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ZVPF: Fachtagung der Parkett-Restauratoren in Bamberg

Werterhalt braucht Kompetenz

Holzböden in historischen Gebäuden gehören in qualifizierte Hände. Doch Architekten und öffentliche Bauträger unterschätzen oft die fachliche Kompetenz, die zum Erhalt eines wertvollen Parketts nötig ist und vergeben Aufträge nur nach Preis - mit teils fatalen Folgen. Die Fachgruppe der Parkettrestauratoren begab sich bei ihrer Tagung in Bamberg auf Spurensuche.

Die Arbeit der Parkettrestauratoren hat viel mit Erfahrung zu tun. Die jährliche Mitgliederversammlung der bundesweiten Fachgruppe, diesmal in Bamberg, ist daher auch eine Erfahrungsbörse. Erfolgreiche Arbeitstechniken wie das modellierende Schleifen oder die Injektionsmethode als Reparaturmethode für Hohlstellen unter dem Parkett wurden im Detail vorgestellt.

Allerdings sehen die Experten auch die Notwendigkeit, ihr Spezialwissen in der Öffentlichkeit deutlicher herauszustellen. Selbst Architekten und öffentliche Bauträger unterschätzen die Kompetenz, die für den Werterhalt historischer Holzböden nötig ist und orientieren sich bei der Auftragsvergabe oftmals nur am Preis. Im Internet, mit Flyern und durch die Teilnahme an Fachausstellungen, wie der Restauratoren im Handwerk in München oder Messen wie der documenta 2012 sollen deshalb mit Arbeitsdokumentationen von Referenzobjekten und Exponaten der für Qualität nötige Aufwand und die Fachkenntnis stärker in den Fokus gerückt werden.

Ein beispielhaftes Projekt lief im Schloss Ludwigsthal in Lindberg im Nationalpark Bayerischer Wald. Ein Team von Parkettrestauratoren unter der Leitung von Fachgruppenleiter Jochen Michalik unterstützte den Verein Pro Nationalpark Zwiesel, der das Schloss in Eigenleistung renoviert, bei der Fertigstellung des neu verlegten Dielenfußbodens. Vorgabe war, eine pflegeleichte, leicht firne Oberfläche herzustellen. Dabei wurde ein neues Schleifverfahren angewandt.

Modellierendes Schleifen

Nach dem Feinschliff gibt ein Superpad, ähnlich dem bekannten schwarzen Pad, auf der Einscheibenmaschine dem Weichholzboden den letzen Schliff. Dabei entsteht ein Oberflächenrelief, das die Optik von gebürstetem, ausgetretenem Holz hat, wie es auch bei der Bearbeitung mit der Hummelbürste entsteht. Die weichen Teile des Holzes sind herausgearbeitet, aber mit diesem neuen Pad schleifspurfrei und mit weniger Aufwand. Diese Methode eignet sich hervorragend für die Behandlung von Nadelholzböden und soll künftig Standard in der Angebotspalette zur Oberflächenbehandlung von Holzböden werden, bekundet Michalik. In Ludwigsthal wurde zum Einpflegen weißpigmentiertes Hartwachsöl dünn mit einer Walze in Längsrichtung aufgetragen. Damit lässt sich der Boden bei der Nutzung als Tagungsstätte auch leicht pflegen.

Normen und deren Fallstricke

Die Renovierung von Holzfußböden in historischer Substanz ist anders zu bewerten als im Neubau. Eine korrekte Anwendung der DIN 18202 auf Ebenheiten in historischen Gebäuden könnte fatale Folgen haben, betont Jochen Michalik. Nach geltender Rechtsprechung sei bei einer Veränderung der neueste Stand der Technik anzuwenden, also die Neubaunorm 18202. Der Parkettrestaurator muss jedoch einen Unterboden mit seinen Unebenheiten als Gegebenheit im Unterbau übernehmen, denn Wandanschlüsse mit Stuck oder Vertäfelungen und Türhöhen sind darauf abgestimmt. Um Reklamationen zu vermeiden empfiehlt er, eine Bestandsaufnahme und Dokumentation der Unebenheiten durchzuführen und die Probleme im Vorfeld anzusprechen. Sein dringender Rat ist, das Gespräch zu dokumentieren. Das schütze auch bei längeren Bauzeiten, wie in öffentlichen Gebäuden, wenn die Zuständigkeiten wechseln.

