Studie Bodenbelagsmarkt
Stellenmarkt
Branchen-Planer

Belgien Special

Artikel-Archiv


Bauwerk: Neue Unternehmensstrukturen

Umfassende Investitionen auch in St. Margrethen


Der Zusammenschluss der Parketthersteller Bauwerk (Schweiz) und Boen (Norwegen) ist längst offiziell genehmigt, die Aufregung hat sich gelegt und die Ausschöpfung gemeinsamer Potenziale ist in vollem Gange. Das ParkettMagazin besuchte im Juli den Standort St. Margrethen und traf auf ein hochmotiviertes Team.

Neue Unternehmensstrukturen sollen wirtschaftliche Vorteile bringen. Des einen Freud ist des anderen Leid - je nach Perspektive. Als erstes wurde die Bauwerk-Produktion im österreichischen Salzburg nach Litauen verlagert. Für die Mitarbeiter gibt es einen Sozialplan. Was bleibt, ist eine Vertriebsgesellschaft, die im kommenden Jahr an einem neuen Standort ihre Räumlichkeiten beziehen soll. Vergleichbares vollzieht sich aktuell am Standort Mölln.

Volumenmäßig lag der Schweizer Parkettmacher Bauwerk im ersten Halbjahr 2013 leicht hinter Plan. Als Grund muss das Wetter herhalten. Es brachte vor allem bei Objektaufträgen zeitliche Verschiebungen. Dort hat es das Unternehmen wegen der Stärke des Franken ohnehin schwer, seine Preise durchzusetzen. Umsatz und Ertrag der Marke Bauwerk liege jedoch leicht über Plan. Sogar in Italien werde entgegen dem Markttrend Wachstum erzielt. Erklärtes Ziel von Bauwerk ist es, dem Preisdruck in der Branche standzuhalten. Senior Vice President Ansgar Igelbrink: "Bei den Volumenprodukten gibt es daher Handlungsbedarf. Für den Vertrieb ist es gleich, wo die Produkte letztendlich hergestellt werden, solange sie in der Qualität der Vorgabe der Marke entsprechen." Beschaffung und Produktion sind die Stellschrauben, an denen man drehen kann. Das Bauwerk-Boen Werk in Litauen, das aktuell deutlich erweitert wird, ist mit seinen kostengünstigeren Strukturen ein attraktiver Standort. Igelbrink: "Das Wertvolle ist dort u.a. die hohe Kompetenz der Kollegen im Umgang mit Holz und Maschinen."

Im Schweizer Werk St. Margrethen sei Personalabbau nicht geplant. "Das bleibt unser Zweischicht-Premiumstandort", lautet die Aussage. in diesem Jahr wurde hier eine neue Oberflächenanlage mit Bürsten und Schleifmaschinen in Betrieb genommen. Hier werden die Villapark-Dielen produziert, von denen mittlerweile rund 300.000 m jährlich abgesetzt werden. Es ist abzusehen, dass auch in der Schweiz Änderungen bevorstehen, das Einstiegsprodukt Multipark wird künftig aus dem Baltikum kommen. Der frei werdende Platz, heißt es, wird für die Dielenproduktion benötigt. Igelbrink: "Es wird bei den Sortimenten der beiden Marken Bauwerk und Boen keine Produktüberschneidungen geben, mit Ausnahme bei den Einstiegssortimenten."

Wer hats erfunden?


Ein weiterer Schwerpunkt für St. Margrethen wird Forschung und Entwicklung bleiben. Schon immer hat Bauwerk als Trendsetter besonderen Wert auf Grundlagenforschung gelegt. Jetzt komme auf Gruppenebene das Know-how von Boen hinzu. Wie, wo und unter welcher Marke die entstehenden Entwicklungen dann platziert werden, wird später und an anderer Stelle entschieden. Das Wissen bündeln wird zunächst Reinhold Herkströter als Director of
Research & Development. Der 53 jährige Holzingenieur kam vor zwei Jahren von ter Hürne. Zum R&D Team gehören neben den vier Mitarbeitern in St. Margrethen weitere Spezialisten an den Standorten Mölln und Litauen.

Stolz ist Bauwerk darauf, dass unter 100 Parkettstäben einer Lieferung nicht einer sei, den man nicht verlegen könne. Trotzdem fordert Herkströter: "Wir müssen innerhalb der ganzen Branche an der Qualität arbeiten. Fehler fallen auf alle Hersteller zurück, weil der Kunde zwischen den Marken kaum unterscheidet." Mit der Option, Kleinserien fertigen zu können, verfügt die Entwicklungsabteilung seit kurzer Zeit über eine komplette Bürkle-Lack-Straße. Die ist zwar nur halb so groß wie die zwei Hauptlackierstraßen mit ihrem Durchlauf von täglich 7.000 m, dafür muss aber hier die Produktion nicht mehr unterbrochen werden, wenn es um Versuche geht.

