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Bundesinnungsmeister Joachim Barth

Rasante Entwicklung im Handwerk


Ein Jubiläum ist immer eine gute Gelegenheit, um zurückzublicken. Lässt man die letzten 25 Jahre Revue passieren, fallen einem so viele Ereignisse ein, die den Eindruck Lügen strafen, diese Jahre seien wie im Fluge vergangen. Aus der Distanz betrachtet, war im Gründungsjahr 1987 die Welt scheinbar noch in Ordnung. Die Währung war stabil, und Arbeitnehmer konnten mit Ihrem Nettoverdienst noch ihre Familien ernähren. Die Baukonjunktur flachte zwar ab, aber die erzielbaren Preise sicherten dennoch ein gutes Auskommen. Steuern und Abgaben waren vergleichsweise niedrig, nur der Zinssatz für Kredite stieg ständig.

Innerhalb des Zentralverbandes Parkett und Fußbodentechnik gab es in den letzten 25 Jahren einige Neuerungen: 1988 verkündete Bundesinnungsmeister Ortwin Baumann die Gründung der Bundesfachgruppe der Restauratoren im Parkettlegerhandwerk - auf Initiative von Otto Rapp und dank der Diplomarbeit von Andreas Rapp. Die Folgezeit war natürlich durch den Fall der Mauer geprägt. 1991 trat die neu gegründete Innung Parkett und Fußbodentechnik, hervorgegangen aus der Erzeugnisgruppe der Parkettleger der DDR, unserem Verband als 21. Innung bei.

Die von der Bundesregierung initiierte massive Förderung jeglicher Bauvorhaben in den neuen Bundesländern wurde von uns allen durch den Solidaritätszuschlag mitfinanziert. Das entfachte eine ungeahnte Bauwelle, die wieder zur Hochkonjunktur in der gesamten Baubranche führte. Leider erwies sich die Hoffnung, dass diese Phase auch nach Auslauf der Förderung anhalten würde, als Trugschluss. Bauunternehmen brachen zusammen, und etliche Betriebe unseres Handwerks gerieten dadurch in erhebliche Schwierigkeiten bis hin zur Insolvenz. Durch den Wegfall der Beschäftigungssperren gegenüber osteuropäischen Arbeitnehmern verschärfte sich die Situation abermals.

Die Ausbildungszahlen in unserem Handwerk nahmen im Verlauf der Jahre zu. Die Einführung des Ausbildungsberufes "Bodenleger" führte noch mal zu einem sprunghaften Anstieg, wenn auch viele Ausbildungsverhältnisse von freien Trägern abgeschlossen wurden. Ausbildungspakte und dergleichen mehr bedarf es aufgrund der demografischen Entwicklung heute nicht mehr. Insofern kann sich das Handwerk zurzeit nicht als besonders attraktiver Gesprächspartner der Politik verstehen.

Bis vor kurzem noch beklagten ausbildungswillige Betriebe insbesondere die schwachen Leistungen von Schulabgängern in den Grundfächern; heute kommt als Kernproblem die drastisch gesunkene Bewerberzahl hinzu. Weil dieser Trend weiterhin anhalten wird, ist die Zukunft unserer Betriebe direkt bedroht.

ZVPF Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik e.V., BIV Parkettlegerhandwerk und Bodenlegergewerbe
Joachim Barth, Bundesinnungsmeister Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik: "Derzeit erfreut sich das Handwerk einer fantastischen Auftragslage"

Und noch ein weiterer Faktor wirkte sich auf die Situation der Parkettleger aus: die rasante Entwicklung neuer (Fertig-)Parkettprodukte in den letzten 20 Jahren. Die üblicherweise erst nach der Verlegung durchzuführenden Behandlungen wie Schleifen und Lackieren entfallen bei diesen oberflächenfertigen
Elementen. Einerseits konnten die Verlegebetriebe dadurch ihre Leistungskapazität enorm erhöhen. Andererseits führten die im Mehrschichtparkettbereich einsetzenden Massenproduktionen schließlich zu einem eklatanten Preisverfall - mit der Folge, dass trotz der höheren Leistungskapazitäten auch die Wertschöpfung des Handwerksbetriebes überproportional sank. Der hohe Marktanteil von Mehrschichtparkett führt mitunter auch zu Problemen in der Ausbildung, weil der Anteil klassischer Verlegungen immer weiter sinkt. Dass die parallel verlaufende Entwicklung im Bereich Laminatböden ein Übriges tat, soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Derzeit erfreut sich das Handwerk einer fantastischen Auftragslage. Die beruht allerdings darauf, dass die Menschen wegen der Ungewissheit um die eigene Währung weitgehend in Sachwerte investieren. Wie geht es nun weiter, und was kommt danach? Diese Fragen haben wir uns damals, im Jahr 1987, sicher auch gestellt, können uns aber heute nicht mehr so recht daran erinnern. Das wird uns im im Jahr 2037, zum 50-jährigen Jubiläum des ParkettMagazins, bestimmt ähnlich gehen: Wer wird da noch so genau wissen, was heute war?

Der Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik gratuliert dem ParkettMagazin zum 25. Jubiläum, bedankt sich für die gute Zusammenarbeit und wünscht sich auch weiterhin eine uns positiv begleitende Berichterstattung. Inhabern, Redakteuren und dem gesamten Team des ParkettMagazins wünschen wir alles Gute und eine stets positive Entwicklung!

aus ParkettMagazin 05/12 (Wirtschaft)