit die aktuellen Personalien beim Südbund. Und was machen die Zahlen? Das Ergebnis lag per Ende Mai um 0,5 Mio. EUR über dem Planwert, bedingt durch die "positiven Entwicklungen des Rohergebnisses und der betrieblichen Aufwendungen", war aber immer noch rot. Der Umsatz übertraf ebenfalls den Planwert, und zwar um 4%. Gegenüber dem Umsatz im vergleichbaren Vorjahreszeitraum habe jedoch ein Rückgang hingenommen werden müssen, berichten Insider. Auch innerhalb der Erfa-Gruppen sei für die ersten fünf Monate ein zweistelliger Umsatzrückgang gemeldet worden. Das ist allerdings angesichts der unverändert schwierigen Marktsituation nicht ungewöhnlich.

Ansonsten sind beim Südbund seit 1. Juni die neuen Zahlungsbedingungen in Kraft, mit denen "die Basis für eine Gleichbehandlung der Mitglieder in den möglichen Zahlungsweisen" geschaffen werden soll. Und es wird an der "Neudefinition des Leistungs- und des geeigneten Vermarktungsangebotes" gearbeitet, um die Leistungen des Südbundes für einen "größeren Kreis der Mitglieder attraktiv" zu machen. Denn: "Aktuell wird das bestehende Angebot nicht ausreichend in Anspruch genommen" mahnen Vorstand und Aufsichtsrat. Zur Hausmesse am 24. und 25. September sollen die ersten Schritte der neuen Marketingstrategie präsentiert werden.

Inzwischen ist auch die neue Novella-Teppichbodenkollektion erschienen. Für Irritation im Markt sorgen hier Gerüchte, dass von der insgesamt reduzierten Auflage ein Viertel kostenlos verteilt werden soll: als Lockmittel für potenzielle Südbund-Neumitglieder.

Der Erfolg einer solchen Akquisitionsstrategie ist nicht nur fraglich angesichts der vielen Gratis-Kollektionen von Großhandel und Industrie, auch die Südbund-Mitglieder wären darüber sicher nicht erbaut. Momentan grummelt es ohnehin im Untergrund. Etliche treibt die Sorge und Ungewissheit, "was nun wirklich beim Südbund los ist", sie befürchten Kompetenzverlust angesichts der Personalfluktua-tion und Kosten- Aufblähung durch die Verlängerung des
Fides- Engagements, und sie fühlen sich vor allem unzureichend von Vorstand und Aufsichtsrat informiert.

Manche denken allerdings zu kurz, wenn sie der jetzigen Führung die Schuld für die Südbund- Misere zuschieben. Dafür sind andere verantwortlich. Trotzdem wären Vorstand und Aufsichtsrat sicher gut beraten, wenn sie sich nicht allein auf die betriebswirtschaftliche Sanierung konzentrierten, sondern sich auch mit vertrauensbildende Maßnahmen beschäftigen und mehr Nähe zu den Mitgliedern suchen würden.

aus BTH Heimtex 07/04 (Personalien)