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imm cologne 2009

Die Matratzen-Branche tanzte gut gestimmt

Köln - Wer zuvor auf der Heimtextil war, fuhr danach etwas entspannter zur Kölner Möbelmesse imm. Schließlich fiel in Frankfurt das befürchtete Lamento über die schlechte Lage der Wirtschaft im Allgemeinen und der Haustextil-Branche im Speziellen aus. Und die Hoffnungen trogen nicht, denn auch in Köln herrschte in der Sleep-Halle 9 eine allgemein entspannte Atmosphäre. Im Vergleich zu den übrigen Hallen war die 9 sogar fast eine Insel der Glückseligen.

Kein Zweifel, die Möbelmesse hatte in diesem Jahr ein Problem. Mit den Schlafzimmer-Anbietern und den Küchen-Herstellern fehlten in Köln zwei ganz wichtige Warengruppen, die sicherlich einige potenzielle Besucher von der Reise an den Rhein abgehalten haben dürften. Hinzu kam, wie in Frankfurt, ein überproportional starkes Minus bei den ausländischen Besuchern. Rund 77.000 Fachbesucher zählte die Kölnmesse nach den fünf Fachbesucher-Tagen, immerhin 9.000 weniger als 2008, also gut zehn Prozent. Auch bei der Zahl der Aussteller musste die Messe deutlich Federn lassen, sie sank um 194 auf 1.057. Das ist sogar ein Minus von gut 15 Prozent. Entsprechend fiel der Messekatalog deutlich dünner aus als sein Vorgänger. Die Halle 1 wurde nicht geöffnet und deren Sortiment stattdessen in die 2 verfrachtet. In einigen Hallen war dennoch ein deutlicher Rückgang der Frequenz zu beobachten.

Gerald Böse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kölnmesse, zog dennoch ein positives Fazit: "Ich bin der Überzeugung, dass wir innerhalb der herrschenden Rahmenbedingungen eine gute Möbelmesse erlebt haben. Der realistische Optimismus der Branche spiegelte sich sieben Tage in den Hallen wider." In das gleiche Horn blies Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie: "Die gute Ordertätigkeit und die vielen Facheinkäufer aus allen Teilen der Erde bestätigen uns in unseren optimistischen Prognosen, dass 2009 trotz der weltweiten Wirtschaftskrise ein gutes Möbeljahr wird."

Von den allgemeinen negativen Umständen der Messe war in der Sleep-Halle erfreulicherweise wenig zu spüren. Zwar registrierten die Aussteller auch hier etwas weniger Besucher, aber manche Stände waren dennoch so voll, dass es der Haustex schwer fiel, Zeit für ein kurzes Gespräch zu bekommen. So soll es ja auch sein. Erneut verzichteten Firmen wie Lattoflex, Swissflex auf die Möbelmesse, besonders fiel jedoch das Fehlen des Branchenriesen Hilding Anders auf. Bei Swissflex soll eine interne Umstrukturierung der Grund dafür gewesen sein. Lattoflex, ohnehin ursprünglich nur alle zwei Jahre in Köln anwesend, ist offenbar der Meinung, gänzlich auf die Messe verzichten zu können.

Warum jedoch Hilding Anders in diesem Jahr verzichtete, nachdem man in den beiden vergangenen Jahren mit großen Ständen Präsenz zeigte, darüber rätselt die Branche. Jedenfalls war von Tochterunternehmen des Konzerns zu hören, dass ihnen die Köln-Abstinenz ganz und gar nicht passe. Der Konzern hat sich mit seiner kurzatmigen Deutschland-Strategie zwar reichlich blamiert. Schließlich hieß es noch vor Jahresfrist, man wolle den deutschen Markt mit einer eigenen Gesellschaft und vier neu geschaffenen Marken intensiv bearbeiten. Wenige Monate später durften sich die Mitarbeiter der Deutschland-Zentrale in Mörfelden schon wieder einen neuen Arbeitgeber suchen. Inzwischen existiert Hilding Anders Deutschland nur noch als Firmenmantel. Die deutschen Kunden werden durch einen Externen im Namen von Hilding Anders betreut.

Aber können die gescheiterten Deutschland-Pläne der Grund dafür sein, sich gänzlich von der Messe zu verabschieden? Eigentlich nicht. Schließlich ist die Möbelmesse auch eine internationale Messe und sollte damit für den schwedischen Konzern interessant genug sein. In der Branche wird daher vermutet, dass die rasante Expansion in den letzten beiden Jahren mit zahlreichen Firmenübernahmen so viel Geld gekostet habe, dass die Londoner Investmentgesellschaft Candover, der Hilding Anders gehört, interveniert hat und erstmal einen return on investment sehen möchte.


