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Mitgliederversammlung Zentralverband Parkett und Fussbodentechnik in Kiel

Volle Auftragsbücher bei Parkett- und Bodenlegern

Die jüngste Mitgliederversammlung des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik (ZVPF), die im Rahmen der Gemeinschaftstagung Estrich-Parkett-Belag in Kiel stattfand, stand unter positiven Vorzeichen. So konnte Bundesinnungsmeister Joachim Barth erfreut berichten, dass "viele Betriebe seit Monaten eine gute bis sehr gute Auslastung und für die kommenden Monate volle Auftragsbücher melden". Bewegung ist auch in die geplante Neustrukturierung der Innungen gekommen. Nicht voran gekommen ist die Zusammenlegung der Ausbildungsberufe von Parkett- und Bodenlegern.

Bundesinnungsmeister Joachim Barth eröffnete die Mitgliederversammlung in Kiel mit einem optimistischen Ausblick zur Konjunktur. Der alte Spruch "Hilfe, Kunde droht mit Auftrag" komme offensichtlich wieder zum Tragen. Bei aller Freude über diesen Zustand würden aber viele Innungsbetriebe vergessen, ihre Preise wieder auf ein verträgliches Niveau anzuheben. Barth: "Wer dem eigenen Anspruch gerecht werden will, hochwertige Fußböden sachgerecht zu verlegen, sollte sich nicht mit Billiganbietern messen."

Zur angestrebten Zusammenführung der Ausbildungsberufe Parkettleger und Bodenleger merkte Barth an, dass der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sich nach wie vor quer stellt und auch ein persönliches Gespräch im Hause des ZDH keinen Durchbruch gebracht habe.

Kritisch äußerte sich der Bundesinnungsmeister über Initiativen der Industrie, eigene Arbeitskreise für interessierte Handwerksbetriebe aufzubauen. Er sehe darin eine direkte Konkurrenz zur Organisationsform der Innungen und kündigte an, hier intensive Gespräche führen zu wollen.

Barth berichtete abschließend über personelle Änderungen innerhalb der Innungsvorstände. Er selbst hat Ende April planungsgemäß sein Amt als Obermeister der Innung Parkett und Fußbodentechnik Nordost aufgegeben. Nachfolger wurde Torsten Weber. Neu in der Riege der Obermeister Günther Saussele (Baden-Württemberg/Nord) als Nachfolger des langjährigen Obermeisters Christian Sedlarik.

Innungsstrukturreform zeigt erste Konturen

"Nach dem Motto Weiter so wird es unseren Verband im Jahr 2020 nicht mehr geben", warnte Vorstandsmitglied Karsten Krause mit Blick auf den anhaltenden Mitgliederschwund, 30 % seit dem Jahr 2000. In dem Zusammenhang berichtete er über eine neue "task force" aus rund 20 jungen Innungsmitgliedern, die sich mit der Zukunft des Verbandes beschäftigt. Deren Sprecherin Raumausstattermeisterin Kerstin Schmidt-von Böhlen zeigte sich überzeugt, dass man hier nur mit Größe und Stärke gegensteuern könne. Derzeit gebe es aber lediglich drei große Innungen. "Wenn eine Innung nur noch 15 Mitglieder einschließlich 5 Vorstandsmitglieder hat, wie soll sie dann ihren hohen Fixkostenanteil noch tragen", fragte sie. Es gebe in so einer Situation nur noch zwei Möglichkeiten: Beitragserhöhung oder Türen schließen. Mittelfristig sieht sie daher keine Alternative zu Kooperationen kleiner Innungen. Schmidt-von Böhlen hält auch eine Umbenennung der Innungen in Fachverbände für notwendig.

Massivdielen unterliegen künftig engeren Toleranzen

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Bundesinnungsmeister
Joachim Barth: "Viele Betriebe melden seit Monaten eine gute bis sehr gute Auslastung."
ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Geschäftsführer Edgar Leonhardt konnte erneut einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen.

