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Stimmen aus der Branche

IMM statt Heimtextil?

Im Jahr 2011 wollen einige Top-Textilverlage der Frankfurter Heimtextil den Rücken zukehren und zur IMM Cologne abwandern, die im Anschluss in Köln stattfindet. Die Editeure: Christian Fischbacher, Création Baumann, Jab Anstoetz, Kinnasand, Nya Nordiska, Sahco, Chivasso, Wellmann und Zimmer + Rohde. BTH Heimtex hat sich zu diesem Thema in der Branche umgehört.

Henning Cronemeyer Geschäftsführer Zentralverband Raum und Ausstattung:
"Wir haben in letzter Zeit festgestellt, dass eine Vereinzelung der Ausstellungen stattfindet. Für unsere Mitgliedsbetriebe bedeutet das einen erhöhten Reiseaufwand. Natürlich bedauern wir den Entschluss einzelner Aussteller, sich nicht in Frankfurt zu präsentieren. Da aber die Entscheidung eines Unternehmens für einen Messestandort eine sehr individuelle ist, möchten wir uns nicht wertend dazu äußern. Der ZVR spricht sich also nicht gegen einen bestimmten Messestandort aus, die Mehrheit unserer Mitgliedsbetriebe wünscht sich lediglich eine zentrale Leitmesse."

Berndt Kout Geschäftsführer Gebr. Munzert:
"Messen können nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, Angebot und Nachfrage gleichermaßen zu aktivieren. Daher bin ich sehr betrübt, dass es nach dem Intermezzo Maison & Objet nicht gelungen ist, die Editeure wieder auf der Heimtextil zu integrieren. Damit fehlt eine wichtige Facette in der Angebotspalette. Ich bin nicht davon überzeugt, dass die Verleger auf der IMM Cologne die angedachten neuen Zielgruppen im Objektgeschäft und Privatbereich erreichen können. Eines ist jedoch sicher: Internationale Textileinkäufer werden nicht 10 bis 14 Tage in Europa bleiben, um erst die Heimtextil und dann die IMM zu besuchen. Wenn die Kunden sich entscheiden müssen, hat die Heimtextil als die internationale Leitmesse wohl die größere Attraktivität. Schade, auf der Heimtextil hätten die Editeure das erfolgreiche Insider-Programm des letzten Jahres fördern und die Angebots- und Nachfrageseite wieder zusammenbringen können."

Harald Katzenberger Geschäftsführer Rasch Textil:
"Tendenziell finde ich es extrem schade, dass die wichtigste und größte Heimtextilienmesse für einen bedeutenden Teil der Branche nicht mehr attraktiv genug ist. Einerseits frage ich mich, wie sinnvoll es ist, auf einer Messe auszustellen, die dem Produkt Heimtextilien nur eine geringe Bedeutung einräumt. Andererseits wurde klar gesagt, dass die betreffenden Unternehmen neue Zielgruppen ansprechen wollen. Aber kann man diese Zielgruppen nicht auch auf der Frankfurter Heimtextil finden? Allerdings stellt ein Großteil dieser Verlage schon seit einigen Jahren nicht mehr in Frankfurt aus; es geht ihnen jetzt eben darum, etwas Neues auszuprobieren. Auf jeden Fall werden die Aussteller auf der Heimtextil den Besuchern weiterhin eine attraktive Messe bieten."

Claus Wölfel Firmeninhaber und Geschäftsführer Wölfel & Co:
"Wir bedauern sehr, dass es der Messe Frankfurt nicht gelungen ist, einige wichtige Verleger zu halten. Ihr Weggang schwächt den Gesamtauftritt der Branche. Schon Anfang letzten Jahres hat die Entscheidung dieser Verleger-Gruppe gegen die Raumausstattung Dortmund zum Zusammenbruch der Messe geführt."


Ottmar Ihling Geschäftsführer Alfred Apelt, Sprecher des Deco Teams:
"Als deutsche Textilhersteller sehen wir diesen Schritt mit einem gewissen Unverständnis. Die Heimtextil ist eine professionelle Plattform, die allen modernen Anforderungen an einen Messestandort gerecht wird. Das Aufsplitten der Messelandschaft ist nicht kundenorientiert, schwächt das Ansehen der Branche und verleiht dem Angebot in Köln auch nicht die nötige textile Kompetenz. Das Deco Team sieht daher keine Alternative zur Heimtextil in Frankfurt."

Sascha Dempwolff Verkaufsleiter Porschen:
"Für die IMM ist es ein guter Schachzug und für Frankfurt eine schmerzhafte Erfahrung. Ich befürchte, dass Frankfurt langfristig darunter leiden und möglicherweise den Status als Weltleitmesse einbüßen wird. Ich glaube auch, dass die IMM bei den Kosten deutliche Zugeständnisse gemacht hat, sonst bindet sich kein Aussteller langfristig. Es gilt, die weitere Entwicklung abzuwarten.

Martin Auerbach Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Heimtextilien-Industrie:
"Als Leitmesse für Wohn- und Objekttextilien ist die Frankfurter Heimtextil die wichtigste internationale Messeplattform für unsere Branche. Dass einige Textilverlage dort nicht mehr ausstellen wollen, können wir nicht nachvollziehen. Das geht gegen den Wunsch ihrer wichtigsten Zielgruppe, den Raumausstattern. Aus unserer Sicht ist das ein Schritt, der sich von der Heimtextilbranche entfernt."

aus BTH Heimtex 07/10 (Wirtschaft)