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Holzring

Erfahrungsaustausch, Dienstleistungen und Beratung für den Großhandel


ParkettMagazin feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch! Der Holzring wurde 1970 gegründet und ist genau wie das ParkettMagazin ein traditionsbewusster aber modern aufgestellter, wichtiger Faktor in der Holzbranche geworden.

Im Holzring, der seit dem Jahr 2000 seinen Sitz in Bremen hat, sind heute viele der leistungsfähigsten Holzgroßhändler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol vertreten. In den letzten zehn Jahren - um aus gegebenem Anlass einen kleinen historischen Rückblick zu geben - hat sich der über die Holzring-Kooperation abgerechnete Umsatz mehr als verdoppelt. Für 2007 werden 500 Mio. EUR erwartet. Dieser Umsatz wird von einer fast identischen Gesellschafteranzahl generiert. Einen besseren Beleg für Einkaufsbündelung und Konzentration auf die mit dem Holzring verbundenen Lieferanten kann es eigentlich nicht geben.

Keine Konzernstrukturen oder Industriebeteiligungen

Das Holzring-Netzwerk aus inhabergeführten Holzhandelsbetrieben basiert auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit der Unternehmer - untereinander und mit den Mitarbeitern der Holzring-Zentrale. Der Mensch und der Werkstoff Holz stehen dabei im Mittelpunkt. Im Holzring gibt es keine Konzernstrukturen oder Industriebeteiligungen. Die Kooperation agiert treuhänderisch entsprechend ihrem Förderauftrag für die mittelständische Mitgliederstruktur.

In den Jahren des Holzring-Bestehens haben sich - genau wie beim ParkettMagazin - die Schwerpunkte der Tätigkeit immer den aktuellen Marktforderungen angepasst. Die Hauptaufgabe ist aber nach wie vor, den Umsatz, Absatz und Ertrag der Holzring-Lieferanten mit den Holzring-Gesellschaftern zu fördern. Heute unterstützt der Holzring die Kommunikation, verbessert die administrativen Prozesse und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Mitglieder im Holzring. Im engen Dialog mit den wichtigsten Lieferanten und den Holzring-Gesellschaftern bietet die Kooperation heute ein modernes Dienstleistungsspektrum, das bereits seit dem Jahr 2004 nach DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert ist. Das Leistungsspektrum der Kooperation beinhaltet zentrales Beschaffungsmarketing und gemeinsamen Einkauf, exklusive Produktentwicklung für die Mitglieder, Bereitstellung und Austausch von Fach- und Marketinginformationen, Erfahrungsaustausch in organisierten Arbeitsgruppen auf verschiedenen Ebenen, betriebswirtschaftliche Beratung, Dienstleistungen im Hinblick auf EDV und elektronische Medien sowie Finanzdienstleistungen und Personalberatung. Die Holzring-Mitglieder haben die Möglichkeit, auf ein Holzring-spezielles Versicherungsprogramm und auf individuell angepasste Finanzierungskonzepte zurückzugreifen.

Unter Fachleuten ist es unbestritten, dass die Notwendigkeit zur horizontalen, aber auch zur vertikalen, Kooperation immer stärker wird. Selbst nach einem guten Jahr 2006 liegt die durchschnittliche Umsatzrentabilität im Mittelstand immer noch unter 3,0% und das Eigenkapital unter 7,0%. Ein relativ hoher Personalaufwand, unzureichende Investitionen und problematische Nachfolgeregelungen belasten das Ergebnis. Eine Kooperation kann diese strukturbedingten Nachteile in den Bereichen Beschaffung/Einkauf, Verwaltung, Beratung, Informationsbeschaffung, Marketing, Vertrieb und Absatzförderung ausgleichen. Auch in unserer Branche setzt sich die Erkenntnis durch, dass aus einer kooperativen Gruppe größere Vorteile gezogen werden können als das einzelne Unternehmen generieren kann. Die These, dass nur wer richtig kooperiert ist auch langfristig besser überlebt, findet auch in unserer Branche immer mehr Befürworter.

Die Kompetenzen, die eine Kooperation heute mitbringen muss, sind - und das ist sicherlich eine etwas überraschende Erkenntnis - in vielen Punkten identisch mit denen eines guten Branchenmagazins:

1. Soziale Kompetenz: Offenheit und Ehrlichkeit, Fähigkeit zur Vertrauensvermittlung, Neutralität, Kommunikationsfähigkeit, unternehmerischer Weitblick, Beratungsfähigkeit und die Fähigkeit, unterschiedliche Menschen und Unternehmen zu integrieren.

