Studie Bodenbelagsmarkt
Stellenmarkt
Branchen-Planer

Belgien Special

Artikel-Archiv


Heimtextil 2012

Messe setzt Impulsefürs neue Jahr

Thomas Bußkamp, Geschäftsführer der EuroComfort Group, brachte es auf den Punkt: "Die Frequenz und Resonanz an unserem Messestand während der Heimtextil war hervorragend. Wir haben gute Aufträge geschrieben und konnten unseren Exportanteil weiter steigern." Nicht viel anders sahen es die meisten deutschen Aussteller auf der Heimtextil-Messe in Frankfurt. Für besondere Messeerlebnisse sorgten Trend-Inszenierungen oder effektvoll in Szene gesetzte Einrichtungskonzepte. Auch als Marketing-Plattform für Business und neue Kontakte setzt die Heimtextil immer wieder positive Akzente.

Nachdem die Messetore am Sonnabend schlossen, bilanzierte die Messe Frankfurt einen Rückgang "um gut fünf Prozent' auf rund 70.000 Besuche. Wer aufgrund dieses Wertes auf eine unzufriedene Bilanz der Aussteller schließt, irrt allerdings. Denn offenbar kamen die Richtigen auf die Messestände, die Entscheider und Einkäufer, weniger die Seh-Leute, die einfach mal schauen wollen, was es denn so an Neuheiten gibt. Somit trennt sich beim Messe-Publikum immer mehr die Spreu vom Weizen. Großen Grund zum Jubeln hatte man allerdings auch nicht. Speziell die deutschen Anbieter haben sich einfach damit arrangiert, dass die Zahl der Einkäufer immer weiter sinkt. Die Messe erklärte diese Entwicklung damit, dass die Einkäufer aus Handel, Handwerk, Design und Industrie teilweise in kleineren Delegationen gekommen seien. "Der Rückgang kommt insbesondere aus europäischen Ländern, die im Zuge der Schuldenkrise in konjunkturell raue Fahrwasser geraten sind", erläuterte Messechef Detlef Braun. Es kommen weniger, und die bleiben dann nach der Beobachtung vieler Aussteller auch noch kürzer als früher. Das muss sich auf die Zahl der Besuche niederschlagen. Ein Gesprächspartner rechnete z.B. so vor: "Vor 15 Jahren hatten wir vier Kaufhaus-Konzerne, bei denen jeder Abteilungsleiter eines Hauses zumindest eine gewisse Einkaufsbefugnis hatte. Heute sind es noch zwei Konzerne, mit zwei Einkäufern für alle Häuser.' Diese Entwicklung hinterlässt zwangsläufig Spuren in der Besucher-Bilanz der Messe.

Die Umsatzaussichten für den Bereich der Heim- und Haustextilien sind zufolge einer durch die Messe in Auftrag gegebenen Marktstudie positiv, ungeachtet der rückläufigen Besucherzahlen auf der Heimtextil. Im Jahr 2010 lagen die Ausgaben für Wohntextilien pro Haushalt bei durchschnittlich 224 Euro. Das entspricht gegenüber dem Vorjahr rund 14 Euro mehr. Für das vergangene Jahr errechnet die Studie einen Umsatz von knapp 234 Euro pro Haushalt, und für 2012 erwartet man sogar gut 242 Euro. In drei Jahren hätte sich der Umsatz somit um 32 Euro beziehungsweise rund 15 Prozent erhöht. Zum Vergleich: In diesem Jahr sollen sich die Ausgaben für Unterhaltungselektronik lediglich auf 212 Euro belaufen. Laut Heimtextil verbesserte sich der Inlandsumsatz mit Haus-, Tisch- und Bettwäsche um 14 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro. Ein nicht unerheblicher Teil der Steigerung dürfte allerdings auf Preiserhöhungen durch die Baumwoll-Verknappung zurückzuführen sein. Der Sektor Bettwaren, einschließlich Federn, Daune und Matratzen, erzielte ein Plus von fünf Prozent auf 2,52 Mrd. Euro.

Inzwischen hat sich der Trouble um den Baumwollpreis wieder einigermaßen beruhigt, aber das Thema ist noch lange nicht ausgestanden. Zwar hat sich die Faser von ihrem Allzeithoch von über zwei Dollar auf aktuell unter einen Dollar erholt, aber die Produzenten und Zulieferer sitzen nun auf teuer eingekauften Rohwaren- und Garn-Vorräten. Der Forderung nach Preissenkungen konnten die Anbieter auf der Messe daher nur zum Teil nachkommen. Auf längere Sicht dürften die Preise wieder nach oben gehen, da die Nachfrage stärker steigen wird als das Angebot.

