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Besuch in der ISP-Geschäftsstelle Heimberg

"Die Schweiz verlegt mehr Parkett als Laminat"


Die Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkettindustrie startete 1968 als reiner Herstellerverband. Ende 1982 kamen Handwerker und Händler ins Boot. Auch Zulieferer wollten mitmachen, aber es dauerte bis 2004, ehe in den Statuten eine Gastmitgliedschaft eingeführt wurde. Heute sind Zulieferer eine wichtige Stütze, gerade bei der Herausgabe aktueller Merkblätter. ParkettMagazin besuchte die ISP-Geschäftsstelle und fragte Bernhard Lysser, den Geschäftsführer der ISP, nach den Aufgaben des Verbandes. Ein weiteres Thema war der Schweizer Parkettmarkt.

Heute hat die ISP 17 Mitglieder der Gruppe Produktion & Handel, 169 Mitglieder der Gruppe Verlegung und 21 Gastmitglieder. Die Geschäftsstelle in Solothurn wurde Ende 2012 aufgehoben und zur ISP-Technik nach Heimberg verlegt. Sie ist ein "Familienbetrieb". Nach dem Ausscheiden von Walter Pretelli hat Bernhard "Benny" Lysser wieder die Leitung übernommen. Seine Frau Monika ist für die Buchhaltung verantwortlich und Tochter Katja leitet nicht nur das Sekretariat, sondern gibt auch technische Auskünfte. Diese Aufgaben möchte sie beibehalten, wenn ihre Eltern in den Ruhestand gehen. Denn Bernhard Lysser will sein Amt im Höchstfall noch vier Jahre ausüben. Deshalb ist der ISP-Vorstand gefordert, rechtzeitig nach einem Nachfolger Ausschau zu halten. Das könnte ein Holzspezialist mit Erfahrung im Gesamtbereich Boden sein. Technisch versiert müsste er sein, in allen Fragen rund um die Fußbodenverlegung und Produkte. Aus gutem Grund: Die ISP finanziert sich nämlich zur Hälfte aus kostenpflichtigen technischen Dienstleistungen. Gerade in diesem Bereich hat sich Bernhard Lysser besonders verdient gemacht. Europaweite Anerkennung erhielt der Sachverständige - in der Schweiz Oberexperte genannt - im laufenden Jahr durch die Verleihung des FEP Awards.

Bekannt über die eidgenössischen Grenzen hinaus ist Bernhard Lysser seit Jahrzehnten. Ausländische Parketthersteller beauftragen ihn bei Reklamationen in der Schweiz mit Expertisen und sparen sich die Entsendung eigener Fachleute. Zudem verfasst er Artikel für die Zeitung des Schweizerischen Hauseigentümerverbandes. Solche und andere Aktionen führen zu immer mehr Anfragen. Ständig klingelt in der Geschäftsstelle das Telefon, auch wenn die ISP derzeit keine weitere Werbung macht. Lysser: "Wir beantworten bis zu 4.000 telefonische Anfragen und rund 5.500 Mails pro Jahr. Das reicht von Schallberatung bis zu Denkmalaspekten quer durch die Thematik der Baubranche." Technischen Rat holt sich sowohl der Endverbraucher als auch der Architekt. Wenn Bernhard Lysser unterwegs ist - und das ist er oft, denn er erstellt rund 100 Gutachten pro Jahr - können in vielen Fällen auch Monika und Katja Lysser Auskunft geben. "Ich mache ausschließlich Diktate und die Damen schreiben diese Texte", erläutert Bernhard Lysser, "dadurch haben sie sich selbst ein großes Fachwissen angelesen."

Anfragen für Gutachten kommen, laut Lysser, zu etwa 10 bis 12% aus dem gerichtlichen Bereich. Schwerpunkte liegen bei Holz, Laminat, Kork und Terrassendielen. Auch Designvinyl, so Lysser, ist bei Gutachten zunehmend ein Thema. "Aber in unserer täglichen Beratung machen wir keine Werbung für Vinylböden."

Zu Dielen mit stark strukturierter Oberfläche hat die ISP ein Merkblatt erstellt: Als Info für den Handwerker, der eine solche Verlegung scheut, weil man den Boden angeblich nicht renovieren könne. "Vor drei Jahren habe ich noch ein Gutachten geschrieben, wo eine gebürstete Räuchereiche, die vom Maler mit Spritzfarbe verunstaltet wurde, rausgerissen werden musste", sagt Bernhard Lysser. "Heute erklärt unser Merkblatt, wie man diesen Boden renovieren kann, ohne ihn komplett zu entfernen."

Mit solchem Wissen ist Lysser ein gefragter Referent bei Weiterbildungen. Parketthersteller und Zulieferer engagieren ihn. Verbandseigene Seminare bietet die ISP an unterschiedlichen Standorten. Die werden Anfang des Jahres ausgeschrieben und können auch von Nichtmitgliedern besucht werden. Weitere Schulungen bietet die ISP in Oberentfelden in Verbindung mit Bodenschweiz, dem Verband der schweizerischen Fachgeschäfte für Linoleum, Spezialbodenbeläge, Teppiche und Parkett. Der Ausbildungsgang zum Parkettleger findet im ersten Jahr gemeinsam mit den Bodenlegern statt. Dann haben beide Berufe zwei getrennte Jahre. Sie können aber ein Zusatzjahr dranhängen, um die Vollausbildung der jeweils anderen Sparte zu absolvieren. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Weiterbildungen: Teamleiter Baustelle, Chefbodenleger mit Fachausweis, Bodenlegermeister mit Diplom. Auch zum Parkettberater kann man sich in vier Tagen schulen lassen. Im Dezember 2013 vertieft ein Modulkurs Fertigparkett-Musterverlegung vorhandene Praxiskenntnisse zu vollflächig geklebten Fertigböden inklusive Fischgrätmuster. Anmeldungen sind bis zum November möglich.

