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Heimtextil 2013

Deutlich mehr Klasse als Masse

Ungeachtet schwächelnder Einzelhandelsumsätze zum Jahresende kamen entspannt gestimmte Bettenfachhändler und Haustextilien-Einkäufer zur diesjährigen Messe Heimtextil 2013 in Frankfurt. Die Anbieter von Haustextilien auf der Messe jedenfalls berichten von guten Kontakten und zum Teil sogar interessanten Orders, obwohl Frankfurt im Allgemeinen nicht als Ordermesse im Haustextil-Sektor gilt. Die Messe selbst freut sich über eine leicht erhöhte Zahl von Ausstellern bei leicht rückläufiger Zahl der Besucher.

Rund 66.000 Besucher fanden Anfang Januar den Weg zur Frankfurter Heimtextil. Dort warteten 2.658 Aussteller auf sie. Während die Zahl der ausstellenden Firmen im dritten Jahr in Folge gesteigert werden konnte, ging die Zahl der Besucher um knapp 1.500 oder fast zwei Prozent zurück. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme im Ausland zeigt sich die Messeleitung damit zufrieden, schließlich liegt der Anteil der ausländischen Besucher bei rund 66 Prozent. "Damit hat die Heimtextil auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten hervorragende Ergebnisse erreicht und ihre Alleinstellung als weltweite Leitmesse für Wohn- und Objekttextilien untermauert', stellt Detlef Braun fest, Geschäftsführer der Messe Frankfurt.

Auch in den Hallen 8 und 11, den für das europäische Geschäft mit Haustextilien maßgeblichen Hallen, war die Stimmung unter den Ausstellern per saldo gut. Hans-Dieter Giesen, Verkaufsleiter von Bierbaum Wohnen: "Die Frequenz in diesem Jahr war in den ersten beiden Tagen ausgesprochen gut. Wir haben wertmäßig und auch stückzahlmäßig wesentlich besser geschrieben als in den letzen zwei Jahren, sodass wir die Heimtextil als eine der besten Messen der letzten Jahre bewerten.' Ähnlich sieht es Hans-Jürgen Schmänk von Biberna Schmänk: "Die Frequenz auf der Messe ist insgesamt zwar rückläufig, aber bei uns wurde noch richtig geschrieben.' Josef Kölker, Geschäftsführer bei Wülfing: "Die Heimtextil ist nach wie vor die wichtigste Messe für uns.'

Neben der Bettwäsche waren auch die Bettwaren-Anbieter mit der Messe zufrieden. Stellvertretend dafür Christoph Bäumer, Gesamt-Vertriebsleiter bei Traumina: "Wir hatten bis Freitag gut zu tun und sind sehr zufrieden mit der Messe.' Markus Stüssi, Geschäftsführer des Schweizer Frottier-Herstellers Weseta, stößt in das gleiche Horn: "Von der Zahl und der Qualität der Gespräche war die Messe für uns richtig gut.'

Unter den Firmen hat sich die Erkenntnis breit gemacht, dass längst nicht mehr so viele Besucher wie noch vor Jahren nach Frankfurt kommen. Die Zeiten knallvoller Hallengänge sind einfach vorbei. Das liegt auch an dem Strukturwandel im deutschen Handel mit nur noch zwei Kaufhauskonzernen und der damit einhergehenden Konzentration des Einkaufs innerhalb von Handelsunternehmen auf wenige Zentraleinkäufer. Und der inhabergeführte Fachhandel hat heute weder die Zeit noch das Geld, um sich mit einer Entourage von Mitarbeitern über die Neuheiten zu informieren. Quantitativ ist die Zahl der Messebesucher aus Deutschland daher zwar zurück gegangen, qualitativ aber nicht. Das Einkaufsvolumen konzentriert sich lediglich auf weniger Leute: Mehr Klasse als Masse auf der Messe.

Dennoch setzt die Messegesellschaft alle Hebel in Bewegung, um der rückläufigen Besucherzahl entgegenzuwirken und versucht die Attraktivität der Messe für die Besucher zu steigern. Dazu zählt unter anderem das Besucherprogramm "Bedn Excellence", durch das 1.000 Bettenfachhändler gratis auf die Messe kommen. Außerdem stellt die Messe auch seit Längerem das Vortragsprogramm "Lets talk about" auf die Beine, das auch die Fachhändler interessieren müsste. In diesem Jahr boten die Vorträge am ersten Messetag ein Fachforum für erfolgreiches Werben und Verkaufen im Internet speziell für den stationären Einzelhandel. Die Teilnehmer erhielten dort konkrete Tipps und Hinweise, wie sie ihr Unternehmen auf das Internet ausrichten.

