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Holzland: Interview mit Aufsichtsratsvorsitzender Birgitt Witter-Wirsam

Indiskretionen führten zur vorzeitigen Ablösung des Geschäftsführers


Der Vertrag von Holzland-Geschäftsführer Thomas A. Baur wäre Ende 2012 ausgelaufen und sollte, so die Entscheidung des Aufsichtsrates der Verbundgruppe, nicht weiter verlängert werden. Dass jedoch die Neubesetzung der Position - entgegen den ursprünglichen Planungen - bereits im März stattfand, sorgte branchenweit für Spekulationen. Birgitt Witter-Wirsam, Aufsichtsratsvorsitzende der Holzland-Kooperation, schildert in dem nachfolgenden Interview, wie es zu der vorzeitigen Ablösung kam.

Parkett im Holzhandel: Frau Witter-Wirsam, das Timing für die Neubesetzung der Holzland-Geschäftsführung war nicht gerade optimal. Wären nicht einige Monate vor der zentralen Veranstaltung Ihrer Kooperation andere Gesprächsthemen vorteilhafter gewesen?

Birgitt Witter-Wirsam: Die Terminierung für diese Entscheidung hängt von Faktoren ab, die nicht durch Veranstaltungen im Holzland-Jahr gelenkt oder von ihnen bestimmt werden - das wäre ja auch fatal. Fakt ist, dass der Vertrag von Thomas A. Baur Ende 2012 ausgelaufen wäre. Entsprechend bedeutete dies für den Holzland-Aufsichtsrat, sich bereits im Spätsommer vergangenen Jahres mit dieser Aufgabenstellung auseinanderzusetzen. Dies bedingen die vertraglichen Fristen und deren Einhaltung. Für Unternehmen, die von einem externen Geschäftsführer geleitet werden, ist dies letztlich ein ganz normaler Prozess. Herr Baur war 15 Jahre für unsere Kooperation tätig, seit 2003 als Geschäftsführer - eine lange gemeinsame wie auch erfolgreiche Zeit.

PH: Am meisten hat uns erstaunt, dass die Ära Baur deutlich früher beendet wurde als zunächst angekündigt?

Witter-Wirsam: Für den nun bereits im März vollzogenen Geschäftsführerwechsel war ursprünglich mit den Beteiligten im November 2011 ein längerfristiger Zeitplan festgelegt. Die Tatsache, dass trotz der gegenseitigen Verschwiegenheitsabrede plötzlich ein zunehmendes "Grundrauschen" in der Branche eingesetzt hatte, führte zu der Entscheidung - worüber unsere Gesellschafter unterrichtet waren -, mit einer Holzland-Pressemitteilung über den Wechsel in der Geschäftsleitung zu informieren. Resultierend erfolgte - und damit in der Tat früher als geplant - die Abrufung von Thomas A. Baur und die Berufung von Andreas Ridder.

Ein Wechsel in der Geschäftsführung ist natürlich ein wichtiges Thema - für unsere Gesellschafter, für das Team der Holzland-Zentrale wie auch für unsere Industriepartner. Ein gut aufgestelltes Unternehmen wie die Holzland GmbH definiert sich aber nicht allein über die Position und Person eines Geschäftsführers. Der Erfolg von Holzland hat - und hier möchte ich dem Team in unserer Zentrale ein Lob aussprechen - viele Beteiligte. Ich bin absolut der Überzeugung, dass wir trotz dieses wichtigen Schrittes unsere operativen Themen und Aufgaben sehr strukturiert und konzentriert im Fokus behalten haben. Schlussendlich stand diese Entscheidung bereits im November vergangenen Jahres fest.

PH: Handelt es sich bei dieser Personalie um eine Aufsichtsratsentscheidung oder waren die Kooperationsmitglieder in den Entscheidungsprozess eingebunden?

Witter-Wirrsam: Nach unserer Satzung bestimmt der Holzland-Aufsichtsrat als von den Gesellschaftern gewähltes Organ den Geschäftsführer der Kooperation. Ich gehörte bereits 2003, als Thomas A. Baur in der Nachfolge von Karl Wallmeyer zum Geschäftsführer berufen wurde, dem Holzland-Aufsichtsrat an. Holzland zeichnet sich als Unternehmernetzwerk und - das ist nicht neu - durch einen aktiv an den Geschicken unserer Kooperation beteiligten Aufsichtsrat aus. Der Aufsichtsrat sieht den Wechsel in der Geschäftsführung als perspektivische und als eine organisch entstandene Entscheidung.

Während in den vergangenen zehn Jahren das Ziel verfolgt wurde, die Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmerverbundes sicherzustellen und den Gedanken Holzland weiterzuentwickeln, sehen wir in naher Zukunft qualitatives und strategisches Wachstum als vorrangig für unsere Kooperation. In den vergangenen Jahren waren Aufgaben zu lösen, die unsere 1984 gegründete Kooperation "fit für die Zukunft" machen sollten. Beispiele sind die Definition und Ausarbeitung der verschiedenen Holzland-Partnerschaftsmodelle,die realisierte Internationalisierung, die Neuorganisation der Geschäftsbereiche und die Weiterentwicklung des Bonussystems, um nur einige strategische Maßnahmen zu nennen. Holzland hat diese Aufgaben angenommen und sich zur führenden Kooperation der Branche entwickelt.

