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4. Zukunftssymposium des GD-Holz in Fulda

Marktforscher verbreiten Optimismus

Bereits zum vierten Mal hatte der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) zu einem mit hochkarätigen Rednern besetzten Symposium nach Fulda eingeladen. Rund 150 Teilnehmer gaben der Veranstaltung einen angemessenen Rahmen. Neben zahlreichen Vertretern der Zulieferindustrie wollten deutlich mehr als 100 deutsche Holzhändler wissen, was die Zukunft bringt. Die Referate waren geprägt von Zuversicht und vermittelten diverse neue Erkenntnisse.

Verbands-Vizepräsident Jürgen Klatt aus Lübeck eröffnete und moderierte die Tagung. "Zunehmende Sanierungsvorhaben", machte er in seinen Eingangsworten deutlich, "bieten dem Holzhandel neue Chancen." Er untermauerte diese These mit einer groben Analyse des deutschen Wohnungsmarktes, nach der von einer Zunahme sanierungsbedürftiger Wohnungen auszugehen ist. Klatt vertritt die Ansicht, dass die Vermietung von nicht saniertem Wohnraum überaus problematisch werden könnte. Kosten-Nutzen-Rechnungen würden beweisen, dass unter dem Strich eine nicht sanierte Wohnung teurer sei als eine sanierte Wohnung. "Hier ist Potential, das wir nutzen sollten."

Oliver Schmitz von der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) in Nürnberg stellte sein Referat unter die Headline "Die stärkste Rezession der Nachkriegszeit liegt hinter uns". Das Bruttoinlandsprodukt war um 5% und der Export gar um nahezu 15% eingebrochen. Die Rezession sei im Vorjahr dennoch nicht unmittelbar beim Verbraucher angekommen, der Konsum sei sogar im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Inzwischen stellt die GFK bei repräsentativen Konsumentenbefragungen von 20.000 Haushalten eine weitere Verbesserung der Marktlage fest. In Deutschland wird wieder gekauft, in anderen europäischen Schlüsselmärkten wie Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien ist dies leider nicht der Fall. Themen wie Sicherheit sowie die Verschönerung der eigenen vier Wände sind in der Krise noch wichtiger als zuvor geworden. Darüber hinaus sei ein deutlicher Trend in Richtung Qualität feststellbar. Das Label "Made in Germany" wurde 2009 gegenüber 2007 deutlich höher bewertet.

Schmitz prognostiziert, dass die unaufhaltsame Verschiebung der Alterspyramide zu Gunsten der älteren Generationen dem Holzhandel neue Absatzchancen eröffne. Holzböden würden schon heute zu 49% im Profi-Geschäft abgesetzt und dies bei ständig steigender Tendenz. Die ältere Generation hat die finanziellen Mittel und ist offen für eine Renovierung des Wohnraums mit guten Qualitäten bei einem hohen Dienstleistungsgrad.

Martin Langen, Partner der B & L Marktdaten aus Bonn, berichtete über den aktuellen Stand bei Bauanträgen und Baugenehmigungen. Seit 2006 stagnieren die Baugenehmigungen im privaten Wohnungsbau auf einem Niveau von rund 180.000 Baugenehmigungen jährlich. Jetzt liegt diese für das zukünftige Geschäft wichtige Kennzahl sogar bei rund 18.000 monatlich und damit deutlich oberhalb des Durchschnittes der vergangenen Jahre. Für die kommenden zwei bis drei Jahre wird mit weiter wachsendem Wohnungsbau gerechnet.

Langen machte deutlich, dass jeder Neubau mit seinem Materialbedarf gleichzeitig wichtigster Treiber für die Renovierung ist. Der Erstbezieher eines Neubaus gibt seine bisherige Wohnung auf und der Nachmieter bzw. Käufer der Altimmobilie würde vor seinem Einzug üblicherweise eine Renovierung durchführen. Renovierungsbedarf entsteht auch durch Erbschaften. Momentan werden jährlich in Deutschland rund 400.000 Immobilien vererbt und anschließend größtenteils renoviert.

