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maison & objet

Wohnen von allen Seiten beleuchtet

Paris - Capitale de la Création - es ist müßig, darüber zu diskutieren, der Begriff hat sich weltweit gefestigt und wird auch nach jedem Besuch der maison & objet mehr oder weniger begeistert hingenommen. Die Sprache der Zahlen ist nicht Gradmesser des Erfolgs. Abgesehen davon, dass zu Redaktionsschluss keine vergleichenden Zahlenergebnisse oder wirtschaftliche Wertungen vorlagen, würden sie auch nur das Selbstbewusstsein der Messeleitung untermauern. Bisher ergeben hat sich jedenfalls, dass Deutschland nach Belgien und Italien den dritten Platz in der internationalen Besucherstatistik belegt.

Internationalität ist der springende Punkt, dem andere Messen im Bereich Design und Wohnen - die Franzosen verwenden lieber das Wort Décoration - kaum etwas entgegensetzen können. Von den insgesamt 74.388 Besuchern kamen 57 Prozent aus Frankreich, 43 Prozent sind internationale Fachbesucher. Im Vergleich zu September 2010 bedeutet das einen Besucherzuwachs von 2,4 Prozent. Übrigens wird auch die Zahl der anwesenden Journalisten - dieses Mal an die 3.000 aus aller Welt - extra ausgewiesen. Grob geschätzt gibt es etwa 500 Neuaussteller, darunter einige aus Deutschland.

Die maison & objet präsentiert auf einem riesigen Gelände nach eigenen Angaben einen kompletten Querschnitt durch die Inneneinrichtung, selektiv aufgeteilt in einzelne Angebotsbereiche. Die Veranstaltung ist auf Vertriebs- und Planungsfachleute ausgerichtet und fungiert als Kompetenzzentrum mit dem Anspruch, internationaler Treff der Dekorationsbranche zu sein. Dazu gibt es Sonderveranstaltungen mit Fokus auf Design-Talentsuche und aktuelle Trends im Parcours dInspirations um die Hallen 1, 2, 3. Zum ersten Mal wurde im Anschluss an die Messe die Paris Design Week für die Öffentlichkeit ausgerichtet, aufgeteilt auf verschiedene Veranstaltungslokale in Paris, um "die letzten Trends und Neuigkeiten der Pariser Designszene zu besprechen", so die Info-Version der Messe. Die Animation also zum Messe- und Paris-Besuch - der allerdings aus Zeitgründen nur am Rande klappt! Wer sich als Fachbesucher und im speziellen Fall als Einzelhändler auf die Messe begibt, tut gut daran, sich fachliche Schwerpunkte zu setzen, um die Fülle an Anregungen und Inspiration rund im weiten Gelände und von allen Seiten aufzunehmen.

Für die deutsche Einrichterbranche, egal ob Hersteller oder Handel, Designer oder Handwerker, wurde es sozusagen zur Pflicht, die Messe in Villepinte zu besuchen. Von Ausstellerseite her schätzt man zumindest im Heim- und Haustextilienbereich Chancen und Aufwand realistisch ein. Die meisten deutschen bzw. österreichischen Aussteller sind Spezialisten in ihrem Bereich und ebenso auf deutschen Fachmessen vertreten - zum Beispiel Cawö, Eagle Products, Eri, Fussenegger, Giesswein, Steiner, Zoeppritz und andere mehr. Der große internationale Besucherstrom in Paris bringt den exportorientierten Markenausstellern interessante neue Kundenkontakte. Auf jeden Fall sprechen sie von erfolgreichem Messeverlauf innerhalb der fünf Tage. Allerdings sprach man dieses Mal im September von "gefühlt weniger Besucher", ohne ausgesprochene Auswirkung auf den Messeerfolg. Unbestritten blieb die Hoffnung auf internationale Neukunden. Weniger zu rechnen ist für deutsche Aussteller mit deutschen Handelsbesuchern, die nach Paris fahren, um dort bei ihnen zu ordern. Internationalität und Export stehen deutlich im Vordergrund und werden genutzt. Deutschen Einzelhändlern wurde bestätigt, dass sie durchaus etwas wagen und sozusagen Risiko eingehen. "Man wird schon richtig angeregt und einkaufsmutig bei diesem Messeangebot", meinte ein erfahrener Textilfachhändler, der auch zugab, manchmal zu zuversichtlich gewesen zu sein. Vision und Lifestyle-Vielfalt, was will die Messe mehr erreichen!

