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Parkettjahr 2011: Trends und Tendenzen auf den internationalen Märkten

Europäische Parkettindustrie auf stabilem Kurs

Die Mitglieder der Föderation der europäischen Parkettindustrie (FEP) repräsentieren einen großen Teil der europäischen Parketthersteller. Ihre Statistik 2011 beurteilt rückblickend die Situation in 16 Mitgliedsstaaten. Keine vollständigen Daten gab es aus der Türkei, aus Portugal, Estland, Slowenien und Kroatien. Ebenfalls keine Berücksichtigung - weil nicht Mitglied der FEP - finden Länder wie Großbritannien, Irland, Litauen, Lettland, Slowakei, Serbien, Mazedonien, Bosnien, Albanien und Griechenland.

Die Lage europäischer Parketthersteller ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Dennoch sieht die FEP ihre Mitglieder mit einer Jahresproduktion von rund 70Mio.m insgesamt auf stabilem Kurs. Einige Unternehmen fertigen seit einiger Zeit in außereuropäischen Regionen.

Nimmt man die dort produzierten Holzböden hinzu, hätte sich die Produktionsmenge aller FEP-Mitgliedsländer 2011 noch einmal um 2 bis 3% auf rund 73Mio.m erhöht.

Wie aber hat sich die Parkettproduktion in Europa während der vergangenen zehn Jahre entwickelt? Deutliche Gewinner sind Hersteller aus Österreich und Polen. Sie haben ihren Ausstoß seit 2001 etwa verdoppelt. Dagegen sind Deutschland, Frankreich und sogar Spanien wieder etwa auf ihrem damaligen Niveau angekommen, nachdem 2006 und 2007 deutlich größere Mengen abgesetzt wurden.

Auch die skandinavischen Hersteller haben im vergangenen Jahrzehnt ihre heimische Produktion zurückgefahren, ebenso Ungarn, Rumänien, Italien, Holland und sogar die Schweiz.

Verbrauch

Im Parkettverbrauch zeigt die Zehn-Jahres-Bilanz ein nicht weniger differenziertes Bild. Die meisten europäischen Länder haben ihren Verbrauch seit 2001 gesteigert, allen voran Polen, Österreich, die Schweiz, Skandinavien - aber auch Rumänien und Frankreich. Hinter ihre Verbrauchsmengen von 2001 zurückgefallen sind dagegen Deutschland, Spanien, Italien und die Niederlande. Insgesamt errechnete die FEP für 2011 einen europäischen Parkettabsatz ihrer Mitglieder von 91,5Mio.m, was auf rege Importaktivitäten schließen lässt.

Länderberichte



Schweden: Alles Eiche
Die Skandinavier gelten als wirtschaftliche Musterknaben. Ein niedriges Zinsniveau stützte 2011 den Bau- und Renovierungsmarkt. Der Parkettverbrauch stieg von 5,9 auf 6,82Mio.m, werde aber 2012 wieder leicht sinken. Mit über 90% ist Eiche das wichtigste Fußbodenholz der Schweden. 2011 produzierten die Schweden 9,375Mio.m. Nur 600.000 m davon waren Massivparkett. Etwa die gleiche Menge wird für das laufende Jahr erwartet. Der Export - 2010 noch 6Mio.m - ist jedoch mit 4,675Mio.m schwach ausgefallen und wird absehbar auf diesem Niveau stagnieren. Der Import von Holzböden sank ebenfalls leicht auf 2,35Mio.m. Preise blieben 2011 weitgehend unverändert.

Dänemark, Norwegen, Finnland: Rückläufiger Parkettabsatz
Die FEP-Statistik erfasst diese drei skandinavischen Länder im Verbund. Dabei sind ihre Entwicklungen keineswegs identisch. Die finnische Bauwirtschaft etwa wuchs 2011 geringer (2,6%) als die dänische (3,3%) und die norwegische (6,3%). Wichtiger für die Parkettindustrie aber ist der Wohnungsbau. Gute Zuwachszahlen erreichten Norwegen (23,4 %) und Finnland (6,4 %). In Dänemark wuchs der Wohnungsbau zum 20 %, vor allem im Sozialbereich, wo kaum Parkett gelegt werden dürfte. Insgesamt aber wird allen drei Ländern weiter wirtschaftliches Wachstum vorausgesagt. 2011 produzierten sie zusammen 5,54Mio.m, davon 1,66Mio.m Massiv- und 3,88Mio.m Mehrschichtparkett. Der Verbrauch sank um fast 1,8% auf 7,451Mio.m, überwiegend Mehrschichtboden (6,542Mio.m). Importiert wurden 5,216Mio.m, Exporte beliefen sich auf 2,858Mio.m. Unterschiedlich bleibt die Vorliebe für Holzarten. In Dänemark liegt Esche (35%) vor Eiche (32%) und Buche (12%). In Finnland und Norwegen läuft mit 79 und 87% alles auf Eiche hinaus.

