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TKB-Gesprächsrunde Fußbodentechnik zwischen Klebstoffindustrie und Handwerk

Verlegebedingungen, neue Zemente und Feuchtemessung waren zentrale Themen

Von der Anwendungstechnik über Arbeits- und Umweltschutz, Baurecht bis hin zu Gefahrstoffen reichte das Themenspektrum der TKB-Gesprächsrunde Fußbodentechnik, die anlässlich der Estrich-Parkett-Messe in diesem Jahr in Feuchtwangen tagte. Anwendungstechniker der Bodenbelagshersteller, der Klebstoffindustrie, Sachverständige sowie Vertreter der Verbände und Innungen waren dem Ruf der TKB zum Erfahrungsaustausch gefolgt.

Trotz der großen Themenvielfalt fand die fachlich hochrangig zusammengesetzte Gesprächsrunde Gelegenheit zu einigen grundlegenden Aussagen. Viele Themen konnten nur kurz angesprochen werden, andere wiederum wurden ausführlich erörtert.

Raumklima, Einheitliche Festlegung
Ein Kompromiss konnte zum Thema "Anforderungen an das Raumklima bei der Verlegung, relative Luftfeuchte unter 65 %" gefunden werden. Hier gab es unterschiedliche Auffassungen der Handwerksverbände, des BEB und der TKB. Man verständigte sich auf die von Karsten Krause vorgeschlagene Formulierung, dass "die relative Luftfeuchte unter 65 % betragen sollte, jedoch 40 % nicht unterschreiten und 75 % nicht überschreiten darf".

Oberflächenbehandelte elastische Bodenbeläge
Informationsbedarf besteht offensichtlich noch immer zu beschichteten elastischen Belägen. Uwe Bauer (Nora Systems) machte noch einmal deutlich, dass rund 70 % aller Schäden bei solchen Belägen auf Reinigungsfehler zurückzuführen sind. "Drei Kreuze würden wir machen, wenn Beläge mit Oberflächenbeschichtungen verschwinden", äußerte einer der Teilnehmer, "zumal sich erforderliche Sanierungen als sehr aufwendig erwiesen haben". Bauer kündigte an, dass Nora Systems die Beschichtung von elastischen Belägen aufgeben werde.

Saubere Schweißnaht
Zum Thema "Verbessertes Verschweißen" teilte Richard Kille mit, dass ein von ihm entwickeltes Werkzeug, mit dem die Schweißschnüre schadensfrei abgestoßen werden können, über den einschlägigen Fachhandel ab Herbst bezogen werden kann.

Bodenbeläge, Akzentstreifen
Akzentstreifen in elastischen Designbelägen machen bei der Verlegung oft Schwierigkeiten. Weil sie so schmal sind, quillt bei normaler Benetzung der Klebstoff nach oben heraus. Deshalb werde lieber weniger Klebstoff aufgezogen, was dann zu losen Streifen führt. Da Akzentstreifen in keiner Norm erfasst sind, war sich die Runde einig, eine Anfrage zu Verlegerichtlinien an den FEB zu richten.

Trockenklebstoffe, IFR-Merkblatt
Richard Kille bietet an, das von ihm verfasste Merkblatt "Trockenklebstoffe" der TKB zur Verfügung zu stellen, um daraus ein TKB-Merkblatt werden zu lassen. Bei der weiteren Bearbeitung möchte er gern Mitglieder der TKB mit einbinden.

Rutschklassen bei Bodenbelägen
Zum Thema "Rutschsicherheit" war sich die Runde einig, dass die aktuellen Veröffentlichungen von Norbert Strehle ausreichend für Klarheit gesorgt haben.

Brandverhalten von Bodenkonstruktionen
Hier bestand die Forderung, jeden Klebstoff mit jedem Belag einzeln zu beurteilen. Jetzt gehen Bestrebungen dahin, Klebstoffe in Gruppen zusammenzufassen und dann jeweils mit einem Belag zu prüfen.

