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BTH/BBE-Kundenbarometer 2009 Teppichböden

Teppichböden - Wo kauft der Fachhandel am liebsten ein?

Vorwerk avanciert zum Seriensieger beim BTH/BBE-Kundenbarometer: Auch 2009 sind die Hamelner unangefochtener Tabellenführer der Teppichboden-Liga auf dem deutschen Markt und haben ihren Rekordverbreitungsgrad vom letzten Jahr mit 86 % sogar noch mal getoppt. Die Dura muss sich zwar wieder mit Platz 2 begnügen, ist sogar noch etwas abgefallen, dafür hat sie neben ihrer Stamm-Marke mit Dura Besmer, Zoeppritz und TWN drei weitere Eisen im Feuer. Alle addiert, dominiert sie klar im deutschen Fachhandel. Klar an Bedeutung verloren haben die beiden großen belgischen Hersteller Balta und Domo - ein Indiz für die Krise der viele Jahre lang erfolgsverwöhnten belgischen Teppichindustrie, deren Mengenmaximierungs-Strategien nicht mehr greifen.

Wir können und wollen es nicht schön reden: Das erste Halbjahr war für die Teppichbodenindustrie wahrlich kein Zuckerschlecken. Der eisige Wind der globalen Wirtschaftskrise blies ihr hart ins Gesicht: Allein die deutschen Produzenten mussten einen Einbruch von 16 % hinnehmen, konkrete Zahlen von den Herstellern anderer Nationen liegen nicht vor. Das resultiert zu großen Teilen aus dem versiegenden Export, denn speziell in bisher boomenden Absatzmärkten wie Osteuropa, Dubai und China ist das Geschäft praktisch zum Erliegen gekommen, Projekte werden geschoben oder ganz gestrichen.

Und das Inland schafft keinen Ausgleich; auch hierzulande bereitet vor allem das Objekt Probleme. Und der private Konsument ist von der Angst um seinen Arbeitsplatz paralysiert und demzufolge kaum an einem neuen Teppichboden interessiert.

Aber es gibt nicht nur negative Nachrichten aus der Teppichbodenwelt: Eine gute ist, dass der Großhandel nicht mit in den Abgrund gestürzt ist. Im Gegenteil: Er ist bislang von den Auswirkungen der Wirtschaftskrise verschont geblieben. Aus dem Großhandel selbst hört man, dass die Handwerker-Kundschaft gut beschäftigt ist, doch auch die BTH/BBE-Umfrage lässt sich mit als Erklärung heranziehen: Danach hat nämlich auch der Fachhandel seine Bezugsquote beim Großhandel deutlich erhöht. 76 % geben an, dass sie Teppichboden beim Großhandel oder bei einer Kooperation ordern, in den neuen Bundesländern sind es sogar 88 %, bei den Selbstständigen sensationelle 94 %. Selbst von den Filialisten, eigentlich in der Regel sogenannte industriefähige Direktkunden, nutzen 56 % das Sortiment und Dienstleistungen des Großhandels.

Positiv zu vermerken ist auch, dass die deutschen Hersteller gut aufgestellt erscheinen. Etliche haben schon vor Jahren eine Umstrukturierung und Repositionierung in Angriff genommen und ernten nun die Früchte dieser mühsamen Arbeit, abzulesen an ihren guten Platzierungen. Bei Namen wie Vorwerk, Dura mit ihren Satelliten Dura Besmer, Zoeppritz und TWN, Object Carpet, Infloor, Anker und auch Spezialisten wie Findeisen stimmen Sortiment und Vertriebskonzept, das wird von den Kunden im Fachhandel honoriert. Und sie belohnen auch Kontinuität, Berechenbarkeit und Loyalität ihrerseits mit Vertrauen, wie man am Beispiel fachhandelstreuer Unternehmen wie der Norddeutschen Teppichfabrik sieht.

Associated Weavers Europe NV
Bei welchen Anbietern von
Teppichböden kauft
der Fachhandel ein?

Zwei deutsche Firmen haben sich allerdings in der letzten Zeit vom Markt verabschiedet: Der nieder-rheinische Familienbetrieb Longlife stellte im Mai nach 57 Jahren die Produktion ein. Begründet wurde dieser endgültige Schritt mit "zweistelligen Umsatzeinbrüchen innerhalb kürzester Zeit und keinerlei Aussichten für eine Besserung der Lage". Offensichtlich fehlte dem vor allem im gehobenen Objektbereich agierenden Tufter und Weber der finanzielle Atem, um eine längere Durststrecke zu überstehen. Dabei hatte es kurz zuvor noch Pläne für eine Umstrukturierung und Modernisierung von Longlife gegeben. Angesichts der momentanen wirtschaftlichen Lage sei es nicht mehr möglich, die dafür erforderlichen Investitionen in Millionenhöhe aufzubringen, teilten die Gesellschafter mit.

Bereits im August 2008 war das Insolvenzverfahren über die Maltzahn-Gruppe mit ihren Produktions- und Vertriebsgesellschaften Maltzahn GmbH, Maltzahn Carpets GmbH und Maltzahn Tufting GmbH eröffnet worden. Die globale Wirtschaftskrise ist somit kein Alibi, vielmehr dürften dort hausgemachte Probleme ursächlich für die Finanzmisere sein. Alt-Gesellschafter Jasper von Maltzahn und ein stiller Finanzier - seine Ehefrau, wurde kolportiert - nahmen noch einmal Geld in die Hand und führten mit der Neugründung Maltzahn Carpet Innovation GmbH die Geschäfte der drei insolventen Unternehmen fort.

Häufige Richtungsänderungen und kurzfristige personelle Wechsel mag der deutsche Fachhandel gar nicht. Und er ist auch vorsichtig, wenn die Zukunftsperspektiven eines Lieferanten unsicher sind, weil er langfristige Beziehungen anstrebt. Daraus lässt sich erklären, dass die großen belgischen Teppichbodenhersteller hierzulande an Marktmacht verloren haben. Balta beispielsweise, traditionell einer der "Big Player", ist von Rang 3 auf 5 abgerutscht - mit spürbaren Verlusten im Westen und bei den Selbstständigen. Das erinnert den aufmerksamen Branchenbeobachter daran, dass es in St. Baafs-Vivje Anfang 2009 einen Wechsel an der Führungsspitze gab - vielleicht daraus folgend auch strategische Korrekturen - und dass zudem der langjährige Deutschland-Verkaufsleiter den Konzern verlassen hat. Platzierung und Punkte abgeben mussten auch Domo und Associated Weavers, die in Deutschland nicht erst in diesem Jahr etwas konzeptlos herumlavieren.

aus BTH Heimtex 09/09 (Wirtschaft)