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Holz- und Korkböden auf Domotex und Bau

,Twiggy-Style bei Parkettdicken

Weniger Materialeinsatz, mehr Farbigkeit, Verwendung natürlich trocknender Öle, leichtere Verlegung mit neuen Verriegelungen - das kennzeichnet viele der neuen Kollektionen, die in München und Hannover vorgestellt wurden. Wirkliche Neuheiten hielten sich in Grenzen. von Daniela Große Kathöfer

Mehrschichtparkett mit 3,5 mm-Deckschicht und 22 mm-Massivparkett - das war früher. Vorbei sind die Zeiten der "verlässlichen Werte". Seit einiger Zeit zeigen sich die Parketthersteller deutlich flexibler im Hinblick auf Aufbau und Dicken. Als Antwort auf die zu erwartende, stärkere Preissensibilität der Verbraucher wird derzeit an der Deckschichtdicke bzw. bei Massivparkett an der Gesamtdicke "gedreht". Zudem eignen sich "Parkettböden im Twiggy-Style" besonders gut für den hoffentlich wachsenden Renovierungssektor, wo geringe Aufbauhöhen gefragt sind. Und mancher Hersteller will seine dünnen Deckschichten als Beitrag zum Umweltschutz verstanden wissen. Mit Jaso und Berthold bieten zwei angesehene deutsche Parketthersteller neuerdings wieder massive Parkettstäbe aus Eiche mit nur 10 mm-Dicke. Empfohlen wird von beiden, die kleinformatigen Stäbe vollflächig zu verkleben.

Auch bei Mehrschichtparkett gilt derzeit das "Weniger ist mehr"-Prinzip: Gab es vor drei Jahren noch einen Aufschrei in der Branche, als erstmals Dreischichtparkett mit einer Deckschichtdicke von 2,5 mm eingeführt wurde, bieten mittlerweile viele Hersteller, u.a. Meisterwerke und Tilo, entsprechende Produkte. Kährs und Greenkett gehen jetzt noch einen Schritt weiter: Sie bieten dreischichtige Holzböden mit einer nur 2 mm dicken Deckschicht, womit die Holzböden nicht mehr die Mindestdeckschichtdicke der EN 13489 von größer/gleich 2,5 mm erfüllen. Dabei zeigt sich Greenkett besonders mutig: Die Mehrschichtböden haben nur eine Gesamtdicke von 8 mm, sind aber dennoch in rund 2.000 mm-Länge erhältlich und für die schwimmende Verlegung frei gegeben.

Landhausdielen "soweit das Auge reicht"

Eine größere Auswahl herrscht derzeit auch mit Blick auf die Formate. Lange und breite Dielenböden finden sich mittlerweile im Sortiment der meisten Parketthersteller. Überall ist man bemüht, sich mit seinem Produktsortiment breiter aufzustellen und auch hochwertiger zu verkaufen. "Auffällig war, dass auf den Messeständen eigentlich nur noch Landhausdielen und fast keine Schiffsböden gezeigt wurden", bemerkte dazu Uwe Eifert, Geschäftsführer Vertrieb/Marketing bei Hamberger Flooring. Hierzu passt, dass Landhausdielen den Informationen des Verbandes der deutschen Parkettindustrie (VdP) zufolge als einzige Produktkategorie im vergangenen Jahr in Deutschland Wachstumsraten verzeichnet hat.

Auch Fliesenformate scheinen wieder auf stärkeres Interesse zu stoßen. Grundsätzlich gilt: Parkett- und speziell Korkbodenanbieter verfügen heute über eine große Menge an Formaten. Die immer größere Vielfalt zieht sich durch alle Themen und Sortimente, stellte Hoco-Vertriebsleiter Josef Mühlbauer fest.

