Studie Bodenbelagsmarkt
Stellenmarkt
Branchen-Planer

Belgien Special

Artikel-Archiv


maison & objet

Design wird als wichtiger Marktwert anerkannt

Paris - Sich von den Mitbewerbern abheben, Mehrwerte schaffen mit seinen Produkten und sich somit Marktanteile sichern: Das ist die Formel der Pariser Messeveranstalter, die sie festgelegt hat für alle Branchenakteure, die sich aus aller Welt an der Messe "mit dem größten Angebot des internationalen Inneneinrichtungsmarktes" beteiligt haben.

Motor des Erfolgs - und nur von Erfolg wird gesprochen - ist das Design mit seiner Ausdruckskraft und ganzen Vielfalt. Vorteil der Messe ist, dass die Besucher neugierig und erwartungsvoll nach Paris kommen und offen sind für Innovationen aller Art, seien es Produkte, Materialien, Technologien oder Konzepte. Allerdings stellten nicht nur deutsche Aussteller fest, dass die internationale Resonanz nicht so groß war wie erwartet. Die durch das allgemeine Wirtschaftsklima bedingte Zurückhaltung bei Reisekosten und Kauflust - so begründete es die französische Messeleitung SAFI - war zwar spür- und sichtbar, beeinflusste aber nicht die kreative Erfolgsstimmung.

Im September 2008 war ein leichter Besucherrückgang von 6,2 Prozent gegenüber dem Rekord-Vorjahr zu verzeichnen: 69.060 Besucher, davon 41.646 aus Frankreich und 27.414 aus dem Ausland. Ob das Besucherzählsystem tatsächlich so exakt ist, bleibt dahin gestellt. Es wurde sehr oft und nicht immer nachvollziehbar der Eintrittscode geprüft. Aber mehr als statistische Zahlen gelten auf der maison & objet ohnehin Besucher- und Aussteller-Reaktionen, und die stimmen schließlich immer wieder positiv. Die auf deutschen Messen oft gehörten "beleidigten" Aussagen, nicht wieder kommen zu wollen, blieben hier weg. Paris hat sich in Sachen Einrichtung, Design und Dekoration zum Pflichttermin gemacht, egal, in welchem Bereich. Diese euphorische Meinung ist jedenfalls vielerorts zu hören. Erfreulicherweise nutzten die französischen Fachbesucher ihre heimische Messe. Vergrößert wurde die Ausstellungsfläche um die Halle 7B für den zunehmend beliebten Indoor-Outdoor-Lifestyle.

Anlaufpunkt für alle, sozusagen die Einstimmung, ist Halle 5B mit Scènes dIntérieur, die dieses Jahr 20. Geburtstag feierte. Mit diesem Bereich wollte die Messe "all jenen einen Raum zur Verwirklichung ihrer individuellen Ideen geben, deren Leidenschaft der Dekoration gilt"...! Das Konzept hat sich bewährt. Besucher finden hier exklusives und originelles zeitgenössisches Design der bedeutendsten Designer im Bereich Inneneinrichtung. Ein Teilbereich der Halle 5B widmet sich in "now! design à vivre" den Avantgarde-Ideen renommierter Designer und solchen, die überzeugend kreatives Potenzial bieten. Viele von den "jungen" Designern starteten auf einer Frankfurter Konsumgütermesse. Dieses Jahr beschäftigten sich erfreulich viele mit textilen Materialien, eingebaut in ganzheitliche Stoffkonzepte. Das Thema Licht spielt eine Rolle und - besonders auffallend - die Wandgestaltung mit Tapeten. Vor gar nicht so vielen Jahren hat Sandy Chilewich mit ihren gewebten Vinyl-Sets und -Läufern die herkömmliche Tischdekoration umgekrempelt und hat damit, dezent ausgedrückt, die Branche nachhaltig inspiriert. Dieses Jahr war sie zum ersten Mal selbst auf der Messe und sorgte wiederum für Zulauf. Sie ist immer auf der Suche, Materialien weiter zu entwickeln und mit wenig Aufwand effektvoll und nützlich umzusetzen. Dieser kreative Umgang mit Material, Technologie und Form zeichnet alle diese Aussteller aus. Dabei entsteht Design, das zwar als Objekt "nur" schmückend sein kann, aber auch durch Funktion einen Mehrwert bietet, der Innovationen markt- und wettbewerbsstark macht.

Aussteller, die im Bereich Planung und Konzeption konkrete Lösungen für fantastische Ideen bieten, kennzeichnete die Messeleitung mit projets I. Interessant dabei sind die Trends, die dazu geboten wurden, um technisch und optisch überzeugende Lösungen zu realisieren. Neben der Verarbeitung von verschiedenen Materialien und Werkstoffen, vor allem für Wandverkleidungen und Bodenbeläge, rückten seltene Handwerke und traditionelle Techniken ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Vor allem das Thema Wellness im Haus stand im Focus. Individuelle Home-Spas und Entspannungsprogramme sollen das Badezimmer zur Wohlfühloase machen - mit futuristischen und gleichermaßen ökologischen Lösungen.

In Halle 2 fand sich wie immer klar gegliedert das gesamte textile Design-Angebot, stark ausgerichtet auf internationale Nachfrage. Die ist schließlich das beste Lockmittel der Messe. Im textilen Bereich herrscht das europäische Angebot vor, deutlich mit Blickrichtung auf Einkäufer aus Übersee, Ost und West. Das ist spürbar bei Bettwäsche der Luxusklasse. Französisches Flair ist sicher gefragt, ebenso aufwendige Stoffe, wertvolle Detailverarbeitung und durchaus praktisches, aber dekoratives Zubehör.

