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Tendence

Textil-Aussteller zeigen sich zufrieden

Die internationale Konsumgütermesse Tendence, wichtig für die zweite, umsatzträchtigere Jahreshälfte des Handels, verzeichnete mit rund 46.000 Besuchern zwar weniger Frequenz als vor einem Jahr, aber damit hatte die Messe Frankfurt angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Ausland auch gerechnet. "Trotz der Eurokrise konnten Aussteller teilweise ein Wachstum bei den Orderplatzierungen verzeichnen. Die Stimmung auf der Tendence war durchaus positiv. Die wichtigen Einkäufer waren vor Ort", so Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt.

Für Stephan Koziol, Vorstandsvorsitzender des Europäischen Verbandes Lifestyle, ist die Tendence weiterhin eine bedeutende Plattform: "Die Tendence ist noch immer eine der wichtigsten Messen, denn sie ist der Branchentreffpunkt im Herbst und die Meinungsbörse. Außerdem ist sie ein ganz wichtiger Marktplatz im Gespräch mit nationalen und internationalen Kunden."

Hinzu kommt, dass die Messeauslastung mit 135.000 Bruttoquadratmetern (2011: 130.000) leicht gewachsen ist. Insgesamt zeigten 1.852 Aussteller aus 66 Ländern ihre Produkte und Neuheiten.

Thomas Grothkopp, Geschäftsführer des Bundesverbands für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (GPK) zur Bedeutung der internationalen Orderplattform: "Die Tendence hat einmal mehr unter Beweis gestellt, dass sie einen festen Platz bei der Nachorder des Fachhandels für das Weihnachtsgeschäft und die Frühorder des Jahres 2013 hat. Für den Handel ist die Kombination von Living und Giving attraktiv, bezüglich des Volumengeschäfts wie auch der sehr individuellen Sortimente kleiner und spezialisierter Geschäfte."

Große Resonanz fand das Engagement der Messe Frankfurt bei der Kundenbindung. Das "Upgrade"-Programm für Einzelhändler verzeichnete deutliche Zuwachsraten. Besonders viel kreatives Design zeigte die Halle 11.0. Erfolgreiche und etablierte Nachwuchstalente präsentierten in der Sonderausstellung zum Jubiläum des Förderprogrammes "Talents 10+1" ihre Produkte und ihren Weg zum Erfolg. Designer wie beispielsweise Mark Braun, Sebastian Herkner, HC Wang Design oder Tal Gur design produzieren heute bei namhaften Unternehmen.

Frische Ideen und innovative Kreationen rund um Tischkultur und Möbeldesign zeigten die Teilnehmer der Förderprogramme "Next" und "Talents" in Halle 11.0. Next-Teilnehmer Malte Grieb von Ambivalenz ist zufrieden: "Es war ein absolut positiver Eindruck. Ich finde den Standort ziemlich gut und habe das Gefühl, dass hier sehr viel los ist. Es gibt viele Leute, die aktives Interesse zeigen. Ich war positiv überrascht davon, wie konkret das Bestellinteresse ist und ich habe wirklich einen Stapel an guten Businesskontakten gesammelt." Erfreulich zufrieden zeigten sich in Halle 9.0 die Textilaussteller. Die Ausstellungsfläche war auf dieser Tendence um 5.000 Bruttoquadratmeter größer als im Vorjahr und zeigte sich trotz aller üblichen Vorbehalte wegen ungenutzter Flächen optisch gut aufgeteilt und mit angenehmen Ruhezonen gestaltet. Im großen Bereich Schenken und vor allem im Bereich Living mit Interior Design, klassischen Einrichtungsideen und Wohnaccessoires (Hallen 8.0, 9.0, 11.0) wirkte die neu entstandene Aussteller-Mixtur belebend und inspirierend. Die kaufwilligen Handelspartner - schließlich steht das Weihnachtsgeschäft vor der Tür und neue Ware und Präsentationsideen sind vonnöten - hatten gut zu laufen, zu schauen und zu prüfen. Nicht selten äußerten sie sich dabei angenehm überrascht von Innovationen und Entdeckerfreude. Auch das muss erwähnt werden.

