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Altenpflege 2012 in Hannover

Produkte für den Wachstumsmarkt

Die Deutschen werden immer älter. Das bedeutet auch, dass der Bedarf an altersgerechten, barrierefreien Wohnungen und Pflegeeinrichtungen steigt. An dem Wachstumsmarkt werden auch Hersteller und Verarbeiter von Produkten für die praktische bis wohnliche Ausstattung der Immobilien profitieren, wenn sie mit ihren Waren und Dienstleistungen den Bedürfnissen dieser speziellen Kundengruppe gerecht werden. Die Fachmesse für die Branche ist die Altenpflege. Sie findet jährlich im Wechsel zwischen Nürnberg und wie in diesem Jahr in Hannover statt.

Der Anteil älterer Menschen an der deutschen Bevölkerung wird aufgrund der demographischen Entwicklung weiter steigen - und mit ihm die Zahl der Pflegebedürftigen. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind es derzeit 2,5 Mio.; im Jahr 2050 könnten es schon rund 4 Mio. sein. Aktuell werden in Deutschland rund 700.000 Menschen stationär betreut, bis 2020 soll die Zahl auf rund 1 Mio. ansteigen.

Die Leitmesse für die Ausstattung von Wohn- und Pflegeeinrichtungen für Senioren in Deutschland ist die Altenpflege und für deren Projektleiter Henning Kniep ist klar: "Die schnelle und dynamische Entwicklung in der Pflegewirtschaft stellt sowohl die Betreiber von Pflegeeinrichtungen als auch das Personal immer wieder vor neue Herausforderungen. Der Bedarf an Lösungen wächst. "

Rund 650 Aussteller zählten die Veranstalter auf der Altenpflege 2012 in Hannover. Deren Sortimente bedienten neben der Inneneinrichtung auch die Bereiche Pflege, Therapie, Ernährung, Gebäudetechnik, Informations- und Kommunikationstechnik, Facility Management, Küche und Hauswirtschaft sowie Fort- und Weiterbildung. Hochwertige Fachforen sowie der Pflege- und ein Managementkongress rundeten das Programm ab.

Messe der Entscheider

Der hohe Anteil an Entscheidern im Fachpublikum - Planer, Konzepteinrichter und Leitungskräfte der Pflegebranche - sorgte für zufriedene Gesichter auf den Ständen. Stellvertretend für die Bodenbelagshersteller sagte Marco Knop, Marketingleiter bei Project Floors: "Die Resonanz war hervorragend, wir hatten viele konkrete Gespräche." Hannover sei ein guter Standort für eine solche Messe, es seien viele Besucher aus dem Osten, aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachen, aber auch aus dem Süden und von der deutsch-polnischen Grenze angereist, ergänzte Exportleiter Alexander Rosenberger.

Für Andreas Kopf, Geschäftsführender Gesellschafter bei Debolon war die Altenpflege 2012 schlicht "die beste, seit wir als Aussteller dabei sind". Jürgen Ruff, Leiter des Key Account Managements bei Ufloor Systems (Uzin), war zufrieden, "dass wir bei den für uns wichtigen Ansprechpartnern - Betreibern von Altersheimen, Pflegeheimen, Rehazentren und betreutem Wohnen sowie Architekten - mit unseren Themen eine sehr gute Resonanz erzielen konnten".

In das gleiche Horn stieß Dr. Norbert Rehle, seines Zeichens Vertriebsleiter bei Drapilux: "Der Besuch der Altenpflege hat sich wieder gelohnt. Viele Besucher und überwiegend Entscheider haben sich auf dem Stand zu den funktionalen Stoffen für die Einrichtung von Pflegeheimen beraten lassen." Dass nicht nur gute Stimmung herrschte, sondern auch konkret neue Projekte angestoßen wurden, war auch bei Delius und Joka zu hören.

Ausstattung als Entscheidungskriterium

Und Projekte gibt es derzeit viele. Das Geld ist vorhanden und so wird in der Pflegebranche viel gebaut und kräftig renoviert - auch in relativ kurzen Intervallen. "Stark nachgefragt waren vor allem Lösungen rund um die Bodenbelags-Sanierung - gerade auch während des laufenden Betriebs. Ein deutliches Indiz dafür, dass der Sanierungsmarkt weiterhin wächst", berichtete Jürgen Ruff. Denn die Alten- und Pflegeheime sowie Seniorenresidenzen stehen im harten Wettbewerb zueinander. Neben der Qualität der Pflege entscheidet heute zunehmend die Wohnqualität darüber, für welche Einrichtung man sich im Alter entscheidet. Die hochwertige Ausstattung wird dadurch zum wichtigen Kriterium.

