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Maison & Objet

Paris im Winter

Es waren ganz neue Erfahrungen für die Messebesucher in Paris-Villepinte. Sturm, Regen und Kälte an den Messetagen im Januar kannte man schon - knirschender Schnee unter den zielstrebigen Schritten der von weither Angereisten wurde als zusätzliches Event empfunden. Das hielt allerdings fünf Messetage lang an, sorgte für ordentliche Verkehrsbehinderungen, die besonders die Franzosen an dem für sie wichtigen Ordermesse-Besuch hinderten. Ansonsten wirkte die vielschichtige Branchenmesse Maison & Objet auf die Besucher aus aller Welt unverändert anziehend und inspirierend.

Mit "Vivant", dem Saison-Trendbegriff für Frühjahr/Sommer 2013, will die Maison & Objet ein Leitmotiv für "Intensives Leben" in der Gegenwart geben. Die bekannten französischen Stilisten Elisabeth Leriche, Franois Bernard und Vincent Grégoire- Nelly Rodi interpretierten vor den Hallen 1, 2 und 3 ihre Vorstellungen dazu mit Produkt-Präsentationen, die zwar sicher nicht allgemein vom Schaupublikum voll verstanden wurden, aber Phantasie und Neugier anregten. Der Besucherstrom setzte sich in Bewegung, von vornherein unter dem Druck, nichts zu versäumen und möglichst viele Eindrücke mitzunehmen, aus welcher Branche und Region der Welt man auch immer kommt. Einfach ausgedrückt geht es um Lebenskunst. Die entmaterialisierte und virtuelle Welt möchte zu einem harmonischen Lifestyle mit mehr Bezug zur Realität zurückfinden. Neue Vitalität erobert die Natur. So trägt Design zur "biologisch inspirierten" Welt bei. Einrichtungswelten sind lebendig und leisten Beitrag zum Prozess des Wiederbelebens. Man entdeckt die ursprüngliche Kraft unverfälschter Lebensmittel wieder und erforscht Möglichkeiten, emotionalen Komfort zu schaffen, wo das Schöne dominiert. So die Philosophie der Messe, die sie über ihre kreativen Mitgestalter und natürlich auch die Aussteller-Konstellation in den acht Hallen weitergibt.

"Orte hinterlassen Empfindungen", sagt der "Designer des Jahres 2013 für Scènes dintérieur" in Halle 7, wo freie Designer und große Unternehmen hochwertige Dekorationsprodukte anbieten und die eine exklusive Bühne für Modemarken zur Einführung ihrer Kollektionen für den Einrichtungsbedarf darstellen. Design hat Langzeitwirkung, auch wenn sich modische Vorstellungen verändern.

Im Januar findet in Halle 7 jährlich der Treff internationaler Premiumaussteller mit Dekostoffen für Möbel, Tapeten und Wandverkleidungen statt. Dieses Jahr feierte die "Maison & Objet editeurs" mit 150 Teilnehmern ihr zehntes Jubiläum.

Synergieeffekte und vielfältige Geschäftsmöglichkeiten bieten sich ebenfalls den Akteuren der "Meuble Paris", die nach dem Ausbau ihrer Aktivitäten auf den internationalen Märkten, besonders im Bereich Planung, streben. Ihre Stände verteilten sich auf die Hallen 1, 4, 5A, 5B, 6, 7 und 8.

Der Rahmen ist enorm weit gespannt

Halle 8 mit "now! design à vivre" ist die jüngste Halle, aber auch die beeindruckendste mit dem branchenübergreifenden und selektiven Angebot an Design-Möbeln, Einrichtungen bis zum Badezimmer und Dekogegenständen. Sie bezeichnet sich gern als Plattform für die französische Nouvelle Vague, obwohl viele italienische Formgeber mit exklusiven Modellen hier vertreten waren. Auf jeden Fall war dieses Jahr oft in den Fachgesprächen die "imm Cologne" erwähnt worden.