REACH, Konsequenzen
Die REACH-Verordnung und ihre Auswirkungen betreffen in erster Linie die Hersteller von Chemikalien. 20 % der verwendeten Rohstoffe, so die Annahme, werden wegfallen. Dadurch können sich im Einzelfall für Verlegewerkstoffe andere Formulierungen ergeben, die dann mittelbar auch das Handwerk angehen. Direkt einbezogen ist der Handwerker nur dann, wenn er Produkte, die unter die REACH-Verordnung fallen, aus dem Ausland einkauft, also als Importeur tätig wird.

TKB Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e.V.
Der TKB-Vorsitzende Dr. Frank Gahlmann leitete die Gesprächsrunde auf der EPM in Feuchtwangen.
TKB Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e.V.
Teilnehmer an der TKB-Gesprächsrunde: Richard A. Kille (Sachverständiger), Karsten Krause (Vorstandsmitglied ZVPF), Michael Illing (Forbo Erfurt), Ralf Putze (Debolon), Karl-August Siepelmeyer (Hauptverband Farbe, Gestaltung, Bautenschutz) und Jörg Baumann (Sachverständiger).
TKB Technische Kommission Bauklebstoffe im Industrieverband Klebstoffe e.V.
Diskutierten mit: Peter Mau (Chefredakteur ParkettMagazin), Willi Nürnberger (Parkettleger), Dr. Hubert Motzet (Schönox), Wolfgang Jürgens (Sachverständiger), Peter Schwarzmann (Sachverständiger), Uwe Bauer (Nora Systems), Dr. Udo Windhövel (Henkel Bautechnik) und Kerstin Becker (Gerflor Mipolam).

CEM II-Zemente, Zusammensetzung und Eigenschaften
Einen breiteren Rahmen nahmen die Diskussionen zur Einführung neuer CEM II-Zemente in Anspruch. Hierbei ging es um die Zusammensetzung und um Eigenschaften, um Konsequenzen für die Feuchtemessung und die Beurteilung der Belegreife. CEM II-Zemente sind nicht neu, sondern werden seit vielen Jahren, auch für die Estrichherstellung, eingesetzt. Neu ist jedoch die Zusammensetzung. Die Zementindustrie geht mehr und mehr dazu über, als weitere Hauptbestandteile statt Kalkstein (6 bis 20%) jetzt Hüttensand einzusetzen. Das könne auf die Trocknung und Aushärtung des damit hergestellten Estrichs erhebliche nachteilige Auswirkungen haben.

Seit Jahrzehnten hat sich für die Estrichherstellung der klassische Portlandzement CEM I bewährt. Er besteht zu 95 % aus Portlandzementklinker und zu 5 % aus Nebenbestandteilen. Diesen Zement wird es bald nicht mehr geben. Warum? Die Portlandzementherstellung ist extrem energieaufwendig. Sie erfordert Prozesstemperaturen von 1.500 C und setzt erhebliche Mengen CO2 frei. Als Richtwert wurde genannt: Bei der Herstellung von 1 to Zement wird 0,5to CO2 freigesetzt. Um Kosten zu senken und um die von der Politik geforderte Reduktion der CO2 -Emission umzusetzen, haben die Zementwerke den Anteil an Portlandzementklinker gesenkt und dafür andere Bestandteile wie Hüttensand und Hochofenschlacke eingesetzt. Der so entstandene CEM II-Kompositzement ist genormt und wird in erster Linie im konstruktiven Hochbau eingesetzt, aber auch zur Herstellung von Estrichen.

Wenn nun der Estrichleger den CEMII-Kompositzement einsetzt, z.B. einen CEM II BL, müsste er beim Ansetzen der Mischung berücksichtigen, das dieser Zement bis zu 35 % Nebenbestandteile enthalten kann. Bei einer üblichen 1:5 oder 1:6 Estrichmischung enthält der eine Teil aber nicht mehr bis zu 100 % Zement, sondern im ungünstigsten Fall nur noch 65 %. D.h., das tatsächliche Mischungsverhältnis beträgt dann 1:6 bzw. 1:7. Mit der Konsequenz, dass die Festigkeits- und Restfeuchteentwicklung eine andere ist, mit Auswirkungen bis hin zur Feuchtemessung.

