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Interview mit Bernhard Lysser zu Terrassenböden

"Die Problematik bei Holzterrassen ist in ganz Europa gleich"


Der Bau von Holzdecks hat auch in der Schweiz Konjunktur. Aber eine für nackte Füße geeignete Oberfläche erhebt hohen Anspruch an die Holzqualität und hat ihren Preis. "Die verbreitete Erwartung, dass ein Terrassenrost die Erweiterung eines Parkettbodens im Außenbereich sein soll, kann schlichtweg nicht erfüllt werden", steht in einer jungen Fachbroschüre der Holzwirtschaft Schweiz. Benny Lysser hat daran mitgearbeitet.

ParkettMagazin: Herr Lysser, wie viele Ihrer Expertisen befassen sich mit Outdoor-Böden?

Bernhard Lysser: Bei rund 10% geht es um Holzterrassen im Außenbereich.

PM: Wer ruft Sie zu Gutachten über Terrassen?

Lysser: Oft sind es die Hersteller, aber auch Architekten. Terrassen sind jedoch nicht anfälliger gegen Schäden als Parkett. Es gibt bei diesem Produkt nicht mehr oder weniger Gutachten und Anfragen.

PM: Welche Holzarten verlegen die Schweizer vor ihrer Tür?

Lysser: Eigentlich alles, was es auf dem Markt ist. Es gibt aber regionale Unterschiede. Viele entscheiden sich für Nadelholz, zum Beispiel Lärche. Große Hotels nehmen auch andere Holzarten. Natürlich findet WPC eine Abnahme. Und je teurer Haus oder Wohnungen, desto eher wird zu Tropenholz gegriffen.

PM: Also das klassische Bangkirai?

Lysser: Nein, das ist weniger verbreitet. Es gab zu viele Probleme mit Rissen und Verdrehungen. Eher wird Ipé genommen. Wer viel Geld hat, kauft Teak. Und der österreichische Hersteller Tilo hat sich gut mit Thermoesche etabliert.

PM: In der Schweiz gibt es doch sehr unterschiedliche Klimazonen.

Lysser: Wir haben natürlich in Skigebieten ganz besondere Bedingungen. Aber grundsätzlich ist die Problematik von Holzterrassen in ganz Europa eigentlich gleich. Vor wenigen Monaten haben wir eine dicke 40 seitige Broschüre unter dem Titel "Lignatec -Terrassenbeläge aus Holz" herausgegeben. Da ist alles zu Terrassenböden drin.

ISP Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkett-Industrie
Wenn Bernhard Lysser in ein paar Jahren die ISP-Geschäftsführung abgibt, muss sein Nachfolger in große Fußstapfen treten.

PM: Welche Probleme entdecken Sie bei Gutachten zu Terrassenböden?

Lysser: An erster Stelle steht eine unsachgemäße Verarbeitung. Entweder passt die Unterkonstruktion nicht zur Diele, es fehlt die Distanz zur Auflage oder Schrauben sind zu klein. Manchmal wird vor dem Einbau die Holzfeuchtigkeit nicht kontrolliert oder im Unterbau wird zu günstiges Holz eingesetzt. Dort müsste eigentlich das teurere Holz liegen, denn oben kann man Dielen austauschen, den Unterbau aber nicht mehr. Rissbildungen sind normal. Stehende Risse sind nicht gefährlich, flach verlaufende schon. Es gibt Produkte, wie eine gepresste Bambusdiele, die mit der Zeit so stark splittert, dass man nicht mehr barfuß gehen kann. Und schließlich findet man sogar Dielen mit Wurmlöchern durch importierte Schädlinge.

PM: Was halten Sie von WPC?

Lysser: Für mich ist alles, was unter 50 % Holzanteil hat, nicht brauchbar. Da schwimmen die Holzteile im Kunststoff und berühren sich nicht. Ein solch hoher Kunststoffanteil bedeutet, dass statische Aufladungen erfolgen und man elektrische Schläge bekommen kann. Wir mussten dieses Jahr bereits drei solcher Terrassen erden. Der Fehler ist oft, dass die Herstellerangaben zur Verlegung nicht gelesen werden. Da ist nämlich eigentlich alles vorgegeben.

PM: Und Gemische, die auf andere Bestandteile als Holz setzen?

Lysser: Reishülsen oder andere Inhalte verhalten sich wie Holz. Probleme treten höchstens mit Bambusfasern auf. Bambus wird sehr schnell schwarz. Aber auch anderes WPC verändert sich unter UV-Bestrahlung.

PM: Der Verbraucher wundert sich oft, wenn seine Terrasse die frische Farbe verliert.

Lysser: Ja, beispielsweise wird Akkoya-getränktes Holz nach einem Jahr unansehnlich und erhält erst im Laufe von etwa zwei Jahren seine silberne Graufarbe. Das muss kommuniziert werden. Das muss der Kunde wissen.

PM: Was sagen Sie zum Thema Pflege?

Lysser: Einmal im Jahr reicht nicht aus. Bereits nach zwei bis drei Wochen setzt eine Vergrauung ein. Um die Originalfarbe zu behalten, muss man schon zweimal bis dreimal im Jahr aktiv werden. Der Endverbraucher, der das Geld hat, lässt das durchaus machen. Parkettleger könnten hier den Fuß in der Tür halten und auch im Außenbereich ihren Pflegeservice anbieten. Das ist eine gut bezahlte Arbeit.

aus ParkettMagazin 05/13 (Wirtschaft)