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Ambiente

Freude an Wohlfühl-Produkten macht kauflustig

Frankfurt/Main - Als eine der weltweit größten Konsumgütermessen rundete die Ambiente in Frankfurt Mitte Februar (13.-17.) den Messereigen für das erste Halbjahr 2009 ab. Krisenstimmung fand auch hier nicht statt, Aussteller (4.466 aus 86 Ländern) und Fachbesucher - rund 135.000 - zeigten Kauflust und Interesse an Qualität und Design. In Deutschland wurde im internationalen Stimmungsvergleich die momentane Situation viel positiver gesehen. Fast drei Viertel empfanden sie als gut bis befriedigend.

Es fehlte zwar an internationalen Kunden, dafür war der inländische Handel rege bei der Sache. Die Messe vermeldet ein Besucherplus aus Deutschland von rund acht Prozent. Obwohl zahlenmäßig reduziert, kamen die wichtigen Branchenvertreter aus den von der Finanzkrise direkt betroffenen Nationen wie Großbritannien, Spanien, Russland, Japan und den USA, die neben Italien, Griechenland und Schweiz dennoch zu den besucherstärksten Ländern zählten.

Die Besucherfrequenz ist nie groß genug, und ganz besonders nicht die Internationalität. Ein Großteil der Aussteller der Ambiente verlässt sich auf erfolgreichen Export. Das Angebot ist darauf ausgerichtet. Es war ja auch keine generelle Kaufzurückhaltung spürbar, doch die Kunden sind wählerischer geworden. Es wurde gezielt gesucht und mit Bedacht entschieden. Zuwächse in angespannter Wirtschaftslage seien unrealistisch. In schwierigen Zeiten sei es wichtig, Akzente zu setzen und mit neuen Ideen die Kunden zu begeistern. So machten Branchensprecher Mut und ermunterten zur "kreativen Courage". Markenpflege, innovative Konzepte und regelmäßiges Präsentieren von Neuheiten seien Erfolgsgaranten. Gerade in Krisenzeiten, wenn die Menschen das Vertrauen verloren haben, müsse man kritisch sein, aber auch Neues wagen und investieren.

Vor Jahren teilte die Messeleitung die Konsumgütermesse Ambiente, die fast noch im Winter stattfindet, in die drei Leitmesse-Themen Giving, Dining und Living, um Übersicht über das Gesamtangebot zu schaffen und Wege zu verkürzen. Im Bereich Living für Wohnen und Design entstanden - und das war sehr wichtig und inspirierend - Branchen übergreifende Angebotsdarstellungen, die es dem Handel ermöglichen, zu diversifizieren und sich dabei einen Nischenbereich zu schaffen. "Wer Nischen besetzt, ist kein Lückenbüßer, sondern erfolgreich", behauptet Dr. Michael Peters, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Über die Nische könne man sich positionieren und Industrie und Handel können gemeinsam bestimmte Zielgruppen gewinnbringend ansprechen. Damit befürwortet er die Vielfalt des Messeangebots, die aber, um aufgenommen zu werden, Initiative und Offenheit des Fachbesuchers fordert.

Die Nachfrage in den Wohnsortimenten war gut, die Themen und Trends der Branche schienen angekommen zu sein. Der generelle Eindruck, dass Wohnen und Design an Bedeutung gewinnen, bestätigte die Besucherbefragung auf der Ambiente: 24 Prozent der Facheinkäufer gaben an, sich für Interiors & Dekoration zu interessieren. Führende Aussteller im Bereich Loft mit Design- und Avantgarde-Angebot bestätigten, dass man sich allgemein auf Werte und Bewährtes besinne. Das Interesse an billigen Kopien ließe spürbar nach. Die Messe Frankfurt hatte diesem positiven Trend vorgegriffen und der Loft-Hallenebene 6.1 zur Ambiente 2009 die Fläche 6.0 für 80 Aussteller mehr hinzugefügt. Vor allem fielen in 6.0 die Sonder-Areale auf: "Talents", das Förderprogramm für Jungdesigner, die Nachwuchsförderung "Next", um Nischenanbietern aus dem Designbereich Hilfestellung ins Business zu leisten, die Länderpräsentation "Japan Style", das Vortrags-Forum "On Design" für und mit der internationalen Designszene.

