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Tapeten

Tattoos, Piercings, Strass: viel Wirbel um neue Dekoelemente

Was sich vor einem Jahr zaghaft andeutete und eher als nette Spielerei abgetan wurde, hat sich zu einem echten Hit entwickelt. Tattoos, Piercings und Strass werden immer beliebter, um Tapeten raffinierte Akzente zu verleihen. Genauer gesagt, handelt es sich dabei um dekorative Folien, gelöcherte Muster, Anstecker und Glasperlen. Übergesprungen ist der Funke vermutlich aus Frankreich, wo die peppigen Accessoires einen echten Hype ausgelöst haben. Beim Tapetendesign ist die Opulenz der vergangenen Jahre noch sehr präsent, auch wenn einige kreative Köpfe der Branche sicher sind, dass die Üppigkeit bald modernen grafischen Dessinierungen weichen wird. von Ulrich Baumert

Mit einem wahren Festival startete die Tapetenbranche ins neue Jahr. Selbst erfahrene Kenner der Szene konnten sich nicht an einen vergleichbaren Auftritt erinnern. Keine Frage: Die Tapete ist wieder ein herausragendes Stilmittel bei der Innenraumgestaltung - und das nicht nur auf Auslandsmärkten, sondern in Deutschland. "Die Menschen haben wieder Lust, ihr Geld für dieses Lifestyle-Produkt auszugeben", sind sich die Hersteller einig. Um der Tendenz Dynamik zu verleihen, sprühen ihre neuen Kollektionen geradezu vor Kreativität.

Unisono berichteten die deutschen Hersteller über ein gutes Jahr 2007. Laut Verband der Deutschen Tapetenindustrie nahmen die Absätze bei insgesamt sehr guter Auslastung um 6 % und die Umsätze sogar um 12 % zu. Hauptursache für die positive Entwicklung ist nach wie vor der Export, der mit einem Umsatzplus von 20 % glänzte. Neben einigen Boommärkten in Osteuropa zieht die Nachfrage auch in westlichen Regionen wieder an, so dass die Exportquote der Branche fast 70 % erreicht hat. Wichtigste Tendenz am Binnenmarkt: Die Umsatzflaute ist erstmals seit Jahren gestoppt und bewegt sich im Bereich +/-1 %, was auf den Siegeszug der modernen und höherwertigen Vliestapeten zurückzuführen ist.

Bei den Exportmärkten stellt Russland immer noch das Eldorado dar, obwohl die Marktsituation tendenziell schwieriger wird. Nicht nur, dass sich das Angebot von Inlandspodukten erhöht hat, auch deren Qualität soll sich gebessert haben. Solange die Nachfrage das Marktangebot übersteigt, müssen sich die hiesigen Hersteller kaum Sorgen machen. Wenn etwas gefürchtet wird, dann eine Anhebung der Zölle, um die heimische Industrie zu stärken. Sehr entspannt stellt sich die Situation bei den Importen dar. Von allen europäischen Staaten hat Deutschland die geringste Einfuhrquote.

Die bereits 2006 beobachtete Verschiebung in den Distributionskanälen hält an. "Tapete ist für den Großhandel wieder ein Riesenthema", wurde auf Herstellerseite unterstrichen. Anders die Baumärkte: Hier schwindet die Bereitschaft, Flächen für Tapete bereitzustellen, angeblich wegen der geringeren Umschlaggeschwindigkeit im Vergleich zu anderen Sortimenten.

Beunruhigt zeigen sich die Hersteller über die Kostenentwicklung bei den Rohstoffen. Nachdem sich 2006 in erster Linie Plastisol verteuerte, zogen die Papierpreise ab Herbst 2007 nach. Und das ist klar: Sollte sich der Druck auf die Margen weiter erhöhen, werden Preiskorrekturen unumgänglich sein.

