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BTH Heimtex Großhandels-Umfrage Teppichböden

Wie beurteilt der Großhandel die Anbieter von Teppichböden?

Gleich mit zwei neuen Bestleistungen glänzt unsere aktuelle Großhandels-Umfrage Teppichboden: Mit 42 Teilnehmern konnte wir eine Rekordbeteiligung verzeichnen und mit 33 Unternehmen wurden noch nie zuvor so viele Anbieter der kritischen Betrachtung durch den Großhandel unterzogen. So gut wie alle namhaften Grossisten und Kooperationen haben ihr Votum abgegeben, was die repräsentative Aussage dieser Exklusiv-Umfrage stützt. Auffällig: Die Spitze hat sich verbreitert. Neben den traditionellen Klassenbesten Findeisen und Vorwerk hat sich Anker nach vorne geschoben, dichtauf folgen die Norddeutsche und Sauberlauf-Spezialist C/R/O, aber auch Firmen wie Textimex, Dura Besmer und Forbo Bonar Floors haben aus Sicht des Großhandels spezielle Stärken.

Der deutsche Bodenbelagsmarkt gilt als schwierig, womöglich als der schwierigste der Welt. "If you can make it here, you can make it everywhere" heißt - frei nach Frank Sinatras New York-Hymne - ein geflügelter Spruch der Bodenbelagsindustrie, der sich auch immer wieder bewahrheitet. Was den deutschen Markt einzigartig und besonders macht, ist seine Distributionsstruktur mit einem starken dreistufigen Vertrieb. Nirgendwo sonst hat der Großhandel so großen Stellenwert wie hierzulande - und wer als Anbieter seine Produkte an ihm vorbei vertreiben will, verzichtet von vornherein auf einen bedeutsamen Anteil des Marktes. Das bezieht sich nicht allein auf Volumen und Umsatz, sondern auch auf Kunden. Denn die angestammte Klientel des Großhandels rekrutiert sich aus dem Handwerk - Raumausstatter, Bodenleger, Parkettleger -, dem klassischen Fachhandel und reicht bis hin zu Fachmärkten und Objekteuren. Selbst der Möbelhandel und Filialisten bedienen sich partiell des Großhandels, um dessen Logistikleistungen in Anspruch zu nehmen. Die Grossisten sind also bis in die kleinsten Verästelungen des Marktes präsent - was genauso geographisch gilt. Wer den Markt in die Tiefe und in die Breite penetrieren will, kommt am Großhandel praktisch nicht vorbei.

Bei elastischen Belägen verfügen Deutschlands Großhändler über den größten Einfluss, bei textilen Belägen ist er ebenfalls beachtlich, bei Parkett, Kork und vor allem Laminat kleiner. Hinterlegen wir das Ganze mit Zahlen: Nach unserer Studie "Der Bodenbelagsmarkt in Deutschland" ("Studie zur Marktsituation bei Bodenbelägen in Deutschland bis 2010, Absatz und Distributionswege", erschienen im September 2009, Anm.d. Redaktion) belief sich der Bodenbelags-Absatz bzw. -Verbrauch in Deutschland 2008 auf 300 Mio. qm (ohne keramische Fliesen), davon waren 126 Mio. qm bzw. 42 % textile Beläge.

Von diesen 126 Mio. qm wurden wiederum knapp 50 Mio. qm bzw. 39 % über den Großhandel vermarktet. Tendenziell höher ist die Großhandelsquote bei Tuftingware (41,5 %), tendenziell niedriger bei Webware (35 %) und bei Nadelvlies (31,4 %). Den mit 45 % prozentual höchsten Anteil beansprucht der Großhandel bei Objekt-Tuftingqualitäten.
Vor gar nicht allzu langer Zeit geriet die Rolle des Großhandels in die Diskussion und es erhob sich die Frage, ob der Markt diese Distributionsstufe tatsächlich braucht - andere Branchen hätten sich schließlich auch davon verabschiedet... Das ist längst geklärt und heute sitzt der Großhandel sicherer im Sattel als je zuvor, seine Bedeutung hat sich eher stabilisiert als verringert.