Positive Markteffekte lassen sich laut Langen aus den Ergebnisse einer Analyse des Lebenszyklus vieler Produkte ableiten. Teppichböden und PVC-Bodenbeläge hätten eine durchschnittliche Lebensdauer von 14 Jahren. Da der letzte Bauboom Mitte der neunziger Jahre seinen Höhepunkt erreicht hatte, ständen nunmehr zwangsläufig Renovierungen an. 17% der Konsumenten haben im Rahmen einer Befragung angegeben, eine Erneuerung des Bodenbelages im Jahr 2011 zu planen.

GD Holz Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V.
"Wer hätte das gewusst? Ein Symposium war im alten Griechenland, ein gemeinsames, geselliges Trinken." Mit diesen Worten eröffnete Vizepräsident Jürgen Klatt, das 4. Zukunftssymposium.
GD Holz Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V.
Für Adrian Hotz, Wissenschaftler am Institut für Handelsforschung, sind Internet mit Facebook und Twitter aus dem Handel von morgen nicht mehr wegzudenken.
GD Holz Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V.
Marktforscher Oliver Schmitz von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) begeisterte das Auditorium mit optimistischen Zukunftsaussichten für den Holzhandel.

Unternehmensberater Markus Knauf (Bielefeld) rät dazu, Nachhaltigkeitsaspekte in der Werbung stärker in den Vordergrund zu stellen. Wissenschaftlich begründbare Aussagen müssen allgemein verständlich kommuniziert werden. Beispiel: 20m2 Holzparkett speichern beispielsweise etwa 0,6t CO, was etwa 4 Monate Autofahren entsprechen würde. Er schlägt dazu vor, einem Kunden nach der Auftragsabwicklung eine Urkunde zu überreichen, in der bestätigt wird, wie viele Tonnen CO durch seine Entscheidung für Holz dauerhaft eingelagert werden. Knauf sieht dringenden Handlungsbedarf für den Holzhandel, da es der Baulobby bereits gelungen sei, das Thema der nachhaltigen Bauweise auch für andere Baustoffe zu besetzen. Der Holzhandel müsse Themen wie Klimaschutz und Energieeffizienz eindeutig weiter hervorheben.

Adrian Hotz vom Institut für Handelsforschung (Köln) faszinierte in seinem Vortrag zum Thema E-Commerce seine Zuhörer mit den nahezu grenzenlosen Möglichkeiten im Internet mit Facebook und Twitter. "Die gelben Seiten sind endgültig Geschichte. Das Telefonbuch von gestern ist heute Google und Facebook ist die Zukunft", ist seine ganz eindeutige Botschaft. Schon Bill Gates hätte als junger Mann die Behauptung aufgestellt, dass es in Zukunft keinen Handel mehr ohne das Internet geben würde.

Hotz führte aus, dass allein in Deutschland von den 64 Millionen Menschen im Alter von über 14 Jahren täglich 43 Mio. Menschen online sind, häufig auch als Konsumenten. Zudem steige die mobile Internetnutzung über das Handy explosionsartig an. Soziale Netzwerke, wie Facebook, führen nach seiner Überzeugung zur Interaktion mit dem Kunden, erhöhen die Kundenbindung, verbessern das Image des Unternehmens und haben einen Multiplikator-Effekt durch die Weiterleitung der Nachrichten im Freundes- und Bekanntenkreis.

Was das Internet bewirken kann, machte Hotz am Beispiel der Internetseite seiner Lieblingswürstchenbude in Köln deutlich. Hotz hatte die Wurstbude erst vor wenigen Tagen, vernetzt mit dem Stadtplan von Köln, im Internet platziert und damit völlig kostenlos erreicht, dass bei der Google-Online-Suche mit den Begriffen Currywurst und Köln die Wurstbude zusammen mit dem Kölner Stadtplan als erster Eintrag angezeigt wurde. Hunderte von Internetnutzern informierten sich gleich am ersten Tag über das spannende Thema der Currywurst.

Der nächste Holzhandelstag des GD Holz wird am 26. 5. 2011 in Gelsenkirchen stattfinden.

aus ParkettMagazin 01/11 (Wirtschaft)