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BTH Heimtex / B+L-Kundenbarometer Tapete 2012

Wo kauft der Fachhandel am liebsten ein?

Was die Marktdurchdringung angeht, ist auf dem deutschen Tapetenmarkt wenig Bewegung: Seit Jahren wird die Liste ohne große Verschiebungen von den gleichen Anbietern angeführt. Wie gewohnt ist Rasch bei den Fachhändlern am stärksten vertreten. Es folgen A.S. Création, die Marburger Tapetenfabrik und die Rasch-Tochter Rasch Textil. Aber nicht nur die Hersteller beweisen Präsenz, auch der kleine Verlag Essener Tapeten-Import spielt oben mit und landet auf Platz 5.

Die Top 3 unter den deutschen Tapetenanbietern sind auch in diesem Jahr wieder Rasch, A.S. Création und Marburg. Sie verfügen über eine Marktdurchdringung zwischen 61 und 81%. Lediglich die Rasch-Tochter Rasch-Textil ist dem Trio mit 60% dicht auf den Fersen. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Kundenbarometer Tapete, mit dem BTH Heimtex jährlich ermitteln lässt, bei welchem Unternehmen der Fachhandel am liebsten einkauft. Dazu hat das Marktforschungsinstitut B+L Marktdaten 150 Fachhändler befragt, davon 88% im Westen, 12% im Osten. Mit 41% stellen die Unternehmen mit 1 bis 5 Mitarbeitern die Mehrheit der Befragten, gefolgt von Händlern mit 6 bis 10 Mitarbeitern (22%) und solchen mit 11 bis 15 (13%).

Die Umfrage zeigt einmal mehr, dass es am Tapetenmarkt wenig Bewegung gibt - zumindest was die Verbreitung betrifft. Die neun Anbieter, bei denen der Fachhandel im vergangenen Jahr am liebsten einkaufte, sind auch in diesem Jahr wieder die markbeherrschenden. Trotz gestiegener Nachfrage nach Tapeten: Der Markt ist seit Jahren klar aufgeteilt, Newcomer haben kaum Chancen, sich ein Stück vom Kuchen abzuschneiden.

Dabei hält Rasch hartnäckig am ersten Platz der am stärksten im Fachhandel vertretenen Anbieter fest. Der Bramscher Hersteller unter Leitung von Dario Rasch und Frederik Rasch weist eine Marktdurchdringung von 81% auf. Diese liegt im Osten sogar bei 89%, im Westen bei 80%. Damit holte das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr im Osten leicht auf, musste dagegen im Westen etwas Federn lassen, wobei die Durchdringung insgesamt in etwa auf Vorjahresniveau bliebt. Auf die Größe bezogen stellen Fachhandelsunternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern die Mehrheit der Kunden (88 %).

Auf den folgenden Plätzen hat es einen als nicht gravierend einzustufenden Wechsel gegeben. War im vergangenen Jahr die Marburger Tapetenfabrik auf Platz zwei, nimmt diesmal A.S. Création diese Position ein und verweist die Kirchhainer Kreativschmiede auf den dritten Platz. Der börsennotierte Anbieter A.S. Création, der vor allem durch Lizenzen in den Blickpunkt gerät, kann eine Marktdurchdringung von 68% vorweisen und kommt somit auf das Ergebnis vom Vorjahr. Besonders stark ist er im Westen mit 69%, während er im Osten mit 61% hinter Marburg (67%) liegt.

Dies zeigt, dass die Tapeten aus Kirchhain bei ostdeutschen Fachhändlern an Beliebtheit wieder zugenommen haben. In Westdeutschland kauften dagegen nur 60% der Befragten am liebsten bei dem ältesten deutschen Hersteller von Wandbelägen ein. Insgesamt erreicht Marburg eine Marktdurchdringung von 61% und verliert damit leicht gegenüber dem Vorjahr. Die meisten Abnehmer hat das Unternehmen bei kleinen Fachhändlern mit bis zu zehn Mitarbeitern, die eher weniger im Massengeschäft unterwegs sind.

