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Ambiente Internationale Frankfurter Messe 2011

Qualität und Design beeinflussen die Kauflust

Frankfurt/Main - Das ergab zumindest die forsa-Studie, die die Messe Frankfurt im Rahmen der Ambiente in Auftrag gegeben hat, um über das Verhalten der Verbraucher mehr zu erfahren. Demnach zählt heute beim Kauf von Konsumgütern nicht mehr vor allem der Preis. 90 Prozent der Deutschen wollen für Qualität und hochwertige Produkte wieder mehr Geld ausgeben und bewusster einkaufen. Das Ergebnis der als weltgrößte Konsumgütermesse bezeichneten Ambiente scheint nach fünf Tagen Messegeschehen (11. - 15. Februar) diese Erwartungen zu bestätigen. Die Konsumlaune steigt, die Konjunkturbremse ist gelöst und die Konsumgüterindustrie erwartet Umsatzwachstum für 2011.

Mit über 144.000 Fachbesuchern aus 150 Ländern und somit einem Plus von knapp zehn Prozent gegenüber 2010 spricht die Messeleitung Frankfurt von einem Spitzenergebnis der Ambiente. Auch die 4.383 Aussteller (etwa 50 mehr als im Vorjahr) aus 86 Ländern, die ihre Produkte rund um die Themen Tisch und Küche, Wohnen und Einrichten sowie Schenken präsentierten, äußerten sich in vielen Bereichen sehr zufrieden. Für ein positives Stimmungsbild sorgten ebenso rund 77.500 Besucher - das bedeutet ein Plus von etwa acht Prozent -, wobei jeder zweite Einkäufer aus dem Ausland kam. Der Internationalitätsgrad liegt damit bei mittlerweile rund 46 Prozent. Italien, die Niederlande, Frankreich, die USA und die Schweiz führen die Liste der Top-Five-Nationen an.

Die Besucherfrequenz war so gut wie seit Jahren nicht mehr. Der Handel sei bereit, neue Dinge zu wagen, gehe mutiger an neue Themen ran, allerdings mit prüfendem Blick. "Viele gute Neuheiten und engagierte Aussteller - die Messe ist weiterhin unverzichtbar für alle Händler, die sich vom Durchschnittsangebot differenzieren wollen", so Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Bundesverbandes für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur e.V.

Was ist die Konsumgüterbranche?

Aufschlussreich zur Situation und Chance der Konsumgüterbranche, dem Marktumfeld der Ambiente, sind Ausführungen von Detlev Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Konsumgüter werden (Wikipedia!) für den privaten Ge- oder Verbrauch hergestellt und gehandelt - im Unterschied zu Investitionsgütern oder Rohstoffen, bestimmt für den Produktionsprozess. Primär für den privaten Konsum gedacht sind also Produkte wie Lebensmittel, Bücher oder Kleidungsstücke, aber in heutiger Zeit gehören deutlich die Bereiche Haushaltswaren, GPK-Produkte, also Glas, Porzellan, Keramik, Home-Dekoration und Elektrokleingeräte dazu. Somit ist die Ambiente das Spiegelbild für den Markt rund um den gedeckten Tisch, Küche und Hausrat, Geschenk- und Dekorationsartikel, sowie Wohn- und Einrichtungsaccessoires.

Egal ob Topf, Teller oder Besteck, ob Kerzen, Schmuck oder textile Wohnaccessoires - mit solchen oder anderen Konsumgütern wird in Deutschland jeder sechste Euro des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Das Nachfragevolumen des deutschen Konsumgütermarktes beträgt 400 Mrd. Euro. Deutschland allein hat somit einen Anteil von vier Prozent am weltweiten Volumen des Konsumgüterhandels, der sich auf rund 9,5 Bill. Euro beläuft.

Erfolg oder Misserfolg der gesamten Branche bestimmen die Verbraucher durch ihr Kaufverhalten. Wie die bereits erwähnte forsa-Studie ergab, achten 88 Prozent der Befragten beim Kauf einzelner Produkte auf gutes Design. Das kommt Markenartiklern zugute, denn die Hälfte der Deutschen achten beim Kauf von Wohnungseinrichtung auf Markenhersteller mit gutem Ruf. Weitere Kaufkriterien sind Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit. 70 Prozent der Deutschen würden für ein Produkt mehr bezahlen, wenn es besonders Ressourcen schonend produziert wurde. Und 60 Prozent achten beim Einkauf heute stärker darauf, ob Produkte ökologisch und sozialverträglich produziert sind.