Als größter Hersteller hat Bauwerk ein verbrieftes Recht auf einen Sitz im ISP-Vorstand. Klaus Brammertz, ehemaliger CEO von Bauwerk und jetziger Chef der Bauwerk-Boen-Group stehe voll zu dem Verband, sagt Lysser. "Auf diesen Hersteller können wir deshalb bei Problemen direkt zugehen und ihn um Hilfe bitten. Ein solch gutes Verhältnis haben wir aber auch zu den meisten Parkettproduzenten in Europa."

ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
ISP-Geschäftsstelle im kleinen Gewerbegebiet von Heimberg bei Bern.
ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
Fehlverleimungen im und oberhalb des Sperrholzträgers sind Hauptprobleme bei manchem Chinaparkett. Wurmlöcher gibt es mitunter auch.
ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
Monika Lysser betreut in erster Linie die ISP-Buchhaltung, kann aber durchaus auch fachlichen Rat in Parkettfragen geben.

Parkett hat 17% Anteil an Bodenbelägen


Die Schweiz ist ein Holzland. Hier wird mehr Parkett verlegt als Laminat. Laut EUF-Marktinformationen 2012 hat Parkett einen Anteil von 17% an Schweizer Bodenbelägen, Laminat kommt auf 15%, Teppichboden auf 18%. Fliesen machen 30% aus und sonstige Beläge sind mit 20% vertreten. Dabei ist Laminat nicht immer preiswert. Tischler und Bodenleger sind es, die in der Schweiz dieses Produkt verkaufen. Der Parkettleger macht es auch. Zwar findet man in seiner Ausstellung relativ wenig Laminat, aber ein Geschäft, so urteilt Lysser, wird er sich nicht entgehen lassen.

Die Parkettproduktion in der Schweiz ist nach ISP-Statistik im vergangenen Jahr um 15,8% auf 1,5Mio.m gesunken. Überwiegend geht es dabei um Fertigparkett von Bauwerk. Massivparkett (52.000 m) und Mosaik- und Lamparkett (29.000 m) produzieren daneben nur wenige kleine Hersteller. Es sind meist
Familienbetriebe, die Spezialitäten herstellen: Schmid in Alpnach, Wey in Wolhusen und mit immerhin rund 20 Mitarbeitern Parquet Les Breuleux - ein Unternehmen der holzverarbeitenden Corbat Holding. Verlegeteams unterhalten die Hersteller nicht. Das, so Lysser, sei in der Schweiz verpönt. Auswahl und Verkauf eines Parketts laufen entweder über einen Handwerker, der gemeinsam mit seinem Kunden das Produkt bestimmt, oder der Endverbraucher besucht den Schauraum eines Herstellers. Dort wird ihm auch die Empfehlung eines geeigneten Verlegers mitgegeben.

Der Schweizer Parkettmarkt ist im ersten Halbjahr 2013 stabil geblieben. Zwar waren die ersten beiden Quartale durchaus unterschiedlich - durch das Wetter haben sich Aufträge nach hinten verschoben - angesichts des Aufholbedarfs glaubt Lysser aber an eine gute zweite Jahreshälfte.

Der Inlandsverbrauch an Parkett hat sich in den vergangenen zwei Jahren nämlich kaum verändert. Er betrug nach letzter Zählung 5,825Mio.m. Entsprechend groß ist die Menge an Importware. 5,765Mio.m waren es 2012. Viel davon kommt aus Nordeuropa, Dreischichtprodukte von Kährs, Karelia und Boen etwa. Auch Deutschland und Polen liefern Parkett in die Schweiz. China-Ware hat nicht die Markthoheit, sorgt, laut Lysser, aber öfter für Reklamationen: "Hauptprobleme sind Fehlverleimungen innerhalb des Sperrholzträgers oder im Verbund zur Deckschicht. Zu Schäden kommt es dann, wenn das verlegte Parkett im Winter trocknet."


ISP - Interessengemeinschaft der Schweiz. Parkett-Industrie


In der ISP (Interessengemeinschaft der Schweiz. Parkett-Industrie) sind schweizerische Hersteller, Importeure, Händler und Verleger von Parkett sowie Zulieferer von Hilfsmaterialien und Werkzeugen zu einem Verband zusammengeschlossen. Die ISP hat aktuell 242 Mitglieder. Ziel der ISP ist es, die gemeinsamen Interessen der Mitglieder und der ganzen Parkettbranche in den Bereichen Kommunikation (Werbung), Technik und Berufsförderung zu fördern.

www.holz-parkett.ch, isp@bluewin.ch

aus ParkettMagazin 05/13 (Wirtschaft)