Rasch: Verstärkte Nachfrage bei höherwertigen Produkten

Beflügelt von einem beispiellosen Erfolg präsentierte sich Rasch auf der Heimtextil. Insgesamt konnte der konsolidierte Gruppenumsatz (Tapetenfabrik Rasch, Rasch Textil, Kupferoth, Elbersdrucke, Rasch Druckerei & Verlag) um 19 % auf 158 Mio. EUR gesteigert werden. Auch mit der Inlandsentwicklung zeigte sich Geschäftsführer Dario Rasch sehr zufrieden, da sich der Trend zu höherwertigen und modischen Artikeln fortgesetzt habe. "Wir erwarten, dass die Dynamik der westeuropäischen Tapetenmärkte auch auf das Inland überspringen wird", ist Rasch zuversichtlich. Den anhaltenden Höhenflug des Unternehmens begründete der Geschäftsführer mit einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil: "Es war uns vergönnt, in einer Phase zu investieren, als andere schwächelten. Und mit diesem Schwung sind wir durchgestartet."

Wie Rasch einräumte, ist es 2007 zeitweise zu Lieferengpässen gekommen. Mit hohen Investitionen in die Maschinenparks sowohl am Hauptsitz in Bramsche als auch bei der Tochtergesellschaft in Polen sei frühzeitig reagiert worden. Auch in diesem Jahr sollen die Produktionskapazitäten weiter ausgebaut werden.

Im kreativen Bereich haben Designchef Bernhard Holzapfel und sein Team einmal mehr faszinierende Themenwelten geschaffen. Insgesamt werden vier Stilrichtungen definiert (Dekorative Romantik, Neo Folk Style, Pattern Clash / Avantgarde Attraction, Urban Grey) die Lust auf neues Wohnen machen und die Gewissheit vermitteln, eine stilsichere und zeitgerechte Wanddekoration zu wählen.

Für Holzapfel ist Art und Form der Wandbekleidung inzwischen mehr als nur eine Stilfrage. Bei der großen Auswahl und den vielen Möglichkeiten habe sich die Tapete zu einem Statussymbol entwickelt: "Zeige mir, wie Du lebst und ich sage Dir, wer Du bist." Vlies- Papierpräge- oder Digitaldrucktapeten seien schlicht nur die Beschreibung der jeweiligen Herstellungsform und ihrer Materialzusammensetzung. "Im Detail geht es um Verarbeitungs- und Stilelemente: Swarovski-Steinchen, Plissés und besondere Inspirationen werden an die Wand gebracht", konkretisiert der Designchef.

"Sculpture Textures" heißt die Formel für die Heißprägetapete Park Lane und so werden Plissees, applizierte Zirkel und genähte Falten zum Dekoelement. Feine Swarovski-Steine sorgen für den edlen Glamour. Unentbehrlich für den Objektbereich, aber auch ohne Einschränkung für den privaten Gebrauch einsetzbar, präsentieren sich Park Lane-Tapeten nicht nur strapazierfähig, sondern auch mit der ungewöhnlichen Breite von 70 cm.

Bei den Neuheiten beeindruckt Rasch mit einer enormen Vielfalt, ohne dabei die Exklusivität zu vernachlässigen. Stellvertretend sollen hier nur einige Kollektionen angerissen werden. Einer Designerkarte gibt Iris Maschek ihren Namen. Die 39-Jährige entwickelt seit 1997 ausschließlich Computer-animierte Kreationen für den Interieur-Bereich. Die Muster der Digitaldrucktapete wirken wie überdimensionale Gemälde. Das Farbspiel mit Schwarz und Weiß, akzentuiert mit Beige und Rot, erlaubt einen großen Spielraum für eigene Interpretationen. Weiteres Stilmittel: Der Mix von Positiv- und Negativ-Stilmitteln wirkt auf den Betrachter wie ein transparent und opulent gewebter Vorhang. Mascheks Werke sind 1,80 m bzw. 3,72 m breit und 3m hoch.