Doch auch ohne die genannten drei Unternehmen funktionierte die Halle hervorragend. Erfreulich war, dass die Steinhoff-Tochter Hukla erstmals in der Sleep-Halle ausstellte. Bis zum Verzicht der Gruppe auf die Möbelmesse zeigte Hukla seine Matratzen in der Steinhoff-Halle. Schade nur, dass Superba es vorzog, in diesem Jahr in die Halle 11 zu den hochwertigen Möbelanbietern zu wechseln. Vertriebschef Helmut Nagel fühlte sich dort zwar nach eigenen Angaben sehr wohl, aber ob er damit seinen Kunden einen Gefallen getan hat, ist fraglich. Ganz zu schweigen davon, dass es eigentlich im Interesse der gesamten Matratzenbranche sein müsste, eine starke Sleep-Halle mit allen wichtigen Anbietern zu bieten. Eine stärkere Zerfaserung der Sortimente auf verschiedene Hallen wäre kontraproduktiv. Zumal die Messe Köln bestrebt ist, weitere Hersteller angrenzender Sortimente anzulocken. Es war auch schon der eine oder andere Entscheidungsträger zu sehen, der in Frankfurt ausgestellt hat und jetzt einmal die Lage in Köln "peilte".

Mal sehen, wie der Wettbewerb um Paradies und Billerbeck ausgeht, die, aus welchen Gründen auch immer, in diesem Jahr nicht zur Heimtextil kamen. Auch bei der Bettwäsche, so ist zu hören, soll es Interesse an Köln geben. Der Bettwaren-Spezialist Sanders jedenfalls hat sich in diesem Jahr zum dritten Mal den Luxus zweier Messen geleistet und ist von dieser Dualität voll überzeugt. In Köln erreiche man ganz andere Einkäufer-Schichten als in Frankfurt, die sich gegenseitig gut ergänzten, so dass sich für das Bramscher Unternehmen die Investition in zwei Messestände offensichtlich lohnt. Es gäbe sicherlich noch Flächen, die man für neue Aussteller frei machen könnte. Und gegenüber der Haustex wurde geäußert, dass man als Aussteller gerne etwas enger zusammenrücken würde, um die Attraktivität der Halle durch weitere Aussteller zu steigern.

Wirklich neue Trends hat es bei den Matratzen und Schlafsystemen nicht gegeben. Fast jeder Hersteller reagiert inzwischen auf das Thema Boxspring-Betten, ob mit einem eigenen Boxspring-System oder einer anderen Art der komfortablen Unterfederung. Ein weiteres Thema, das allmählich um sich greift, ist das nachhaltige Produkt, das zumindest zum Teil aus regenerativen Rohstoffen besteht. Eng damit verbunden ist die Erwartung (oder Hoffnung?) mancher Hersteller, dass die Latex-Matratze wieder eine größere Bedeutung erlangt. Gelegentlich wurde in Köln die Meinung geäußert, dass Kaltschaum den Höhepunkt des Produkt-Zyklusses errreicht hat. Als Alternative wird Latex aufgebaut, aber auch der gute, alte Taschenfederkern in edler Variante mit einer hohen Zahl von Federn gelangt wieder stärker in den Vordergrund.

Neben der Attraktivität einer wirklich gut funktionierenden Schlafhalle bietet die Messe auch den nicht zu unterschätzenden Vorteil des attraktiven Branchen-Abends meet@sleep, der traditionell am Messedienstag stattfindet und den Zusammenhalt der Betten-Branche sichtlich fördert. Er wird gemeinsam veranstaltet durch den Matratzenverband und die Kölnmesse als Finanzier. OK, beim Essen besteht vielleicht noch ein wenig Optimierungsbedarf. Aber für die meisten Teilnehmer war der Aspekt der Speisenqualität allenfalls zweitrangig. Bot sich doch erneut eine wunderbare Gelegenheit, mit Branchenkollegen und Kunden abseits des Tagesgeschäfts zu reden und gemeinsam das eine oder andere Kölsch zu lüpfen. Und an der Bierversorgung gab es wirklich nichts zu bemäkeln. Eine wirklich hervorragende Life-Band, die inzwischen schon echte Fans unter den Ausstellern gewinnen konnte, sorgte erneut dafür, dass auch eifrig getanzt wurde.

Die nächste imm Cologne findet statt vom 18. bis 24. Januar 2010.

aus Haustex 03/09 (Wirtschaft)