Für die Industrie ist es umso wichtiger und interessanter, zu erfahren, wie sie von dieser marktrelevanten Kundengruppe gesehen und bewertet wird. BTH Heimtex bietet ihnen mit der Großhandels-Umfrage Teppichboden quasi eine kostenlose Kundenzufriedenzufriedenheits-Analyse... Wobei es sich immer nur um eine Momentaufnahme handelt. Das heißt: Mängel bei Lieferengpässen oder im Service werden in der Regel aktuell moniert, können aber inzwischen behoben sein. Oder ein Innendienst-Mitarbeiter hatte beim letzten Telefonat einen schlechten Tag und war nicht so zuvorkommend wie gewöhnlich, schon rutscht die Note für die "Qualität des Innendienstes" nach unten. Durchgeführt wurde die Umfrage Anfang Dezember 2009. Die Kommentierung beschränkt sich auf die wichtigsten Branchenteilnehmer

Anker

Für Anker war 2009 ein schwieriges Jahr (bitte lesen Sie dazu auch unseren Bericht auf den Seiten 38-41), in dem die Wirtschaftskrise voll durchschlug; derart heftig, dass sich das Familienunternehmen sogar schweren Herzens von 83 Mitarbeitern trennen musste, indem ohnehin geplante Teilstillegungen der Produktion - Färberei und Chromojet-Spritzdruck - vorgezogen wurden. Nicht gespart indes wurde an der Produktentwicklung; hier haben die Dürener weiter gepowert und stellen zur Domotex etliche Neuentwicklungen vor, die das Attribut "innovativ" auch tatsächlich verdienen. Der Großhandel mag schon einen ersten Blick darauf geworfen haben oder hat im Hinterkopf, wieviel generell in den letzten Jahren im Sortiment bei Anker passiert ist. Jedenfalls belohnt er das Unternehmen für seine Anstrengungen mit der Bestnote in der Kategorie "Innovativität". Nur nebenbei sei erwähnt, dass das Sortiment ebenfalls sehr gut bewertet worden ist.
Als zusätzliches Bonbon kann sich die Mannschaft in Düren über ihren hohen Sympathiewert freuen. Und dass sich Anker nach Ansicht des Großhandels auf einem guten Weg befindet, dokumentiert Platz 1 bei der Managementqualität. Da verwundert es dann auch kaum, dass die Zukunftsperspektiven rosig sind...

Dafür, dass Anker viele Qualität lagerhaltig vorhält, müssten allerdings Lieferschnelligkeit und Lieferzuverlässigkeit noch optimiert werden.

Balta

Um Balta ranken sich immer mal wieder Verkaufsgerüchte, ohne offizielle Bestätigung zu finden. Wobei man sich in St. Baafs-Vivje in letzter Zeit generell dem deutschen Markt gegenüber relativ zugeknöpft gibt; das empfindet der Großhandel offenbar genauso, wie eine schwache Durchschnittsnote von 3,5 bei der Öffentlichkeitsarbeit zeigt. Nur die belgischen und niederländischen Mitbewerber Domo, B.I.G., Edel, Béwe, Balsan, Condor und Associated Weavers schneiden hier noch schlechter ab. Immerhin kann man der Balta-Website entnehmen, dass der Umsatz der Gruppe von 2005 bis 2008 von 639 auf 667 Mio. EUR gestiegen ist - obgleich man sich von den Tapeten-Aktivitäten getrennt hat - während im gleichen Zeitraum die Zahl der Beschäftigten von 3.543 auf 3.324 sank. Vielleicht ist das dem Mehrheitseigner Doughty Hanson aber noch zu wenig...Der Umsatz verteilt sich übrigens zu 45,8 % auf Teppichboden, 24,3 %auf abgepasste Teppiche, 18,7 % auf Laminat und 11,2 % auf HDF-MDF.