CEM II-Zemente, Feuchtemessungen
Für die bisherigen Zementestriche gibt es bewährte Messverfahren und langjährige Erfahrungen, auch in der Beurteilung von Grenzwerten. Für die Messung und Beurteilung von CEM II-Estrichen kann noch nicht auf Erfahrungen zurückgegriffen werden. CM-Messungen sind mit einem Fragezeichen versehen, auch weil die zur Beurteilung notwendigen Sorptionsisothermen fehlen.

Richard Kille empfiehlt, "das zu tun, was wir können, nämlich Böden verlegen, und das zu machen, was wir müssen, nämlich prüfen". Und wenn die Prüfergebnisse nicht schlüssig sind, sollte schriftlich der Architekt befragt werden, bei wie viel CM-% dieser Estrich belegereif ist. Karl-August Siepelmeyer, Präsident des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung, Bautenschutz, hält dieses Vorgehen allerdings für praxisfremd. Seine Empfehlung lautet: "Prüfen und ggf. Bedenken anmelden."

Wilhelm Nürnberger, Obermeister der Innung Köln-Bonn-Aachen, berichtete, wie er mit kritischen Estrichen, z.B. Schnellestrichen, verfährt. "Ich messe dann die relative Luftfeuchte im Bohrloch. Dazu schaffe ich mit einer Folie einen geschlossenen Raum, der keine Verbindung zur Außenluft hat, sondern nur von dem umgebenden Estrich kontaminiert wird. Nach einiger Zeit stellt sich in diesem Raum eine korrespondierende Luftfeuchte ein. Und die ist für die Beurteilung ausschlaggebend. Uns interessiert, ob wir eine Restfeuchte im Estrich haben, die einer relativen Luftfeuchte von 60% entspricht." Diese Messmethode erfordert zur Messwertbeurteilung keine Sorptionsisotherme. "Die brauche ich nur dann, wenn von relativer Luftfeuchte auf Massenprozente oder CM-Prozente umzurechnen ist."
"Diese Methode ist intelligent, weil sie materialunabhängig arbeitet", ergänzte Dr. Motzet (Schönox). "Ob es ein mit einem CEM I-Zement oder mit einem CEM II-Zement hergestellter Estrich ist, oder aber Beton, wie viel Zement enthalten ist, wie groß der Anteil der Zuschlagstoffe ist, das ist bei dieser Messung völlig egal." Gemessen wird, wie viel Feuchte aus einem Bauteil in die umgebende Luft geht. D.h. je höher das Feuchtepotential im Bauteil ist, umso höher ist die Luftfeuchte.

Wie ließe sich diese Methode in die Praxis umsetzen? "In Skandinavien wird schon lange so gemessen", bestätigt Dr. Motzet gleichlautende Hinweise aus der Runde, "aber es funktioniert nur deshalb besonders gut, weil es dort zumeist keinen Estrich gibt, sondern monolithischen Beton in Dicken von 15 bis 25 cm."

Richard Kille hält diese Messmethode für noch nicht einsetzbar. Noch orientieren sich alle an der CM-Messung, auch die Richter. Dr. Gahlmann gibt ergänzend zu bedenken: "Wenn wir feststellen würden, dass die Messung mit dem CM-Gerät deutliche Schwächen aufweist, würden unzählige Gerichtsentscheidungen in Frage gestellt." Kille hält es aber durchaus für denkbar, über die Messung der Luftfeuchte im Bohrloch zu einer soliden Beurteilung des Estrichs zu kommen. "Wir brauchen professionelle Messgeräte, eine genormte Vorgehensweise, also festgelegte Bohrlochdurchmesser, Dauer der Wartezeiten, usw. Schwierig dürfte dabei das Justieren der Messfühler sein."

Der abschließende Rat von Kille an das Handwerk: "Nehmen Sie ein elektronisches Messgerät, um damit die feuchteste Stelle zu suchen. Und dann machen Sie dort die CM-Messung. Bedenken Sie dabei, dass alle in den vergangenen 30 Jahren festgelegten Grenzwerte keinen Wert mehr haben, weil es andere Estriche gibt, andere Vorstriche, andere Spachtelmassen, andere Klebstoffe und andere Bodenbeläge. Infolgedessen sind die altbekannten Grenzwerte, wenn sie so bleiben, wie sie sind, nicht mehr die, die wir brauchen."

aus FussbodenTechnik 05/08 (Wirtschaft)