Auf individuelle Einrichtung legen 20- bis 30-Jährige besonderen Wert. Das ergab eine Studie zum Einrichten und Dekorieren in Deutschland anlässlich der Tendence 2012. Im Auftrag der Messe Frankfurt befragte die Marktforschung Eva Altenburg 20- bis 30-Jährige im Vergleich mit 50- bis 60-Jährigen. Die junge Zielgruppe hat den Wunsch nach Selbstverwirklichung. Wohnaccessoires sind beliebt, da sie ohne großen Aufwand Veränderungen möglich machen. Allerdings steht der Nutzen im Vordergrund. Bei knappen Budgets werden ebenso Massenprodukte gekauft, um damit einen eigenen Stil zu entwickeln. Bekannte Marken spielen bei größeren Anschaffungen eine Rolle. Ideen holt man sich über Schaufenster und Möbelhäuser sowie im Internet und bei TV-Formaten. Die 50- bis 60-Jährigen setzen beim Kauf von Einrichtungs- und Dekogegenständen stärker auf qualitativ hochwertige und nachhaltige Produkte. Im Thema Nachhaltigkeit spiegeln sich für sie die Bedürfnisse nach innerer Zufriedenheit und Ausgeglichenheit und der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen. Einkaufsquelle Nummer eins bleibt nach dieser Umfrage für beide Gruppen der Handel. Der optische Eindruck vor Ort und die Haptik sind wichtig. Bei Kleinteilen sind spontane Mitnahmekäufe beliebt. Durch eine attraktive Schaufenstergestaltung lässt sich die Mehrheit der Befragten inspirieren und zum Kauf motivieren. Dabei spielt wiederum die individuelle Ansprache eine wichtige Rolle, da gerade die Jüngeren besonders auf ihren eigenen Stil achten.

Tendence
Charakteristisch harmonische Auswahl für alle Bereiche des Zuhauses, zeitlose Klassiker und dem Trend entsprechende Stoffideen, Druck und Jacquards, Karos und Streifen. Die schwedischen Designerinnen orientieren sich an der Natur ihrer Region (Linum).

Tendence
Die Boxspringmodelle von HGC International fielen zwar auf, waren aber für das Publikum der Konsumgütermesse Tendence etwas ungewohnt.

Unter diesem Motto "Create your X-mas shop window" bot die Messe Frankfurt in Kooperation mit dem VMM, dem Europäischen Zentralverband für visuelles Marketing/Merchandising, in der Ebene 1 der Galleria live Schaufensterdekoration speziell für den Einzelhandel an. In gut besuchten Workshops gab Karin Wahl, professionelle Dekorateurin und zertifizierte Trainerin im Bereich Visual Merchandising Tipps und Anregungen, um beim Kunden Emotionen zu erzeugen. Mit der Schaufensterdekoration lassen sich kleine Geschichten erzählen. Das kommt gut an. Und als Leitmotiv ihrer Live-Schaufensterdekoration kann durchaus der Satz "Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck" gelten. Gute Resonanz fanden die verschiedenen Ausstellungen im Rahmenprogramm.

Zum zweiten Mal wurde der unabhängige Konsumentenpreis Home&Trend Award von der Initiative LifeCare in Kooperation mit der Messe Frankfurt auf der Konsumgütermesse Tendence verliehen. Qualität, Innovation und attraktives Design sind zu den Ausschlag gebenden Kriterien beim Kauf von Einrichtungsgegenständen und Wohnaccessoires geworden. Die Auszeichnung "Trendprodukt des Jahres 2012" ist ein Qualitätssiegel, mit dem eingereichte Produkte und Konzepte nach festgelegten Kriterien im zweistufigen Verfahren bewertet werden von einem Experten-Team und von Verbrauchern, also Kaufentscheidern. Besonders deren Stimme gibt Ausschlag für die Auszeichnung und dient als "grundlegende Entscheidungshilfe im unübersichtlichen Produktdschungel für Handel und Konsumenten gleichermaßen", so Harald Schultes, Vorsitzender der Initiative LifeCare.