Zweifarbige Oberflächen

"Bei den Farben sind Hell-Dunkel-Kontraste bei Planern und Architekten seit einiger Zeit sehr gefragt", berichtet Amorim Deutschland-Geschäftsführer Tomas Cordes. Robert Windfelder, Vertriebsleiter bei Gunreben, sieht in dieser Entwicklung ein Zeichen dafür, dass die dunklen Töne nur noch zwei oder drei Jahre "en vogue" sind und "dann wieder die helle Phase bei Parkett beginnt".

Neu ist: Es gibt immer mehr zweifarbige Parkettoberflächen. Hierfür werden zwei unterschiedliche Farben nacheinander aufgetragen, die dann die natürliche Maserung des Holzes zusätzlich betonen. Auch Metallicfarben finden sich zunehmend im Angebot, wie z.B. bei Hain Parkett.

Natürlichkeit von Holz mit Ästen oder Rissen steht noch immer hoch im Kurs, aber "der Zenit der Rustikalität ist überschritten" meinen Trend-Experten wie Klaus Trautner, Leiter Produktmanagement bei Hamberger. Die künstliche Alterung von Dielenböden in extremer - fast schon beschädigender - Form werde wieder weniger.

Mehr und mehr oxidativ trocknende Öle

Domotex
Greenkett bietet ein nur 8 mm dickes Dreischichtparkett für das Einstiegssortiment.
Domotex
Dielen "soweit das Auge reicht" seit einigen Jahren konzentrieren sich die Parketthersteller bei ihren Produktpräsentationen (im Bild: Gunreben) auf Dielenformate.
Domotex
Als "Shading" bezeichnet Amorim eine selbst entwickelte Färbetechnik für Korkfertigparkett.
Domotex
Neben Landhausdielen waren auch immer häufiger Fliesenformate bei Holz- und Korkböden zu sehen (im Bild: Triveneta Parchetti).

Auffällig war auch, dass zunehmend oxidativ trocknende Öle eingesetzt werden, u.a. jetzt auch von Hamberger, Boen und Tarkett.

Folddown-Verriegelung für Holzböden

Ein weiteres Messethema: die einfache Verlegung. Die Zahl der Holzböden und Parkette mit stirnseitiger Verriegelung nach dem Folddown-Prinzip ist weiter gestiegen.

Und kein Trend ohne Gegentrend: Kleine Parketthersteller konzentrieren sich wieder stärker auf Parkett mit Nut und Feder, um ihren Kunden aus dem Handwerk Alternativen zu Do-it-yourself-Produkten zu bieten.

Neue Entwicklungen bei Korkböden

Während viele Holzbodenhersteller vor allem ihre Sortimente abrundeten, gab es bei den Korkbodenanbietern "echte" Neuheiten. Marktführer Amorim zeigte dreidimensionale und im Shading-Verfahren eingefärbte Korkbodenoberflächen, die so bisher nicht zu sehen waren. Auch Lico und Granorte hatten neue Ideen: Digital bedruckte Bodenbeläge mit Deckschicht aus einem Kork-/Linoleum-Mix sowie Korkböden mit eingefärbten Furnierstücken.

Dominierendes Thema bei den Korkbodenanbietern ist allerdings die Ausweitung der Produktpalette auf andere Bodenbeläge, etwa Fertigböden mit Deckschichten aus Vinyl und Leder.

Der besondere Boden

Amorim zeigte als einer der wenigen Hersteller in Hannover und München echte Produktneuheiten. Als "Shading" bezeichnet Amorim eine selbst entwickelte Färbetechnik für Korkfertigparkett. Feine, gesprühte Farbschattierungen erzeugen bei den ,Wicanders Corkcomfort-Böden einen changierenden Verlauf, der eine besonders lebhafte Struktur sichtbar macht. Zusätzlich spielt bei der Wirkung der Dessins die natürliche Korkstruktur eine große Rolle. Die Furniere werden so geschnitten, dass die Oberflächen nicht mehr eben und glatt sind, sondern es natürlich wirkende Höhenunterschiede in der Oberfläche gibt.

aus ParkettMagazin 02/09 (Wirtschaft)