Sichtlich erfreut ist die Messe über einige Firmen, die in diesem Jahr wieder oder sogar erstmals in Frankfurt ausstellten. Zu den Rückkehrern in Halle 8 gehören Häussling, die Bettwaren-Tochter von Frankenstolz und Tempur. Das für seine Schlafsysteme bekannte Unternehmen stellte in Frankfurt seine Kissen und Bettwaren in den Vordergrund, Tempur-Matratzen waren auf dem Stand nicht zu finden. Das Unternehmen wäre in diesem Jahr nach einjähriger Pause gerne wieder nach Köln zur Möbelmesse gegangen, fand aber in der Halle 9 keinen Platz. Es bleibt daher abzuwarten, ob die Teilnahme in Frankfurt ein kurzes Intermezzo war, oder ob das Unternehmen im kommenden Jahr beide Messen beschicken wird.

Ebenfalls in Halle 8, der klassischen Halle für den deutschen Fachhandel, war im Januar der Matratzenanbieter Breckle Weida zu finden. Auch dieses Unternehmen setzte 2012 mit seiner Beteiligung an der Möbelmesse aus. In diesem Jahr konnte die Kölnmesse der Firma mangels Fläche in der Sleep-Halle 9 nur einen Platz in der Halle 1 anbieten. Die Beteiligung an der Heimtextil dürfte daher als Versuchsballon gewertet werden. Nach der Besucherfrequenz auf dem Stand zu urteilen, scheint er nicht sonderlich erfolgreich verlaufen sein.

Der absolute Renner in der Design-orientierten Halle 11 war die spanische Fashion-Marke Desigual, die in Frankfurt erstmals mit Bettwäsche präsent war. Mehmet Kardesler vom deutschen Vertriebsbüro war überwältigt von der Resonanz der Besucher: "Noch nie habe ich solch einen Kundenandrang erlebt. Nonstop hatten wir Gespräche. Bereits nach drei Tagen hatten wir 2.000 Kundenkontakte, darunter viele Entscheider mit konkreter Kaufabsicht. Es war ein sehr erfolgreicher Messeauftritt, so dass es keine Zweifel an einer erneuten Teilnahme gibt', erklärte Kardesler gegenüber der Messegesellschaft.

Dafür fehlte in diesem Jahr die auf den letzten beiden Messen mit viel Aufmerksamkeit bedachte Marke Escada von Erbelle Spirit, einer Beteiligung der HK Holding in Neustadt/Aisch, zu der auch Estella gehört. Inzwischen haben sich Noam Engber, Geschäftsführer von Erbelle Spirit, und HK Holding dazu entschlossen, getrennte Wege zu gehen. Es habe unterschiedliche strategische Auffassungen gegeben, so Engber. Seitdem liegen die Escada-Home- wie auch die Mexx-Home-Lizenz bei der neu gegründeten SL Spirit, ebenfalls unter der Leitung Noam Engbers. "Alles bleibt wie es war, nur der Firmenname hat sich geändert', erklärt Engber gegenüber der Haustex.

Heimtextil Frankfurt
Joop/Elegante, Bielefeld
Heimtextil Frankfurt
Kleine Wolke, Bremen
Heimtextil Frankfurt
Schlossberg, Turbenthal/CH
Heimtextil Frankfurt
Irisette Bettwäsche, Velen-Ramsdorf
Heimtextil Frankfurt
Proflax, Tübingen

Die Entscheidung, mit Escada nicht nach Frankfurt zu gehen, begründet er zum einen mit dem Fehlen weiterer internationaler Designer-Marken in Frankfurt. Unter anderem bezieht er sich auf die Marke Hugo Boss, die auch nicht ausstellte. Dadurch ist seiner Meinung nach nicht das nötige Umfeld für die international aufgestellte Marke Escada gegeben. Zum anderen treffe er in Frankfurt trotz der großen Internationalität der Messebesucher nicht die internationalen Kunden, die er gerne erreichen möchte. Sollte sich daran etwas ändern, sei er gerne wieder bereit, auf der Heimtextil auszustellen.

Engber erwägt, im Herbst auf die Maison&Objet in Paris zu gehen. Außerdem hat die neue SL Spirit einen Stand auf den ABK Open im Juni in Halle gebucht. Dort wird der qualifizierte Fachhandel also Artikel von Escada ordern können. Mexx-Bettwäsche fand man wenigstens, wenn auch etwas verschämt präsentiert, bei dem niederländischen Vertriebspartner Bedding House.

Sieht man einmal von dem optisch gewagten Stand von Desigual als Attraktion der Messe ab, wartete die Heimtextil, zur Enttäuschung einiger Besucher, mit keinen wirklich bahnbrechend-innovativen Produkten auf. Woher sollten sie aber auch kommen, angesichts einer Industrie, die seit Jahrzehnten versucht, das textile Thema mehr oder minder innovativ zu variieren? Neuheiten entdeckt man daher eher im Detail, in einer neuen Faser beispielsweise.