Dicht hinter den Kirchhainern: die Rasch-Tochter Rasch Textil. Bei ihr kaufen rund 60% der Fachhändler ein, wobei ihre Tapeten im Westen eine größere Rolle spielen als im Osten. Rasch Textil konnte insgesamt sein Niveau halten.

Einen Platz hinter Rasch Textil auf Rang 5 landete Essener Tapeten-Import, die im vergangenen Jahr noch gemeinsam mit der Schwester Schmitz Tapeten-Import bewertet worden war, da beide Verlage Christian Schmitz gehören. Aktuell gingen sie erstmals getrennt in die Umfrage ein, was eine Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr nicht zulässt. Das kleine, aber feine Unternehmen Essener agiert bei einer Marktdurchdringung von 26%, wobei es im Osten mit 33% deutlich stärker ist als im Westen mit 25%. Am beliebtesten ist es bei den kleinen Händlern, während es bei Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern von Pickhardt +Siebert (P+S) International und Erismann überflügelt wird.

Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
Bei welchen Anbietern von Tapeten kauft der Fachhandel ein?

Den Gummersbacher Hersteller P+S und Schmitz Tapeten-Import setzten die Befragten auf Position sechs. Die Produkte beider Anbieter werden von 21% der Fachhändler gekauft. Damit büßte P+S nach der Umfrage gegenüber dem Vorjahr an Verbreitungsgrad ein. Detailliert betrachtet kommt die Umfrage bei beiden Unternehmen auf recht unterschiedliche Ergebnisse. Während sich P+S im Osten und bei Händlern mit mehr als zehn Mitarbeitern besser verkauft, punktet Schmitz im Westen und bei Betrieben mit wenig Personal.

Auf dem achten Platz findet sich Erismann mit einer Verbreitung von 27%. Mit 29% Markdurchdringung sind die Breisacher bei Händlern mit mehr als zehn Mitarbeitern erheblich beleibter als bei kleinen Betrieben (10%). Ihre Produkte kommen im Osten und Westen in etwa gleich gut an.

Wie im vergangenen Jahr steht Erfurt wieder an letzter Stelle des Barometers. Das Wuppertaler Unternehmen ist mit seinen Tapeten bei 15% der Fachhändler vorhanden. Allerdings nimmt es auch eine Sonderstellung aus, da es sich vor allem mit seinem Rauhfaser-Sortiment einen Namen gemacht hat, das aber nicht in das Barometer einfließt. In diesem Bereich ist Erfurt als Marktführer konkurrenzlos.


BTH/B+L-Handelsumfrage - Panel und Methodik


Das BTH Heimtex/B+L-Kundenbarometer wird in zwei Etappen durchgeführt: In der ersten wird recherchiert, bei welchen Anbietern der Fachhandel überhaupt ordert, woraus sich der Verbreitungsgrad der einzelnen Lieferanten ergibt. Diese Befragung erfolgt gestützt, aber offen. Die Interview-Teilnehmer können also zusätzliche Bezugsquellen zu den von BTH Heimtex vorgegebenen Unternehmen nennen.

In der zweiten Etappe bewerten die Händler detailliert einzelne Anbieter mit (Schul-)Noten: 1 für sehr gut, 2 für gut, 3 für mittel bzw. normal, 4 für ausreichend, 5 für mangelhaft bis schlecht. Für jedes Unternehmen werden dabei konkret 16 Benchmarks abgefragt, darunter objektiv messbare, aber auch subjektiv empfundene.

150 Fachhändler wurden im Oktober 2012 befragt: klassischer Facheinzelhandel, Handwerksbetriebe mit Ladengeschäft und entsprechenden Handelsaktivitäten sowie Fachmärkte in ganz Deutschland, regional verteilt im Norden und Süden, Osten und Westen. Nicht in diese Befragung eingeschlossen sind Filialisten, der Großhandel und Kooperationszentralen sowie Großflächenanbieter wie Discounter oder C+C-Betriebe.

aus BTH Heimtex 12/12 (Wirtschaft)