Ambiente Frankfurt
Dibbern bietet zu den bekannt trendigen Porzellan- und Glasserien eine farblich gut abgestimmte Textil-Palette an Tischtüchern und Läufern, Sets und Servietten aus Leinen und Halbleinen dezente Jacquards, feine Ton-in-Ton-Streifen, Uni-Qualitäten mit Hohlsaum.
Ambiente Frankfurt
Chilewich, eine der bahnbrechenden Marken für Tischkultur: Die Sets aus gewebtem Vinyl (Plynyl von Sandy Chilewich) werden ergänzt mit Servietten aus Leinen.
Ambiente Frankfurt
Leonardo, der Spezialist für dekoratives Wohnzubehör in Glas und Keramik, lehnt Formensprache und Farben der Natur an und bietet im Rahmen der "Outside in Accessories" Halbleinen-Servietten und bedruckte Tischläufer an.
Ambiente Frankfurt
Im Gemeinschaftsstand in Halle 6.0 fand modernes, junges japanisches Design ein Forum für asiatische Gestaltungskunst. Das hier gezeigte Thema "Shima-Shima" zeigt wiederbelebte Traditions-Webkunst mit dreidimensionalen Streifen für Kissen und Tischdekor.

Der Wunsch nach Behaglichkeit ist aktueller Verbrauchertrend. Dabei ist das Verantwortungsbewusstsein für Ressourcen, auch im Interesse kommender Generationen, überall präsent. Kunden entscheiden sich in der Mehrheit für zeitlose Produkte, oft für etablierte und innovative Marken im mittleren und gehobenen Preissegment. Besonders Neu- und Weiterentwicklungen von Produkten rund um Entspannung und Genuss werden beachtet. Wellness- und Spa-Produkte werden in großer Vielfalt angeboten, oft als Randsortiment, aber auch kuschelige Kissen und weiche Decken entsprechen diesem Wunsch nach Wohlgefühl. Ungebrochen scheinen Fantasie und Nachfrage um Kissen in jeder Form zu sein - ein Thema, das schlechthin Lifestyle-Angebote prägt. Die Aussteller von Haus- und Heimtextilien präsentierten sich überwiegend in Halle 4.1. Ihr besonderes Interesse galt neben den Wünschen ihrer Fachhandelskunden den Besuchern aus dem Möbelbereich. Für die sind gebündelte klare Angebotskonzepte wichtig, meist mit Präsentations- und Deko-Vorschlägen. wie sie einige der Markenhersteller, zum Beispiel die Firma Banaras, boten. Textiles, vor allem wieder Sitzauflagen oder Bodenkissen, gehört zum Thema Outdoor Living, das nicht nur im Sommer stattfindet, sondern in Wintergärten das ganze Jahr über behaglich gestaltet wird. Vielleicht wirkt sich dieses naturverbundene Leben auch aus auf das Meterwaren-Sortiment, das in vielen Musterungen und mehr als bisher, nicht erkennbar beschichtet, in den Tisch- und Küchenwäsche-Kollektionen - bei Linum, Scantex, Garnier & Thiebaut - zu finden ist. Das Tischtuch in Wunschmaß spielt weiterhin eine Rolle.

Als richtungsweisend für Wohnkultur bezeichnen Trendsetter den Stil- und Materialmix, wobei es aber nicht um Ethno-Look im herkömmlichen Sinn geht. Es werden vor allem fremde Handwerkstechniken umgesetzt und in Marketingbegriffen wie "Urban Safari" verständlich gemacht. Gut machen sich auch geometrisch klar konstruierte Couchtische mit japanischem Lackfinish. 2009 sind alle Farben erlaubt, aber nicht nur einfach bunt, sondern abgestimmt und kombiniert mit beispielsweise Metalltönen und Naturmaterialien. Trendfarben des Frühlings sind Lila, Flieder, Rosé- und Beerentöne, hauchzart bis kräftig kombiniert mit Weiß, Grau, Gold und Silber.

Im nächsten Jahr (2010) bekommt die Ambiente ein neues Gesicht und präsentiert sich in einer völlig neuen Hallenstruktur. Dining belegt die Hallen 1 bis 6, das heißt die östliche, stadtnahe Seite des Messegeländes. So werden Dibbern, Asa und Leonardo, nur um einige zu nennen, in Halle 4 zu finden sein. Living und Giving wechseln ins Westgelände und werden den Neubau der Halle 11 belegen. Die neue Geländestruktur macht es möglich, Marktsegmenten mit wachsendem internationalen Potential, wie beispielsweise dem Trendangebot für die Küche oder dem Thema Design, noch mehr Raum zu bieten.

Die nächste Ambiente findet vom 12. bis 16. Februar 2010 in Frankfurt am Main statt. Die nächste Trend- und Ordermesse für Wohnen und Schenken, Tendence, findet vom 3. bis 7. Juli 2009 in Frankfurt am Main statt.

aus Haustex 04/09 (Wirtschaft)