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Interview mit Heinz Schmitt (BEB) und Joachim Barth (ZVPF):

Verbandsmitglieder profitieren von gemeinsamer Adresse

Seit Jahresbeginn 2011 residieren der Bundesverband Estrich und Belag (BEB) und der Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF) gemeinsam in Troisdorf. Auf den Mitgliederversammlungen im Mai 2010 hatten die Mitglieder mehrheitlich die Zusammenlegung beschlossen. Beide Verbände sind unter der Adresse Industriestraße 19, 53842 Troisdorf-Oberlar erreichbar. FussbodenTechnik befragte Heinz Schmitt, den Vorsitzenden des Bundesverbandes Estrich und Belag und Joachim Barth, den Bundesinnungsmeister des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik zu dieser Entscheidung.

FussbodenTechnik: Wie profitieren Ihre jeweiligen Verbände von dem gemeinsamen Standort in Troisdorf?

Heinz Schmitt: Den heutigen gemeinsamen Standort von Bundesverband und Zentralverband in Troisdorf muss man unter historischen Aspekten sehen. Erst vor gut einem Jahrzehnt begann die Annäherung beider Verbände. Initiiert durch Ehrenamtsträger, die in beiden Verbänden organisiert waren, sowie den Marktentwicklungen in der Bauwirtschaft folgend, war dies ein absolut sinnvoller Vorgang. Zusätzlich erkannten kluge Unternehmer die Zeichen der Zeit für eine gewerkeübergreifende Zusammenarbeit im Fußbodenbau für ihre Betriebe und vollzogen dies auch in der verbandlichen Zusammenarbeit nach. Es kam in der Folgezeit zu gemeinsamen Tagungen, Veröffentlichungen und Fachmessen. Die jetzige Entwicklung zu einem gemeinsamen Standort der beiden Verbände ist nur die logische Fortsetzung sinnvoll eingeleiteter Entwicklungsprozesse, die auch dem Markterfordernis entsprechen. Insofern profitieren von dieser Entwicklung - wenn man es so bezeichnen will - in erster Linie die Verbandsmitglieder.

Joachim Barth: Der gemeinsame Standort stellt die logische Konsequenz aus einer nunmehr fast zehnjährigen guten Zusammenarbeit in vielen Bereichen dar und sendet ein positives Signal sowohl nach innen als auch nach außen. Nach außen insbesondere dahingehend, dass das herkömmliche Kastendenken im Handwerk sehr wohl überwunden werden kann, und nach innen, dass es keine Alternative zur sinnvollen Zusammenarbeit gibt. Im Fokus steht dabei nicht, wie die Verbände davon profitieren, sondern dass die angeschlossenen Betriebe Vorteile daraus schöpfen können.

FT: Wird sich die schon bislang enge Zusammenarbeit durch die räumliche Nähe noch steigern lassen?

Schmitt: Im Grunde genommen erfolgt durch den Zuzug des Zentralverbandes nach Troisdorf eine durchaus sinnvolle Erweiterung des jetzt schon bestehenden Kompetenzzentrums für den Fußbodenbau. In Troisdorf ist bekanntlich nicht nur der Bundesverband angesiedelt, sondern auch das ihm angeschlossene Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung sowie die Gütegemeinschaft Estrich und Belag. In diesem Konzert der wichtigsten Institutionen des Bodenbaus wird sich die Zusammenarbeit durch deren räumliche Nähe meiner Auffassung nach noch weiter optimieren. Nur eine Bündelung der Fachkompetenz im Fußbodenbau - so wie dies am Standort Troisdorf geschieht - wird mittel- bis langfristig die Durchsetzung und Vertretung der Belange unserer Branche des Fußbodenbaus sichern. Ideal wäre die Angliederung der Geschäftsführung der Bundesfachgruppe, was jedoch in Anbetracht der derzeitigen gespaltenen Interessen illusorisch erscheint.

Barth: Wichtig ist, Kräfte zu bündeln, um dem Fachbereich Fußbodenbau den Stellenwert im Baugeschehen zu schaffen, der ihm zusteht. Und das geht nur, wenn sich die tangierenden Gewerke und Betriebe mit dem Ziel der Bündelung von Kompetenzen zusammenfinden und zusammenarbeiten.

FT: Sparen die Verbände durch den Umzug Kosten?

Schmitt: Der Aspekt einer Kostenersparnis für die Verbände stand und steht bei ihrem aktuellen Zusammengehen nicht im Vordergrund. Sowohl der Bundesverband als auch der Zentralverband sind finanziell kerngesunde Institutionen. Selbstverständlich schließt dies mittelfristig nicht aus, dass Sparpotenziale der beiden Verbände beispielsweise im Sinn bürogemeinschaftlicher Tätigkeiten - soweit dies realisierbar ist - genutzt werden.

Barth: Der Umzug wurde nicht eingeleitet, um Kosten zu sparen. Der ZVPF hatte aufgrund personeller Veränderungen eine Entscheidung zu treffen und in dem Umzug unter ein gemeinsames Dach die beste Lösung gesehen.

