Studie Bodenbelagsmarkt
Stellenmarkt

Branchen-Planer

Belgien Special

Artikel-Archiv


Wiljo Schumacher - Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Holzsachverständigen im GD Holz

"Hohe Reklamationshäufigkeit bei Terrassendielen"


Für die meisten Sachverständigen war das Jahr 2007 ein arbeitsreiches, denn die Reklamationshäufigkeit und die damit verbundene Anzahl der Streitfälle ist gewachsen. Gründe hierfür sind mangelhafte Produktinformationen, handwerkliche Unachtsamkeiten und eine stark verkommene Rechtskultur. Letztere dokumentiert sich dadurch, dass in der Vergangenheit die gutachterliche Entscheidung akzeptiert wurde. In den letzten Jahren bereits, und ganz besonders in 2007, entwickelt sich ein juristischer Kampfgeist, der nicht selten zwei bis drei Ergänzungsgutachten forderte, schließlich den Sachverständigen noch zu einem Gerichtstermin wünschte. Als letzter Versuch, um das Gutachten zu kippen, wurde dann noch ein Befangenheitsantrag gestellt. In diesem Zusammenhang fragte neulich bei einem Landgerichtstermin die Richterin sehr sinnig den Rechtsanwalt der unterlegenen Partei: "Glauben Sie wirklich, dass der Sachverständige Ihnen jetzt was anderes erzählt, als er vorher in seinem Gutachten geschrieben hat?"

Holzsachverständige erarbeiten Terrassendielen-Kriterien

Bei der Reklamationshäufigkeit nehmen nach wie vor Terrassendielen eine führende Stellung ein. Dabei liegen die Ursachen nicht im Holz begründet, sondern in dessen fehlerhafter Verarbeitung und unzureichender oder gar falscher Produktbeschreibung, so dass die Erwartungshaltungen des Verbrauchers nicht erfüllt werden. Deshalb wird zusätzlich zu der "Anwendungsempfehlung für Balkon- und Terrassendielen" des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel (GD Holz), kurz Riffelholzdielen-Merkblatt genannt, eine ergänzende Schrift unter der Redaktion von Josef Plößl (GD Holz) von den Holzsachverständigen mit dem Titel "Kriterien für die Beurteilung von Terrassendielen" entwickelt.

Bei der Diskussion über die vorläufige Fassung zeigte sich die Notwendigkeit, das bisher Zusammengetragene um detaillierte Produktbeschreibungen der Terrassendielen zu erweitern. Schließlich sind die Vielzahl der Holzarten, deren Dauerhaftigkeitsklasse und deren artspezifische Holzmerkmale in allen kursierenden Herstellerprospekten und Kooperationsmerkblättern immer noch unzureichend, teilweise sogar absolut falsch beschrieben. Von den Folgen können die Holzsachverständigen ein Lied singen und bemühen sich folglich um ein kompetentes Merkblatt aus der Sachverständigenpraxis für die gesamte Branche. Dieses Werk soll 2008 vollendet sein.


Bambus-Terrassendecks kritisch betrachten

Sehr zu schaffen machen die Bambus-Terrassendielen. Sie befinden sich immer noch in einem Versuchsstadium. Die Langzeiterfahrung mit diesem Produkt fehlt. Die Resistenzklasse für die Grasart Bambus lässt sich nicht definieren. Eine gute und intensive Oberflächenbehandlung ist erforderlich, die mindestens zweimal jährlich wiederholt werden muss, um Pilzbildung, Auffaserung und Verformung zu verhindern. Die Herstellung der Bambus-Terrassendielen ist sehr energie- und chemieintensiv (allein der Leimanteil beträgt ca. 8%). Da ist ja wohl die Frage erlaubt, ob ein derartiges Produkt als Terrassendiele für den ungeschützten Außenbereich empfehlenswert scheint.

Ähnliches gilt für die WPC-Terrassendielen. Auch hier zeigt die bisherige Praxis, dass die Lobeshymnen der Hersteller nicht halten, was sie versprechen; denn Verformungen, Ausbleichen und Verspröden sind bislang nicht auszuschließen. Ganz schlimm wird es, wenn WPC-Dielen als "Küstenholz" bezeichnet werden. Gegen derartige Fehlnamen wehren sich die Sachverständigen vehement.

aus ParkettMagazin 03/08 (Wirtschaft)