Wenn die Messeteilnehmer wirklich etwas bewegte, dann war es die Entwicklung der Daunen-Preise, die im letzten Jahr rasant gestiegen sind. Fachleute aus der Bettwarenbranche haben auch wenig Hoffnung, dass sich die Lage über kurz oder lang entspannen wird. Dazu sind die Marktfaktoren zu fundamental: Es werden immer weniger Gänse geschlachtet und der chinesische Markt als eine der wichtigsten Quellen für Federn und Daunen hat einen immer höheren Eigenbedarf. Das Angebot hochwertiger Daunen auf dem freien Markt verknappt sich dadurch signifikant. Eine Decke aus 100 Prozent reinen Daunen wird durch die Preiserhöhungen immer mehr zu einem Luxusartikel. Branchenkenner befürchten gar, dass die Preisentwicklung dazu führt, dass immer mehr Konsumenten, sogar im traditionell Daunen-freundlichen Deutschland, nach preiswerteren Alternativen suchen. Die Faserindustrie hat in den letzten Jahren auch nicht geschlafen und funktionell wie preislich interessante Produkte entwickelt. Nur gut für die Bettwaren-Branche, dass sich wenigstens die Lage auf dem Baumwoll-Markt beruhigt hat. Die Preise für Rohbaumwolle haben sich auf einem Niveau eingependelt, mit dem die gesamte textile Kette, vom Baumwoll-Farmer bis zum Textilbetrieb, recht gut leben kann.

In den letzten Jahren war gerne auch mal der Aussteller-Besatz in der Halle 8 Thema bei den ausstellenden Firmen, gerade nach der Eröffnung der Halle 11, als das eine oder andere Unternehmen in die neue Halle umzog. Damals bestand die Befürchtung einer Mieter-Erosion in der traditionellen Haustex-Halle 8. Inzwischen scheinen sich die Gemüter beruhigt zu haben. Wenn die Halle 8 in den Gesprächen mit der Haustex überhaupt thematisiert wurde, dann in der Hoffnung, dass es so bleibt, wie es ist.

Anders allerdings bei der Frage der Terminierung der Heimtextil. Es ist unübersehbar, dass spätestens ab dem Freitagnachmittag die Zahl der Besucher deutlich zurück geht. Der Sonnabend kann dann bei den meisten Ausstellern aus Halle 8 ohne Probleme dafür genutzt werden, sich selbst einmal auf der Messe umzuschauen. Der Bruch in der Besucherfrequenz wird in den Gesprächen darauf zurück geführt, dass angestellte Entscheider und Einkäufer den Sonnabend lieber zuhause als auf der Messe verbringen. Selbständige müssen aber auch am für den Umsatz wichtigen Sonnabend im Geschäft stehen, so dass sie den Besucherrückgang an dem Tag nicht kompensieren können. Der mehrfach vorgetragene Vorschlag: Messebeginn am Dienstag mit dem Freitag als letztem Messetag. Das Ansinnen zeugt zwar von einer gewissen Logik, rührt aber an der jahrzehntelangen Tradition der Messe Frankfurt, dass die Heimtextil immer am zweiten Mittwoch des Januars beginnt. Außerdem gibt es auch Bettenfachhändler, die ganz bewusst zum Schluss der Messe nach Frankfurt reisen, da dann die Hotelpreise schon deutlich günstiger geworden sind und die Gesprächspartner von der Industrie deutlich entspannter sind, weil sie nicht mehrere Kunden gleichzeitig zufriedenstellen müssen.

Andererseits verpasst man dann am Messe-Donnerstag die Verleihung des Haustex Stars an die Bettenfachhändler des Jahres und die im Anschluss daran von der Messe Frankfurt ausgerichtete und vom Heimtextil-Verband unterstützte Party "afterwork@heimtextil". In diesem Jahr fanden die beiden Veranstaltungen an prominenter Stelle mitten in der Halle 8 statt und nicht mehr im hinteren Bereich. Ein fliegendes Büffet und leckere Cocktails, alles gratis wohlgemerkt, sorgten für das leibliche Wohl der Gäste. Außerdem machte in diesem Jahr erstmals eine schmissige Life-Band beste Party-Stimmung. Mancher Preisträger bereute es angesichts der tollen Stimmung, seinen Zug so früh gebucht zu haben. Wer im kommenden Jahr Donnerstag und Freitag zur Messe kommt, sollte sich diesen Abendtermin unbedingt vormerken.

Die nächste Heimtextil findet statt vom 8. bis 11. Januar 2014.

aus Haustex 02/13 (Wirtschaft)