Bodengestaltung mit Tapeten

In Kooperation mit dem Designer Markus Benesch präsentierte Rasch auf der Heimtextil "Rapoxy", eine spezielle Harzmischung, die es ermöglicht, eine Tapete in hochglänzender Optik auf den Boden zu bringen. Wie es heißt, soll das Material sogar High Heels standhalten. Die Einführung soll in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. Bis dahin sollen möglichst viele Handwerker mit der Verlegetechnik vertraut gemacht werden.

AS Création: Objekt-Kollektion mit Stararchitekt Hadi Teherani

"Nicht kleckern - klotzen" hat sich AS Création beim Eintritt in den Objektmarkt zur Maxime gemacht. "Dafür haben wir das Label Architects Paper entwickelt", erläuterte Vorstandsvorsitzender Jörn Kämper. Eine zunächst vierköpfige Vertriebsorganisation soll den neuen Distributionskanal erschließen.

Eine zugkräftige Kollektion wurde mit dem Stararchitekten und Designer Hadi Teherani realisiert: "Als wir das Thema an ihn herantrugen, hat er sofort zugesagt", berichtete Kämper. Kennzeichnend für "Hadi Teherani Collection 01" ist eine klare, sachliche Linie mit drei Designs (Persian, Stripe, Grid), die teilweise unterschiedliche Prägungen und Größen aufweisen, aber auf den gleichen Farben aufbauen. Wie der Vorstandsvorsitzende betonte, handelt es sich um eine technisch herausfordernde, sehr hochwertige Vliestapete, die in aufwendiger Nass-in-Nass-Technik produziert wird.

Die Kollektion bietet eine enorme Vielfalt an Spielmöglichkeiten. "Wände sehe ich nicht als Begrenzung, sondern als Spielfläche für Ideen", betonte Teherani bei seinem Besuch auf dem Messestand von AS Création. Die passende Ergänzung für diese Tapeten sind unter anderem Stoffe von Fuggerhaus.

Zentrales Thema bei den Gummersbachern: "Esprit home wallpaper". Wie bereits ausführlich berichtet, ist es bereits die dritte Kollektion dieser Art, die für ein Lifestyle orientiertes Publikum konzipiert wurde - und es wird wohl nicht die letzte sein. "Eine unserer besten Produktlinien, mit sehr guten Abverkäufen bei einem Preisniveau, das deutlich über dem Durchschnitt liegt", so Kämper. Viel Freude bereitete ihm auch die Lars Contzen-Kollektion; noch in diesem Jahr soll es eine weitere geben. Stark: Mit der Karte "Sogno die Mare" wurden maritime Sujets eindrucksvoll interpretiert. Kirsten Rösner hat die Kollektion als Diplomstudentin bei AS entwickelt. Dass die Designerin inzwischen übernommen wurde und zum festen Team des Ateliers des Tapetenherstellers gehört, verwundert nicht.

Schmitz Tapeten-Import: Lizenzkollektion "Elle Decoration"

Wenn es um trendige Einrichtungen geht, ist Elle Decoration eine Institution unter den Publikumszeitschriften. Diesen Pool an geballtem Wissen haben die Macher des renommierten Magazins in eine Tapetenkollektion einfließen lassen. Trotz starken Wettbewerbs ist es Schmitz Tapeten-Import gelungen, sich für Deutschland, Österreich und die Schweiz die exklusiven Vertriebsrechte zu sichern. "Wir sind stolz darauf, diese international renommierte und bekannte Marke als Lizenzpartner gewonnen zu haben," sagte Geschäftsführer Christian Schmitz in einem Gespräch mit BTH Heimtex.