Die Firma Frankenstolz, mit ihrem Firmensitz nicht weit von Frankfurt entfernt, hat in diesem Jahr ihre seit längerem bestehende Drohung, der Heimtextil und der Halle 8 fernzubleiben, wahr gemacht. Im Vorfeld gab es daher arge Befürchtungen, dass dadurch die Attraktivität der Halle leiden würde. Verblüfft stellten die Gesprächspartner der Haustex aber fest, dass die Messe-Abstinenz des Unternehmens gar kein großes Thema war. Gefüllt wurde die Lücke zu einem großen Teil durch das Bettwaren-Unternehmen OBB, das bis zum letzten Jahr nur als ein Teil des Irisette-Quartetts ausstellte. Da der eigentliche Spezialist für Federn und Daunen seine Produktpalette um Artikel aus Fasern und Naturhaar erweitert hat, entschloss man sich zur Anmietung eines eigenen, über 200 qm großen Standes. Weiterhin zeigte man die Irisette-Produkte von OBB auf dem Stand des Irisette-Quartetts. Obwohl - eigentlich war der nach dem Verzicht von Frankenstolz größte Stand der Halle 8 eher ein EuroComfort-Stand, auf dem Schultz als Lieferant von Irisette-Bettrahmen noch Unterschlupf gefunden hat. Durch den Erwerb der französischen Firma Abeil und vor allem von Brinkhaus kam EuroComfort-Chef Thomas Bußkamp der Auszug von OBB sicher recht, konnte man so doch vor allem die neu aufgestellte Marke Brinkhaus mit ihrem Boxspring-Konzept adäquat vorstellen. Brinkhaus-Marketingleiter Wolfgang Heinze freute sich, mit der Marke wieder auf der Heimtextil präsent zu sein.

Wieder dabei war auch die Firma Billerbeck Deutschland. Das Unternehmen, das sich seit dem letzten Jahr wieder zu 100 Prozent in Händen der Familie Ermert befindet, setzt stark auf den Export und hofft, durch seine Anwesenheit in Frankfurt interessante Neukunden zu gewinnen. Mit einem kleinen, aber feinen Stand direkt am Eingang zur Galerie zeigte das Unternehmen Flagge.

Stolz meldete die Messe im vergangenen Sommer, dass unter anderem die Firma Dunlopillo wieder zur Heimtextil zurückkehren würde. Wer den Stand dann auf der Messe suchte, der suchte vergebens. "Dieser Stand ist vermietet' war dort zu lesen, wo das Unternehmen seine Bettwaren zeigen wollte. Schuld an dem Leerstand war allerdings nicht Dunlopillo, sondern der Messebauer, der einige Monate vor der Heimtextil pleite ging, wie Emel Aygün erklärte, bei Dunlopillo für das Marketing zuständig. Überhaupt einen Messebauer zu finden, der so kurzfristig noch einspringen wollte, war schwierig genug. Statt mit einem provisorischen Stand in Frankfurt aufzutreten, habe man sich daher dafür entschieden, auf der für das Unternehmen wichtigeren Möbelmesse in Köln mit einem repräsentablen Stand Flagge zu zeigen. Das ist dann unter den gegebenen Umständen auch gut gelungen.

Heimtextil Frankfurt
Gute Stimmung auf der Heimtextil, trotz rund fünf Prozent weniger Besuchern.

Erneut nicht auf der Messe, aber nahebei, war Bassetti Deutschland mit seinen vier Marken: am Westhafen auf rund 1.000 qm in einer interessanten Location. Dort habe man ganz andere Möglichkeiten, die Marken darzustellen und gleichzeitig die Besucher zu verwöhnen, begründet Geschäftsführer Frank Gänser. Er sieht durch seinen Auszug aus den Messehallen keine negativen Auswirkungen auf die Heimtextil, da die Leute entweder vor, meist aber nach dem Besuch auf der Heimtextil zu Bassetti gefahren seien.

