Werkhaus
www.decostayle.com
Domotex Shanghai 2018 Branchen-Planer

Artikel-Archiv


3. Gemeinschaftstagung Estrich, Parkett, Belag in Bad Reichenhall

Zukunftsthemen für alle drei Gewerke

Bereits zum dritten Mal demonstrierten die Verbände der Estrich-, Parkett- und Bodenleger ihre gewerkeübergreifende Zusammenarbeit: In Bad Reichenhall nahe der österreichischen Grenze trafen sich der Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF), der Bundesverband Estrich und Belag (BEB), die Bundesfachgruppe Estrich und Belag im ZDB, die Bundesfachschule Estrich und Belag und die Gütegemeinschaft Estrich und Belag. Nach getrennten Mitgliederversammlungen am ersten Tag stand der zweite Tag ganz im Zeichen der Gemeinschaftstagung. Dabei wurden Themen behandelt, die alle drei Gewerke betreffen: Wie verändert sich die Fußbodenbranche? Was muss bei Bodenbelägen auf Fußbodenheizung beachtet werden?

Als die drei Säulen des Fußbodenbaus bezeichnete Bertram Abert, Vorsitzender der Bundesfachgruppe, in seiner Begrüßungsrede die Gewerke der Estrich-, Parkett- und Bodenleger. Bundesinnungsmeister Joachim Barth ergänzte diese Aussage mit dem Wunsch an die 160 Teilnehmer der Gemeinschaftstagung, dass in absehbarer Zukunft nicht mehr drei Vorsitzende die Mitglieder begrüßen, sondern nur noch einer.

Eckdaten für Holz auf beheizten Fußbodenkonstruktionen

Über "Holz auf beheizten Fußbodenkonstruktionen - Möglichkeiten und Grenzen" referierte der Parkett-Sachverständige Volker Brückner. Insbesondere in Einfamilienhaus-Neubauten werden zunehmend Fußbodenheizungen eingebaut, so dass sich jeder Parkett- und Bodenleger hinreichend mit der Thematik auskennen muss.

Im Vorfeld der Verlegung beschäftigen sich üblicherweise Archtitekten und Heizungsbauer mit der Planung der beheizten Fußbodenkonstruktion. Zunächst wird die Heizlast, also der Wärmebedarf nach DIN EN 12381 berechnet. Diese so genannte Norm-Gebäudeheizlast berechnet sich aus der Lage des Gebäudes, den Abmessungen, der Bauweise, der gewünschten Innentemperatur, der Luftwechselrate und den angrenzenden Temperaturen. Sie ist maßgebend für die Größe des Wärmeerzeugers und für die Auslegung der Heizflächen.

Wärmeleitfähigkeit bestimmt Material und Dicke des Bodenbelags

Die Wärmeleitfähigkeit eines Materials bestimmt, welcher Belag überhaupt und in welcher Dicke er eingesetzt werden darf. Nach DIN EN 12524 beträgt die Wärmeleitzahl für Konstruktionsholz mit einer Rohdichte von ca. 500 kg/cbm (Nadelholz) ungefähr 0,13 W/m x K und mit einer Rohdichte von ca. 700 kg/cbm (Laubholz) rund 0,18 W/m x K. Nach DIN EN 1264 darf für eine Fußbodenheizung der gesamte Wärmedurchlasswiderstand R nicht höher als 0,15 qm x K/W sein. Dies bedeutet, so rechnete Brückner weiter vor, dass Laubholzböden mit einer Wärmeleitzahl von 0,18 W/m x K eine Dicke von 27 mm nicht überschreiten sollten, während Nadelholzböden nicht dicker als 19,5 mm sein sollten. Für die klassischen Parkett- und Dielenböden hat der Parkettsachverständige eine Liste zusammengestellt (siehe Tabelle).

Holzarten mit langen Feuchtewechselzeiten einsetzen

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Rund 160 Teilnehmer hatte die Gemeinschaftstagung Estrich, Parkett, Belag.
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Wärmedurchlasswiderstände typischer Parkett- und Dielenböden
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Holzarten-Empfehlung für Fußbodenheizung

Bei Holzböden auf beheizten Fußbodenkonstruktionen muss das hygroskopische Verhalten des Holzes besonders beachtet werden. Auf Veränderungen der Luftfeuchte reagiert Holz bekanntlich mit Quellen oder Schwinden. Durch den Betrieb einer Fußbodenheizung stellt sich mit Zeitverzug an der Fußbodenoberfläche (Empfohlene Maximaltemperatur: 26 C) eine geringere Luftfeuchte als im Raum ein. Wenn beispielsweise im Raum eine relative Luftfeuchtigkeit von 50% bei 20 C herrscht, dann beträgt die relative Luftfeuchte am Boden nur 35%, rechnete Volker Brückner vor. In der Folge sinkt die Holzfeuchte, es entstehen Fugen. Für vorgenanntes Beispiel beträgt die Holzfeuchte nach der Eisenmannschen Kurve ungefähr 6,5%.