Dabei hat das rein funktionale, nüchterne Pflegezimmer ausgedient, die Räume werden mit Stoffen, Sonnenschutz und Bodenbelägen wohnlich gestaltet. Ein geschmackvolles Design in Verbindung mit einer stimmigen Farbgebung ergibt die gewünschte Wohlfühlatmosphäre. Viele Stoffe sind weißgrundig oder zumindest hell gestaltet, die Farben sind freundlich und frisch, gerne mit floralen Mustern.

Susanne Wagner von Wagner Interior Architekture & Consulting, die sich auf Farb- und Gestaltungskonzeptionen im Gesundheitswesen und in der "betreuenden Welt" spezialisiert hat, sieht für die kommende Saison eine gedecktere Farbpalette mit Senf-, Bordeaux-, Tannengrün- oder Petroltönen; allerdings eher für die kleineren Flächen im Raum, also Polsteroberflächen und teilweise auch bei Stores oder Dekos. Bei Flächenvorhängen oder frei fallenden Textilien erwartet sie im Unibereich einen Trend in Richtung strukturierte Gewebe und Oberflächen wie gecrashten Optiken und große Webmaschen - aber nicht zu kleinteilig und in einem ausgewogenen Verhältnis, um nicht zu überfordern. Ob am Fenster oder an der Wand: Insgesamt wird mehr Mut zur Farbe gezeigt. Und mit Tapeten, die in der Musterung starke Kontraste haben, wird versucht, Demenzkranken eine gewisse Orientierungshilfe zu geben.

Stoffe: Nicht nur schön, sondern auch praktisch

Doch natürlich spielen auch wirtschaftliche Kriterien und vor allem gesundheitliche und hygienische Faktoren eine wichtige Rolle. Pflegeleichtigkeit, Waschbarkeit und Strapazierfähigkeit haben bei der textilen Ausstattung von Senioren- und Pflegeheimen hohe Priorität.

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Rund 650 Anbieter und Verbände aus 15 Nationen zeigten auf der Altenpflege in Hannover die neuesten Trends, Produkte und Entwicklungen der Pflegebranche.
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Beeindruckt zeigten sich viele Besucher vom Umfang der Designbelags-Kollektion aus dem Hause Project Floors, die das Unternehmen in seinem Standkonzept mit einer großen Wandcollage darstellte.
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Für Debolon war die Altenpflege 2012 "die beste, seit wir dabei sind".
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Speziell für demenzkranke Menschen präsentierte Drapilux in Hannover die Kollektion "We Care" auf Basis farbpsychologischer Erkenntnisse.

Delius präsentierte auf der Altenpflege seine neuen Dekostoffe, die diese Anforderungen erfüllen. Die drei unterschiedliche Jacquarddessins in fünf Farbfamilien sind durch den Einsatz gezwirnter Trevira CS-Garne pflegeleicht und strapazierfähig.

Aufgrund der steigenden Hygieneanforderungen wird das Verpolstern von Kunstleder immer häufiger. Delius hat die Serie Colourline speziell für den Pflegebereich im Angebot, ein strapazierfähiges Kunstleder in 70 Farben, das in Kombination mit Möbelstoff sehr wohnlich wirkt.

Drapilux zeigte in Hannover mit der Health & Care-Kollektion "We care" Stoffe, die gezielt für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser entwickelt worden sind. Speziell für demenzkranke Menschen wurden sechs aufeinander abgestimmte Farbthemen auf Basis farbpsychologischer Erkenntnisse kreiert, die die Orientierung fördern und im Alltag je nach Bedarf beruhigend oder stimulierend wirken. Die Gewebe sind dank aufgetragener Silberionen antibakteriell und reduzieren gleichzeitig unangenehme Gerüche.

Edle Bezug- und Dekostoffe für Seniorenresidenzen waren bei Jab Anstoetz das Thema. Passend dazu bieten die Bielefelder schwer entflammbare Teppichböden an. Neu im Programm sind individuelle Druckstoffe auf sieben verschiedenen Grundqualitäten, die im Digitaldruckverfahren mit Jab-eigenen Dessins bedruckt werden.

