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Premiere für die Mood in Brüssel

Optimistische Stimmung trotz Besucherminus

Erstmals ist in diesem Jahr die ehemalige Decosit unter dem neuen Namen Mood an den Start gegangen. Die Messe will damit einen Grundstein für die Zukunft legen, Kreativität zeigen, um aus der Krise herauszuführen. Trotz Verringerung der Ausstellungsfläche und eines krisenbedingten Besucherrückgangs um 20 % zog die Messeleitung ein positives Resümee: Die Stimmung unter den Besuchern sei gut gewesen.

Nach 30 Jahren hat die Decosit einen neuen Namen bekommen: Als Mood ("Meet only original design") will man gerüstet sein für die Zukunft. Mit der Namensänderung einher ging die Erweiterung des Angebots: Neben traditionellen Möbelstoffen werden jetzt auch Gardinen und Wandbekleidung präsentiert. Damit bietet die Mood ein Komplettpaket in Sachen Inneneinrichtung. Zur Begründung heißt es, dass die Produzenten immer öfter vollständige Kollektionen anbieten.

Doch trotz Relaunch musste die Messe schmerzhafte Einbrüche bei den Aussteller- und Besucherzahlen hinnehmen: Es waren nur noch vier statt fünf Hallen belegt, und die Besucherzahlen gingen sogar um 20 % zurück. Insgesamt präsentierten auf 40.000 qm 290 Aussteller (Vorjahr: 370) aus 30 Ländern ihre neusten Textilkreationen. Die Designshow Indigo und die Garn- und Fasermesse Expofil Déco wurden integriert; durch die Indigo kamen noch mal 87 Aussteller hinzu, durch die Expofil 15. In den leeren Gängen war der deutliche Besucherrückgang nicht zu übersehen. Insbesondere Einkäufer aus Osteuropa (Polen und Russland), dem Nahen Osten und den USA blieben fern. Trotzdem wurde die hohe Qualität und der internationale Charakter der Besucher gelobt. Allerdings kommen immer weniger klassische Produzenten wie etwa Möbelhersteller, die vor 20 Jahren noch über die Hälfte der Besucher ausmachten. Auch die Verweildauer ist deutlich zurückgegangen.

Im nächsten Jahr wird die Mood denn etwas verkürzt: Eine Nachbefragung unter den Ausstellern ergab, dass diese sich drei Messetage wünschen, statt der bisherigen vier. Dabei zieht die Mehrheit Dienstag bis Donnerstag den Wochentagen Mittwoch bis Freitag vor.

Wenig Besucher, aber gute Kontakte

Aus Deutschland waren Gebr. Munzert, Müller-Zell, Stoeckel & Grimmler, Zellner, Dolan, Neutex, Hohmann, Hornschuch, Pongs, Trevira und erstmals auch Horn sowie Gerster auf der Mood vertreten. Die Anbieter äußerten sich recht zufrieden, aber nicht euphorisch. Die Besucher wären durchweg guter Stimmung und nicht mehr so zurückhaltend wie in den vergangenen Monaten gewesen, so das Resümee. Zustimmung fand die Erweiterung des Angebots auf Fenster- und Wandbekleidung.

Gerster stand seiner Brüsseler Messepremiere sehr positiv gegenüber: "Es waren zwar wenig Besucher da, dafür konnten wir sehr gute Kontakte knüpfen", äußerte sich Martin Gerster. "Besonders nach Russland und Großbritannien, aber auch nach Dubai, den USA und Peru. Jetzt hoffen wir auf ein gutes Nachmessegeschäft."
Etwas anders sah es Wolfgang List von Baumann Dekor: "Insgesamt war das Besucheraufkommen gering, vor allem aus dem Ausland. Die deutschen Kunden aus Großhandel und Industrie waren jedoch alle an unserem Stand." Der Schweizer Engelbert Stieger brachte es kurz und knapp auf den Punkt: "Mir ist egal, ob die Gänge leer sind; für mich ist wichtig, dass alle Entscheidungsträger da waren und auch geordert haben. Ich bin sehr zufrieden."

Awards und Trend-Inszenierungen

Erstmals wurde der Designpreis Blue Drop Award für die innovativsten Produkte in den Kategorien Polsterstoffe, Deko, Wandbekleidung, Contract, Ökologie, Outdoor und Innovation vergeben. Für den besten Objektstoff wurde Müller-Zell ausgezeichnet. Der renommierte Trevira CS Award ging in diesem Jahr an das türkische Unternehmen Vanelli.

Mood
Horn zeigte bei seiner Premiere in Brüssel digital bedruckte Flächenvorhänge in den vier Kategorien "Ruhe & Entspannung", "Arbeit & Büro", "Pool & Wellness" sowie "Bistro & Kaffee".
Mood
Anke Vollenbröker (Trevia, 2.v.l.) und Mood-Messechef Patrick Geysels (rechts) mit den Gewinnern des "Blue Drop-" und des Trevira CS Award.
Mood
Gewebte 3-D-Kunst mit sich durchdringenden Stoffflächen sorgte auf dem Munzert-Stand für Aufsehen.