Deutschland: Konsumfreudige Verbraucher
Niedrige Zinssätze beflügeln in Deutschland den Wohnungsbau. 2011 stieg er um 11%. Allerdings erlebte der wichtige Renovierungsmarkt einen leichten Rückgang. Insgesamt aber wird den Deutschen Lust am Konsumieren nachgesagt. Statt ihr Geld zu sparen, investieren sie es lieber in hochwertige Güter. Parkett gehört dazu. 20,663Mio.m wurden 2011 gekauft, überwiegend Mehrschichtparkett (16,506Mio.m). Die Produktion von 10,348Mio.m konnte das nicht auffangen. Deutschland importierte 17,499Mio.m und exportierte 7,184Mio.m Holzböden. Die Preise stiegen über alle Parkettarten hinweg um 3,5% und in 2012 bislang noch einmal um 2,6%. Bevorzugte Holzarten blieben nahezu unverändert Eiche (54,5%) vor Buche (20,5%) und Ahorn (7%).


Niederlande: Parkettverbrauch sinkt weiter
2011 war für Holland eine wirtschaftlich rezessive Phase. Wohnungsbau und Wohnungsmarkt reduzierten sich um die Hälfte. Für Fachhandwerker erwies sich die Sanierung bestehender Parkettböden als Ausgleich. Der Parkettverbrauch sinkt seit 2008 stetig und hat 2011 eine Menge von 2,175Mio.m erreicht. Im Verbrauch liegt Eiche mit 85% weit vorn, 10% verteilen sich auf tropische Hölzer.

Die Produktion stieg von 1,253 auf 1,649Mio.m, davon 1,325Mio.m Dreischichtparkett und 324.000 m Massivparkett. Importiert wurden 2,498Mio.m, der Export erreichte 1,974Mio.m. Für 2012 wird bei Herstellung, Verbrauch und Export erneut ein leichter Rückgang prognostiziert.


Polen: Weitere Produktionssteigerung
Polen konnte 2011 im Wohnungsbau ein Plus von 4% verzeichnen. Der Parkettverbrauch sank dennoch um rund 8% auf 4,630Mio.m. Mehrschichtparkett führt dabei mit 2,56Mio.m vor Massiv- (1,82Mio.m) und Mosaikparkett mit 250.000 m (49% Eiche, 18% Exoten, 15% Esche). Produziert wurden 8,95Mio.m Mehrschicht-, 2,9Mio.m Massiv- und 600.000 m Mosaikparkett. Diese Gesamtproduktion von 12,45Mio.m soll 2012 auf über 13,05Mio.m steigen. Importiert wurden 2011 nur rund 980.000 m, der Export dagegen stieg auf 8,8Mio.m.

Belgien: Überwiegend Importware
Der belgische Bausektor lag 2011 mit 3,9% über der durchschnittlichen Wirtschaftsleistung. Der Wohnungsbau hievte sich mit beachtlichen 2,5% aus den roten Zahlen. Allerdings findet dieser Aufschwung keine Fortsetzung im laufenden Jahr. Schon 2011 wurden 408.000 m Massivparkett in Belgien produziert, deutlich weniger als im Vorjahr. Lediglich die Mehrschicht-Herstellung stieg ganz leicht auf 25.000 m. Der Parkettverbrauch lag bei 3,155Mio.m. Importiert hat Belgien im vergangen Jahr 6,605Mio.m. Ein Großteil davon - 3,872Mio.m - war jedoch wiederum Durchgangsware, die exportiert wurde.

FEP Föderation der Europäischen Parkett-Industrie
FEP-Zahlen 2011
FEP Föderation der Europäischen Parkett-Industrie
Parkett aus Malaysia ist nach chinesischer Ware zweitwichtigstes Handelsgut europäischer Parkettlieferanten.
FEP Föderation der Europäischen Parkett-Industrie
Polen hat seine Herstellungsmenge in zehn Jahren fast verdoppelt, woran unter anderem Barlinek großen Anteil hat.

Tschechien: Typisches Dreischichtland
Die tschechische Wirtschaft erlebte 2011 kein gutes Jahr. Bau-aktivitäten sanken um 6,2%, der Wohnungsbau litt sogar unter einem Minus von 9,3%. Bis 2014 wird kaum eine Verbesserung der Situation erwartet. Die Parkettherstellung in Tschechien stieg 2011 auf 1,53Mio.m. Das war in erster Linie Mehrschichtparkett (1,2Mio.m) im Dreischicht- (92%) und Zweischichtaufbau (8%). Der Verbrauch betrug 1,195Mio.m. Tschechien führte 555.000 m ein und exportierte 890.000 m. Landhausdielen verteuerten sich um 5% und im laufenden Jahr um weitere 2%. Eiche ist das meist genutzte Holz (61,4%), gefolgt von tropischen Holzarten (7,5%), Esche (6,5%), Nussbaum und Ahorn (je 3,8%).