Bodenbeläge: Nicht nur praktisch, sondern auch schön

Auch am Boden geht der Trend hin zu deutlich mehr Wohnlichkeit. Allerdings müssen hier unterschiedlich Ansprüche für divergierende Einsatzbereiche realisiert werden. Auch Folgekosten in Zusammenhang mit einer einfachen und keimfreien Reinigung spielen eine Rolle. Zudem ist speziell in Altenheimen ein Plus an Sicherheit ein wichtiges Argument bei der Raumgestaltung.

Zwar lassen Holzböden einen Raum warm und gemütlich wirken. Sie sind aber wegen der Materialbeschaffenheit und Pflege nur beschränkt einsatzfähig. Deshalb gewinnen Designbeläge in naturgetreuer Holzoptik im Health & Care-Bereich stetig Marktanteile. "Voll im Trend liegen helle bis mittlere Töne wie Eiche, nicht zu dunkel, nicht zu wild", beobachtet Alexander Rosenberger von Project Floors. Objectfor bietet ebenfalls ein großes Angebot an Holzoptiken, die durch unterschiedlich starke Nutzschichten alle Anforderungen auch bei starker Beanspruchung abdecken. Im Programm sind klassische Parkettoptiken in Kirsche oder Ahorn ebenso wie antike Eichendekoren. Auch bei Armstrong und Forbo sind Holznachbildungen stark nachgefragt.

Ein wichtiges Thema in Hannover waren PVC-freie Lösungen. "Designbeläge ohne PVC erfreuen sich in diesem gesundheitssensiblen Bereich immer größerer Beliebtheit", weiß Stefan Armasow von CBC Flooring. Der Hersteller bietet die entsprechenden Produktlinien Takiron Wels und Halo Free an. Besonders die bunte Farbvielfalt von Takiron Wels und die damit verbundene Gestaltungsmöglichkeiten seien gut angenommen worden: "Sowohl von jungen als auch von älteren Besuchern haben wir hierzu sehr gute Rückmeldungen bekommen." Entscheidender Faktor im funktionalen Bereich sei die hohe Maßstabilität der Produkte, die auch unter anspruchsvollen Bedingungen erhalten bleibe.

Joka stellte mit Lifeline CS einen neuartigen High-Tech-Fußbodenbelag vor, der ausschließlich aus natürlichen Mineralien und PVC-freien, thermoplastischen Polymeren hergestellt wird. Er enthält keine Substanzen wie Weichmacher, Stabilisatoren oder Schwermetalle, die die Atemluft belasten können.

Debolon präsentierte auf der Altenpflege ein Sortiment, das auf Phthalate als Weichmacher komplett verzichtet. Stattdessen werden ausschließlich Weichmacher auf Basis natürlicher Rohstoffe verwendet. Außerdem war in Hannover ein Modulboden mit integriertem Trittschalldämmsystem in drei Formaten zu sehen. Dank der Glasvliesarmierung ist er dimensionsstabil, lässt sich leicht verlegen und verkleben, so der Hersteller.

Punkten können im Wohn- und Pflegeeinrichtungen auch textile Beläge - nicht nur wegen der wohnlichen Atmosphäre, die sie erzeugen. Sie absorbieren den Schall und sorgen in Kombination mit Dekos und Gardinen für eine angenehme Akustik. Bei Stürzen ist Verletzungsgefahr deutlich geringer als bei elastischen oder Holzbelägen. Allerdings scheiden sich beim Teppichboden aus hygienischer Sicht die Geister. Deshalb haben einige Anbieter Qualitäten mit spinndüsengefärbten Garnen im Programm, die auch scharfen Reinigungsmitteln trotzen. Flotex von Forbo verfügt über eine textile Oberfläche, wirkt mit seiner samtigen Haptik wohnlich, ist aber gleichzeitig waschbar und desinfezierbar. Selbstverständlich sind bei Teppichböden auch antibakterielle und luftverbessernde Ausrüstungen möglich.

Die nächste Altenpflege findet turnusgemäß vom 9. bis 11. April 2013 in Nürnberg statt. 2014 ist die Messe dann wieder in Hannover zu Gast.

aus BTH Heimtex 05/12 (Wirtschaft)