Nicht zu schlagen ist Balta im Preis-Leistungs-Verhältnis, wenngleich sich die Belgier diesen Lorbeerkranz mit Findeisen und Textimex teilen müssen. Aber das war es auch schon an guten Noten.

Condor

Condor hat das Krisenjahr 2008 mit der Pleite von Tochter Ralos und dem Desaster im wichtigen Markt England überlebt und produziert weiter "sechs Tage die Woche, 24 Stunden täglich, mit modernsten Maschinen zu einem messerscharfen Qualitäts- und Preisverhältnis", wie es in der Eigendarstellung formuliert ist. Das Verhältnis des Großhandels zu den Niederländern ist gespalten: Er kann - bis auf das Preis-Leistungs-Verhätltnis - keine besonderen Qualitäten bei ihnen entdecken; er kann aber auch nicht ohne sie - wenn man sich die Großhandels-Kollektionen anschaut.

C/R/O

Wir haben das Thema "Teppichboden" dieses Mal etwas weiter gefasst und auch Sauberlauf-Spezialist C/R/O einbezogen. Das Unternehmen, von Horst Reimer gegründet und geführt, aber mehrheitlich im Besitz der Emco-Gruppe, legt einen furiosen Einstand hin: Gleich dreimal erobert C/R/O den 1. Platz - in der Vertriebspolitik, bei Service und Konditionen. Und auch sonst bewegt man sich immer ganz weit oben - bis auf den Bekanntheitsgrad, aber das lässt sich sicher verschmerzen. Dieses hohe Renommee und gute Image beim Großhandel sind zweifellos Horst Reimer zu verdanken. Emco tut gut daran, ihn zu hegen und pflegen....

Dura/Dura Besmer/TWN/Zoeppritz

Die Dura-Gruppe ist mit mehreren Marken unterwegs, alle zugekauft und unter dem Dach der Dura integriert. Gleichwohl agieren alle mit eigener Positionierung nebeneinander. Die Dura selbst, Stammhaus, Mutter und wohl am breitesten präsent im Markt, hat beim Großhandel ein wenig an Glanz verloren. Bei den vorherigen Umfragen stets ganz vorne dabei, musste sie dieses Mal einige Mitbewerber vorbeiziehen lassen - die ersten Plätze im Sortiment, der Kulanz, den Konditionen und der Qualität des Außendienstes hat sie verloren. Auch bei Zukunftsperspektiven und Managementqualität ist der Großhandel kritischer als noch ein Jahr zuvor. Hier schlagen sich wahrscheinlich die Probleme nieder, die die Dura durch die Wirtschaftskrise bedingt im Automobilzulieferbereich hat und die sogar zum Insolvenzantrag eines Werkes geführt haben. Kurz vor dem Jahreswechsel kam dann die Nachricht über weitere Rationalisierungs- und Kostensparmaßnahmen samt Stellenstreichungen.

Kleiner Trost: Ihren Sympathiebonus beim Großhandel konnte sich die Dura erhalten. Und dieser immaterielle Wert ist nicht zu unterschätzen.

Die eben erwähnten Kostensparmaßnahmen und Stellenstreichungen betreffen unter anderem Tochter TWN. Der Fertigungsbetrieb in Neumünster wird eingestellt, die Immobilie wohl verkauft, die Produktion verlagert, aufgeteilt, vergeben... TWN verbleibt damit nur mehr eine Marke. Die könnte allerdings mal wieder etwas Pflege vertragen.

Das gilt genauso für die Premium-Linie Zoeppritz. Blaß und profilarm dümpelt sie im Mittelfeld der Umfrage dahin. Der Großhandel kann offenbar genauso wenig damit anfangen wie der Rest des Marktes. Zumindest sind Außendienst und Innendienst so gut, dass die Grossisten dort einigermaßen gerne einkauft.