2. Fachliche Kompetenz: Produkt- und Branchenwissen, Kenntnisse regionaler, nationaler und internationaler Märkte, weitreichendes betriebswirtschaftliches Know-how und umfassende Kenntnisse über technische Möglichkeiten der Kommunikation.

3. Methodische Kompetenz: Erfahrungen in der Moderation und Präsentation, sowie die Fähigkeit, zu reflektieren und zu strukturieren.

Der Holzring Handelsgesellschaft mbH für Holz, Platten und Baustoffe
Olaf Rützel, Geschäftsführer, Zentrale der Holzring-Kooperation, Bremen

4. Organisatorische Kompetenz: Best-practice im Bereich der Selbstorganisation und im Projektmanagement.

Der Wert und Erfolg eines Kooperationssystems wie das des Holzrings und damit verbunden auch der Nutzen für die Mitglieder liegt offensichtlich nicht nur im technischen/wirtschaftlichen Bereich, sondern viel mehr auch in der organisatorischen, politischen und psychologischen Ausgestaltung der Zusammenarbeit im Netzwerk. Die moderne Aufgabe einer Kooperation ist viel mehr die eines Netzwerkmanagers als die einer Einkaufskooperation. Hier ist sicherlich eine der wichtigsten Veränderungen im Laufe der letzten Jahre zu verzeichnen.

Die vom ParkettMagazin aufgeworfene Frage nach der Entwicklung der unterschiedlichen Vertriebskanäle beschäftigt den Holzring als Großhandelskooperation natürlich sehr intensiv: Auch in der Parkettbranche ist eine verstärkte Tendenz festzustellen, die traditionellen Zwischenhandelsfunktionen des Holzgroßhandels in Frage zu stellen. Der Holzgroßhandel gerät zunehmend in den Clinch zwischen Lieferanten, die den Direktvertrieb suchen und Abnehmern, die den Direkteinkauf beim Hersteller anstreben.

Spielraum des Großhandels eingeschränkt

Speziell die Wertschöpfungsfunktion des Großhandels im mehrstufigen Vertrieb wird aktuell und in Zukunft auf den Prüfstand gestellt. Über eine direktive Preisgestaltung der Industrie für Einzelhandelsstrukturen wird der Spielraum für den Großhandel zur Erzielung einer auskömmlichen Marge für die unterschiedlichen Wertschöpfungsfunktionen eingeengt. Delkredere, Lagerhaltung, Logistik und andere Komponenten des Marketing-Mix können nicht mehr kostendeckend übernommen werden. Die zunehmende Verdichtung von Industriemarken im Absatzmarkt erschwert die individuelle Positionierung des Großhandels in bestimmten Regionen. Als Resultat dieses Prozesses verlieren sowohl der Holzgroßhandel als auch industrielle Hersteller an gegenseitiger Attraktivität für die Marktbearbeitung und verlieren gemeinsam Marktanteile gegenüber anderen Vertriebskanälen.

Über seine Kernfunktionen unterstützt der Holzring die Rolle des Holzgroßhandels als aktiver Mitgestalter ganzer Wertschöpfungssysteme. Als modernen Netzwerkmanager für eine Kooperation wie dem Holzring wird zukünftig immer mehr das Ergebnis der gesamten Wertschöpfungskette in den Fokus rücken. Der Großhandel muss sowohl für seine Abnehmer als auch für seine Lieferanten einen deutlich wahrnehmbaren Nutzen bieten und genügend Mehrwert schaffen. Die Lieferantenverbindungen sind vom Holzgroßhandel genauso intensiv und sorgfältig aufzubauen und zu pflegen wie die Beziehungen zu den Abnehmern im Einzelhandel und verarbeitendem Gewerbe.

Über eine Unterstützung der Kommunikation - und das heißt auch eine aktive Einbeziehung eines öffentlichkeitswirksamen Branchenmagazins wie dem ParkettMagazin - kann eine Kooperation dazu beitragen, dass die Wertschöpfungspartner ihre jeweilige Funktion gegenseitig akzeptieren und das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit erfolgreich am Markt platzieren.

aus ParkettMagazin 06/07 (Wirtschaft)