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Tendence Lifestyle

Auch in Zukunft gibt es Weihnachten

Frankfurt - Weniger Aussteller, weniger Besucher, weniger Internationalität. Solche Kommentare begleiteten die Tendence - immerhin legitime Nachfolgerin der Jahrhunderte alten Frankfurter Messe - bereits seit einigen Jahren. Sie entsprechen auch den Tatsachen, so bedauerlich es ist. Die Tendence ist für die Konsumgüterbranche - für Tisch, Küche, Hausrat, Dekorieren, Schenken und Schmuck sowie Wohnen und Einrichten - der wichtigste Neuheiten- und Ordertermin für die zweite Jahreshälfte, wichtig für das Weihnachtsgeschäft, aber unweigerlich und fast unfair im Wettbewerb mit der großen Messe ein paar Tage später in Paris.

Die Frankfurter Messeleitung hat gehandelt und schuf für 2008 eine neue Messe-Konstellation. Diese letzte Tendence Lifestyle in gewohnter Form Ende August wurde aber von Ausstellern (3.015) und Besuchern (75.000 aus 102 Ländern) nicht mit Schande verabschiedet. Sie erwies sich als Messe, auf der sich Qualität präsentierte und mit gutem Orderverhalten die Konsumgüterbranche zuversichtlich nach vorne blicken ließ.

Wie die Tendence sich in Zukunft gestalten wird, bleibt abzuwarten. Einige Aussteller in den Bereichen Haushalt und Funktion blieben bereits vorerst fern. Die Hersteller von Wohnaccessoires und Textilien sind aus Erfahrung flexibel und vertrauen ihren Fähigkeiten, hoffen aber auf einen "ordentlichen" und inspirierenden Mix der Anbieter. Das Thema veränderter Orderrhythmus und früherer Termin wird vereinzelt weiterhin ablehnend diskutiert. Die Messeleitung, allen voran Dr. Michael Peters, begründet diese Veränderung mit dem Wunsch der Hersteller, dem Handel frühzeitiger ihre Neuheiten vorstellen zu können.

Tatsache ist: Erstmals vom 4. bis 8. Juli 2008 präsentiert sich in Frankfurt eine neue Messe mit dem etwas umfangreichen Titel "Frankfurt 4 all Seasons". Dahinter verbergen sich drei Messen: die Design-Messe Tendence Herbst/Winter, die Collectione Frühjahr/Sommer, spezialisiert auf mittel- und großvolumige Kollektionsorder (respektlos "Container"-Messe genannt), und die Design Annual, die sich nicht auf klassischen Messeständen präsentiert und individuell gestaltet bestes Design von internationalen Top-Herstellern rund um das Thema Leben, Wohnen und Arbeiten zeigen wird - in der Festhalle und im Forum, und zwar ausdrücklich auch den Endverbrauchern. Während für die Collectione die Hallen 8, 9 und 10 vorgesehen sind, wird die Tendence in den Hallen 3, 4, 5 und 6 veranstaltet.

Positives Arbeitsklima

Bereits dieses Jahr auf der letzten Tendence Lifestyle alten Stils lockte das neue Publikums-Event "Taste it!" fast 5.000 Endverbraucher - so die Zahlen der Messeleitung - in Halle 5.0, wo über 60 Aussteller den Genuss-Interessierten einen direkten Blick in die große Welt von Tisch und Küche ermöglichten mit Promi-Kochshows, Verkostungen, Workshops und Dekotipps. Das war zwar nur an den ersten beiden Messeabenden von 17 bis 21 Uhr möglich und hatte keinen Einfluss auf die Besucherfrequenz, animierte aber doch wie beabsichtigt vor allem im Bereich GPK den Handel, sich mit dem Thema Kochen und Essen liebevoller zu beschäftigen. Es steht einwandfrei im Blickpunkt, ist allgemein beliebt und hat so sicher großen Einfluss auf die Kauflust der Verbraucher, ob für sich selbst oder zum Verschenken.