Die Designer sind völlig unvorbelastet an das Thema Tapete herangegangen, was zu unkonventionellen Ergebnissen führte. Fünf Hersteller setzten die Entwürfe in unterschiedlichen Drucktechnologien um und erzeugten ein faszinierendes Spektrum an Kolorits und Oberflächenstrukturen. Die Kollektion trifft im besten Wortsinn den Zeitgeist, ohne nur eine Spur Effekt heischend zu wirken. Mit Worten lässt sich das kaum beschreiben, da die Dessins zu verschieden sind und in keine Schublade passen. Es macht auch einen gewissen Reiz aus, dass die Karte nicht wie sonst üblich gelegt ist mit spektakulären und ruhigen Designs im Wechsel - hier ist jedes Muster ein Highlight. Der Anspruch der Kreativen, sich in der Trendaussage auf eine beispiellose Dichte an Informationen zu stützen, wurde glaubhaft umgesetzt. Kurz: eine Kollektion für Kenner, die das Besondere abseits des Mainstreams suchen.

Das erfolgreiche Dreigestirn Schmitz, Essener, Tescoha stellte sich auf der Heimtextil noch größer und exklusiver als in früheren Jahren dar. Mit zusätzlicher Wandfläche sollte die ganze Vielfalt des Angebots großflächig dargestellt werden.

"Tapete wird wieder interessant und dieses aufkommende Interesse müssen wir beim Endverbraucher mit neuen, schicken Kollektionen nähren", betonte Christian Schmitz. Außer Elle Decoration bietet Schmitz Tapeten-Import unter der Marke Smita noch fünf weitere neue Karten, zum Beispiel "Onon". Die Vliestapete im Retro-Design ist modern, farbig, "laut" - genial als Blickfang auf einer einzelnen Wand.

Erfurt: Strategien für das Wohnen von morgen

Ein Lieblingsthema von Martin Erfurt ist die "Widerspruchsorientierte Innovationsstrategie", kurz WOIS, die der geschäftsführende Gesellschafter seit Herbst 2006 anwenden lässt. Diese von einem Institut der Hochschule Coburg entwickelte Denk- und Diskussionstechnik, setzt erfolgreich auf gezielte gedankliche Grenzüberschreitung. Zu ihren Verfechtern zählen neben Erfurt zahlreiche richtungweisende Unternehmen von BMW bis Wilkinson.

Thema des WOIS-Prozesses im Hause Erfurt, in den unter Leitung einer Focusgruppe sämtliche Mitarbeiter eingebunden sind, ist selbstverständlich die Zukunft der Wandbeläge. Auf der Heimtextil konnte sich erstmals die gesamte Branche an dieser Ideendiskussion beteiligen, wovon reger Gebrauch gemacht wurde: Verschiedene Präsenter zeigten auf dem Erfurt-Messestand erste Ansätze für "Wände zum Wohlfühlen" in der Zukunft:

- Wechselwände zur Integration unterschiedlicher Bilder in den Wandbelag
- Lumi-Wand, die Licht-Tapete zur Raumillumination
- Thermo-Wand, der kühlende oder wärmende Wandbelag
- Rauhfaser-Streifen zum Einsatz von gemusterten Rauhfaser-Elementen
- Art@Info-Wand zur Integration von Bildern und Informationen in die Tapete
- Tattoo- und Piercing-Wände als Gestaltungsvarianten

Ob und welche Ideen Wirklichkeit werden, soll zunächst völlig offen bleiben. Dem Marktführer für überstreichbare Wandbekleidungen geht es um neue Impulse und Denkanstöße für innovative Wohnideen.

Heimtextil Frankfurt
Die Tapetenhallen brummten auf der Heimtextil. Kein Wunder bei so viel Kreativität, wie die Tapetenindustrie beweist, Beispiel Rasch.
Heimtextil Frankfurt
Mit dekorativen Folien und Aufklebern (Tattoos / Sticker) sowie Lochmuster (Piercings) lassen sich raffinierte Effekte erzielen.
Heimtextil Frankfurt
Der Designer Markus Benesch stellte das Bodenbeschichtungssystem Rapoxy vor. Nach sechsjähriger Experimentier- und Testphase wird die Neuheit jetzt mit Rasch zur Serienreife entwickelt.
Heimtextil Frankfurt
Orac hatte auf der Heimtextil ein neues, großformatiges Ausstellungsmodul in den Blickpunkt gerückt.
Heimtextil Frankfurt
Ausdrucksstarke Muster in kräftigen Farben dominierten auf dem Messestand von P+S International.
Heimtextil Frankfurt
Malerbedarfsspezialist Pufas punktete auf der Heimtextil mit einem breiten Spektrum an Neuheiten.