Viele der Aussteller auf der Ambiente stellten sich bereits bei der Standgestaltung und ihren Markenaussagen und Slogans auf diese aktuellen Kaufkriterien ein, mussten teilweise auch exakte Informationsgespräche führen. Zum Thema "Gutes Design" und Markenwirkung tragen sicher auch zunehmend Preisverleihungen und entsprechende Ausstellungen auf der Messe bei - zum Beispiel der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland oder Design Plus. Dazu sei angemerkt, dass außer Eagle Products und Zoeppritz zu wenig Hersteller textiler Wohnaccessoires auf Anforderungen der Preisausschreibungen reagieren. Diesen Anschein hatte es zumindest dieses Jahr. Das gilt auch für die Teilnahme an der Gestaltung der Trendaussagen auf der Ambiente, inszeniert vom Stilbüro bora.herke, Frankfurt/Berlin. Claudia Herke vertiefte zwei Mal täglich mit Diavorträgen die Eindrücke, um die Trend-Stilwelten "cute", "raw", "refined" und "mash" greifbarer zu machen und zur Umsetzung anzuregen. Das gilt für Hersteller und Fachbesucher gleichermaßen.

Die Hallenaufteilung in die Themenbereiche Dining, Giving und Living erleichtern den Besuchern zwar den Messegang, aber wer Anspruchsvolles, Neues sucht, um vielleicht sein Sortiment zu vergrößern oder zu verändern, muss laufen. Allerdings sind diese Kunden, besonders aus dem Einrichter- und Möbelhausbereich, bei allen Ausstellern gerne gesehen. Diversifikation und Mixtur fordern die Fantasie und beleben, wenn mit Überlegung gemacht, sicher auch Ein- und Verkauf.

Ambiente Frankfurt
Aquanova vertreibt wieder direkt und hat Ende Februar 2011 seinen neuen Katalog herausgebracht, worin neben Badteppichen und Küchenwäsche vermehrt Bettwäsche vertreten ist.
Ambiente Frankfurt
Scantex, ein wichtiger Fachhandelspartner, der zweimal jährlich das Basics-Programm modisch trendgebend aktualisiert.
Ambiente Frankfurt
Auf der Ambiente entwickelten sich diese mit speziellem Manufaktur-Verfahren gestrickten Decken und Schals mit ungewöhnlicher Musterung zu international begehrten Wohnaccessoires (Uppercase).
Ambiente Frankfurt
Außergewöhnliche Bettdecken "Shirt" aus getragenen Herrenhemden, vorzugsweise in Weiß und Blau (Zoeppritz).
Ambiente Frankfurt
Home by ASA verkauft im modisch zeitgemäßen GPK-Angebot erfolgreich farblich angepasste Tischsets in Leinen und PVC-Qualitäten in kontrastreicher Schwarz/Weiß-Dessinierung.

Funktionalität und Nachhaltigkeit

Die Begriffe Marke, Qualität, Authentizität, Funktionalität und Nachhaltigkeit prägen generell den Trend. Im größten, dem "Genuss"-Bereich Dining, zuständig für GPK und Tischkultur und alle Produkte um Küche und Haushalt (49 Prozent der Aussteller), zeigt sich einerseits die Wiederbelebung von "Altem" in Form oder Dekoration, daneben wird vermehrt mit ungewöhnlichen Formen experimentiert. Dabei sind durchgehend die Modefarben Lime, Beere, Violett, Orange und Gelb zu sehen, aber auch viel Blau zu Weiß, Grün und Naturtöne im Braunbereich. Verschiedentlich sind Kunststoffprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen zu finden, die kompostierbar sind.