Dielen werden künftig von der Stabparkettnorm DIN EN 13226 mit erfasst und unterliegen damit engeren Toleranzen als in der bisherigen DIN EN 13629 Massive Laubholzdielen. Norbert Strehle, im Zentralverband zuständig für das Normenwesen, empfiehlt, diesen neuen Sachverhalt bei Ausschreibungen zu berücksichtigen, ggf. die dem Auftrag zugrunde gelegte Norm vertraglich zu vereinbaren.

Zu den Technischen Regeln Gefahrstoffe teilte Strehle mit, dass in der überarbeiteten TRGS 610 (Kleben) lösemittelhaltige Klebstoffe nicht mehr gelistet sind. Anders sei es bei der TRGS 617 (Oberflächenbehandlungen), weil es nur wenige Produkte zur Oberflächenbehandlung gebe, die völlig lösemittelfrei sind. Noch problematischer sei, dass es in Wasserlacken nach wie vor erbgutschädigende Stoffe gebe wie NMP (N-Methyl-2-pyrrolidon). Fast alle Hersteller würden aber schon NMP-freie Lacke anbieten. Strehle warnte seine Meisterkollegen, dass nicht als "NMP-frei" gekennzeichnete Produkte diesen Stoff vermutlich noch enthalten könnten und riet: "Ich würde NMP-haltige Produkte nicht mehr ohne entsprechende Schutzkleidung einsetzen."

Zum Dauerbrenner "Räuchereiche" merkte Strehle an, dass es seines Wissens hier nach wie vor keine bauaufsichtliche Zulassung gibt. Wer Räuchereiche dennoch einbaut, handle ordnungswidrig.

ZVPF plädiert für einen angemessenen Mindestlohn

Ein weiterer Tagesordnungspunkt galt dem Mindestlohn. Der Vorstand des ZVPF strebt eine entsprechende Vereinbarung an. Ralf Wollenberg: "Der Mindestlohn müsste deutlich über 8,50 EUR (DGB) liegen, etwa bei 9,50 EUR wie bei den Malern, und vor allem verbindlich für die gesamte Branche gelten." Um hier voran zu kommen, wurde beschlossen, Sondierungsgespräche mit der IG Metall aufzunehmen


Erfolgsfaktor Mensch


"Wir müssen wegkommen von Fachvorträgen", bilanzierte Fred Denninger, diplomierter Seminarleiter des LPA-Systems "Erlernbare Menschenkenntnis", seinen Auftritt bei der Gemeinschaftstagung des ZVPF und BEB in Kiel gegenüber ParkettMagazin. Fachwissen gebe es genug in den Fachbetrieben. Fachvorträge zu Schadensfällen bewertet er so: "Da bilden wir uns weiter an Dingen, die schiefgehen." Sein Ansatz sei, sich weiterzubilden mit Dingen, die Freude machen. Gute Kommunikation mit Kunden und Mitarbeitern müsse daher im Mittelpunkt des Handelns eines Geschäftsführers stehen, auch bei kleinen Familienbetrieben.

Aufträge gebe es nicht nur dort, wo Erwartungen des Kunden erfüllt werden könnten oder sich zusätzliche Wertschöpfung abzeichne. Den eigentlichen Mehrwert schaffe Begeisterung beim Kunden und beim Mitarbeiter. Wer ein Unternehmen leite, müsse daher lernen, Balance zu halten und dürfe sich selbst nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen. "Die Friedhöfe liegen voll von Unersetzlichen", warnt Fred Denninger. Es gelte, mit Verstand zu führen. "Wertschätzen Sie ihren Mitarbeiter", rät der Seminarleiter und ergänzt: "Jeder hat seine Stärken." Wichtig sei, dem Mitarbeiter zuzuhören und ihn sinnvoll anzusprechen. Das fördere die Leistungsbereitschaft.

aus ParkettMagazin 04/12 (Wirtschaft)