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VDP: Kosten und Importe sind größte Herausforderungen

Deutsche Parkettindustrie zum Halbjahr im Plus

Die Krisenjahre 2008 und 2009 haben die deutschen Parkettproduzenten hinter sich gelassen. Für 2010 steht ein Plus von 13,2 % zu Buche und auch zur Jahreshälfte 2011 ist ein leichter Zuwachs zu verzeichnen. Aber: Der Preisdruck auf die einheimischen Hersteller hält an oder verstärkt sich sogar; einerseits durch steigende Kosten, andererseits durch die wachsende Zahl importierter Produkte aus Ländern mit niedrigen Fertigungskosten. Gegenwärtig sieht der Branchenverband VDP seine Mitglieder aber gut behauptet in einem hart umkämpften Markt.

Nach zwei Krisenjahren hat sich die Stimmung der deutschen Parketthersteller wieder aufgehellt. Während 2008 und 2009 die Produktionsmenge noch um jeweils 12,5 % zurückgegangen war, verzeichnete der Branchenverband VDP für 2010 wieder ein Plus von 13,2 % auf 9,3 Mio. m. "In einem hart umkämpften Marktumfeld ist die deutsche Parkettindustrie auf einem guten Weg, die krisenbedingten Rückgänge wieder auszugleichen", gab sich der VDP-Vorsitzende Michael Schmid zuletzt optimistisch. "Das erste Quartal 2011 lag zwar wieder um 3,2 % im Minus. Aber diese geringfügige Abwärtsentwicklung muss vor dem Hintergrund eines sehr guten Vorjahresquartals mit einem Plus von 12,5 % gesehen werden", stellte er weiter klar. Und schon für das zweite Quartal 2011 meldet der Verband wieder einen Produktionsanstieg von 5,6 %, so dass man zum Halbjahr auf insgesamt 4,7 Mio. m in Deutschland hergestellten Parketts kommt (+1,1 %).

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland 2010 Bodenbeläge im Wert von rund 3,4 Mrd. EUR gefertigt. Die holzbasierten Produkte Parkett und Laminat hatten daran einen Anteil von zusammen 50 %. Allerdings dominierte Laminat mit einem Produktionswert von 1,4 Mrd. EUR deutlich (43 %), während Parkett mit 242 Mio. EUR lediglich auf 7 % Marktanteil kam. Über die letzten sechs Jahre gesehen, verlor die Belagsgattung damit 1 %, während sich Laminatböden vor allem auf Kosten der textilen Beläge um 8 % verbessern konnten. Nach Einschätzung des VDP dürfte hier inzwischen eine gewisse Sättigung des Marktes erreicht sein, so dass mittelfristig eher mit einem leichten Rückgang der Laminatbeläge zu rechnen sei.

Importe nehmen zu

Laut Michael Schmid hat der Inlandsmarkt für Parkett 2010 wieder das Durchschnittsniveau der letzten zehn Jahre erreicht. Davon profitierten zwar auch die VDP-Mitglieder, doch noch stärker als die eigene Produktion seien im vergangenen Jahr die Einfuhren nach Deutschland gewachsen - um immerhin 14,6 % im Vergleich zu 2009. Drei Viertel der bei uns verkauften Parkettböden stammten mittlerweile wieder aus dem Ausland.

Vor allem die vermehrten Importe aus China, Litauen, der Slowakei und Malaysia machen dem Verbandspräsidenten dabei Sorgen, handele es sich dabei doch zumeist um preisaggressive Produkte. Bei den Einfuhren von Mehrschichtparkett, dem volumenmäßig bedeutsamsten Segment, haben sich chinesische Produzenten mittlerweile auf Platz zwei hinter Österreich geschoben. "Diese Entwicklung macht deutlich, dass die seit Jahren spürbare Importkonkurrenz für die heimischen Hersteller nochmals an Schärfe zugenommen hat", unterstrich Schmid.

VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie e. V.
VDP-Präsident Michael Schmid: "Der Inlandsmarkt für Parkett weist wieder das Durchschnittsniveau der vergangenen zehn Jahre auf."
VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie e. V.
Die deutsche Parkettproduktion 2010 nach Menge (Gesamtmenge: 11 Mio. m2)
VDP Verband der Deutschen Parkettindustrie e. V.
Die deutsche Parkettproduktion 2010 nach Wert (Gesamtwert: 242,2 Mio. EUR)

Parketthölzer haben sich drastisch verteuert

Eine zusätzliche Herausforderung ergibt sich für die deutschen Parketthersteller derzeit aus den massiven Kostensteigerungen in den Bereichen Rohstoffe, Materialien und Energie. Eine verbandsinterne Umfrage des VDP hat ergeben, dass sich Nadelholz (Mittellage) im Frühjahr 2011 binnen Jahresfrist um bis zu 20 % verteuert hat. Bei Hartholz ist es insbesondere bei Eiche zu Preisanstiegen von rund 10 % gekommen. Außerdem muss auch für Lack, Leim, Furnier, Verpackung und Transport mehr gezahlt werden. "In welchem Umfang diese Steigerungen an den Markt weitergeben werden können, wird sich im Jahresverlauf zeigen. Dies differiert sicherlich stark von Hersteller zu Hersteller", erläuterte Schmid.

Mittelfristig dürften zumindest die Holzpreise weiter steigen. In Deutschland werden zunehmend wirtschaftliche Flächen aus Gründen des Umwelt- und Naturschutzes aus der Nutzung genommen. Die Ausweisung von Nationalparks und neuerdings eine Nutzungskonkurrenz durch die energetische Verwertung von Holz sorgen für weiteren Druck auf das Angebot und die Preise.

Die beabsichtigte Energiewende der Bundesregierung hin zu einer nachhaltigen Erzeugung von Wärme und Strom begrüßt der VDP zwar grundsätzlich. Sie müsse jedoch auch die stoffliche Nutzung des Holzes in die Überlegung einbeziehen (Kaskadennutzung).

aus BTH Heimtex 09/11 (Wirtschaft)