Zahlreiche Hersteller präsentierten in Brüssel Outdoor-Bezugsmaterialien, die witterungsbeständig, lichtecht und UV-resistent sind. Erstmals hatte man auf dem Freigelände eine eigene Plattform für diese Outdoor-Stoffe eingerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Faserhersteller Dolan wurden dort Gartenmöbel mit witterungsbeständigen Bezügen vorgestellt.

Unter dem Motto "Velocity kills the cat" (sinngemäß übersetzt: "Schnelligkeit bewegt die Zeit" bzw. "die Mode verändert sich immer schneller") inszenierte die Messe die drei Trendthemen "Englishness", "Reputation Garage" und "Ayni". Im Mittelpunkt: diskreter Luxus und großzügige Dekorationen. Englishness steht für luxuriöse, feine Stoffe, fein aufeinander abgestimmte Farbgebungen, Perfektionismus, Extravaganz mit Hahnentrittmustern und Metallfasern. Reputation Garage gibt sich rebellisch und experimentell zugleich; die Farben sind kindlich-klar, die Dessins unkonventionell. Ayni kombiniert natürlich-luxuriöse Stoffe aus neuen Materialien wie Ananas- oder Bananenfasern. Unter den Stoffen: Wasser abstoßendes Leinen, Jute-Effekte aus Leinen, Recycling, Cradle to Cradle. Die Farben erscheinen harmonisch und sanft; Mint, Rosé, und Erdtöne prägen die Optik.
Neuheiten und Trends

Raffinierte Hightech-Gewebe, fluoreszierende Garne, dezenter Glanz, ungewöhnliche Strukturen und ausgefallene 3-D-Effekte bestimmten das Stoff-Bild. Enzo Degli Angiuoni etwa zeigte eine umfassende Kollektion mit fluoreszierenden Garnen in Pink, Apfelgrün, Lila und Orange. Ob gestreift, strukturiert, in Multicolor oder mit Chenille.

Müller-Zell spielt mit unterschiedlichen Kettspannungen und schafft auf diese Weise 3-D-Schrumpfeffekte. Gebr. Munzert erzielt Hoch-Tief-Strukturen durch Füllschussgarne, die sich im Kontakt mit der Ausrüstung zusammenziehen. Voluminöse Doppelgewebe mit Schrumpfgarnen präsentierte Stoeckel & Grimmler. Pongs erreicht dank einer neuen Bindungsart bei seinen Velouren ein geschlossenes, florfestes Warenbild, das trotzdem leicht ist.

Ein großes Thema sind auch Laser-Cuts. Die Dessins reichen von kleinen grafischen Entwürfen bis hin zu großflächigen floralen Musterungen. So wagt Müller-Zell den Spagat zwischen jacquardgemustertem Gewebe und innovativem Lasercut - ein vielschichtiger Entwurf mit charmanten Lichteffekten. Lodetex hat sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Bei einem zarten und zugleich voluminösen Gewebe werden zunächst einzelne Formen ausgelasert und dann von Hand wieder locker zusammengenäht.

Ein Wachstumsmarkt ist weiterhin der Bereich Öko, Natur und Nachhaltigkeit. So arbeitet man bei Hornschuch an biologischen Alternativen und an Neuheiten mit Eukalyptus-Trägern. Conjugi Egere hat seine Öko-Kollektion Bene (Biologico Ecologico Naturale Etico) aus Bio-Materialien ergänzt und zeigte einen Trevira-CS-Polsterstoff mit dezentem Glanz in Leinenoptik.

Bei den Farben dominierte die ganze Palette an Beerentönen das Bild - von Fuchsia, Violett und Pink bis hin zu Rot und Orange. Ganz aktuell: Weiß und Silber sowie Naturfarben wie Schlamm, Amber, Ocker, Rost und Grau. Im Kommen sind Nachtblau und Gold. Leuchtendes Pink, Orange oder Apfelgrün - gerne auch mit Neon-Effekten - setzen Akzente; dezent eingesetzte Glanzgarne sorgen für Highlights. "Der Glanz zeigt sich nicht mehr so stark und auch nicht mehr in der Fläche, sondern nur noch als Akzent im Hintergrund. Das Dessin wirkt dadurch eleganter", so beschreibt Kerstin Baron-Breunig von Gebr. Munzert den aktuellen Trend. Ganz neu sind lichte Töne wie pastelliges Türkis, helles Grün, Limette, Pistazie, zartes Pink oder Violett.

aus BTH Heimtex 11/09 (Wirtschaft)