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Ortstermin bei Rasch

An der Wand hellt es sich auf


Bei Rasch laufen die Vorbereitungen für die Heimtextil 2011 auf Hochtouren. Chefdesigner Bernhard Holzapfel und sein Team arbeiten konzentriert an den neuen Kollektionen. Vier Stilwelten haben sie für das nächste Jahr ausgemacht: Die neue Einfachheit, den neuen Klassizismus, die neue Romantik und den neuen Optimismus. Und das alles verstärkt auf hellen Fonds. Die Farbwelt wird mit zarten, lichten, aber nicht süßlichen Tönen aufgemischt. BTH Heimtex war bei Rasch zu Besuch, durfte einen ersten Blick auf die neuen Kollektionen werfen und sprach mit den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern Dario Rasch und Dr. Frederik Rasch über die Markenpolitik des Familienunternehmens.

Die Spannung ist förmlich mit den Händen zu greifen. Sie liegt im übertragenen Sinn dicht an dicht auf meterlangen weißen Tischen bei Rasch in Bramsche und wartet darauf, zu einem Tapetenbuch gebunden zu werden. Schon vier Monate vor Beginn der Heimtextil 2011 sind die Entwürfe, die in Frankfurt vorgestellt werden sollen, fertig, doch noch weiß keiner, wie sie bei Handel und Verbraucher ankommen werden...

Chefdesigner Bernhard Holzapfel vertraut auf sein Bauchgefühl. Monatelang haben er und sein Team Inspirationen und Anregungen gesammelt, Ideen gefiltert, umgesetzt und wieder verworfen, immer auf der Suche nach den Trends, die die künftige Wohnwelt prägen werden. Dieses Jahr sei es schwieriger gewesen als in vorangegangenen, Tendenzen zu kanalisieren, sagt Holzapfel offen. Die Mode sei sprunghafter gewesen, "es gab keine kontinuierliche Entwicklung und es war schwer, auszumachen, durch welche Aspekte sie letztlich beeinflusst wird, wohin sie sich dreht."

Aus dem mannigfaltigen Input konnten die Kreativen dennoch einige Strömungen extrahieren, die von aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen geprägt sind. Und auch wenn die neuen Kollektionen noch weitgehend "top secret" sind, gab Holzapfel BTH Heimtex einen ersten Überblick darüber, was 2011 an den Wänden passiert. Vier Stilwelten hat man in Bramsche ausgemacht: Die Neue Einfachheit, den Neuen Klassizismus, die Neue Romantik und den Neuen Optimismus.

Die Neue Einfachheit, auch Clean Chic, kommt hochwertig daher, aber nicht aufgeputzt, klar und aufgeräumt, aber nicht sparsam. Die Formen sind geradlinig, wobei der puristische Charakter mit folkloristischen Akzenten belebt wird. Im Mittelpunkt stehen natürliche Materialien, vor allem Holz. Weitere Leitbilder sind Jeans und Kräuter, einfache Dessinierungen und alte, bekannte Muster. "Alles wirkt gebraucht und authentisch", erklärt Holzapfel. Doch das Vertraute wird neu koloriert und erhält dadurch Spannung - in Blaulila, Petrol, Grasgrün, Jeansblau, Rotbraun.

Der neue Klassizismus ist das Ergebnis einer Rückbesinnung auf bleibende Werte. Hier finden sich Reminiszenzen an die Bauhaus-Ära sowie die Kunst der 50er und 60er Jahre. Farblich dominieren Weiß und neutrale Töne, versetzt mit Akzenten in Rot.

Nicht ganz neu, aber ganz anders kommt die Neue Romantik auf die modische Bühne - nicht mehr so verspielt, doch nostalgisch in lieblichen Pastells von Creme über Zitronengelb und Rosé bis zu Lindgrün und Bleu.

Nach überstandener Krise keimt der "Neue Optimismus" auf und explodiert in fröhlichen Farben und Digitaldruck. Die 50er Jahre mit den Grundfarben Gelb, Rot, Grün sind zurück, rufen Erinnerungen an amerikanische Tankstellen und Küchen wach.

Generell werden die Tapeten heller. Das bezieht sich vor allem auf die Fonds; das Farbspektrum verlagert sich hin zu naturnahen Basistönen wie Champagner, Crème, Beige und Weiß, oft in Verbindung mit Metallic-Tönen wie Silber. Blau hat seinen Zenit noch nicht erreicht, wohltuende Blauschattierungen von Hellblau bis Petrol bleiben wichtig. Weiterhin präsent sind Erdtöne und Brombeer.

In der Dessinierung ist das Großformatige, Plakative auf dem Rückzug. Es kehrt wieder mehr Ruhe ein, illustriert durch Anleihen aus der Natur und natürlich wirkende Strukturen.

