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Interview mit CEO Geert Roelens

Dichter am Kunden globaler verkaufen


Seit anderthalb Jahren ist Geert Roelens CEO bei der belgischen Beaulieu International Group (B.I.G.). Der international erfahrene Manager kommt aus der Stahlindustrie und soll den Bodenbelagshersteller weltweit breiter aufstellen. Gleichzeitig will er die Zusammenarbeit zwischen den insgesamt 14 Divisionen und Tochterunternehmen ausbauen. Im Interview mit BTH Heimtex-Redakteur Jochen Lange erklärt Roelens, wie er diese Aufgabe angehen will und was ihn an der Bodenbelagsbranche reizt.

BTH Heimtex: Herr Roelens, Sie sind seit Herbst 2011 CEO bei B.I.G. Welchen Auftrag haben Sie vom Miteigentümer und Vorstandsvorsitzenden Francis De Clerck erhalten?

Geert Roelens: Francis De Clerck hat zwei Ziele. Einerseits möchte er den Konzern internationaler ausrichten, andererseits auf allen Märkten näher am Kunden sein. Dort, wo wir aufgrund unseres Images als "Volumenanbieter" Kunden verloren haben - wie beispielsweise in Deutschland -, sollen diese zurückgewonnen werden.

BTH Heimtex: Wie wollen Sie das erreichen?

Roelens: Beaulieu hat gute Produkte, eine große Tradition und einen hohen Bekanntheitsgrad. Ich will, dass wir unsere Innovationskraft und unsere Zuversicht aufgrund dieser Stärken wieder offensiver in die Märkte und zu unseren Kunden tragen, um auch sie davon überzeugen.

BTH Heimtex: Sie kommen aus einer völlig anderen Branche, der Stahlindustrie. Was hat Sie an der neuen Aufgabe gereizt?

Roelens: Mein früherer Arbeitgeber Bekaert ist genau wie Beaulieu ein flämisches Familienunternehmen, das quasi aus dem Nichts zu einem Global Player aufgebaut wurde. Auch ich bin Flame. Francis De Clerck hat mich in unserem ersten Gespräch sofort überzeugt, bei B.I.G. anzufangen.

BTH Heimtex: Wie hat er das gemacht?

Roelens: Erstens habe ich Erfahrung, Unternehmen internationaler auszurichten. Zweitens herrscht bei Beaulieu ein besonderer Unternehmergeist. Die Eigentümer haben große Ambitionen und den Willen, neue Produkte zu entwickeln. Das reizt mich. Zudem ist es außergewöhnlich und ein großes Potenzial, eine so breite Palette an Bodenbelägen in einer Firma zu haben.

BTH Heimtex: Nach mehr als einem Jahr als CEO: Hat sich Ihr erster Eindruck von der Beaulieu International Group bestätigt?

Roelens: Ich habe ein exzellentes Unternehmen mit hoch motivierten Mitarbeitern kennen und schätzen gelernt. Wir müssen aber unsere Produkte noch besser machen und an der veränderten Nachfrage ausrichten. Dazu gehört auch, näher an unseren Kunden zu sein und besser zu verstehen, was sie möchten. Sie wollen nicht nur irgendeinen Bodenbelag, sie wollen Bodenlösungen. Das müssen nicht nur die Mitarbeiter im Vertrieb sondern auch die Kollegen in Produktion und Verwaltung verinnerlichen.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir unter anderem das Internet in all seinen Facetten besser für uns nutzen, beispielsweise Social Media. Ich will auch, dass jeder Verkaufsmitarbeiter beim Kunden mit einem Tablet-PC arbeitet und sich darüber mit seinen Kollegen intensiv austauscht. In diesem ganzen Bereich liegt noch viel Potenzial für uns.

BTH Heimtex: Haben Sie aus dem Sortiment von B.I.G. schon einen Lieblingsbodenbelag für sich entdeckt?

Roelens: Unser Dream Click-LVT. Der ist fantastisch. Ich habe ihn selbst in meinem Haus verlegt. Das war kinderleicht.

BTH Heimtex: Ein gutes Stichwort: Wird B.I.G. in Zukunft selbst Designbeläge produzieren, wie es belgische Wettbewerber mittlerweile tun?

B.I.G. Beaulieu International Group NV
Geert Roelens: "In Zukunft wollen wir unsere Fähigkeiten in der Gruppe verknüpfen. Das wird eine Hauptaufgabe für die kommenden Jahren sein."
B.I.G. Beaulieu International Group NV
Geert Roelens mit dem B.I.G.-Mitinhaber und -Vorstandsvorsitzenden Francis De Clerck.

