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Heimtextil Sonnenschutz

Virtuelle Sonnenschutz-Welt

Mit einer gesunden Portion Realismus ist die Sonnenschutz- und Dekotechnik-Branche in die Saison 2013 gestartet. Als Rüstzeug für ein erfolgreiches SB- und Maßgeschäft dienen umfangreiche Kollektionen, dekorative Designs und stimmige Merchandising-Konzepte. Handelskunden und Endverbraucher profitieren von modernen Multimedia-Technologien als Verkaufshilfe. Allerneueste Innovation: Per QR-Code lassen sich Produktinformationen am PoS auf Smartphones laden. Und die Mobiltelefone steuern mittels einer speziellen App auch automatisierte Rollos, Jalousien & Co.

Die Sonnenschutzbranche war in diesem Jahr wieder stärker auf der Heimtextil vertreten und wer die Messehalle 5.1 über die Präsentationsfläche "Café Sun" betrat, wurde dort schon mit ausgewählten Produkten verschiedener Hersteller auf das Angebot eingestimmt. Das Gros der namhaften Unternehmen nutzte Frankfurt als Plattform, um Innovationen und aktuelle Sortimente einem internationalen Fachpublikum vorzustellen. Und anders als 2012 war auch die Zulieferindustrie wieder präsent: Anbieter von Textilien und Komponenten wie Junkers & Müllers, Almedahls oder Büsche pausieren traditionell auf der Heimtextil, wenn im gleichen Jahr die Rollladen- und Sonnenschutz-Messe R+T in Stuttgart stattfindet. Allerdings gibt es auch eine Reihe von Firmen, die der Heimtextil inzwischen komplett den Rücken gekehrt haben. Wer einen Blick in eine ältere Teilnehmerliste wirft, findet dort noch Namen wie Hunter Douglas, Blöcker, Silent Gliss, Bamberger Kaliko, Velux, Somfy, Möller, Interstil, Gefora Forster, Durach oder Kremp & Hüttemeister.

Auch Coulisse hatte 2012 erstmals eine Auszeit wegen der R+T genommen. 2013 empfing man die Heimtextil-Besucher wieder an einem zweigeteilten Meeting Point, separiert nach den Geschäftsbereichen DIY und Components. "Wir hatten zwar den Eindruck, dass insgesamt weniger Besucher gekommen sind. Aber wir sind zufrieden, weil die Qualität der Gespräche sehr gut war", lautete das Fazit des niederländischen System- und Stofflieferanten.

Der Mönchengladbacher Textilveredler Junkers & Müllers hat "deutlich weniger" Exportkunden am Stand begrüßt. "Die Kunden aus Fernost fahren im März zur R+T Asia nach Shanghai", sagte Geschäftsführer Christian Junkers zur Begründung. "Durchweg positiv" fiel hingegen das Fazit von Erfal aus. Der vogtländische Sonnenschutz-Konfektionär registrierte laut Marketingleiterin Dorina Wießner "rund 600 intensive Kundenkontakte, darunter auch wieder viele Teilnehmer des Insider-Programms ".

Ein uneinheitliches Bild zeichnete auch der Branchenverband ViS für das Sonnenschutzjahr 2012. Nach einem guten ersten Halbjahr und einem schwachen dritten Quartal hätten die Auftragseingänge zum Jahresende wieder zugenommen. Unter dem Strich seien die Verbandsmitglieder durchschnittlich um etwa 2% gewachsen. Für 2013 erwartet der ViS lediglich eine Stagnation der Umsätze.

Firmenübernahmen und Beteiligungen


Dabei ist in der Sonnenschutzbranche sonst nichts so beständig wie der Wandel. Insbesondere seit den Nullerjahren waren die Veränderungen drastisch, von Firmenauflösungen und Insolvenzen bis hin zu monopolähnlichen Konstellationen. Jetzt tritt wieder ein neuer Mitspieler auf den Plan: Die niederländische Fetim-Group hat das Familienunternehmen Liedeco übernommen. Der Sonnenschutz- und Dekotechnik-Anbieter in Uder ist vor allem bekannt als Spezialist für Großflächen wie Bau-, Möbel- und Fachmärkte sowie den Versandhandel. Aber die Mitbewerber im hart umkämpften SB-Geschäft sehen sich mit ihren Vermarktungskonzepten für Herausforderungen dieser Art gut gerüstet - von der Produktauswahl und Artikelpräsentation bis zum Cross-Channel-Marketing. "Die Branche ist im Umbruch", konstatiert zusammenfassend Karl Buchheister, Inhaber des gleichnamigen Anbieters von SB- und Maßprodukten. Die Sauerländer setzen unvermindert auf Wachstum und haben unter anderem die Außendienstmannschaft um drei Mitarbeiter verstärkt.