Der Zauber des Materials

Das Trendthema der maison & objet für 2009 heißt ganz schlicht "Simple". Gemeint sind damit Objekte von zurückhaltender Eleganz. Auf überflüssigen Schnickschnack soll verzichtet werden, man möchte sich in Zukunft mehr auf das Wesentliche beschränken. Das wird sich sicher individuell sehr verschieden gestalten, dennoch war dieser Gedanke der Vereinfachung, vor allem auch bei den französischen und belgischen Anbietern spürbar. Auch in der Textilhalle galt das Interesse neu entwickelten oder wiederbelebten Materialien mit Charakter und angenehmer Anwendung. Das Thema schlechthin war immer wieder Komfort und Wellness - besonders in Bad und Schlafzimmer. Aber Wohlgefühl alleine reicht nicht mehr - etwas Spirituelles, Nachdenkliches kommt dazu. Und Tradition, die nicht unbedingt europäisch ist, wenn es ums Bad geht. Das rituelle türkische Bad, der Hamam, inspirierte die Gestalter: Gewebtes in Baumwolle, Leinen, Seide, Kaschmir, strukturiert und zartfarbig, aber weich und geschmeidig - nicht nur zum Abtrocknen gedacht, sondern zum Einhüllen und Dekorieren. Die in Deutschland bereits gut eingeführte Marke Hamam aus der Türkei macht es vor.

Maison & Objet
International gefragt war die Vielfalt der französischen Bettwäsche-Kollektionen. Hier ein leicht und duftig kreiertes Ensemble von Anne de Solène.
Maison & Objet
Internationaler Marktauftritt mit erstklassiger Qualität in frischer Farbskala: Cawö und die Designermarke JOOP!
Maison & Objet
Tisch- und Küchenwäsche von Libeco in heller, deutlicher Leinenoptik.
Maison & Objet
Lisbet Friis aus der Gruppe der dänischen Designer fand viel Resonanz für ihre Kissenkreationen mit Streifen-Handdruckdessins.
Maison & Objet
Französische Tischwäsche-Tradition von Kenzo, ein Dauerbrenner für farbenfrohen Lebensstil.
Maison & Objet
Unverkennbar Designers Guild.

Sensationell belagert wurde der kleine, puristische Stand des japanischen Unternehmens Uchino Lifestyle Designing mit seiner Produktpalette Touch, die philosophisch interpretiert den Nerv vieler Besucher traf. Ein bisschen auf dieser zeitgeistigen Welle von Hamam schwimmt die junge Marke Blank aus Berlin mit, mit einem Bad- und Bettwäsche-Programm, das ehrlich und schlicht mit Naturmaterialien umgeht, handwerklich einfallsreich verarbeitet und mit sinnvollen Accessoires angereichert. Favoriten waren sicher klare Baumwollbilder und Leinen, die vor allem bei Tischwäsche auffielen. Das Wort puristisch drängt sich auf. Ansonsten gab es nicht so viele Neuheiten. Die bewährten französischen Jacquards fanden ihre Kunden.

Ein Thema wäre vielleicht noch zu beachten, obwohl es in Deutschland keine gestaltende Rolle spielt. Das Schlafzimmer wird zum wohnlichen Raum. Decken und Plaids kommen dabei auch auf deutschen Betten und Sofas zur Wirkung. Bei den Bettwäsche-Angeboten in Paris fielen Tagesdecken auf, die ihr sehr traditionelles mediterranes Aussehen total abgelegt haben. Aus Fell, gestrickt oder aus anderen soften Materialien, prägten sie die Bett-Präsentationen, gehörten zum Lifestyle.

Das Farbbild bei Tisch- und Bettwäsche zeigte sich ziemlich einheitlich. Weiß und leicht verblichene Pastelltöne gaben Leinen und Halbleinen den Charme von Zurückhaltung und Klarheit. Dunkle, winterliche Farben aus der Rost-, Braun-, Grau- und Schwarzskala oder Rot- bis Violett-Töne herrschten vor, meist uni und mit wenig Dekor. Es wirkte alles naturnah, auch die stilisierten Blüten- und Blätterdrucke.

Es ist an der Zeit, wieder Holz zu spüren

Simple - einfach leben schlagen drei bekannte französische Designer vor. Erde und Heimat gewinnen an Wert. Das Zusammenspiel von Natur und Technik macht den Menschen zum Zentrum des Ökosystems. Slow Tech nennt Franois Bernard seine Vorstellung vom besseren Leben - natürlich und mit einem langsameren Rhythmus. Einfache Formen sorgen für solide, unaufgeregte Eleganz. Die Zeit der Wegwerfprodukte ist vorbei, Beständigkeit ist angesagt.

Dem Stilbüro Nelly Rodi geht es um ökologisches Überleben. Äußerlich erkennt man die Großstadtpuristen an ihrer nüchternen Eleganz, und in ihrem Lebensstil streben sie nach Askese und beinahe militärischer Strenge. Sie sind Streiter für ein neues ökologisches Bewusstsein und wollen überleben in sinnlich geprägter Schlichtheit. Elisabeth Leriche träumt vom Farm Life, den einfachen Freuden des ländlichen Lebens im Zeitalter der rasenden Urbanisierung. Mit der Erde verwurzelte Objekte machen die friedvolle Authentizität von einfach verarbeiteten Materialien und traditionellem Handwerkswissen deutlich. Ein Gutteil dieser Trendvisionen für 2009 waren auf der Messe im Design aller Bereiche bereits realisiert.

Die nächste maison & objet findet zusammen mit der maison & objet éditeurs vom 23. bis 27. Januar 2009 in Paris-Nord Villepinte statt. Von 22. bis 26. Januar 2009 findet ergänzend Meuble Paris in Paris Le Bourget statt.

aus Haustex 11/08 (Wirtschaft)