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Hamburger Gespräche - Über Emicode EC1 und Blauer Engel zur Nachhaltigkeit

Wie viele Gütesiegel braucht die Branche?

In den USA gibt es rund 20 Umweltzeichen für Klebstoffe, hierzulande kämpfen Emicode EC 1 und Blauer Engel um die Vormachtstellung bei Verlegewerkstoffen. "Wie viele Gütesiegel brauchen wir wirklich im Objektgeschäft?", wollte FussbodenTechnik - die Schwesterzeitschrift von BTH Heimtex - daher wissen und lud anerkannte Meinungsbildner aus der Branche zum ersten Mal zum Roundtable nach Hamburg in den renommierten Anglo German Club ein. Lebhaft, kontrovers und offen diskutierten namhafte Objekteure und Vertreter der Industrie sowie ein Architekt und tauschten in konstruktiver Atmosphäre ihre Argumente aus. Einhelliges Fazit: Die Veranstaltung war fruchtbar und hat dazu angeregt, die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Verarbeitern zu intensivieren.

Wie ein "Who is who" der Branche las sich die Gästeliste beim Roundtable "Verlegewerkstoffe" von FussbodenTechnik. Zum ersten Mal hatten Redaktion und SN-Verlag Objekteure und Vertreter der Industrie in der neuen Reihe "Hamburger Gespräche" in den Anglo German Club geladen. Das Diskussionsthema des Abends lautete: "Relevanz von Gütesiegeln für das Objektgeschäft - wie viele Siegel brauchen wir wirklich?" Neun Vertreter der Verlegewerkstoffindustrie, neun Objekteure und ein Architekt diskutierten dieses brisante Thema mit großer Offenheit.

In den USA gibt es Klebstoffgebinde, auf denen 20 Umweltzeichen abgebildet sind, weil viele Bundesstaaten ihr eigenes Label haben. In Deutschland existieren bei Verlegewerkstoffen zwar bislang "nur' zwei, nämlich Emicode EC 1 und Blauer Engel. Aber das amerikanische Beispiel zeigt, wie eine inflationäre Entwicklung von Umweltzeichen aussehen kann. Betrachtet man das Klebstoffgeschäft europaweit, gibt es immerhin wohl schon 12 Umweltzeichen, die nur noch Insider unterscheiden können, - der Verbraucher ist damit völlig überfordert. Auch für den Verarbeiter ist eine Siegel-Inflation keine Hilfe. Die Industrie beklagt zudem, dass vor lauter Umweltzeichen kein Platz für Verarbeitungshinweise auf den Gebinden bleibt. Auf die Frage, warum man von Seiten der Industrie nicht ein übergreifendes europäisches Umweltzeichen besonders fördern würde, kam die überraschende Antwort: "Das machen wir bereits, da sind wir dran.'

Umweltzeichen verteuern die Produkte

Wichtig ist zudem die Frage der Finanzierung der Zertifizierung. Jede Gesellschaft, die ein Umweltzeichen herausgibt, erhebt Gebühren; genau wie die Institute, die die Messungen durchführen. Diese Kosten schlägt die Industrie auf die Produkte auf, was sie für den Verbraucher verteuert.

Objekteure mögen Umweltsiegel

Bei den Objekteuren herrschen in puncto Umweltsiegel zwei Meinungen vor: Eine Fraktion spricht sich dafür aus, sich auf ein einziges Umweltzeichen in Deutschland zu beschränken und dieses so zu stärken, dass es jeder kennt. Die andere will sowohl EC 1 als auch den Blauen Engel erhalten, da sich beide an unterschiedliche Zielgruppen wenden. Ihr Argument: "Der Blaue Engel hat beim Endverbraucher einen hohen Bekanntheitsgrad und ist in der Beratung selbsterklärend.' EC 1 dagegen sei beim Handwerker und Architekten ein Begriff und habe gegenüber dem Blauen Engel den Vorteil, auch europaweit bekannt zu sein.