Maison & Objet
Eine wirkliche im Trend liegende Entdeckung: grobes Leinen im Used-Look für Tischwäsche vom französischen Hersteller Charvet Editions auch als Meterware gesucht.
Maison & Objet
Lifestyle-Stimmung: Maple Twig, das asiatisch inspirierte Programm aus Feinfrottier mit Seidenanteil in drei Farbstellungen (Möve).
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Frankreichs gängigste und umfangreiche Bett- und Frottierwäsche (früher: Elvé) mit modischen Dessins wie die riesigen Vichy-Karos in Rot (Essix).

Singularité, das Hervorstechen aus dem Gewöhnlichen, war das kreative Motto der Messe. Es ging um den persönlichen Touch im dekorativen Ambiente, um die Gestaltung der individuellen Wohn- und Wohlfühl-Atmosphäre, um Auswahl mit Mut und Hintergedanken, wie den Charme des Angebots den Verbrauchern zu vermitteln. Es war viel die Rede vom "Pariser Lebensgefühl", ist ja schließlich Export fördernd und sehr anziehend für das Publikum aus Übersee, das ja besonders für die französischen Luxus-Bettwäschehersteller von Bedeutung ist. Was auffällt, sind die wirklich gut gemachten Kataloge der Markenhersteller und ebenso der kleineren Spezialisten, die wirklich beim Durchblättern Spaß machen, zum Träumen, Gestalten und Wünschen anregen.

Noch nie gab es so viele alpin-montagne Symbole und Designierungen. Wie bestimmte Trendströmungen sich gleichzeitig ergeben und umsetzen, war beim dekorativen Einrichtungsstil und in der textilen Halle 2 gut zu beobachten. Sie sind auch in den Trendvorgaben der Frankfurter Messe Heimtextil zu finden. Materialien "von einst" wurden wieder belebt und unkonventionell kombiniert mit neuen, zweckentfremdeten oder Kontrastmaterialien. Möbel erhielten den Vintage-Look und zeigen sich sozusagen abgewetzt und "used". Die Textilien dazu sind, obwohl von alten, vor allem ursprünglichen und handwerklichen Vorbildern inspiriert, absolut kreativ neu und Trend prägend. Das gilt zum Beispiel für die Vorliebe von Leinen, vor allem groben, naturfarbenen Qualitäten, ebenso für duftige Voiles und feine Batiste, wertvolle Stickereien und Handarbeitdetails. Aber nichts wirkt dabei nostalgisch oder kitschig, wenn auch romantisch und mit kokettem Flair de Paris. Natur und Nachhaltigkeit sind Schlagworte. Im internationalen textilen Messeangebot überwiegt Bettwäsche, aber auch die ist ruhiger, gemütlich wirkend und überwiegend uni und Material bewusst. Daneben die Luxus- und Premium-Kollektionen mit mehr oder weniger großen, zarten oder eklatant auffälligen Floraldrucken. Frankreichs Tischwäsche-Marken sind weltweit führend und wurden in der Musterung modisch zeitgerecht in Richtung Grafik und unterkühlte Farbgebung verändert. Die festliche große Tischdecke für die Weihnachtssaison zeigte sich ebenfalls trendgerecht edel oder richtig winterlich im Hüttenzauber.

Der nächste Termin der maison & objet findet statt von 20. bis 24. Januar 2012 in Paris Nord Villepinte. (gk)

aus Haustex 10/11 (Wirtschaft)