Giving (27 Prozent der Aussteller) bietet die kreative Welt des Schenkens, wo nachhaltige und individualisierbare Produkte neben hochwertigen Unikaten in großer Auswahl geboten wurden. Natürliche Materialien wie Filz, Leder oder Bambus liegen im Trend. Der kleinste, aber aussagestarke Bereich vor allem in Halle 11.0 und 9.0 - Living mit Produkten aus den Bereichen Wohnen, Einrichten und Dekorieren, darunter viele Textil-Spezialisten - bietet als Erfolgsrezept Konstanz mit viel Spielraum für Individualität. Die Konsumenten wollen sich konzentrieren und Lieblingsstücke finden, um ihren eigenen individuellen Stil zu entwickeln. An und für sich ein Wunsch, der den Anbietern von textilen Wohnaccessoires sehr entgegenkommt und dem sie auch entsprechen. Marken stehen hoch im Kurs, aber wie es sich auf der Ambiente herausgestellt hat, finden "Neulinge" mit auffallenden, aber anspruchsvollen Angeboten den Anschluss und gutes Interesse. Die Aussteller im Living-Bereich suchen Kunden mit vielfältigen, individuellen Ansprüchen, die auch ohne bekannte Herstellermarke progressiv und mutig einkaufen. Man schätzt diese große Konsumgütermesse eben wegen der Einkäufer aus den verschiedenen Bereichen, die zwar mit Wohnen, aber nicht unbedingt mit Einrichten zu tun haben. Außerdem hofft man auf internationales Interesse - das zwar immer noch größer sein könnte, aber auf der diesjährigen Ambiente durchaus zufriedenstellend war. Schutz der Ressourcen und Transparenz der Produktion waren auch hier verkaufsentscheidende Kriterien.

Heimatverbundenheit zeigte sich nicht nur mit springenden Hirschen - ein allerseits beliebtes Designmotiv. Geschätzt wurden auch Produkte regionaler Herstellung, oft aus Holz. Die 50er Jahre inspirieren weiterhin, besonders Sessel und Tische. Einen richtigen Boom als Einrichtungsstück erlebt die Bank - ob gepolstert oder schlicht. Sie lädt immer dazu ein, wie auch die vielen romantisierenden oder puristisch modernen Sofas und Polstermöbel, dekoriert und komfortabel ausgestattet zu werden mit Kissen, Decken, Plaids. Das Thema ist nach wie vor von Material und Design her unerschöpflich und immer wieder überraschend neu. Das zuverlässige Basics-Angebot, worauf sich laufend und in jeder Saison aufbauen und ein frisches Angebotsbild zusammenstellen lässt, ist für Textilspezialisten ausschlaggebend wichtig und wird als solches auch gewertet.

Bei aller Fantasie und Formenvielfalt sind Natur und Natürlichkeit angesagt. Das zeigt sich nicht nur in Farben und Strukturen. Auf allen Ständen wurde mit Obst, Gemüse, Holz und Geäst dekoriert. Und für das Thema Natur und frische Luft fanden die Textiliten viele Vorschläge, besonders mit Tischwäsche und Fleckenschutz-Ausrüstung (Garnier-Thiebaut) und dem guten, alten Wachstuch als Meterware mit aufregend dekorativer Designierung (Mette Ditmer).

Das Thema Tischkultur stand stark im Mittelpunkt - im designbestimmten "Loft" ebenso wie im Bereich Dining. Läufer und Sets verdrängen zwar weiterhin die klassische Tischdecke, zeigen sich aber in interessanten, ungewohnten Materialien (Textil-Kunststoff-Kombinationen, Holzimitation bei Chilewich) und Formen oder Übergrößen und Doppellagen. Leinen ist absoluter Favorit, auch für Bettwäsche, die vermehrt in individueller Aufmachung, aufwendig und handwerklich verarbeitet, angeboten wird.

Das Farbbild im Wohnambiente ist eher sanft und pastellig, dabei aber frisch und belebend mit Rosé, Lindgrün, Naturtönen und Blau. Einrichtungs-Spezialisten wie Lambert lassen dichte Leinenstrukturen und seidige Materialien glühen in Rotschattierungen und anregendem Zitronengelb. Weiß ist immer wichtig, allein schon um die erwünschten stylish coolen Schwarz/Weiß-Kontraste zu erreichen.

Die Ambiente 2012 findet vom 10. bis 14. Februar statt. (gk)

aus Haustex 03/11 (Wirtschaft)