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Sachverständigenseminar ZVPF, Feuchtwangen

141 Sachverständige auf den neuesten Stand der Technik gebracht

Das Sachverständigenseminar des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF) in Feuchtwangen hatte in diesem Jahr wieder hochaktuelle Themen zu bieten. Sachverständigen-Obmann Sönke Stoltenberg hatte wieder einmal eine spannende Vortragsmischung zusammengestellt. Rund 141 Sachverständige interessierten sich für Mehrschichtparkett, Grenzwerte für Fugenbreiten, Fußbodenleisten, das Fußbodenüberwachungssystem Fidbox und Brandschutz bei Parkett.

Wie muss ein besonders formstabiles Mehrschichtparkett aussehen? Ist die Gesamtdicke entscheidend, wie bedeutend ist die Feuchte der Decklage und welchen Einfluss hat die Art der Mittellage? Das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) unter der Leitung von Dr.Rico Emmler hat in zahlreichen Tests erstmals systematisch verschiedene Einflussgrößen untersucht. Das Ergebnis: Die wichtigsten Einflussfaktoren für die Stabilität des Parketts sind der Diffusionswiderstand der Oberfläche (Lack oder Öl), die Art der Mittellage (HDF oder Fichtenstäbchen) sowie die Feuchte und die Holzart der Deckschicht. Die Faktoren im Einzelnen:

Diffusionswiderstand der Oberfläche: Es zeigte sich einmal mehr, dass geölte Böden, d.h. Parkettoberflächen mit einem geringen Diffusionswiderstand, viel schneller auf Klimaschwankungen reagieren als vergleichbare versiegelte Flächen.

Mittellage: Die Untersuchungen zeigten, dass Parkettböden mit einer Fichtenstäbchenmittellage eine höhere Formstabilität als Böden mit einer HDF-Mittellage aufweisen. Doch die Tests machten deutlich, dass es durchaus HDF-Parkette gibt, die eine ähnliche Stabilität erreichen.

Deckschicht-Holzart: Die Stabilität eines Mehrschichtparketts ist maßgeblich von dem Quell- und Schwindverhalten der Deckschicht-Holzart abhängig. Interessant dabei: Buche, die bei Parkettlegern als besonders schwierig gilt, wurde von Jatoba noch überboten. Jatoba reagierte hinsichtlich der Ebenheit über die Dielenbreite viel extremer auf die Wechsel der Klimabedingungen.

Deckschicht-Feuchte: Eine höhere Ausgangsfeuchte der Deckschicht führt zu größeren Fugen als eine geringe Holzfeuchte. Gleichzeitig sorgt die höhere Deckschicht-Feuchte für eine bessere Ebenheit.

Sind Grenzwerte für Fugenbreiten sinnvoll?

Der Bundesinnungsmeister der Parkettleger, Joachim Barth, ging der Frage nach, ob die Einführung von Grenzwerten für Fugenbreiten bei Parkett sinnvoll ist. Barth führte zunächst eine Literaturrecherche durch und kam zu folgenden Kernaussagen: Eine Fugenbildung ist bei Parkett unvermeidbar. Fugenbreiten von 0,1 bis 0,5 mm sind normal, von 0,5 bis 1 mm auffällig und bei > 1 mm nicht mehr tolerierbar.

Im Kommentar zur DIN 18356 von Fendt/Baumann/Barth heißt es: "Werkstoffbedingte Fugen sind normal. Sie treten nur dann auf, wenn die Luftfeuchte nicht beeinflusst wird. Die Empfehlung lautet: schmale Stäbe zu verlegen und auf quellempfindliche Hölzer zu verzichten." Das Fachbuch für Parkettleger aus dem SN-Verlag fasst zu dem Thema folgende Kernaussagen zusammen: "Fugen entstehen zwangsläufig als Folge des jahreszeitlich bedingten Feuchtewechsels. Geringe Fugen im Holzfußboden während des Winterhalbjahres sind ein Anzeichen für behagliches und gesundes Raumklima." Die übrigen zitierten Fachbücher bestätigten diesen Tenor zum Thema Fugenbreiten. Barths Fazit lautete: Grenzwerte für Fugenbreiten sind nicht nur Unsinn, sie führen auch zu Fehlurteilen.

Welche Vorgaben für Fußbodenleisten und Profile gibt es?

Die Bodenleger Manfred Krapp und Ralf Wollenberg beschäftigten sich mit dem Thema "Fußbodenleisten". Die Referenten gingen von folgender Definition aus: "Eine Sockelleiste/Fußleiste ist der wandseitige, funktionale und ästethische Abschluss eines Bodenbelages". Sie stießen in der Fachliteratur auf folgende Aussagen zur Verlegung:

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
141 Sachverständige ließen sich das Seminar des Zentralverbandes nicht entgehen.