Grundsätzlich muss der Parkettleger also darauf achten, dass die Holzfeuchten durch den Betrieb der Fußbodenheizung nicht zu stark absinken. Schließlich bedingt die Holzfeuchte gemeinsam mit dem Quellkoeffizient der Holzart die Fugengröße. Durch die Verformungszahl q (Veränderung des Holzvolumens bei 1% Holzfeuchteänderung) und die Holzfeuchteänderung in Prozent kann die zu erwartende Fugengröße bei Massivparkett nach Klimaänderungen berechnet werden. Bei Massivholz sollten schmale Elemente eingesetzt werden, um die Fugenbreite möglichst klein zu halten. Geklebtes Mehrschichtparkett wiederum verhält sich auf Grund der Sperrwirkung der Lagenverleimung bezüglich der Fugenöffnungen günstiger, erklärte Brückner weiter. Außerdem ist bei der Auswahl einer Parkettunterlage mit einem günstigen R-Wert eine schwimmende Verlegung von Mehrschichtparkett möglich.

Weiter empfahl Brückner, grundsätzlich Holzarten mit langsamen Feuchtewechselzeiten/Angleichgeschwindigkeiten einzusetzen - etwa Doussie, Nussbaum oder Eiche. Welche Parkettarten sich mit Blick auf die zu erwartende Fugenöffnung für welches Holz auf Fußbodenheizung eignet, hat der Parkettsachverständige und ehemalige Vorstand des Verbandes der deutschen Parkettindustrie (VdP) in einer Übersicht zusammengestellt (siehe Tabelle). Die Werte gelten für ein Klima von 20 C/50% relative Luftfeuchte und einer Fußbodenoberflächentemperatur von 26 C.

Perspektiven im Fußbodenbau

Bau-Ingenieurin Petra Kuhn befasste sich in ihrem Vortrag mit "Perspektiven im Fußbodenbau - Die Branche im Wandel". Nach ihren Recherchen sind folgende Entwicklungen in der Fußbodenbranche zu erwarten: Fließestriche und Fertigteilestriche gewinnen an Bedeutung; Systemlösungen sind zunehmend gefragt. Bei den Bodenbelägen sind besonders Parkett, Fliesen- und Plattenbeläge, dünne Beschichtungen und eingefärbte Estriche im Kommen. Für das Handwerk sei es wichtig, Chancen zu erkennen und zu nutzen. Dafür müssen die eigenen Stärken und Schwächen erkannt und Nischen besetzt werden. Mögliche Nischen bieten sich aus Sicht von Petra Kuhn mit dünnen Aufbauten, speziellen Sanierungslösungen, Industrie-/Gewerbebauten und Betonsanierungen. Chancen ergeben sich auch daraus, dass private Bauherren heute nach Speziallösungen verlangen. Kuhns Überzeugung lautet: "Kunden kaufen keine Produkte, sondern Emotionen." Um die anspruchsvollen Wünsche der Kunden umsetzen zu können, empfahl sie, Kooperationen mit Heizungsbauern und anderen Gewerken einzugehen, um "alles aus einer Hand" anbieten zu können.

Kuhn begründete, warum die Chancen für das Handwerk gut stehen:
- Weil die Immobilie als Altersvorsorge an Bedeutung gewinnt.
- Weil wir einen ständig wachsenden Immobilienmarkt haben.
- Weil der Wunsch nach Lebensraumgestaltung und Wohnwertsteigerung, Wellness und Energieeffizienz für zusätzliche Aufträge sorgen wird.
- Weil das kaufkräftige Klientel über 50 besonderen Wert auf Qualität und Sicherheit legt.

Die Gemeinschaftstagung Estrich - Parkett - Belag wird im kommenden Jahr zum vierten Mal stattfinden. Der Veranstaltungsort ist das Novotel in Berlin. Termin ist der 15. bis 16. Mai 2009.

aus ParkettMagazin 04/08 (Wirtschaft)