Aussteller und Besucher bestätigten ein positives Arbeitsklima. Es gab zwar keine Neuheits-Sensationen, aber überlegte und meist klar dargestellte Sortimentsangebote und Konzepte inspirierten den Einzelhandel aus den Wohnbereichen und belebte die Ordergespräche. Nicht mehr die Preise sollen im Mittelpunkt gestanden haben. Man verlangte Qualität und suchte nach Erläuterungen und Begründungen. Hersteller, die in Deutschland produzieren und auch noch Firmen- und Qualitäts-Geschichte mit einbringen konnten, fanden aufmerksame Zuhörer. Begriffe wie Tradition, Authentizität, Nachhaltigkeit und vor allem Interesse für Umweltthemen tauchten immer wieder auf. Wer weiter verkauft, möchte gerade bei diesen so überaus persönlichen Belangen wie Wohnen seinen Kunden ein richtiges Produktwissen und -feeling vermitteln. Handwerkliches wird hoch geschätzt, und die Vorliebe für Luxus im Wohnbereich ist unübersehbar.

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Gemütlichkeit mit Stil

Besonders in der Lifestylewelt Modern Living geht die Nachfrage designorientierter Konsumenten nach hochwertiger Qualität, ethisch korrekt und vor allem emotional wertvoll. Innovative Nischenkonzepte und bedarfsorientierte Sortimente scheinen den Vorstellungen moderner, aufgeschlossener Verbraucher entgegen zu kommen. Ideenreich, marktorientiert und umweltbewusst setzen sie auf Langfristiges und Wertbeständiges. Voraussetzung für Erfolg für Verkäufer und Käufer ist das gute Gespräch mit Hintergrund.

Die Lifestylewelt Emotion konnte sich ihrer Breitenwirkung sicher sein. Kontrollierbare Qualität ist Voraussetzung, aber bestimmend ist die Gemütlichkeit. Warm und natürlich soll es sein - mit viel Holz, Leder, Filz und anderen Naturstoffen. Die Stimmung heizt sich auf mit Kaminfeuer und Edelwild-Geweihen. Barock scheinender Luxus fügt sich ins harmonische Bild (Lambert). Die Natur ist Vorbild für Material, Dessinierung und Farben (Leonardo). Im Trend ist Grau in allen naturähnlichen Abstufungen über Weiß bis zum warmen Braun, Feuertöne neben Rot-Variationen und Lila kombinieren sich mit Gold, Silber und lassen Schwarz/Weiß-Kontrasten viel Raum. Grün und Gelb leiten über zur Frühjahrskollektion.

Fachsortimente ziehen Kunden ins Möbelfachgeschäft

Im Deko- und Geschenkartikelbereich sind originelle und skurrile Ideen nach wie vor gefragt, allerdings in erkennbarer guter Qualität. Altbekannte Produkte werden aus ihrem Kontext gerissen, auf spielerische Weise zweckentfremdet und mit neuer Funktion versehen. Produkte dieser Art bilden zusammen mit Angeboten aus dem GPK-Segment und Textilien wie Tischwäsche und Wohnaccessoires attraktive Fachsortimente für Möbelfachhandel und Einrichter. "Sie locken Kunden ins Geschäft und erhöhen seine Anziehungskraft", erläuterte Hans Strothoff, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels BVDM im Vorfeld der Tendence Lifestyle. Fachsortimente dieser Art gewinnen als komplementäre Angebote im Möbel- und Einrichtungsfachhandel ein immer stärkeres Gewicht. 9 bis 10 Prozent des Umsatzes werden in den Boutiquen und Fachabteilungen der Häuser bereits realisiert. Der Anteil wächst kontinuierlich. Daher müssen dem Verbraucher immer wieder neue und aktuelle Produkte und Trends offeriert werden. Die Verbraucher orientieren sich immer stärker an Angeboten, die ihrem Geschmack und ihrer Vorstellung eines Einrichtungsstils entsprechen. Sie wählen Geschäfte immer weniger nach dem Verwendungszweck des angebotenen Sortiments. Bei ihrer Wahl dominiert vielmehr die Stilorientierung, die passende Lifestyle-Zusammenstellung möglichst aller Einrichtungsgegenstände. Der Konsument sagt sich - so Fazit des Verbandes - "Mein Geschäft ist das Geschäft meines Stils!" Besonders bei den Fachsortimenten im dekorativen Bereich wird Phantasie und Abwechslung erwartet. "Fachsortimente verlangen Psychologie, Beweglichkeit und Temperament", so der Präsident des BVDM.

Der BVDM vertritt innerhalb des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels die Interessen von ca. 10.000 Unternehmen der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsbranche, die insgesamt 100.000 Mitarbeiter in Voll- oder Teilzeit beschäftigt. Der Gesamtumsatz beläuft sich auf 20,7 Mrd. Euro zu Endverbraucherpreisen im Jahr 2006.

aus Haustex 10/07 (Wirtschaft)