Marburger: Der hohen Kunst der Tapete verpflichtet

Bei Marburger hatte man Colani-Tapetensticker zu überdimensionalen Krawattennadeln für das Messeteam umfunktioniert. Diesen Zweck erfüllte das hochaktuelle Wand-Accessoire ganz vorzüglich, auch wenn es sonst nur bedingt kompatibel schien. Ulrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens, wusste somit bereits Anfang Januar, welchen Schlips er an Weiberfastnacht anlegen würde, wie er humorvoll ankündigte.

Die Colani-Kollektion bereitet den Kirchhainern übrigens viel Freude. Das war nicht unbedingt zu erwarten, da der exzentrische Designer polarisiert. Doch mit ihrer unverwechselbaren Formensprache gehört die Karte mit zum Besten, was die Branche zu bieten hat. Dazu kommt: Kaum ein anderer Hersteller wäre in der Lage, diese Kreationen umzusetzen. "Bisher haben wir weltweit 10.000 Colani-Kollektionen platziert, davon 1.000 in Deutschland", berichtete Geschäftsführer Dieter Buhmann.

Diese Verbindung von Kunst und Tapete ist für Marburg bekanntlich kein Novum. "Art Borders" ist wohl das wichtigste Avantgardeprojekt der internationalen Tapetenindustrie. Regelmäßig bittet die Marburger Tapetenfabrik namhafte Künstler und Designer, sich mit Tapetendessins zu befassen: Die einzige Begrenzung der Kreativität liegt in der Tapetenbahn. Brigitte Doege startete 1999; es folgten Ulf Moritz, Richard J. Anuszkiewicz, Karim Rashid, Werner Berges und 2007 Luigi Colani.

Mit "Art Borders Select" steht jetzt ein repräsentativer Querschnitt der zwischen 1999 und 2007 entstandenen Arbeiten zur Verfügung. Die Karte umfasst 44 Blatt Tapeten / Sockelfriese und zwei Handdrucke. "Es ist ein Buch über Künstler, die sich zu Tapete bekannt haben", verdeutlicht Ulrich Eitel unprätentiös.

Zu den Highlights aus der eigenen Kreativabteilung der Marburger Tapetenfabrik gehört "Caro Karo". Art Director Dieter Langer ist der festen Überzeugung, dass der Üppigkeit der vergangenen Jahre jetzt eine Besinnung auf moderne grafische Dessinierungen folgt. Basis aller Dessins ist das Quadrat. Aus dieser Grundform haben sich innerhalb der Kollektion zwei Stilrichtungen herauskristallisiert: raffinierter Eleganz steht ein formal strengeres Segment gegenüber.

Modern wie die Dessinierungen sind die starken Farbkombinationen wie Elfenbein-Schwarz, Koralle-Apricot, Türkis-Zitrone, dazu freche Rottöne, Flieder, Apfelgrün, Bleu und Schoko. Das Farbspektrum wird mit Silber spannend akzentuiert.

Ulrich Eitel hat seinem Unternehmen gebremstes Wachstum verordnet. Für Russland wurde sogar ein vorläufiger Akquise-Stop verhängt. "Wenn man zu schnell wächst, besteht die Gefahr, träge zu werden", befürchtet er, wobei unter "Trägheit" auch Lieferprobleme zu verstehen sind. Und was passiert, wenn der russische Markt gesättigt ist? "Dann werden sich andere Regionen auftun", ist der Unternehmer zuversichtlich. Starkes Interesse werde aus Schwellenländern signalisiert, insbesondere Indien.