Nach unserer Einschätzung gilt es, den Nutzen unseres Netzwerks aktiv weiterzuentwickeln. Damit sehen wir für die kommenden Jahre andere, weiterführende, operative wie strategische Schwerpunkte. Diese Gedanken führten letztlich zu der Entscheidung, einen Wechsel in der Geschäftsführung vorzunehmen. Andreas Ridder verbindet nach Überzeugung des Holzland-Aufsichtsrates die Kompetenzen und Erfahrungen, die uns für die vor uns liegenden Aufgaben weiter stärken.

PH: Wird es Korrekturen in der Ausrichtung der Kooperation geben oder neue Schwerpunkte?

Witter-Wirsam: Nein, wir haben sehr konzentriert in den vergangenen Jahren das Profil und die Leistungen unserer Kooperation entwickelt. Holzland steht gleichermaßen für Kontinuität wie für Entwicklung. So wird die Internationalisierung unserer Kooperation, die wir 2009 eingeleitet haben, weiterhin ein Thema sein. In der D-A-CH-Region und den Benelux-Ländern hat sich Holzland gut etabliert. Wir schauen durchaus in Richtung Skandinavien, um zu prüfen, ob es hier Potenziale für unsere Struktur geben wird.

Holzland GmbH
Birgitt Witter-Wirsam, Geschäftsführerin von Holzland-Hasselbach in Rosdorf und Aufsichtsratsvorsitzende der Holzland-Kooperation: "Ein gut aufgestelltes Unternehmen wie die Holzland GmbH definiert sich aber nicht allein über die Position und Person eines Geschäftsführers. Der Erfolg von Holzland hat und hier möchte ich dem Team in unserer Zentrale ein Lob aussprechen viele Beteiligte."

Bereits im Rahmen der Holzland-Gesellschafterversammlung im Juni vergangenen Jahres haben wir unseren Gesellschaftern das Programm Bauen. Wohnen. Leben. vorgestellt, das ausgebaut und forciert wird.

PH: Auf die Vorbereitung der Holzland-Expo dürften sich die Geschehnisse kaum ausgewirkt haben?

Witter-Wirsam: Nein, die Holzland-Expo ist ein Spiegel unserer Holzland-Welt. Und so liegen die Themen und Inhalte, die wir am 10. und 11. Juni unter dem Expo-Dach in Hannover bringen werden, seit dem vergangenen Sommer fest. Die Vorbereitungen laufen neben unserem Tagesgeschäft in der Kooperationszentrale.

PH: Welche Schwerpunkte werden auf der diesjährigen Veranstaltung behandelt?

Witter-Wirsam: Wie ich bereits angedeutet habe: Die Klammer und damit das Leitmotiv ist das Programm ,Bauen. Wohnen. Leben. Unser Partnertool bildet das Fundament, individuell zugeschnitten auf den Bedarf des einzelnen Unternehmens. Genau dies ist ein zentrales Thema unserer 5. Holzland-Expo, zu der auch interessierte Händler außerhalb unseres Verbundes eingeladen sind. Hier erleben sie, wie wir Vermarktungsunterstützung für den Holzhandel in enger Vernetzung bis in die Sortimente hinein definieren und differenzieren. Hier wird deutlich, wie dicht unsere zentralseitige Leistungsbreite an den Bedarf in den Unternehmen gekoppelt ist.

PH: Branchentag Holz, Woodflooring Summit, Bau - worin besteht der besondere Nutzen der Holzland-Expo?

Witter-Wirsam: Die Holzland-Expo gibt einen Einblick in unser Netzwerk. Auf der Freifläche und in den vier Pavillons dreht sich alles um Waren- und Holzhandelsthemen. Ich bin überzeugt, dass Vermarktungsstärke eine der Kernkompetenzen unserer Kooperation ist.

Ganz wesentlich ist, dass auch die Mitarbeiter der Händler das Angebot dieser zentralen Plattform nutzen. Es geht uns dabei vor allem um den intensiven Austausch mit unseren Lieferanten. Auf der Holzland-Expo konzentriert sich unser Beschaffungsgeschäft. Das ist natürlich ganz entscheidend. Aus Sicht eines Holzland-Partners bietet dies keine andere Veranstaltung. Mit hoher Informationsdichte werden Themen aller Geschäftsbereiche und Aufgabenstellungen eines Holzhandelsunternehmens gezielt aufgegriffen. Die Veranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren etabliert und ist ein gesetzter Termin für unsere Branche.

Die Bau in München ist unbestritten die führende internationale Leitmesse. Aber schauen Sie mal durch die Brille eines Holzhändlers. Was meinen Sie? Wie viele Tage wird er brauchen, um das Themenspektrum, das die Expo für den Fachhandel von Einkauf über Vermarktung, Mitarbeiterqualifizierung, IT-Versicherung bis hin zu Lagermanagement bietet - um nur einige Bereiche zu nennen - in München abzuarbeiten?

Ich denke, das beantwortet Ihre Frage. Die Expo ist kompakt, intensiv und interessant - und sie ist konsequent auf Fragestellungen und Themen unserer Händler - und damit den Holzhandel - gerichtet. Knappe zwei Tage geballte Information, so lautet auch 2012 unser Versprechen.

aus Parkett im Holzhandel 03/12 (Wirtschaft)