Enia

Was ist bloß mit Enia los ? Das ganze Jahr 2009 über kursierten immer wieder Gerüchte über massive Probleme durch die Branche...erfreulich, dass sich die schlimmsten Spekulationen nicht bewahrheitet haben. Dennoch: Es besteht ernsthafter Handlungsbedarf. Enia hat in Deutschland enorm an Marktpräsenz eingebüßt, die letzte Kollektion ist nicht wirklich angekommen und angenommen worden. Zudem scheint Enia seit dem aus persönlichen Gründen erfolgten Abgang von Verkaufsleiter Hans Hanne auch ein personelles Problem zu haben. Nachfolger Johow war eine komplette Pleite. Der Großhandel ist entsprechend skeptisch bei den Zukunftsperspektiven des Unternehmens.

Fabromont

Fabromont ist eine Welt für sich. Die Schweizer pflegen unbeirrt und konsequent ihren eigenen Stil und haben mit ihrem Kugelgarn auch ein Monopol-Produkt als starkes Argument. Insofern kann ihnen fast gleichgültig sein, wie sie von ihren Kunden gesehen werden - sollte es aber nicht. Bei aller Distanz und kritischen Betrachtung vieler Kriterien hält der Großhandel Fabromont aber für krisensicher und solide - zu erkennen daran, dass die Zukunftsperspektiven gut eingeschätzt werden.

Immerhin hat Fabromont inzwischen eine eigene Website; eine E-Mail-Adresse haben wir allerdings immer noch nicht entdecken können. Mit Fabromont kommunizieren, funktioniert nur über Telefon oder Fax.

Findeisen

Bei Findeisen kann man nicht viel mehr machen als anhaltend applaudieren. Von Anfang an und ohne Unterbrechung zeigt der Nadelvlies-Spezialist bei den Großhandels-Umfragen eine fast makellose Performance. Absolute Stärke, über alle Jahre hinweg, ist die Logistik. Kein anderer Anbieter hat sein Lager so gut organisiert wie Findeisen, liefert so schnell und so zuverlässig. Und Logistik ist eine absolute Schlüsselfunktion, die an Bedeutung noch gewinnen wird. Als schlechteste Note notiert Findeisen eine 2,7 bei der Öffentlichkeitsarbeit; was wir nicht nachvollziehen können, da diese in vielen Punkten vorbildlich ist. "Nur" eine 2,6 gabs bei der Vertriebspolitik, den Konditionen und der Innovativität, wobei diese bei Nadelvlies produktbedingt limitiert sein dürfte.

Forbo Bonar Floors

Über die inzwischen integrierte Tochter Bonar Floors findet Forbo zurück zu den Anbietern textiler Beläge. Und schlägt sich wacker: Der erste Platz bei der Managementqualität spricht für das Vertrauen, das der Großhandel in Forbo-Geschäftsführer Martin Thewes hat. Einen weiteren ersten Platz im Sympathiewert kann sich auch die Mannschaft ans Revers heften. Das ist doch eine gute Ausgangsbasis... die noch besser werden könnte, wenn sich bei Lieferschnelligkeit und Lieferzuverlässigkeit etwas tut und die Konditionen für den Großhandel verbessert werden könnten - und das alles über die Öffentlichkeitsarbeit auch noch transportiert wird.

Girloon

Armstrong DLW GmbH
BTH Heimtex Großhandelsumfrage Teppichböden: Ranking nach Kriterien.
Armstrong DLW GmbH
Die Rankings für Sympathiewert, Starke Marke, Sortiment und Preis-Leistungs-Verhältnis.
Armstrong DLW GmbH
Die Rankings für Lieferschnelligkeit, Lieferzuverlässigkeit, Klare Vertriebspolitik und Service.
Armstrong DLW GmbH
Die Rankings für Konditionen, Kulanz, Qualität Außendienst und Qualität Innendienst.
Armstrong DLW GmbH
Die Rankings für Bekanntheitsgrad und kaufe dort gern.
Armstrong DLW GmbH
Die Rankings für Zukunftsperspektiven, Innovativität, Öffentlichkeitsarbeit und Managementqualität.