Maison & Objet
Maison & Objet Paris im Winter
Maison & Objet
Traumina Exzeptionelle Bettwaren in auffallender Farbgebung
speziell präsentiert für den französischen und internationalen Markt.
Maison & Objet
Svad Dondi Absoluter Luxus aus Italien: "Blumarine" aus Jacquard in pudrigen Tönen, reich bestickt mit Perlen und Kristallen
Maison & Objet
Luiz Jedes Modell ein individuell gefertigtes Premium-Unikat
der deutschen Manufaktur, für Privathaushalte, Einrichter, Möbelgeschäfte, Raumausstatter des gehobenen Genres

Das klügste und strengste Zeitmanagement wird auf dem Messelauf durch die Hallen durchbrochen, egal, ob von künstlerischer, kreativer oder Handelsseite her. Dieses Inspirations-Kalkül der Messe geht immer wieder auf - trotz schlechter Wetterbedingungen und Ermüdung. Aussteller und Besucher klagen hier nicht so schnell, obwohl es auch hier Gründe dafür gäbe. Die Besucher-Frequenz allerdings, vor allem die ersten drei Tage lang, wurde sehr unterschiedlich beurteilt. Die französischen Aussteller mussten lange oder auch umsonst auf ihre Handelskunden warten.

Hervorragend funktionierte der von Paris aus klar gestellte Anspruch auf Internationalität. Wer auf der Maison & Objet ausstellt oder dorthin fährt, um zu kaufen oder um sich zu informieren über weltweit umfassende Einrichter-Ideen, richtet sich nach international erkennbaren Ansprüchen. In dieser Hinsicht gab es unabhängig von den Nationalitäten einstimmig Zufriedenheit.

Für den breiten Bereich der Heimtextilien- und Einrichterbranche gab es unzählige bedarfs- und trendgerechte Konsumlösungen, die auf Synergien und Sortimentserweiterungen auch in noch nicht erprobte und unkonventionelle Richtungen ausgerichtet waren. Natur und Natürlichkeit spielten sichtbar in den Materialien eine Rolle. Auch konnte man aus den Standpräsentationen, besonders im Haustextilienbereich, die Lust an Reisen, Freiheit und unkomplizierter Lebensführung erkennen. Vielleicht war es Zufall, aber sowohl im exklusiv teuren Bereich in Halle 8 als auch an den emotional gestalteten Ständen in der Textil-Halle 2 tauchten Camping- oder edle Feldbetten auf, auf denen sportliche und romantische Bettwäsche, viele unterschiedliche Kissenformen und weiche, fantasievoll gestaltete Überwürfe und Plaids, oft in ganz kräftigen Farben, Streifen, Karos, oder ländlich lieblich verbrämt in zarten Dessins, sich häuften. Auffallend war auch die Liebe zur gesamtheitlichen Gestaltung des Wohnraums. Dem Wohnstil angepasste Teppiche eigener Herstellung zeigten unter anderen auch Hersteller von hochwertiger Bett- und Badwäsche (Fischbacher).

Fast unvergleichbar größer war in Halle 2 das Angebot an Luxus- und Premium-Marken. Das wurde gesucht von Fachbesuchern aus der weiten Welt, vor allem aus Ostasien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Nordamerika und Russland. Sie fanden Gefallen an handwerklichen Details, an "europäischen" Spezialitäten und besonders an klanghaften Markennamen aus der Modebranche. Diese Kollektionen reihten sich in der Textil-Halle auf, an der begehrten Premium-Zeile entlang des roten Teppichs: die italienischen Luxus-Anbieter Frette, Somma, Dondi und die französische Elite-Gruppe Yves Delorme mit den Lizenzen Olivier Desforges und Kenzo. 180 Jahre Firmengeschichte als Jacquardweber waren allerdings für Garnier-Thiebaut Anlass genug, diesmal in die erste Reihe zu rücken. Interessiert nahm man auch Notiz von Bettwaren und Matratzen, die im Design-Angebot bisher noch nicht so häufig zu finden waren - wie Traumina, Billerbeck, Technogel.

Die nächste Maison & Objet in Paris findet vom 6. bis 10. September 2013 statt.

aus Haustex 03/13 (Wirtschaft)