Frankreich: Geschätzte Daten
Nicht von allen wichtigen Unternehmen in Frankreich lagen der FEP Daten für 2011 vor. Die Parkettzahlen wurden daher hochgerechnet. Die Parkettproduktion 2011 wird mit 6,473Mio.m angegeben. Darunter summieren sich 3,840Mio.m Massiv- und 2,607Mio.m Mehrschichtparkett. Der Verbrauch überstieg mit 11,315Mio.m die Herstellung bei weitem. Deshalb wurden 6,072Mio.m eingeführt. Der Export belief sich auf 1,23Mio.m. Die Franzosen nutzen für ihre Böden zu 49% Eiche, 39% Nadelhölzer und 4% tropische Holzaten.

Österreich: Export größer als Produktion
Nach zwei Jahren des Rückgangs verzeichnete der Wohnungsbau in Österreich 2011 einen Zuwachs von 1,8%. Die Parkettproduktion stieg von 7,957Mio.m auf 8,235Mio.m. Den größten Anteil daran hatte Mehrschichtparkett (6,424Mio.m) vor Massiv- (1,647Mio.m) und Mosaikparkett (165.000 m). Noch deutlicher stieg 2011 der Konsum - von 6,503 auf 7,315Mio.m. Eiche ist in Österreich mit 60% das beliebteste Holz vor Buche (15%), Nussbaum (10%), Esche und Ahorn (je 5%). Insgesamt importierten die Österreicher 4,687Mio.m Holzfußboden und exportierten 10,640Mio.m. Das Land ist somit auch ein Umschlagsplatz für ausländische Handelsware.

Schweiz: Mosaikparkett nach wie vor gefragt
Der Haus- und Wohnungsbau ersetzte 2011 den Tiefbau als Triebfeder für die Bauwirtschaft. Für den Parkettverbrauch bedeutete das ein leichtes Wachstum von 5,543 auf 5,863Mio.m. Darunter befanden sich 4,423Mio.m Mehrschicht-, 926.000 m Mosaik- und 194.000 m Massivparkett. Importe von insgesamt 5,864Mio.m mussten diesen Bedarf decken, denn die eidgenössische Herstellung erreichte nur 1,778Mio.m. Dahinter verbirgt sich fast ausschließlich das Mehrschichtparkett von Bauwerk. Und exportiert wird auch, sogar eine für das kleine Produktionsland nicht unbedeutende Menge von 1,65Mio.m. Die Preise für alle Parkettarten gingen jedoch bis zu 8% in den Keller.

Ungarn: Kompensation im Exportgeschäft
Die ungarische Bauwirtschaft befindet sich seit Jahren im Sinkflug. 2011 schlug ein weiterer Abschlag von 10,8% zu Buche. Vor 2013 wird keine Erholung erwartet. Der Renovierungsmarkt bleibt der Bodenbranche als Hoffnungsträger. Er stieg 2011 um 5%. Ein nationaler Parkettverbrauch von 312.000 m dämpfte aber die Zuversicht. Den größten Teil ihrer auf 1,783Mio.m gewachsenen Produktion - überwiegend Dreischichtparkett - mussten heimische Parketthersteller in den Export leiten. Der belief sich zusammen mit Lagerware und Importen von 388.000 m auf insgesamt 1,859Mio.m. Für das laufende Jahr soll dieser Wert sogar auf 2,031Mio.m steigen. Das ist höherer Produktion geschuldet. Verbrauch und Import werden dagegen sinken. Die Ungarn verarbeiten zu 64% Eiche, zu 13% Esche und zu 6% Buche.

Italien: Zweischichtware dominiert
Staatsschulden, steigende Steuern und die miserable Wirtschaftslage beeinflussen den italienischen Bausektor. Auf gleichem Niveau halten konnte sich 2011 nur der Renovierungsbereich. Insgesamt blieb der Parkettverbrauch konstant bei 9,6Mio.m. 55% davon ist Zweischichtware. Eiche (70%) und Tropenhölzer (30%) bestimmen die Szene. Die Holzbodenherstellung in Italien stieg ganz leicht auf 3,876Mio.m. Hier macht das Zweischichtparkett sogar 70% aus. Importiert wurden insgesamt 7,446Mio.m, viel davon aus Asien. Wieder in den Export flossen 1,722Mio.m.