DIN 18365 "Bodenbelagsarbeiten", unter Punkt 3 "Ausführung 3.6.1" heißt es:"Fußleisten sind materialentsprechend zu befestigen und an den Ecken und Stößen auf Gehrung zu schneiden. Sie sind dauerhaft zu befestigen, den Ecken anzupassen und materialgerecht zu stoßen. Die Befestigung erfolgt durch Kleben oder Nageln."

Im alten Kommentar zur DIN18365 gibt es folgende Aussagen, die über die Norm hinausgehen: Der Befestigungsabstand beträgt max. 60 cm, die Nagelung dient als Unterstützung der Klebung, DIN 18202 "Maßtoleranzen" gilt als Grundlage der Betrachtung und Spalten sind zulässig, wenn sie innerhalb der Norm liegen.

Der neue Kommentar zur DIN18365 beinhaltet kaum Neuerungen zum alten Kommentar. Ausnahmen sind der Hinweis, keine Klebung auf der Tapete durchzuführen und, dass der Auftraggeber die Befestigungsart vorgibt.

Das Fazit des Referenten-Duos lautete: Es gibt wenig normative Hilfestellung zu Fußbodenleistensystemen. Es gibt keine einheitlichen Beurteilungskriterien, Unsicherheit in der Beurteilung und fehlende Parameter zur Bewertung. Krapp und Wollenberg fordern deshalb die Erarbeitung von Kriterien zur Bewertung von Fußbodenleisten.

Die Referenten machten schlagwortartig Vorschläge, welche Kriterien für die Beurteilung der Verlegung von Fußbodenleisten gelten könnten:
- Genaue Kenntnisse der Randparameter bei der Montage
- Keine Akzeptanz von Stückelungen
- Mehrfachnagelung zulässig
- Beachtung des optischen Geltungsnutzen
- Funktion vor Ästhetik
- Keine Akzeptanz von Unregelmäßigkeiten bei Hygienesockeln
- Farbgleichheit Silikon
- Breite der Silikonfuge
- Spaltenbreiten zur Wand
- Ausbildung der Endstücke
- Beschädigung der Leiste bei der Montage
- Verfärbung im Randbereich durch Aerosole Permante

Klimaüberwachung unter dem Belag

Der Sachverständige Norbert Strehle und Helmut Jilg (Firma Jilg) stellten eine Möglichkeit vor, die Temperatur und Feuchtigkeit eines Bodens permanent zu überwachen. Möglich macht dies ein ungefähr scheckkartengroßes Gerät namens Fidbox, das unter dem Bodenbelag mit eingebaut wird. Die Fidbox speichert Messdaten wie Bodentemperatur, Holzfeuchte, Untergrundfeuchtigkeit, die per Funkübertragung bis zu zehn Jahre ausgelesen werden. Ab dem Einbau führt die Fidbox tägliche Messungen durch; sobald kritische Werte überschritten werden, kommt es zu stündlichen Messungen. Es entsteht eine lückenlos dokumentierte Verlaufskurve der klimatischen Verhältnisse.

Darüber hinaus speichert die Fidbox alle erforderlichen Daten des Fußbodenpasses wie z.B: Estrichart, Konstruktion, Abdichtung/Dämmschicht, Heizestrich, Anmerkung, Adresse der ausführenden Firma, Datum, Aussteller sowie an Bodenbelag-/Parkett-/ Fliesenarbeiten: Vorarbeiten am Untergrund, Grundierung, Spachtelmasse, Verlegeart, Klebstoffart, Belagart, Belaghersteller, ergänzende Angaben (z.B. Chargennummer), Pflegemittel, Pflegeanweisung, Hinweise, Adresse der ausführenden Firma, Datum und Aussteller. Die Idee der Fidbox kam bei den Sachverständigen gut an. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.fidbox.at.

Brandschutz bei Parkett

Dipl.-Ing. Dirk Hollmann vom Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB) an der TU Braunschweig nutzte seinen Vortrag, für eine ausführliche Vorstellung seines Institutes. Leider wurde das Thema "Brandschutz im Parkett" nur am Rande gestreift. Der Referent erklärte, mit welchen Tests die Schwerentflammbarkeit von Bodenbelägen geprüft wird. Hollmanns zentrale Aussage lautete: "Besondere Aufmerksamkeit für die Wahl des richtigen Bodenbelages ist in Gebäuden besonderer Art und Nutzung insbesondere in den Rettungswegen geboten."

aus FussbodenTechnik 05/08 (Wirtschaft)