Durch die veränderte Angebots-Anordnung in den vier von der Tendence belegten Messehallen 9, 11, 8 und 10 entstand ein neuer und interessanter Angebotsmix. An und für sich eine Bereicherung für die Besucher, die Spezielles und Individuelles suchten. Die Textilaussteller im Living-Bereich Interiors & Decoration (9.0, 8.0) und Loft (11.0) äußerten sich überwiegend zufrieden. Es fehlten zwar vertraute Nachbarn und Gegenübers. Dafür kamen einige internationale Einrichtungs-Konzeptionisten dazu, die die Gesamtgestaltung der Räume fast ins Detail interpretierten - mit eleganten Möbeln, ergänzenden Bett- und Tischwäsche-Programmen, dekorativen Wohnaccessoires und Zubehör aus dem GPK-Bereich. Da meist Einzelabnahmen möglich und erwünscht waren, hatten interessierte Einkäufer gute Möglichkeiten, ihre Sortimente zu ergänzen oder auch neu aufzubauen. Ungewohnt heiter und bunt ging es in Halle 8.0 zu. Da gab es viele kleinere, internationale Anbieter - viele aus Dänemark und Schweden -, die mit frischen Themen gerade zur Weihnachtszeit Schwung in die Ordervorstellungen brachten. Teils verspielt, meist aber konzipiert zum praktischen Nutzen, mischten sich flexible Kleinmöbel mit originell gemusterten Haustextilien zum unkomplizierten Wohnkonzept, deutlich bereichert mit Kassetten, Aufbewahrungsboxen mit Schubladen, kleinen Containern, bekleidet mit dekorativen Textilmaterialien oder bedrucktem Papier. Einfach "das Gemüt ansprechend", meinte ein Aussteller.

Was früher unter Country Style die Gemüter rührte, begeistert und inspiriert nun der Vintage-Look. Deko- und Wohnobjekte sehen aus wie Fundstücke aus dem Industrieloft, Oberflächen erhielten handwerklich aufwendig angebracht Lebensspuren und Antikfinish. Ebenso Accessoires und Kleinmöbel, die durch ihr "veraltetes" Aussehen Geschichten erzählen und vertraut wirken. Im Trend liegen natürliche Materialien, ergänzt mit Metall, Glas, Porzellan, biologisch abbaubare Kunststoffe und Hightech. Besonders im Bereich Wohnen legt man Wert auf die Natürlichkeit der Produkte, ebenso auf die Nachhaltigkeit im Werkstoff und dessen Verarbeitung. Viel wenig bearbeitetes Holz war zu sehen und Tischplatten mit ausdrucksstarken Maserbildern.

Stark in den Mittelpunkt rückten Betten und Sofas, um mit Decken, Plaids, Überwürfen und vielen Kissenformen in interessanten Materialien aufzufallen. Die Farben sind eher ruhig und sanft, bewegen sich im natürlich farbigen Bereich Weiß, Beige, Grau, oder knallen richtig durch mit kräftigen Rottönen und deutlich stilisierten folkloristisch angehauchten Stickereien, Bordüren, handwerklichen Details. Die Farbe Blau liegt unübersehbar im Trend. Seit langem zum ersten Mal waren wieder Teppichangebote zu sehen, die sich wie selbstverständlich in die unterschiedlichen Ambiente-Bilder einreihten. Großen Erfolg hatten Vintage-Teppiche: wiederbelebte alte türkische Kelims und handgeknüpfte Teppiche, gebleicht, neu eingefärbt und mit überraschenden Farb- und Mustereffekten als Patchwork zu eigenwilligen Modellen verarbeitet, begehrt für private Zwecke und Ladeneinrichtungen. Die nächste Tendence findet vom 23. bis 27. August 2013 statt.

aus Haustex 10/12 (Wirtschaft)