Werkhaus
Fachzeitschriften und Fachbücher
Branchen-Planer

Artikel-Archiv


HDH/VDM: Deutsche Holz- und Möbelindustrie wächst um zehn Prozent

Weitere Aussichten weniger rosig

Mit einem bemerkenswerten Umsatzplus von 10% auf 16,7 Mrd. EUR haben die Unternehmen der deutschen Holz- und Möbelindustrie das erste Halbjahr 2007 abgeschlossen. Das teilten der Hauptverband der Deutschen Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie (HDH) und der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) mit. Die Betriebe im Holzgewerbe (ohne Musikinstrumente sowie Besen und Bürsten) steigerten ihren Umsatz um 13,5% auf 7,5 Mrd. EUR. Die Möbelindustrie setzte mit 8,7 Mrd. EUR genau 7,7% mehr um als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trotz guter Halbjahreszahlen blickt die Branche allerdings nicht besonders zuversichtlich in die Zukunft: Die drastisch gesunkenen Baugenehmigungszahlen bereiten zunehmend Sorge.

Zweistelliges Branchenplus und erstmals seit Jahren wieder ein Beschäftigungsaufbau in der krisengeschüttelten Möbelindustrie - eigentlich könnte HDH-/VDM-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas Zuversicht verbreiten. Statt dessen beschreibt er die derzeit in der Möbel- und Holzindustrie vorherrschende Stimmung als "etwas in Moll". In den ersten Monaten des Jahres konnten im Inland zwar noch Auftragsüberhänge aus 2006 abgebaut werden, danach sind aber vielfach die Folgeaufträge ausgeblieben.

Umsatzzuwächse durch höhere Preise

Zudem sind die aktuellen Umsatzzahlen in der Holzindustrie zum größten Teil auf Preiserhöhungen zurückzuführen und beruhen nur in geringem Umfang auf einer steigenden Nachfrage, schätzt Klaas. Besonders beunruhigt die Branche die sinkenden Baugenehmigungszahlen im privaten Wohnungsbau. In diesem Jahr könnte sich die Zahl der Baugenehmigungen um die Hälfte reduzieren - mit schwerwiegenden Folgen für den baunahen Bereich. "Üblicherweise dauert es ungefähr neun Monate, bis der Bausektor die Entwicklung bei den Baugenehmigungen zu spüren bekommt. Wir rechnen also noch in diesem Jahr mit den ersten Auswirkungen", erklärte der Hauptgeschäftsführer auf der jüngsten Pressekonferenz. Für das Gesamtjahr erwartet der HDH dennoch Umsatzsteigerungen im Holzgewerbe von insgesamt rund 9% auf 19,5 Mrd. EUR.

Im jetzt abgeschlossenen ersten Halbjahr 2007 konnten die Hersteller von Säge-, Platten- und Holzprodukten ihren Umsatz um 890 Mio. EUR auf 7,5 Mrd. EUR erhöhen. Diese Entwicklung wird vor allem auf die positive Konjunktur in der Holzwerkstoffindustrie zurückgeführt, die ihre Umsätze um 17,2% auf 2,8 Mrd. EUR gesteigert hat. Die deutschen Sägewerker verbesserten ihre Umsätze um 12,5% auf 1,9 Mrd. EUR. Die Hersteller von Bauelementen legten beim Umsatz um 8,6% auf 2,2 Mrd. EUR zu. Deutlich besser als im Vorjahr präsentierte sich auch die Sparte Holzveredlung und Herstellung von Kork-, Flecht- und Korbwaren (10,8% , 320 Mio. EUR) sowie die Holzverpackungsindustrie. Letztere profitierte mit einem Plus von 31,4% auf 260 Mio. EUR vom deutschen Exportboom.

Exporte helfen der Möbelindustrie

Auch die deutsche Möbelindustrie lebt zunehmend vom Export. Speziell für die Möbelhersteller gilt nach Ansicht von Klaas: "Ausland hui, Inland Pfui". Während der Einbruch der Konsumnachfrage nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer für eine Stagnation im Inlandsmarkt sorgte, stieg die Ausfuhr von Möbeln im ersten Halbjahr deutlich um 15,4% auf 3,59 Mrd. EUR. Damit verbesserte sich die Exportquote auf 36,8% und erreichte einen neuen Höchststand. Noch vor zehn Jahren lag der Exportanteil nur bei rund 15%. Hier zeigen sich die intensiven Exportbemühungen der Hersteller: "Möbel made in Germany" werden mittlerweile weltweit geschätzt. Wesentliche Grundlage für die positive Entwicklung ist laut dem VDM der wirtschaftliche Aufschwung in Osteuropa, dem nach Westeuropa wichtigsten Exportmarkt der deutschen Möbelhersteller.

Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas, VDM-Trendexpertin Ursula Geismann und HDH-Pressesprecher Achim Hannott standen auf der Wirtschaftspressekonferenz der beiden Verbände Rede und Antwort.

China wird zweitgrößter Möbellieferant

Da sich gleichzeitig im ersten Halbjahr 2007 die Möbelimporte nach Deutschland nur leicht um 0,5% auf 3,85 Mrd. EUR erhöhten, schrumpfte das Außenhandelsdefizit um 64,1% auf 260 Mio. EUR. Zum zweitwichtigsten Möbellieferanten nach Polen hat sich im ersten Halbjahr China aufgeschwungen. Die chinesischen Möbelproduzenten verdrängten die traditionell auf dieser Position stehenden italienischen Hersteller auf den 3. Platz.

Bis Ende Juni 2007 erhöhten die Unternehmen der Möbelindustrie in Deutschland den Umsatz um 7,7% auf 8,7 Mrd. EUR - bereinigt um branchenfremde Anteile wie Fahrzeugsitze. Die prozentual höchsten Zuwächse erzielten die Büro- und Ladenmöbelhersteller (16%), vor den Produzenten von Kastenmöbeln (8,6%), dem Sektor Küchen (7,9%), der deutschen Matratzenindustrie (5,2%) und den Herstellern von Polstermöbeln und Stühlen (3,4%).

Neue Arbeitsplätze in der Möbelindustrie

Die Zuwachszahlen spiegelten sich erstmals seit Jahren auch in einem Beschäftigungsaufbau wieder. Im ersten Halbjahr 2007 waren 2.000 Menschen mehr in der deutschen Möbelindustrie beschäftigt als 2006, nachdem in den vergangenen sieben Jahre mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind.

Für das Gesamtjahr 2007 prognostiziert der VDM ein Umsatzplus von 5% auf insgesamt 19,3 Mrd. EUR. Neben dem anhaltend guten Exportgeschäft hofft die Möbelbranche auf steigende Realeinkommen in Deutschland.

aus ParkettMagazin 05/07 (Möbel)