Über Girloon kann man nicht viel sagen, außer dass es eine - immer noch - bekannte Marke in der Branche ist, eine Traditionsmarke. Und Ulrich Dresing und seine Tochter Stefanie Ritterbach den Laden gut im Griff haben, salopp gesagt. Ansonsten bewegt sich der Hochwertanbieter im Mittelfeld ohne ausgeprägte Schwächen oder Stärken.

Infloor

Infloor, die Schwestergesellschaft von Girloon, schneidet da wieder etwas besser ab, holt sich bein Service "Gold", spielt bei Sympathierwert, Sortiment, Lieferzuverlässigkeit, Konditionen, Kulanz, der Qualität von Innen- und Außendienst sowie den Zukunftsperspektiven ganz oben mit - sprich auf den ersten drei Plätzen - und ist eigentlich nirgendwo wirklich schlecht.

Interfaceflor

In seiner Vertriebsstrategie hat Fliesen-Marktführer Interfaceflor wechselnde Prioritäten - mal wird der Großhandel umarmt, mal stehen die Architekten im Fokus. Unbestritten ist jedoch die Kompetenz der Amerikaner mit deutscher Tochter in Krefeld in ihrem Segment Teppichfliesen. Da macht ihnen keiner etwas vor. Dessinierung, Qualität, funktionale Eigenschaften und das alles verbunden mit der Nachhaltigkeitsphilosophie, die der Konzern propagiert, unterstreichen, dass ein Allrounder und Vollsortimenter im Detail niemals an einen Spezialisten heranreichen kann. Das findet auch der Großhandel und hat Interfaceflor in puncto Innovativität die Pole Position zugestanden.

ITC

Über ITC kann man fast noch weniger sagen als über Mutter Balta. Der vertikal integrierte Tufter ist einer der langjährigen, etablierten, früher hoch angesehenen Lieferanten des Großhandels. Deutschland war auch stets ein wichtiger Markt für die Belgier. Nach unserem Gefühl - und beim Blick in die Großhandels-Kollektionen der letzten Jahre - dürften sie jedoch etwas an Bedeutung eingebüßt haben. Auch die Bewertung der Grossisten fällt skeptischer aus als früher, als ITC regelmäßig vorne mitspielte. Diesmal reicht es nur zum zweiten Platz beim Preis-Leistungs-Verhältnis, bei den Konditionen und zum dritten bei der Kulanz.

Lano

Lano hat zum Jahresende 2009 für ein besonders trauriges Kapitel in der Teppichbodengeschichte gesorgt: Dr. Pierre Lano, der 40 Jahre lang an der Spitze des Unternehmens stand, nahm sich am 9. Dezember das Leben. Der 65jährige warf sich in der belgischen Ortschaft Harelbeke, wo Lano residiert, vor einen Zug. Über die Hintergründe kann nur spekuliert werden. Lano, Tufter und Weber sowohl von Teppichböden als auch von abgepassten Teppichen, hatte sich innerhalb der belgischen Teppichindustrie, die stark von reinen Mengenkonzepten geprägt ist, im gehobenen Bereich positioniert und war insofern weniger kapazitätsgetrieben als mancher Mitbewerber. Dennoch konnte sich das Unternehmen nicht der globalen Wirtschaftskrise entziehen, die gerade die extrem exportorientierten Belgier mit voller Wucht traf. Der Umsatz schmolz 2008 von 101 auf 89 Mio. EUR zusammen, mit entsprechenden Auswirkungen auf das Ergebnis: Ein Verlust von 4,3 Mio. EUR ist für einen Mittelständler ein harter Schlag ins Kontor.
Anfang 2009 wurden Gegenmaßnahmen eingeleitet und eine strategische Neuausrichtung in Gang gesetzt. Lano selbst, von Haus aus promovierter Jurist, berief mit Edwin van Palais einen Restrukturierungsexperten an seine Seite und zog sich selbst aus dem operativen Geschäft zurück. Das alles mögen nicht mehr seine Entscheidungen gewesen sein. Verbunden mit der Sorge um den Betrieb und die Mitarbeiter, vielleicht auch mit Scham, hat der Unternehmer vielleicht keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als den, den er gewählt hat. Aber wie gesagt: Das sind alles nur Spekulationen. Lano war ein Mann, mit dem man gerne zusammentraf; wir haben den passionierten Politiker - er war sogar Bürgermeister von Harelbeke und später Abgeordneter der VLD (Vlaamse Liberalen en Democraten) - immer leutselig und jovial erlebt. Wir wünschen dem Unternehmen Lano und seiner Belegschaft, dass es den Verlust verwindet und auch ökonomisch wieder ins richtige Fahrwasser gerät.