Roelens: Das ist derzeit nicht geplant. PVC-Beläge selbst herzustellen, ist eine kostspielige Angelegenheit. Ich will aber nicht ausschließen, dass wir in den kommenden drei Jahren eine solche Investition prüfen. Der Vorteil, dadurch unabhängiger von Importen aus China zu werden, liegt aber auf der Hand.

BTH Heimtex: Andere Produktgattung: Wie beurteilen Sie den deutschen Markt für textile Bodenbeläge und Ihre deutschen Wettbewerber?

Roelens: Der Markt für Teppichboden ist sehr schwierig. Die Nachfrage geht zurück - vor allem die nach einfachen Konstruktionen. Die deutschen Hersteller sehe ich derzeit in der Defensive. Deutsche Großhändler orientieren sich deswegen ein Stück mehr Richtung Belgien.

BTH Heimtex: Wie sehen Sie die Entwicklungen auf den Rohstoff-Märkten?

Roelens: Sehr schwierig. Wir produzieren Polypropylen in Frankreich und den USA. Die enorm gestiegenen Preise für das Ausgangsprodukt Erdöl machen es uns nicht leicht. Wettbewerber aus anderen Regionen Europas und der Welt haben jedoch mit den gleichen Problemen zu kämpfen.

In einem stagnierenden europäischen Markt für Teppichboden bei hohen Arbeitskosten, Billigimporten und allgemeiner Konsumzurückhaltung zu bestehen, ist eine große Herausforderung für uns. Deswegen müssen wir ganz genau hinschauen, was wir in Europa machen. Wir müssen zusehen, dass wir unsere weltweiten Aktivitäten, unser Wissen und unsere Fähigkeiten schneller zusammenführen und sie sich effektiver ergänzen.

BTH Heimtex: Sie sprechen von Zusammenführung und Effizienzsteigerung. Zwei Divisionen in der Gruppe - Berry Alloc und Beauflor - vertreiben das gleiche Produkt: Designbeläge. Macht diese Doppelstruktur Sinn?

Roelens: Grundsätzlich sind Doppelstrukturen nicht sinnvoll, in diesem Fall aber schon. Zwar bieten beide die selbe Produktgattung an, aber nicht dieselbe Art von Designbelägen. Außerdem werden zwei unterschiedliche Vertriebskanäle bedient: Holz- und Bodenbelagshandel.

BTH Heimtex: Dennoch stellt sich die Frage: Werden die Vertriebsmannschaften der verschiedenen B.I.G.-Divisionen in Deutschland in drei Jahren noch genau so groß sein wie heute?

Roelens: Sie werden zumindest anders zusammengestellt sein und ausschließlich aus fest angestellten Mitarbeitern bestehen. Die Strukturen unserer Gruppe sind historisch bedingt. Es gab Einzelunternehmen, die zusammengeführt wurden. Dabei hat man die Strukturen belassen und nicht neu geordnet. Ich sehe Synergien, die wir nutzen können und müssen. Alle unsere Maßnahmen werden wir zuerst in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Pilot-Markt umsetzen.

Das Wissen über die selben Märkte und die selben Kunden ist in den einzelnen Divisionen vorhanden, wird aber nicht miteinander verknüpft, so dass die Gruppe insgesamt davon profitieren könnte. In Zukunft soll genau das geschehen. Das wird eine Hauptaufgabe für die kommenden Jahren sein.

BTH Heimtex: Wie sehen diese Verknüpfungen konkret aus?

Roelens: Beaulieu möchte sich noch mehr an den lokalen Marktbegebenheiten orientieren, indem wir uns noch besser auf die spezifischen Bedürfnissen unserer Kunden einstellen. Das Herz unserer Verkaufsmitarbeiter sollte für Beaulieu schlagen.


Geert Roelens zur Person


Geert Roelens (56) ist seit Oktober 2011 CEO der Beaulieu International Group (B.I.G.). Der Belgier hat zuvor 23 Jahre für das familiengeführte Unternehmen Bekaert gearbeitet, das Konstruktionen und Beschichtungen aus Stahl herstellt. Zuletzt leitete er als Vice President das weltweite Geschäft mit Metallbewährungen für Autoreifen - unter anderem auch für den deutschen Hersteller Continental. Er verantwortete dabei einen Umsatz von 2 Mrd. EUR und führte 15.000 Mitarbeiter. Während seiner Tätigkeit bei Bekaert hat er jeweils mehrere Jahre in diversen europäischen Ländern den USA, China und Indonesien gearbeitet.

aus BTH Heimtex 02/13 (Wirtschaft)