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Uzin blickt auf "Die Zukunft unter uns"

Der interaktive Boden

Wie sieht der Fußboden der Zukunft aus? Diese grundsätzliche Frage hat Verlegewerkstoffhersteller Uzin gestellt. Aber nicht nur der Branche, sondern kreativen Köpfen außerhalb der Entwicklungszentren von Bodenbelagsanbietern und Klebstoffproduzenten. Herausgekommen ist ein spannendes Projekt, dass den Blick weit über den Tellerrand wirft und Visionen hervor gebracht hat, die vielleicht nicht alle Realität werden, aber zumindest Inspiration sein können. In einer Serie stellt BTH Heimtex diese bislang einmalige Aktion und ihre Ergebnisse vor. Den Anfang macht das Team Uzin Utz.

Unter dem Motto "Die Zukunft unter uns" hat Uzin zu seinem 100-jährigen Bestehen ein groß angelegtes Projekt ins Leben gerufen, das sich auf die Suche nach dem Boden der Zukunft macht. Impulsgeber aus ganz unterschiedlichen Bereichen - vom Schreinermeister und der Yogalehrerin bis zum Physiknobelpreisträger und dem Systemtheoretiker - haben Trends, Ideen und Visionen zusammengetragen und Altbekanntes über Bord geworfen. Sechs Kreativsteams, besetzt u.a. mit Architekten, Materialwissenschaftlern, Ingenieuren sowie Designern und Kreativen, haben daraus eigene Visionen und konkrete Konstruktionen entwickelt, die zeigen, wie der Boden in Zukunft aussehen kann, und was er möglicherweise zu leisten in der Lage ist.

Die Ergebnisse des kreativen Prozesses sowie 36 Videos und Interviews mit den Impulsgebern präsentiert Uzin im Internet unter www.die-zukunft-unter-uns.de. Und man hat eine Ausstellung konzipiert, die bislang unter anderem in Ulm, auf der Domotex Hannover und im Rahmen der Steffel Trendshow in Berlin zu sehen war. Dazu gibt es zwei Bücher. Das "Buch der Herkunft" beschreibt auf 140 aufwendig bebilderten Seiten den Boden als Zeuge der wechselvollen Menschheitsgeschichte und nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise der besonderen Art. Sie führt über jahrhundertealte Römerstraßen, begleitet durch die Welt der Architektur, der Politik und der Macht über den tiefsten Punkt der Erde bis hinauf zum Mond. Geliebt, umkämpft, getreten, verehrt, verbrannt, bevölkert, betanzt: Stets wird der Blick dabei auf den Boden gerichtet - auf die nassen Platten, auf denen Willy Brandt in Warschau kniete, auf die unzähligen Steinchen, aus denen vor eineinhalb Jahrtausenden im heutigen Jordanien eine gewaltige Landkarte erstellt wurde, oder auf den japanischen Nachtigallenboden, der vor Feinden warnt, weil er beim Betreten wie eine Nachtigall zwitschert.

"Das Buch der Zukunft" beschreibt ausführlich anhand von Texten, Interviews und Fotomaterial den Entstehungsprozess und die Umsetzung des Projektes und der Ausstellung sowie die sieben Zukunftsvisionen der sechs Projektteams. Beide Publikationen sind im Buchhandel erhältlich.

Zukunftsideen als Diskussiongrundlage

Auf der Domotex diskutierte Dr. H. Werner Utz, Vorstandsvorsitzender von Uzin, zudem beim Symposium "Perspektiven für den Boden von morgen" mit Experten aus Architektur und Materialforschung, die an dem Projekt mitgearbeitet haben. Grundsätzlich gehe der Trend zur Einsparung von Material und zum Einsatz von umweltverträglichen und/oder nachwachsenden Rohstoffen, war dort zu hören. Beim Boden wird zunehmend auf Komplettlösungen gesetzt, statt mehrere Gewerke zu koordinieren. Außerdem gebe es eine zunehmende Differenzierung und Individualisierung nach Optik, Haptik und Funktion.

Im Rahmen der Diskussion wurden auch Forderungen laut, dass in Ausschreibungen nicht immer das billigste Angebot den Zuschlag erhalten sollte. Es erweise sich oft nicht als das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Teilnehmer sprachen sich auch gegen die Überdimensionierung in Architektur, Bau und bei der Ausstattung aus. Außerdem sollte die Verzahnung zwischen Planung und Ausführung vorangetrieben werden und nach Möglichkeit schon bei der Konzeptionierung einsetzen. Und natürlich braucht es Raum für Innovationen. Den hat Uzin mit seinem Projekt jetzt selbst geschaffen.