So, wie sich die Aussteller mit einer geringeren Besucherfrequenz abgefunden haben, haben sie sich auch mit dem Mieterbesatz in der Halle 8 arrangiert, der sich sehr uneinheitlich und unstrukturiert präsentiert. "Sonstiges' könnte man vielleicht über den Halleneingang schreiben, denn hier findet man Bettwäsche, Frottierwaren, ein paar Matratzen, aber auch Anbieter von irgendwelchen Maschinen, die den Handel wohl kaum interessierten dürften. Auch hinsichtlich der ausstellenden Nationalitäten zeigt sich die Halle sehr bunt, wobei der Anteil ausländischer Anbieter in ihrem hinteren Teil deutlich zunimmt. Die Verlagerung des Vortragsareals von Halle 8 ins Foyer der Hallen 5.1/6.1 hat auch nicht gerade geholfen. Firmen wie Irisette Bettwäsche, Estella, Formesse und Fleuresse einerseits und Sanders, Biederlackborbo, Schmänk, Bierbaum und Ibena andererseits haben sich jedoch jeweils in ihrem "Kiez' etabliert und bilden eine für den Besucher interessante Mischung. "Solange unsere Nachbarn bleiben, bleiben wir auch', versicherte ein Aussteller.

Nimmt man die Länder stärker unter die Lupe, aus denen die Aussteller kommen, so hat Asien ganz klar die Nase vorn. China einschließlich Hongkong entsandte 486 Aussteller. Es folgte Indien mit 385 Ständen. An dritter Stelle folgt Deutschland knapp dahinter mit 344 Firmen in Frankfurt. Pakistan bot 219 Firmen auf. Auf den Plätzen fünf und sechs folgen die Türkei mit 172 und Italien mit 101 ausstellenden Unternehmen. Alle anderen Länder liegen maximal im zweistelligen Bereich. Insgesamt bilanzierte die Messe Frankfurt mit 2.634 Ausstellern aus 61 Ländern einen Zuwachs gegenüber dem letzten Jahr, als 2.572 Aussteller aus 60 Ländern teilnahmen.

Wenn man von einem Trend auf der Messe reden möchte, dann ist es allenfalls die vermehrte Neigung von Fashion-Labels, ihren Marken-Namen als Lizenzgeber zu versilbern. Im letzten Jahr sorgte Erbelle Spirit mit der Escada-Lizenz für Aufsehen. Diesmal zeigte man gleich nebenan die neue Lizenz-Kollektion von Mexx, die bislang bei Kitan lag. Eine Weltpremiere feierten Van Es Home und die deutsche Tochtergesellschaft Best Line, die gemeinsam mit Marc OPolo die Home-Kollektion aus der Taufe gehoben haben. Zahlreiche andere Unternehmen wie Bugatti, Daniel Hechter, Esprit, Hugo Boss, Tom Tailor sind schon seit einiger Zeit mit teilweise großem Erfolg auf dem Markt.

Und dann ist da noch das für die Bettwäsche interessante Thema Inkjet-Druckverfahren. Irisette testete dieses Verfahren vor zwei Jahren bereits einmal. Estella praktiziert es seit einem Jahr und schöpft die Möglichkeiten dieses Verfahrens voll aus. Auf den gleichen Zug ist in diesem Jahr Fleuresse aufgesprungen und bietet erstmals eine Kollektion im Inkjet-Verfahren an. Was ist nun das Interessante an der Drucktechnik? Im Gegensatz zum Rollendruck hat man beim Inkjet-Verfahren einerseits eine wesentlich schnellere Umrüstzeit. Das Muster wird digital in den Rechner eingegeben und kann sofort umgesetzt werden. Der zweite, für den Konsumenten wesentlichere Vorteil ist die nahezu uneingeschränkte Musterungsmöglichkeit, die großflächig und ohne Rapport entworfen werden kann. Der Nachteil ist derzeit noch, dass sowohl die Drucker als auch die Farbe für das Inkjet-Verfahren noch recht teuer sind, so dass diese Technologie momentan lediglich im preislich höheren Genre eingesetzt werden kann. In einigen Jahren allerdings, so waren sich die Fachleute in Frankfurt einig, wird sich diese innovative Technik auch im breiten Markt durchgesetzt haben. Mal sehen, wer sich im kommenden Jahr diesem Trend angeschlossen hat.

Die nächste Heimtextil findet statt vom 9. bis 12. Januar 2013.

aus Haustex 02/12 (Wirtschaft)