Orac: Neue Präsentationswand und neue Sockelleiste

Der belgische Hersteller von Zierprofilen und Stuckelementen Orac hatte auf der Heimtextil ein neues, großformatiges Ausstellungsmodul in den Blickpunkt gerückt. Damit lassen sich die hochwertigen Produkte wirkungsvoll und in einem adäquaten Rahmen darstellen. Die Präsentationshilfe lässt sich flexibel an die jeweiligen Gegebenheiten im Verkaufsraum anpassen: Die Wandmodule sind 1,99 m hoch und nur 58 cm tief. Wer mehr Raum zur Verfügung hat, kann die Ausstellung um Stehboxen und Rondelle erweitern.

Ebenfalls vorgestellt wurde eine Neuauflage der Sockelleiste. Das Design ist geblieben, geändert haben sich die Werkstoff-Qualität und die Produktbezeichnung. Das unter der Bezeichnung SX.155 angebotene Produkt besteht jetzt aus schlag- und stoßfestem Duropolymer. Orac hatte das Material 2001 entwickelt und mit seiner Kollektion Axxent eingeführt.

Mit 2,5 cm ist die Sockelleiste jetzt tiefer als das Vorgängermodell, so dass sich Dehnungsfugen zwischen Parkett, Laminat- oder Korkböden und der Wand mühelos überbrücken lassen.

Pickhardt + Siebert: Auftritt als Vollsortimenter

Pickhardt + Siebert gehört mit einer Produktionsleistung von 15 Mio. Rollen pro Jahr zu den wichtigsten Anbietern in der mittelständisch strukturierten Tapetenbranche. 2008 sollen es sogar 20 Mio. Rollen werden, hieß es auf der Heimtextil. "Aber unsere bestehenden Kundenstrukturen werden nicht unter dem Wachstum leiden", betonte Vertriebsleiter Dietmar Everding. Für 2007 melden die Gummersbacher ein zweistelliges Umsatzplus am Inlandsmarkt; der Gesamtumsatz sei um 20% gestiegen.

Es ist schon verblüffend wie sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren nach vorn gearbeitet hat. Um das zu realisieren, haben die Inhaber viel Geld in die Hand genommen: Der Maschinenpark mit Tiefdruck- und Prägeanlagen sowie Doppelkopfrotationssiebdruckmaschinen und computergesteuerten Farbdosieranlagen ermöglicht die Spitzenstellung des Unternehmens in Qualität und flexibler Produktionsplanung. Das Fertigungsspektrum umfasst Acryl-, Papier-, Profil-, Kompaktvinyl-, Vlies- und Fototapeten, sodass sich P+S als Vollsortimenter sieht. Die derzeitige Produktpalette weist zirka 3.000 Artikel auf und soll im laufenden Jahr durch die von der neu installierten Heißprägeanlage produzierten Tapeten erweitert werden.

Thema Nr. 1 unter den Neuheiten: La Vida, die neue Premium-Vlieskollektion von P+S. Zur stilvollen Entwicklung eines eigenen Raumkonzeptes stellt die Themenkarte reduzierte Rankenmotive, elegante Blumen und edle Ornamente zur Verfügung.

Die modernen Unis und Dessins wirken dreidimensional und basieren auf einer Samtoptik, wie man sie aus der Kollektion Lacantara kennt. Farblich wird in der La Vida alles geboten: matt gehaltene Braun- und Beige-Töne, aber auch frische Farben von Lila bis Türkis. Einen besonderen Akzent setzen die Metallicfarben, die in verschiedenen Dessins enthalten sind.