Norddeutsche Teppichfabrik

Die Norddeutsche Teppichfabrik konnte sich lange Zeit einer wohlwollenden Betrachtung des Großhandels erfreuen; in den letzten Jahren ist der Glanz des Familienunternehmens allerdings ein wenig stumpf geworden. Bei Disziplinen wie Lieferschnelligkeit und -zuverlässigkeit sowie Vertriebsstrategie und Service, in denen die Norddeutsche immer ganz oben mitgespielt hat, gelingt es ihr nicht mehr, an frühere Stärken anzuknüpfen. Gut, dass der kompentete Innendienst noch etwas rettet - zum Beispiel den Sympathiewert - und den Großhandel trotz allem gerne in Geesthacht ordern lässt.

Textimex

Textimex ist ausgesprochen kulant und verfügt über das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, loben die Großhandelskunden. Auch mit dem Service, der Vertriebsstrategie und den Konditionen des Nadelvlies-Spezialisten zeigen sie sich weitgehendst zufrieden. Nicht zuletzt konnte der Innendienst seine gute Leistung des Vorjahres wiederholen. Damit sitzen die geschäftsführende Gesellschafterin Gertrud Oettgen und ihr Team beim Großhandel fest im Sattel...

Tretford/Weseler Teppichfabrik

Die Bewertungen der Weseler Teppichfabrik, in der Branche gewöhnlich unter dem Namen ihres Flaggschiffs Tretford geführt, variieren nur wenig. Ihre Stärken sind traditionell - und zu Recht - Marke und Bekanntheitsgrad. Und auch wenn der Großhandel anfangs mit dem Agentursystem nicht einverstanden war, erkennt er inzwischen an, dass die Weseler-eigene Vertriebsstrategie klar und konsequent durchgeführt wird. Überdurchschnittlich bewertet wurden dieses Mal ferner Service und Innendienst. Die Kollegen vom Außendienst können da nicht mithalten. Nicht den Wünschen des Großhandels entsprechen das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Konditionen. Das könnte sich künftig ändern: In Wesel hat man inzwischen eingesehen und eingeräumt, dass Handlungsbedarf besteht und die Konditionen zum 1. Januar geändert (Alle Details dazu können Sie in unserem Interview mit Weseler-Geschäftsführer Rudolph Welcker in BTH Heimtex 12/09 lesen, Anm. d. Redaktion).

Vorwerk

Die Marke und der Bekanntheitsgrad sind von jeher die Domänen von Vorwerk. Kein anderer Anbieter kann da mithalten. Zurück gewonnen haben die Hamelner ihren 1. Platz im Sortiment, das sie in den letzten Jahren systematisch auf- und ausgebaut und mit dem sie sich klar im Markt positioniert haben. Beste Noten erhalten sie zudem für Service und Zukunftsperspektiven. Ausgeprägte Schwachstellen: Fehlanzeige. Das ist doch eine Bilanz, die sich wahrlich sehen lassen kann.