Die 2012 neu erschienene DIN 13629 für massive Laubholzdielen und zusammengesetzte massive Laubholzdielenelemente nahm Joachim Barth als Praktiker unter die Lupe. Dabei stellte er einige Ungereimtheiten fest. Zum Beispiel, dass die normierten Toleranzen beim Versatz so hoch festgelegt sind, dass der Verbraucher die Optik des Bodens monieren würde. Mit heutiger Fertigungstechnik sei mehr Genauigkeit möglich und deshalb sollte eine Norm mindere Qualität ausschließen und nicht tolerieren. Absurde Angaben zum Verhältnis Dicke/Breite fand er außerdem. Eine Diele mit 10,5 mm Dicke und 250 mm Breite sei handwerklich nicht mehr zu verarbeiten und damit unrealistisch. Wichtig wäre seines Erachtens zu regeln, wie fest der Nut- und Federverband sein soll, und wie stramm die Feder gehen muss. Womit wieder klar wird, dass eine Norm ohne Kommentar nicht wirklich fertig ist.

Neuordnung im Sachverständigenwesen


Neu geregelt wird die Ausbildung für Sachverständige. Joachim Barth erläuterte die Änderungen. Das Anwärterseminar entfällt künftig. In einem Infoseminar wird der Anwärter nur über die Anforderungen an einen Sachverständigen aufgeklärt, für die Ausbildung muss er sich einen Sachverständigenvater suchen. Unter dessen Führung erstellt er Gutachten, die er dann dem Prüfungsausschuss vorstellt. Das Fachgespräch vor dem Prüfungsausschuss und die Empfehlung der Handwerkskammer sind im Weiteren Grundlage für die Vereidigung.

Injektionsmethode zur Unterspritzung von Hohlstellen

In einem Workshop zeigte Dieter Humm dann, wie mit der Injektionsmethode kostengünstig partielle Fehlstellen in der Verklebung beim Zweischichtparkett nachbearbeitet werden können und Ausbesserungen am Tafelparkett durchgeführt werden. (Der detaillierte Bericht folgt in der nächsten Ausgabe.)

Schatzsuche in Bamberg

Nach so viel Theorie bot Bamberg natürlich reichlich Gelegenheit, historisches Parkett in üppiger Pracht zu erleben. Bei Führungen durch die neue Residenz der Bamberger Fürstbischöfe und Schloss Seehof der Sommerresidenz der Bischöfe lagen die Fachleute förmlich am Boden, um Details im historischen Parketts zu ergründen. Leider kamen dabei auch manche Spuren unsachgemäßer Arbeit dabei zu Tage, wie großzügige Toleranzen an den Anschlüssen, Brandstellen aufgrund unprofessionellen Schleifens oder Grauschleier auf der Versiegelung durch falsches Einpflegen.

Das Highlight war Schloss Burgellern. Hier waren Stefan Grimm und vier Restauratoren-Kollegen im Wochenendeinsatz, um einen Schatz unter dem Teppich zu bergen. Ein einzigartiges Intarsien-Parkett auf zwei Treppenabsätzen musste restauriert werden, ohne den Hotelbetrieb lange lahm zu legen. In der Art eines römischen Mosaiks liegen ein bis vier Quadratzentimeter kleine Furnierstücke auf dem Treppenabsatz. Im Geschoss darüber ein zweites in Farbumkehrung.

Das Schloss, das ursprünglich zur Domprobstei in Bamberg gehörte, wechselte im folgenden mehrmals die Besitzer. Im 19. Jahrhundert gestalteten es die damaligen Besitzer, die von Buseks, um. Sie brachten von ihren Reisen nach Italien und Nordafrika viele fremdländischen Ideen mit, die im Laufe der Zeit unter Teppichlagen oder Anstrichen verschwanden, erzählt Birgit
Kastner, Kunsthistorikerin und Inhaberin. Als sie und ihre Familie das Schloss halbverfallen kauften und es zum Hotel umbauten, kamen die Schätze wieder zum Vorschein, teils jedoch kaum reparabel wie im großen Speisesaal. Eine weitere Herausforderung für Parkettrestauratoren - restaurieren oder besser reproduzieren und austauschen - die Experten waren sich dabei nicht sofort einig. Einig sind sie sich in ihrer Leidenschaft, ihr ganzes Können aufzuwenden, um solchen Böden wieder zu Glanz zu verhelfen.

Die nächste Fachgruppentagung ist zugleich die 25-Jahre-Jubiläums-Veranstaltung und wird vom 20. - 22. September in Berlin stattfinden.

aus ParkettMagazin 06/12 (Wirtschaft)