Rumänien: Lieferant von Massivparkett
Das rumänische Bruttoinlandprodukt hat sich 2011 nach Jahren der Rezession leicht erholt. Investitionen werden erwartet. Die Parkettproduktion 2011 wird mit 2,183Mio.m angegeben. Der Verbrauch blieb mit 2,033Mio.m nicht weit dahinter. Weil aber auch 1,11Mio.m exportiert wurden, übrigens hauptsächlich Massivparkett, musste ein Import von 960.000 m für Ausgleich sorgen. Der wiederum bestand zu 530.000 m aus Mehrschichtparkett. Um 3 bis 5% stiegen 2011 in Rumänien die Parkettpreise, nachdem sie im Vorjahr um ähnliche Werte gesunken waren. Verarbeitet und verbraucht wird zu 66% Eichenholz.

Spanien: Preisverfall bei Mehrschichtparkett
Bereits in den Krisenjahren bis 2010 hatte sich das spanische Baugeschäft halbiert. 2011 sank der Wohnungsbau um weitere 10,5%. Sogar der Renovierungsbereich lag völlig am Boden. Parkettverbrauch (8,803Mio.m), Import (5,186Mio.m) und Herstellung (5,138Mio.m) sind seit vier Jahren rückläufig und blieben auch 2011 hinter dem Vorjahr zurück. Einzig der Export stieg von 2,154 auf 2,491Mio.m. Ihre Lager haben die Spanier um 970.000 m abgebaut. Ein Preisverfall zeigte sich bei Mehrschichtparkett. Bereits 5% betrug der Abschlag 2010, noch einmal 8% weniger konnten die Hersteller 2011 verlangen. Für Massivparkett wurden dagegen 2% mehr gefordert. Eiche (50%), Buche und tropische Holzarten (je 15%) sind in Spanien die begehrtesten Oberflächen.

Türkei: Im Schatten von Laminatboden
Der türkische Verbraucher hat einen starken Hang zu Laminatboden. Nach Berichten türkischer Parketthersteller gibt es aber eine steigende Nachfrage nach Mehrschichtparkett. Das mag an wachsender Wirtschaftskraft und steigendem Wohlstand liegen. Für 2011 wird ein Parkettverbrauch von 2,515Mio.m angegeben. Dem standen eine inländische Produktion von 1,99Mio.m und ein Importvolumen von 681.200 m gegenüber. Die Preise zogen um 3% an. Während Eiche mit 60% die Top-Holzart darstellt, gingen Exoten auf 23% zurück; auf Buche entfallen 10%, auf Nussbaum 5%.

Estland: Nur Produktion ist bekannt
Dank guter Exporte wuchs das Bruttosozialprodukt von Estland 2011 um 8%. Was das für den heimischen Verbrauch von Holzfußboden bedeutete, bleibt im Dunkeln. Absatzzahlen sind unbekannt. Die Produktion dagegen ist belegt. Es handelt sich um 380.000 m Mehrschichtparkett, davon 82% Dreischichtboden, 27% Landhausdielen und 3% Zweischichtstäbe. Als Deckschichten genutzt werden dafür 65% Eiche, 14% Esche, 12% Tropenholz, 6% Buche und 3% Nussbaum. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung 2012 wird in Estland etwas schwächer eingestuft als im Vorjahr.

Kroatien: Auf der Suche nach neuen Märkten
Aus den subjektiven Äußerungen kroatischer Parketthersteller wird auf die Lage der dortigen Parkettindustrie geschlossen. Verwertbare Zahlen stehen nicht zur Verfügung. Weil die kroatische Parkettindustrie auf den Export ausgerichtet ist, muss sie ihren Absatz in florierenden Märkten suchen. Italien, sonst ein Hauptziel der Kroaten, gehört derzeit nicht dazu. Glaubt man jedoch den nationalen Produzenten, ist es ihnen in den vergangenen zwei Jahren gelungen, ihre Warenströme dorthin zu lenken, wo Nachfrage besteht. Zufrieden jedenfalls zeigt sich der bekannte Hersteller Pozgaj, der seine Produktion 2011 sogar leicht erhöhen konnte.

Portugal: Aufschwung lässt warten
Die Bauwirtschaft in Portugal schwächelt stark. Einem Minus von 10% in 2011 soll 2012 ein weiteres Absacken um 12,9% folgen. Der Wohnungsmarkt sank um 8,5% und harte Kreditvorgaben und gesunkene Einkommen bergen keine guten Konsumaussichten. Ein Aufschwung ist nicht vor 2015 in Sicht. Unter diesen Umständen kann der Parkettmarkt nicht gedeihen. Portugal, immerhin die Heimat des großen Korkbodenherstellers Amorim, bleibt ein Sorgenkind.

aus ParkettMagazin 05/12 (Wirtschaft)