"Meine Aufgabe ist es, etwas zu entwickeln, was in fünf Jahren ganz neu auf dem Markt sein wird", sagt Herkströter. "Mit dem Risiko, dass andere es dann schnell nachmachen." Unter anderem denkt er an die Chemikalienbeständigkeit der Oberfläche. Bei solchen und anderen Kenndaten liegt Bauwerk im oberen Leistungsbereich. Die Testgeräte sind alle vorhanden: Vom Abrieb (Taber) über Oberflächenelastizität (spitzer Kegel) zur Brinellhärte (Kugelfalltest) und von der Klimaprüfung mit sonnenähnlicher Xenon-Lampe über den Schuhsohleneffekt mit Schleifpapier (Stuttgart-Test) bis zur Verschmutzungsneigung, bei der bestimmte Pigmente auf das Parkett aufgetragen werden. Mit einer eigens entwickelten Putzmaschine hat Bauwerk einen Waschbarkeitstest hinzu gefügt. Der simuliert, was mit einer Parkettfläche in zehn Jahren Putzaufwand geschieht. Herkströter: "Wir sagen mittlerweile: Die Böden sind so dicht verarbeitet, dass sie keine Feuchtigkeit zur Reinigung benötigen." Dennoch steht auch hier die Entwicklung nicht still. Zum Lacklieferanten hat Bauwerk einen kurzen Weg. Dessen Werk liegt in St. Margrethen auf der anderen Straßenseite.

Bauwerk Parkett AG
Ansgar Igelbrink, Senior Vice President: "Um dem Preisdruck standzuhalten, müssen wir bei der Beschaffung und Produktion neue Wege beschreiten."
Reinhold Herkströter, Direktor Forschung & Entwicklung: "Wir sind gefordert, jährlich fünf bis sechs Neuerungen
zu bringen."
Bauwerk Parkett AG
Reinhold Herkströter, Direktor Forschung & Entwicklung: "Wir sind gefordert, jährlich fünf bis sechs Neuerungen
zu bringen."
Bauwerk Parkett AG
Marketing und Produktmanagement (v.l.): Stefan Keller, Hermann Roither, Elyne Hager, Pia Rechsteiner, Beat Weilenmann.
Bauwerk Parkett AG
Der rötliche Vintage-Stab war nicht nur ein Hingucker für die Messe. Er wird regelmäßig produziert.
Bauwerk Parkett AG
Pascal Hinder (F&E): "Früher musste für Versuche die Produktion auf der großen Beschichtungsanlage stillgelegt werden. Jetzt haben wir eine eigene Oberflächenbearbeitung."

Ansgar Igelbrink: "Von der Trendforschung über Innovationen zu Technik-Neuheiten arbeiten wir nach vorgegebenen Prozessabläufen. Natürlich haben wir schon auf dem Plan, was wir 2015 und 2016 einführen wollen. Produktmanagement und die Entwicklung stehen da eng zusammen. Das Marketing muss dann die richtige Verbraucheransprache finden. Wir haben schon bewiesen, dass man über gute Kommunikation Mehrwert in den Markt bringen und auch umsetzen kann."

Das Bauwerk-Marketing und Produktmanagement verantwortet seit kurzem die Betriebsökonomin Elyne Hager, die aus der Schweizer Fensterbranche kommt. Gemeinsam mit ihrem Team soll sie Verantwortung für das Lifecycle Management und das Sortiment übernehmen sowie neue Produkte auf den Weg bringen. Gute Bauwerk-Ideen haben sich immer eine Bahn gebrochen. "Auch unser roter Vintage-Stab war nicht nur ein Marketing-Gag, sondern hat sich mittlerweile als fester Bestandteil des Angebots etabliert", darf sich die Abteilung auf die Fahne schreiben. Welchem Anspruch sie in Zukunft genügen muss, formuliert Ansgar Igelbrink: "Wir wollen nicht der größte Parketthersteller werden, sondern das wertvollste Unternehmen bleiben."


Bauwerk - das Unternehmen


Bauwerk Parkett AG
Neudorfstraße 49
CH-9430 St. Margrethen
Tel.: ++ 41-717477474
Fax: ++ 41-717477304
E-Mail: info@bauwerk.com
Internet: www.bauwerk.com

President Bauwerk Brand und Senior Vice President
Bauwerk-Boen Group: Ansgar Igelbrink
Leitung F & E: Reinhold Herkströter
Leitung Marketing und Produktmanagement: Elyne Hager

Produkte: Mehrschichtparkett, Mosaikparkett, Hochkantlamellen

aus ParkettMagazin 05/13 (Wirtschaft)