Kurz notiert

Armstrong ist kein klassischer Textilbelagsanbieter mehr, nachdem das seit dem vergangenen Jahr in eine GmbH umgewandelte Unternehmen seine Teppichboden-Aktivitäten an Desso verkauft hat. Aber die Bietigheimer haben damals ihren Nadelfilz-Bestseller Strong im Produktportfolio behalten und wurden deshalb in die Umfrage mit aufgenommen. Hier fallen sie weder sonderlich negativ noch positiv auf, sondern halten sich solide im oberen Mittelfeld. Deutlich nach oben heraus ragt allerdings der Service.

Der belgische Tufter Associated Weavers und seine objektorientierte französische Tochter Balsan gehören über ein kompliziertes Konstruk, zur B.I.G.-Gruppe. Der Mann, der in Ronse, die Fäden zieht, dürfte Stephan Colle sein, Eheman von Ann de Clerck und damit Schwiegersohn von Roger de Clerck, Gründer und Patriarch der früheren Beaulieu- und heutigen B.I.G.-Gruppe. AW schreiben auf ihrer Webseite: "....Wir beliefern praktisch alle Geschäftsarten des Teppichhandels...." - das ist tatsächlich so und genau deshalb ist das Unternehmen mit dem Schmetterling immer Schlusslicht in der Kategorie "Klare Vertriebsstrategie". Mehr dem Gusto des Großhandels entsprechen Konditionen und Preis-Leistungs-Verhältnis (jeweils Platz 2).

Béwé Tapijt aus dem niederländischen Genemuiden hat beim Großhandel als preisattraktiver, konsumiger Anbieter den Platz manches Mitbewerbers aus dem benachbarten Belgien eingenommen, könnte aber noch an Lieferschnelligkeit und -zuverlässigkeit, Kulanz und Innovativität gewinnen.

Die B.I.G-Gruppe scheint noch mit ihrer Restrukturierung und Repositionierung beschäftigt zu sein. So ganz ist das auf dem deutschen Markt noch nicht angekommen. Aber zumindest hört man aus dem Großhandel, dass in Wielsbeke interessante Neuheiten für 2010 entwickelt worden sind...

Nachhaltigkeit ist für Desso ein ganz wichtiges Thema, das immer wieder propagiert und in den Vordergrund gestellt wird. Der Start der deutschen Gesellschaft beim Großhandel war ein wenig holperig; nicht alles soll nach den Wünschen der Kunden geklappt haben. Das mögen immer noch Nachwirkungen der Trennung von Armstrong 2007 sein. Vielleicht musste sich der neue Eigentümer NPM Capital, ein niederländischer Finanzinvestor, auch erst mit den Besonderheiten des Bodenbelagsmarktes vertraut machen.

Domo konzentriert sich seit der Devestiton seiner CV-Aktivitäten, die an IVC verkauft wurden, in seiner Sparte Domo Industries auf textile Produkte - angefangen bei der Produktion von BCF-Garnen und -Stapelfasern aus Polyamid und Polypropylen, für die die Rohstoffe aus der gruppeneigenen Chemiesparte stammen, über Nonwovens bis hin zu Teppichböden: Tuftings und Nadelfilz, Bahnenware und Fliesen, abgepasste Teppiche und Kunstrasen.

Was Edel im vergangenen Jahr auf der Domotex an Neuheiten präsentierte, zeugte von Kreativität, Marktgespür, Mode- und Trendbewusstsein. Bedauerlicherweise gelingt es den Niederländern trotz dieser Qualitäten offenbar nicht, im Großhandel richtig Fuß zu fassen.

Für die Filzfabrik Fulda ist Nadelfilz-Teppichboden nur eins von unendlich vielen Produkten, zu denen man Filz und Vlies verarbeiten kann. Auch sie hat wie die gleichfalls zur Wirth-Gruppe der Familie Schäfer gehörende Dura unter der Flaute der Automobilindustrie gelitten. Ein deutlich zweistelliger Anteil des Umsatzes entfällt auf technische Textilien für diese Zielgruppe: Filze und Vliese schützen Ölfilter und Getriebetunnel, kleiden Heizschächte und Radkästen aus, dämmen Motorlärm und befinden sich im Handschuhfach. In der Automotive-Sparte gab es deshalb zwar wohl Kurzarbeit, es konnten aber auch Überkapazitäten in die Schienen Bodenbeläge und Dekorationsfilz umgeschichtet werden.

