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Trendbook "Interior Trends 2008"

Sanfte Revolution der Formen und Farben

Köln - In einer Vorausschau auf die Einrichtungstrends der imm cologne zeigt das von der Koelnmesse herausgegebene Trendbook "Interior Trends 2008", was Menschen und Designer bewegt. Im Wohnzimmer herrscht Aufbruchstimmung. Das von der Koelnmesse vor fünf Jahren ins Leben gerufene internationale Trendboard aus Designern, Architekten und Trendexperten beobachtet in der Einrichtungskultur eine wachsende Lust am Verlassen konventioneller Pfade. Es werden wieder mehr Experimente zugelassen, und die Wohnung stellt für viele keine abgeschottete Gegenwelt mehr dar, sondern reflektiert das aktuelle Zeitgeschehen.

Die in dem Kölner Workshop versammelten Kreativen sehen die Zeichen einer sanften formalen Revolution: Die Grenzen von innen und außen, von Design und Kunst, Natur und Künstlichkeit sind fließend geworden. Der Designer wird zum Forscher, der auf den digitalen Spuren der Natur wandelt, der Konsument wird zum Architekten seiner modular gestalteten Heimstatt. Das Festhalten an Klassikern und das Bekenntnis zum steten Wandel stehen dabei gleich berechtigt nebeneinander. Insgesamt werden die Inszenierungen entspannter. Der Konsument selbst hat nicht nur Souveränität, sondern auch eine neue Lässigkeit im Umgang mit dem Einrichtungsangebot erlangt. Er weiß, was er will, und er will es auf seine Bedürfnisse zugeschnitten bekommen.

Die Koelnmesse stellt mit dem Trendbook "Interior Trends 2008" die Entwicklungen im Interior Design für die kommende Saison vor. Die Publikation fasst die von Gestaltungsexperten recherchierten und aussagekräftig illustrierten Interior-Trends anschaulich und praxisnah zusammen. Zudem stellt es in knappen Skizzen Verbindungen her zwischen Einrichtungstrends, Lifestyle und allgemeinen gesellschaftlichen Themen. Das Konzept dieser jährlichen Momentaufnahme trägt dem verwirrenden Facettenreichtum an Stilen, Einstellungen und Innovationen Rechnung und leistet gleichzeitig eine Verdichtung auf konkrete Formen, Farben, Materialien und Muster.

Mit der Publikation "Interior Trends 2008" steht Designern, Architekten, Möbelherstellern und Journalisten schon im Vorfeld der imm cologne eine hochwertige Informationsquelle zur Einschätzung der Konsumentenbedürfnisse und Designentwicklungen zur Verfügung. Zusammen mit dem zur Messe stattfindenden Vortrags- und Ausstellungsforum informed by cologne erhält das Fachpublikum so ein umfassendes Bild von den Trends in der Einrichtungs- und Möbelbranche.

Auch wer seine Wohnung als Nest gestaltet, denkt in Zukunft großzügiger - räumlich wie inhaltlich. Entsprechend dem Interior-Trend "Outside In" werden normierte Sichtweisen auf den Kopf gestellt. Alles wird "von außen nach innen" gewendet, neu zusammengewürfelt, auf individuelle Bedürfnisse maßgeschneidert. Solitäre werden ersetzt durch Muster bildende Reihen geometrischer Grundformen. Gegensätze werden lässig zu einem neuen harmonischen Ganzen kombiniert. Der Blick wendet sich von innen nach außen, die Grenzen werden durchlässig, der Kokon transparent. Die Natur wird entweder importiert oder aber kurzerhand künstlich nachgebaut, neu erfunden. Nur die Klassiker der Moderne bleiben unverändert wertvoll. Pastellige Töne auf blau-grauer Basis, raue Oberflächen und mattes Linoleum ergeben ein warmes Ambiente.


Dem Sinn für das Ausgefallene und Revolutionäre folgt der Interior-Trend "Neo Nature". Formen und Konstruktionen ahmen die Natur als Gestaltgeber nach. Hightech wird dabei zum Schlüssel für eine formale Verjüngung, die als "Super Nouveau" vom Trendboard mit dem Jugendstil verglichen wird. Formen erscheinen nicht nur wie gewachsen, sie sollen sich den Bedürfnissen auch anpassen können - wie ein mitwachsender Organismus. Formen wie Kugeln, Waben und Kristalle, knochige oder knotige Verästelungen und filigrane Konstruktionen, Materialien wie metallische Netzstrukturen und Schäume sorgen für Leichtigkeit, die Farbe Türkis für kühle Frische.

In Wohnungen, die dem Interior-Trend "Design School" entsprechen, wird man die Wohnwand wohl vergeblich suchen. Hier wird das Ideal des ewig Unfertigen dem des Klassikers entgegengesetzt. Das Prozesshafte der Inszenierung korrespondiert mit einem jungen, experimentierfreudigen Lebensgefühl, das sich als "New Naive" verstanden sehen will. Spielerisch werden Designzitate eingesetzt und verändert, das zusammenhanglose Detail gegenüber der langweiligen Utopie des Gesamtkunstwerks bevorzugt. Die Farben kommen direkt aus dem Malkasten, die Formen wirken unfertig, gestaucht und verfremdet.

Das, was in "Design School" abgelehnt wird, ist das Ideal von "Priceless": das Gesamtkunstwerk, der "Total Look". Doch auch hier wird die Ästhetik nicht durch Glätte, sondern durch die raue Oberfläche charakterisiert. In einem eklektischen Bilderrausch wird alles miteinander kombiniert - auch, wenn es nicht zusammenpasst. Der Reiz liegt in der Lässigkeit der Inszenierungen, die strenge Dramaturgie dahinter erschließt sich nur dem Kenner. Designobjekte sind dabei die Kunst von heute. Wie in der Kunst gibt es im Design keine Grenzen des Machbaren oder des Geschmacks. Warme, zurückhaltende Grau- und Kameltöne bilden den Rahmen für Schwarz- und Rotakzente.

Die internationale und interdisziplinäre Konstellation ist das Qualitätskriterium des von der Koelnmesse zusammengerufenen fünfköpfigen Trendboards. In diesem Jahr gehören dem Expertengremiun an: Der Architekt und Designer Eero Koivisto, der New Yorker Designer Stephen Burks, die in Berlin lebende britische Journalistin und Autorin Sophie Lovell, Fabio Novembre, Architekt und Designer aus Mailand sowie die Berliner Materialspezialistin Christine Sauer. Weiter Infos: www.imm.cologne.de

aus Haustex 11/07 (Wirtschaft)