Von sich reden machte in Frankfurt auch die legendäre Stilgarnituren-Marke Blome. Im Jahr 2008 hatte Prade Wohnakzente in Nufringen das Premium-Label vom B & C-Konzern übernommen, zusammen mit dem SB-Sortiment Indeko. Bei der als Aktiengesellschaft geführten schwäbischen Firma sind nun zwei Hersteller aus der Dekotechnik-Branche eingestiegen: Tilldekor aus Sundern sowie der österreichische Anbieter Schwöller. Man könne von gemeinsamen Synergien profitieren, lautet die Begründung.

Multimedia erleichtert den Verkauf


Für Veränderungen sorgt auch moderne Multimedia-Technologie. So stellte Gardinia Home Decor jetzt virtuelle Verkaufshilfen für Endverbraucher vor. Der Allgäuer DIY-Spezialist setzt am PoS QR-Codes ein. Sie bringen unter anderem Montage- und Produktvideos aufs Smartphone. Und auf der Gardinia-Webseite gibt es einen Online-Konfigurator für maßgefertigte Plissees und Rollos. Der Konsument kann zu Hause die Fensterdekoration selbst gestalten, das konfigurierte Produkt speichern und im Baumarkt bestellen.

Zunehmend populär sind E-Commerce-Systeme für den Fachhandel, weil sie unabhängig von den Geschäftszeiten des Lieferanten sind. Das Angebot reicht von der Bestellung und Auftragsverwaltung bis zur Produktkonfiguration in 3D-Ansicht.

Immer wieder im Gespräch sind auch Business-to-Consumer-Shops. Ob und wann es sie geben wird, ist derzeit noch nicht klar. Fakt ist aber, dass diverse Firmen Sonnenschutz bereits aktiv im Internet verkaufen, unter anderem über bekannte Versender. Sie bleiben dabei aber lieber anonym. Andere Unternehmen wickeln das Geschäft über Handelskunden ab.

Heimtextil Frankfurt
Neue Produkte
für Baumarktkunden von Gardinia: Flächenvorhänge mit Doppelrollo-Funktion und solarbetriebene Außenrollos.

Internet, Smartphone und Tablet-PC spielen auch bei neuen Automatisierungskonzepten eine wichtige Rolle. Elektrifizierte Jalousien, Rollos & Co. lassen sich mit ihrer Hilfe zentral und sogar von unterwegs bedienen. Das passte letztlich auch zum nach wie vor aktuellen Thema Energieeffizienz, das auch dank der intensiven Werbekampagne von Hunter Douglas für die Wabenplissee-Variante Duette am Laufen gehalten wird. In Halle 5.1. gab es einen kleinen Gemeinschaftsstand von Coulisse und Lienesch. Dort wurde Promotion gemacht für eine Wabenplissee-Kollektion, die unter der Marke Honeycell im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit dem niederländischen Textilveredler erstellt wurde. "Discover Honeycell", lautete der Appell, die Produktalternative zu "entdecken".

Liaison von Doppelrollo und Flächenvorhang


Unter den diesjährigen Neuheiten hatte das Rollo seinen großen Auftritt, da bei verschiedenen Konfektionären turnusgemäß der Kollektionswechsel stattfand. Allerdings legte nur ein Anbieter ein fertiges Rollo-Programm vor, die übrigen gaben ihren Handelskunden auf der Basis von umfangreichen Stoffzusammenstellungen zumindest erste Einblicke.

Das Doppelrollo wird als dekorative und wertige Fensterdekoration weiter gepusht. Neu ist eine Synthese mit dem Flächenvorhang: Die Schiebepaneele mit Doppelrollo-Funktion können horizontal und vertikal reguliert werden.

Durchgängig in allen Sonnenschutzgattungen sind Farb- und Coordinate-Konzepte populär. Dessins können nach dem Mix & Match-Prinzip auch produktübergreifend miteinander kombiniert werden. Für den Objektbereich vorgestellt wurde eine Screen-Serie, die nach Öffnungsfaktoren gegliedert ist.


Stimmen aus dem Handel


Bernd Kaufmann, Raumausstatter aus Weimar

Auf der Heimtextil wird leider nicht mehr das breite Spektrum für den Handwerker gezeigt. Beispielsweise war nur je ein Anbieter von Werkzeugen und Maschinen da; auch Großhändler und viele Textilverlage haben gefehlt.

Beim Rundgang durch die Hallen ist mir aufgefallen, dass die Produkte immer verspielter und dadurch zum Teil einfach zu teuer werden. Für das Handwerk ist das der falsche Weg. Wir sollten dauerhafte Produkte anbieten und nicht wie der Handel darauf setzen, dass der Kunde möglichst bald etwas Neues kauft.


Peter Gerhart, Raumausstatter aus Aschaffenburg

Ich bin insgesamt enttäuscht, weil weder auf Heimtextil und Imm Cologne, noch auf Domotex und BAU viel Innovatives gezeigt wurde. Trotzdem sind mir die Klebemontage von MHZ und die Farbenvielfalt der Doppelrollos von Erfal in Erinnerung geblieben.

aus BTH Heimtex 02/13 (Wirtschaft)