Fletco ist vielseitig: Die Dänen tuften und weben Polyamid, Wolle und Polyproplyen, sind im privaten Wohnbereich wie im Objekt unterwegs und haben sich vor zwei Jahren Trading-up auf die Fahne geschrieben. Deutschland ist einer der drei Hauptmärkte des exportstarken Familienunternehmens.
Otto Golze, manchem besser geläufig unter "Astra Teppiche", ist der einzige große - unabhängige - Naturfaser-Spezialist, der in der Branche überlebt hat. Man hat sich allerdings auch rechtzeitig mehrere Standbeine geschaffen: Türmatten, Sauberlaufprodukte und moderne abgepasste Teppichen. Außerdem reüssiert das familieneigene und -geführte Unternehmen mit der Schöner Wohnen-Linie.

Object Carpet steht ganz oben auf dem Treppchen bei der Innovativität - und wird damit seinem Ruf gerecht. Innovation galt schon immer als USP der Denkendorfer. Für Object Carpet spricht auch, dass sie über ihre Showrooms, die sie in verschiedenen Metropolen in besten City-Lagen unterhalten, Teppichboden an den Verbraucher tragen.

Teilnehmer und Methodik



Die Exklusiv-Umfrage von BTH Heimtex wurde im Dezember 2009 schriftlich durchgeführt. Die Großhändler haben 33 Lieferanten textiler Beläge (Teppichboden, Nadelfilz/-vlies, Kugelgarn, Sauberlaufprodukte) aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und der Schweiz mit Schulnoten zwischen 1 (= ausgezeichnet) und 5 (= mangelhaft) bewertet. Für jeden Anbieter wurden 18 Benchmarks abgefragt, darunter objektiv messbare wie Lieferschnelligkeit (= Wie schnell wird nach Auftragseingang geliefert ?) und Konditionen genauso wie subjektiv empfundene wie Sympathiewert, die Qualität des Managements und die Zukunftsperspektiven. Aus den Antworten wurde eine Durchschnittsnote für das jeweiligen Kriterium errechnet.

Teilnehmer: 2HK/MZE (Freising), Farben-Arndt (Mayen), Belcolor (CH-St. Gallen), Bienna Interfloor (CH-Sonzeboz), Otto Bollmann (Mönchengladbach), Copa (Hofheim), Decor-Union (Hannover), Dresing (Rheda-Wiedenbrück), (Engel & Jung (Lollar), Farbtex Kaltenbach + Maier (Dornstetten), FHR Fachhandelsring (Harthausen), Geiger (Aschaffenburg), Paul Groß (Nistertal), Hacotex-Botex (Bielefeld), Hometrend-Thomas, Gallion, Rettberg (Berlin, Leinfelden-Echterdingen, Hamburg), IBS (Berlin), Inver (Mönchengladbach), Jordan (Kassel), Ketterer + Liebherr (Freiburg), Lecobest (Bergisch-Gladbach), Loppacher (CH-Herisau), Lotter (Ludwigsburg), Maler-Einkauf West (Köln), Gustav Maul (Landshut), M-Plus (Burgdorf), Fritz Müller (Koblenz), Netto Einkaufsgruppe (CH-Balsthal), Rafa (Köln), Riegelsche Baustoffe (Miltenberg), Rigromont (Breckerfeld), Schmitt + Orschler (Aschaffenburg), Schneck (Siegen), Sonnen-Herzog (Düsseldorf), Sonnhaus Deutschland (Straubing), Südbund (Backnang), Veeser (Albstadt), Wässa + Schuster (Kaiserslautern), Weicken (Dortmund), Weigel (Cloppenburg), Wotex (Heiligenwald)

aus BTH Heimtex 01/10 (Wirtschaft)