Welter: Tapeten der Luxusklasse

"Wie schlimm ist es, dass man für sein vieles Geld nichts Adäquates kaufen kann!" Dieser Hilferuf eines verzweifelten Millionärs hat sich bei Ulrich Welter eingeprägt, denn er verdeutlicht, dass seine Geschäftsidee goldrichtig war. 1985 begann der Createur, wie er sich selbst bezeichnet, Wohnungen und Läden "durch Wandgestaltung zu inszenieren". Seit 1995 werden die Beläge in der eigenen Berliner Werkstatt auf Vliesträger hergestellt und an eine internationale Kundschaft geliefert.

"Heute gibt es kaum einen Entwurf für eine Tapete oder ein Wandbild, der nicht realisiert werden könnte", berichtete Welter auf der Heimtextil. Zu den Exponaten gehörte auch ein Wandbelag aus geschnitzter Kreide mit einem Quadratmeterpreis von 2.500 EUR. "Wenn solche Produkte auf Yachten zum Einsatz kommen, stellen sie einen eher unwesentlichen Kostenfaktor dar", weiß der Geschäftsführer der "Manufaktur für Wandunikate". Zusammen mit der Designerin Caroline Venn zeigte Welter auf der Heimtextil ein repräsentatives Spektrum seines Sortiments.

Pufas: Kleben, Renovieren, Feuchtigkeitsschutz

Viele nützliche "Kleinigkeiten" hatte der Malerbedarfsspezialist Pufas im Gepäck: ob zum Füllen von Rissen, zum Verkleben verschiedener Materialien, als Aufquellschutz für Laminat und Fertigparkett oder als Profi-Renoviersystem.

Fassaden-Strukturacryl FR3 ist ein einkomponentiger Dichtstoff aus der Kartusche zum Auffüllen von Rissen in Putz und Mauerwerk. Das Besondere daran ist die ausgesprochen putzähnliche Struktur: "Mit diesem Produkt sind Ausbesserungsarbeiten kaum noch zu erkennen", heißt es beim Anbieter. FR3 ist sofort überstreichbar und lösemittelfrei.

Aufquellschutz für Laminat und Fertigparkett bietet der Laminat-Fugenschutz Click-Safe. Die Wachsemulsion wird während der Klickverlegung entlang der Feder aufgetragen und kann nach dem Zusammenpressen leicht rückstandsfrei entfernt werden. Click-Safe schützt nachhaltig vor Feuchtigkeit - spätere Reklamationen, bei denen der Verarbeiter nie ausschließen kann, dass sein Kunde vielleicht doch zu feucht geputzt hat, werden damit weitestgehend vermieden.

Unansehnliche Oberflächen von Bade- und Duschwannen, Wandfliesen und Kunststoff-Küchenfronten "in null Komma nichts" renovieren: "Pufas Neue Oberfläche" machts möglich. Das Produkt wird im Komplettset mit Farbwanne und -walze, Pinsel, Schleifpapieren und weiterem Zubehör geliefert.

Im Pufas-Programm finden sich außerdem eine Acrylwannen-Grundierung, ein Kalkentferner und ein Anlauger/Entfetter für griffige Oberflächen ohne Schleifen.

Graham & Brown: In Deutschland Nachfrage beleben

Für Graham & Brown, einem der letzten noch verbliebenen Tapetenhersteller Großbritanniens, war Deutschland bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte. Auf der Heimtextil meldeten die Engländer erstmals ihre Ambitionen für Zentraleuropa an, auch wenn der Markt nach wie vor rückläufig ist. "Vielleicht gelingt es uns ja, ein wenig zur Belebung beizutragen", hofft Jens Klotmann, Country Manager Deutschland, Österreich, Schweiz.

Was die Vertriebskanäle betrifft, ist er noch flexibel. "Das wird auf jeden Fall der Fachhandel sein, vielleicht aber auch die Großfläche und das Internet", kündigt Klotmann an. Bevor eine Entscheidung getroffen werde, gelte es den Markt zu sondieren.

aus BTH Heimtex 02/08 (Wirtschaft)