FT: Werden die Schulungsräume des BEB durch den ZVPF besser ausgelastet?

Schmitt: In Troisdorf stehen durch den Neubau des Instituts vor gut zehn Jahren aber auch im Verbandshaus ausreichend Tagungs- und Seminarräume zur Verfügung. Bereits heute werden diese Räume nicht nur durch Seminarveranstaltungen, sondern auch beispielsweise durch die 16 Arbeitskreise des Bundesverbandes für ihre Zusammenkünfte viel genutzt. Die Räume stehen zukünftig auch dem Zentralverband zur Mitbenutzung zur Verfügung und es wird demgemäß zu noch höherer Auslastung kommen.

Barth: Gern werden wir das Angebot annehmen, die Schulungs- und Tagungsräume mit zu nutzen und leisten damit einen Beitrag zu höherer Auslastung.

FT: Welche Vorteile bieten die "kurzen Wege" noch?

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Heinz Schmitt: "Beide Verbände sind rechtlich selbstständige Konstrukte. Das wird auch sicherlich auf absehbare Zeit so bleiben."
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Joachim Barth: "Der gemeinsame Standort ist die logische Konsequenz aus einer nunmehr fast zehnjährigen guten Zusammenarbeit."
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Edgar Leonhardt ist Geschäftsführer von beiden Verbänden.

Schmitt: Wie bereits eingangs geschildert, ist die jetzige Entwicklung nicht nur unter kurzfristigen Aspekten zu betrachten. Bekanntlich liegt die Geschäftsführung des Bundesverbandes und des Zentralverbandes bereits seit einigen Jahren bei unserem Geschäftsführer Edgar Leonhardt. Insofern sind hier die "kurzen Wege" in der Vergangenheit schon weitgehend genutzt worden. Die räumliche Nähe bietet sicherlich noch weitere Optimierungen.

Barth: Neben dem kurzen Verwaltungsweg, der durch den gemeinsamen Geschäftsführer schon bestand, entfällt für ihn wohltuend das Pendeln zwischen zwei Geschäftsstellen.

FT: Bieten zwei Verbände unter einem Dach mehr Schlagkraft?

Schmitt: Räumlich gesehen ist es sicherlich nicht entscheidend, ob zwei Verbände, die miteinander gut kooperieren, unter einem Dach sitzen oder nicht. Natürlich trägt eine gut nachbarschaftliche Beziehung, die sicherlich auch durch die räumliche Nähe gefördert wird, zu einer Stärkung des Gesamtkonstrukts zum Nutzen für die Verbandmitglieder bei.

Barth: Ausschlaggebend ist, dass richtungweisend gedacht und gehandelt werden muss, um eine gemeinsam gestaltete Zukunft für unsere Betriebe zu sichern.

FT: Was passiert mit der alten Immobilie in Bonn?

Schmitt: Meiner Kenntnis nach ist diese Immobilie, die zentral in der Stadtmitte von Bonn liegt, gut vermietet. Die Immobilie gehört dem Zentralverband bzw. dessen Mitgliedsinnung und es steht in deren alleinigen Ermessen, wie sie zukünftig mit diesem Objekt verfahren.

Barth: Die bisherige Büroetage wird derzeit umgebaut und einer Vermietung zugeführt. Anderweitige Pläne liegen nicht vor. Über die Zukunft der Immobilie haben die Mitgliedsinnungen zu bestimmen, denen sie als Mitglieder des ZVPF gehört.

FT: Was entgegnen Sie Branchenteilnehmern, die sagen: "Wenn zwei Verbände unter einem Dach residieren, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis beide fusionieren?"

Schmitt: Ich sage ihnen dann: "Man muss nicht verheiratet sein, um zufrieden und glücklich miteinander leben zu können!" Beide Verbände sind rechtlich selbstständige Konstrukte. Das wird auch sicherlich auf absehbare Zeit so bleiben. Diese Frage erscheint mir sekundär. Entscheidend ist doch, dass die bauausführenden Betriebe aus diesem Zusammengehen einen größtmöglichen Nutzen beziehen.

Barth: Wenn es gute Gründe dafür gibt und die Mitglieder beider Verbände dem mehrheitlich zustimmen, dann soll das so sein. Sicher gibt es in beiden Verbänden Befürworter und Gegner. Ob es einmal zu einem Zusammenschluss kommt, ist für mich zweitrangig.

Die Zusammenarbeit mit dem Estrichlegerhandwerk ist eine Etappe auf dem sicher langen Weg, die tangierenden Gewerke zu einer zukunftweisenden "Interessengemeinschaft Fußbodenbau" zusammen zu bringen. Darin sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen für die nächsten Jahre. Gelingt uns das, profitieren die, für die wir ehrenamtlich tätig sind, nämlich unsere Betriebe.

aus FussbodenTechnik 02/11 (Wirtschaft)