Tapetenfabrik Gebr. Rasch GmbH & Co. KG
In welche Richtung sich die Tapetenmode im kommenden Jahr entwickelt, deutet bereits die Herbstkollektion Gipsy an. Helle Fonds setzen sich zunehmend durch.
Tapetenfabrik Gebr. Rasch GmbH & Co. KG
Dario Rasch, Ulrike Feierabend-Hoffmeier, Elke Pfeiffer und Bernhard Holzapfel freuen sich auf die neuen Tapetenkollektionen, die auf der Heimtex 2011 in Frankfurt präsentiert werden sollen.
Tapetenfabrik Gebr. Rasch GmbH & Co. KG
Dario Rasch und Bernhard Holzapfel überprüfen die Qualität der im Bramscher Werk hergestellten Tapetenrolle.

Einen ersten Eindruck der künftigen Tapetenmode gab Rasch bereits mit den Kollektionen Valverde, Gipsy und Modern Update, die BTH Heimtex in Ausgabe 9 vorgestellt hat. Brooklyn mit seinem munteren, farbenfrohen Mix aus Folklore und Geometrie ist ein weiteres Beispiel.

Rasch baut sich zur Marke aus


"Wir sind ein solides, ordentlich finanziertes Familienunternehmen." Das stellt Dario Rasch, geschäftsführender Gesellschafter des Tapetenherstellers Gebr. Rasch in Bramsche gegenüber BTH Heimtex klar, bevor er auf die künftige Strategie des Unternehmens einging. Die wird die Marke Rasch in den Mittelpunkt stellen und sie zu neuem Leben erwecken. Verantwortlich für diese anspruchsvolle Aufgabe ist seit 1. September Ulrike Feierabend-Hoffmeier. Sie übernahm den Posten der langjährigen Marketingleiterin Elke Pfeiffer, die auf die neu geschaffene Stelle der Sortimentsmanagerin wechselte und nun rund 6.000 Artikel betreut.

"Die Kraft einer 100-jährigen Unternehmensgeschichte und das ganze Wissen um die Tapete sind schwere Gewichte, die wir immer schon in die Waagschale geworfen haben. Nun ist der richtige Zeitpunkt gekommen, die Marke Rasch selbstbewusst und zeitgemäß mit einem klaren Markenprofil zu positionieren", sagt Rasch. Das Unternehmen strebe mit Hilfe der Markenbotschaft als Mittel der Differenzierung vom Wettbewerb die Marktführerschaft in Europa an.

Ziel ist es nach Auskunft der neuen Marketingleiterin, bereits in zwei Jahren ein scharfes Markenprofil aufgebaut zu haben und dieses gegenüber Handel und Endverbraucher in ein neues Kommunikationsgewand zu kleiden. Dass Ulrike Feierabend-Hoffmeier dieser Herausforderung gewachsen ist, bewies die Diplom-Kauffrau und Marketing-Expertin zehn Jahre lang bei Parador. Sie verantwortete bei dem Fußbodenhersteller den Aufbau der Endverbraucher-Marke Parador. Nachdem sie das Unternehmen 2009 verlassen hatte, beriet sie bis zum Eintritt bei Rasch verschiedene Firmen in der strategischen Markenführung und Unternehmenskommunikation.

Doch die Marke allein macht noch nicht den Erfolg von Rasch aus. "Ihre Substanz sind die Produkte", betont der geschäftsführende Gesellschafter. Daran arbeite der Tapetenhersteller stetig und zeige sich mutig, was Design und Farbe angehe. "Kreative Unternehmen profitieren schneller von der steigenden Nachfrage", ist Rasch sicher und verweist darauf, dass die Tapete wieder in Mode sei. Die Chance müsse genutzt werden - über Weiterentwicklung des Produktes und Markenstärkung.

Diese Maßnahmen dienten auch dazu, den verbliebenen Fachhandel zu unterstützen. "Allerdings muss dieser eine perfekte Beratung bieten", meint Rasch und ist sich sicher: "Gute Fachhändler wird es immer geben." Frederick Rasch, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter, macht darauf aufmerksam, dass der Handel bereits kräftig von den Aktivitäten des Hamburger Tapeten-Showrooms profitiere, der auf Rasch-Initiative entstanden sei. Derzeit gebe es Gespräche, das Hamburger Projekt auch in anderen Städten einzurichten.

Insgesamt sieht Dario Rasch das Unternehmen auf gutem Weg. "Wir werden weiter wachsen", prophezeit er, schränkt aber ein, dass er nicht ganz zufrieden sei mit der Entwicklung: "Wir sind aufgrund der Krise längst nicht da, wo wir uns eigentlich sehen". Doch gibt er sich zuversichtlich, dass der Familienbetrieb jetzt umsatzmäßig rasant zulegen wird. Eine treibende Kraft ist dabei mit rund 65 % der Export.

"Zwar sind wir international stärker, aber hier am Firmensitz in Bramsche läuft alles zusammen", erläutert Rasch. Die Designer des Tapetenherstellers entwickelten die Produkte nach geschmacklicher Vorgabe des lokalen Marktes vor Ort, produziert werde aber weiterhin in Bramsche. Und dafür, dass die Produkte auch das Versprechen der Marke Rasch erfüllen, sorgt in Zukunft Elke Pfeiffer. "Produktions- und Designkompetenz setzen bei Rasch einen hohen Qualitätsstandard", betont die 38-Jährige.

aus BTH Heimtex 10/10 (Wirtschaft)