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5 Fragen an Heleen van Gent

"Trends werden nicht erfunden, sie entstehen"


Die Farbhersteller müssen wissen, was gerade im Trend liegt. Denn ihre Produkte sind dem Modegeschmack unterworfen. Um ihm auf die Spur zu kommen, unterhält Akzo Nobel im holländischen Sassenhein ein Global Aesthetic Center. Dessen Leiterin hat mit ihrem Team Gelb als Trendfarbe für das kommende Jahr ausgemacht. BTH Heimtex wollte von Heleen van Gent wissen, wie Moden entwickelt werden und warum Gebäude wieder bunter werden.

BTH Heimtex: Die Mode ist sehr schnelllebig. Gilt dies auch für Farbtrends?

Heleen van Gent: Trends verändern sich manchmal so schnell, dass verschiedene Trends sogar nebeneinander existieren. Wir bei Akzo Nobel konzentrieren uns auf langfristige Trends. Kleidung kann jeden Tag gewechselt werden - ja nach Stimmung und Anlass. Bei Farbanstrichen ist das unmöglich. Sie müssen kurzfristige Schwankungen überdauern. Zwei bis drei Jahre sind eine realistische Zeit.

BTH Heimtex: Die Farbe des Jahres 2010 war ein luftiger Blauton. Was erwartet uns 2011?

van Gent: Ein sehr leichtes, frisches Gelb - fast ein bisschen grünlich. Es ist eine Art Rückbesinnung auf die wahren Werte. Wir haben den Eindruck, dass die Menschen am glücklichsten sind, wenn sie zur Ruhe kommen, mit sich im Reinen sind. All die harte Arbeit der Vergangenheit: Hat sie uns wirklich glücklich gemacht? Ist es nicht eine viel größere Belohnung, im Gras liegen und die aufgehende Sonne beobachten zu können? Liegt das Glück nicht in den kleinen Dingen des Lebens? Darin zu teilen, zum Beispiel. Oder zusammen zu essen. Gelb strahl Optimismus und Ruhe aus - ganz wie die Sonne. Und das ist schön.

BTH Heimtex: Gibt es weitere trendige Farbentwicklungen?

Akzo Nobel NV
Heleen van Gent, Leiterin des Akzo Nobel Global Aesthetic Center: "Die Menschen sehnen sich nach Farbkombinationen, die Ruhe ausstrahlen"

van Gent: Die Klammer, die alles umfasst, heißt Wertschöpfung. Die Farben der Natur spielen deshalb eine tragende Rolle. Dazu gehören auch sanfte Holz- und Lehmtöne. Aber auch so genannte Popups wird es geben, die nur die Aufgabe haben, ein Lächeln in das Gesicht des Betrachters zu zaubern. Das wird vor allem bei kurzfristigen Installationen eine Rolle spielen.

BTH Heimtex: Viele Gebäude wie Hotels oder Shopping-Center erhalten vermehrt einen Farbanstrich. Woraus resultiert dies?

van Gent: Ich habe das Gefühl, dass mehr Menschen Farben und Farbkombinationen offener gegenüberstehen. Was auch Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins sein kann. Architekten haben ihren Fokus in der Vergangenheit oft vor allem auf die Form gelegt. Farbe war etwas, was am Ende irgendwie verarbeitet werden musste. Das ist heute anders. Farben werden von Anfang an in die Design-Konzepte integriert. Das ist vor allem bei jüngeren und weiblichen Architekten zu beobachten. Es ist ein komplett anderer Ansatz. Das ist allerdings nur möglich, weil es heute für die verschiedensten Materialien hochwertige und lang anhaltende Spezialanstriche gibt.

BTH Heimtex: Wie kommen Sie den Farbtrends auf die Spur?

van Gent: Wir müssen beobachten und bewusst erleben, was in der Welt passiert. Trends werden nicht erfunden, sie entstehen. Unsere Arbeit besteht darin, schleichende Veränderungen aufzunehmen, Spannungen zu spüren, Sehnsüchte zu erkennen. Im Moment leben wir in einer unruhigen Zeit. Die Menschen erhalten so viele Informationen, dass sie sich nach Farbkombinationen sehnen, die Ruhe ausstrahlen. Und wir geben sie ihnen - natürlich, beruhigend, schön anzusehen. Am Ende geht es darum, dass jemand eine Farbe oder eine Farbkombination sieht und sagt: Das ist schön. Ohne dass er eigentlich weiß, warum.

aus BTH Heimtex 11/10 (Wirtschaft)