Aber welche Funktionen kann der Boden in Zukunft denn nun übernehmen? Wird er wiederverwertbar sein? Kann er Licht, Energie oder Informationen transportieren, wird er seine Form wechselnden Anforderungen anpassen oder sogar die Raumluft reinigen? Solche Ideen haben mit dem Alltagsgeschäft von heute eher wenig zu tun - aber mit dem von morgen.

Team Uzin Utz: Der Boden bedient individuelle menschliche Bedürfnisse

Uzin Utz AG
Das Kreativteam von Uzin Utz hat seine Visionen in Form eines Videos umgesetzt. Unter
www.die-zukunft-unter-uns.de werden die Ideen vorgestellt.
Uzin Utz AG
Zum Team Uzin Utz gehören (v.r.) Frank Wittkowski, Vertriebsleiter Industrie, Hanspeter Bressa, Internationales Marketing, Thomas Schneider, Internationales Produktmanagement, und Jeanet Hönig, selbstständige Floorstylistin. Sie arbeitet seit einiger Zeit projektbezogen mit Uzin zusammen.
Uzin Utz AG
Mit der Ausstellung "Die Zukunft unter uns" zeigt Uzin, wie der Boden zukünftig aussehen könnte und was er vielleicht in der Lage ist zu leisten.

Und genau darum geht es Uzin. Das Unternehmen sieht sich als Innovationsmotor der Bodenbranche und möchte bestehende Konzepte neu gedacht wissen. "Die Teams konnten unabhängig von existierenden Produkten denken oder davon, welche Produkte sich später tatsächlich entwickeln lassen. Den Ideen wurden keine Grenzen gesetzt", erklärt Dr. H. Werner Utz den Ansatz. Der Firmenchef legt allerdings Wert darauf, dass die Denkansätze im Ergebnis für die Menschen da sein sollten und neue Funktionen der Befriedigung von deren Bedürfnissen dienen müssten.

Unter diesen Vorgaben ging auch das Kreativteam aus dem eigenen Haus daran, die Grenzen etablierter Bodenkonzepte zu überschreiten, losgelöst von konkreten Produkten und Alltagszwängen. Dabei wurde ein eher philosophischer Ansatz gewählt, ausgehend von der Prämisse, dass Mensch und Boden in einem ständigen Kontakt stehen.

Darin sehen die Uzin-Mitarbeiter Frank Wittkowski (Vertriebsleiter Industrie), Hanspeter Bressa (Internationales Marketing) und Thomas Schneider (Internationales Produktmanagement) sowie die selbstständige Floorstylistin Jeanet Hönig die ideale Basis für dauerhaft positive Wechselwirkungen.
Die Umsetzung ihrer Ideen hebt sich deutlich von jenen der übrigen Projektteams ab. Statt Entwürfe möglicher Bodenkonstruktionen zu erstellen, wurde ein Video gedreht. Es zeigt eine Joggerin und lässt den Betrachter an deren Gedanken teilhaben. Das Laufen tut ihr gut, der Kontakt mit dem Boden tut ihr gut. Beim Nachdenken über die Probleme des Alltags entstehen hier die Visionen für den Boden der Zukunft.

Der erkennt, was den Nutzer stört oder was im fehlt und passt sich bzw. die Umgebung daran an - individuell und ganz von alleine. Er reguliert Farbe oder Raumtemperatur, regelt den Geräuschpegel oder lässt Spielwelten für die Kinder entstehen. Kurz: Der dienende Boden als allgegenwärtige Informations- und Reaktionsebene für den Menschen.



Uzin Daten und Fakten


Uzin Utz AG
Dieselstraße 3
89079 Ulm
Tel.: 0731/40 91-0
Fax: 0731/40 91-110
info@uzin-utz.com
www.uzin-utz.com

Gründungsjahr: 1911
Mitarbeiter: 880
Umsatz 2011: 199,2 Mio. EUR
Jahresüberschuss 2011: 9,0 Mio. EUR
Produktionsgesellschaften: 10 in 8 Ländern
Vertriebsgesellschaften: 13
Vorstand: Dr. H. Werner Utz (Vorsitzender), Thomas Müllerschön
Gesamtvertriebsleiter: Stefan Neuberger
Forschung & Entwicklung: Dr. Johannis Tsalso
Anwendungstechnik: Dr. Norbert Arnold

aus BTH Heimtex 06/12 (Wirtschaft)