Auch bei der Industrie gibt es zwei Lager: Die Mehrheit der Verlegewerkstoffhersteller hätte gerne an EC 1 als alleinigem Umweltzeichen festgehalten, sah sich allerdings durch die Nachfrage im Markt gezwungen, auch den Blauen Engel zu führen. Die andere Gruppe ist vom Blauen Engel überzeugt und hat dafür gesorgt, dass er in öffentlichen Ausschreibungen gefordert wird.

Umweltzeichen halten Architekten den Rücken frei

Und wie sehen Architekten Umweltzeichen? Der Hamburger Architekt Michele Turnaturi hat unter anderem beim "Germanischen Lloyd" in Hamburg umfangreiche Erfahrungen mit zertifizierten Gebäuden gesammelt. Er öffnete den Objekteuren und Industrievertretern die Augen: "Umweltzeichen sind für den Architekten wichtig, weil ihnen die Zertifizierungen den Rücken frei halten." Architekten würden sich gerne intensiver mit dem Thema Boden beschäftigen, aus Zeit- und Kapazitätsgründen sei dies aber nicht möglich.

Einen direkten Eingriff in seine Kompetenz lehnt der Architekt aber ab. Damit erhielt der Vorschlag von Objekteur Bernhard Lübbers, Architekten bei der Ausschreibung unterstützen zu wollen, eine Abfuhr. "Ausschreibungen sind allein unser Job", stellte Turnaturi klar.

Bei der Diskussion über Umweltzeichen mahnte BTH Heimtex-Chefredakteur Claudia Weidt an, "nicht die gesamtheitliche Betrachtung von Gebäuden in Bezug auf Nachhaltigkeit aus dem Blick zu verlieren. Irgendwann werden von außen gesetzliche Anforderungen kommen, gegen die Sie sich nicht wehren können.' Es sei deshalb wichtig, das Thema nicht ausschließlich innerhalb der Bodenbranche zu betrachten, sondern auch von außen. Ein Beispiel, dass diese Prognose bestätigt, ist die bauaufsichtliche Zulassung von Verlegewerkstoffen durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt). Hier war die Verlegewerkstoffbranche von der Einführung der Zulassung überrascht worden und konnte den Termin nur mit Mühe in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband Parkett und Fußbodentechnik verschieben.

Fazit: Objekteure und Industrie wollen sich vernetzen

Wenn es auch keine abschließende Einigung in puncto Umweltzeichen gab, hat die Veranstaltung zumindest die Branche näher zusammengebracht. Im Lauf des Abends ging ein Ruck durch die Runde. "Gemeinsam sind wir stark" - auf diese kurze Formel könnte man das Ergebnis des Round-Table Verlegewerkstoffe bringen. Gleich mehrere Industrievertreter erklärten den Wunsch, sich enger mit den Objekteuren, aber auch den Bodenbelagsherstellern vernetzen und austauschen zu wollen.

"Wir sind in einer relativ kleinen übersichtlichen Branche tätig, da ist die Nähe ein großer Vorteil. Wir sollten die Chance nutzen und die Kräfte bündeln', warb Dr. Norbert Arnold von Uzin Utz für eine engere Zusammenarbeit. Werner Schröder (Ardex) unterstützte ihn: "Wenn wir es schaffen, bei den Verarbeitern die Spreu vom Weizen zu trennen und uns auch mit der Bodenbelagsindustrie enger zu vernetzen, haben wir alle etwas davon.'

Der 1. Round-Table Verlegewerkstoffe vom SN-Verlag war somit ein voller Erfolg. Die Teilnehmer fühlten sich im Anglo-German Club sehr wohl und genossen den Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten. Einer Fortsetzung der Veranstaltungsreihe "Hamburger Gespräche" wurde als wünschenswert bezeichnet.

Für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltung danken wir der Firma Bona.

"Der Emicode bleibt für den professionelen Verarbeiter ein gutes Instrument"


Axel Bornefeld,
Vertriebsleiter Henkel Thomsit


Es steht außer Frage, dass es eine gute Idee ist, lösemittelhaltige Klebstoffe durch Alternativen zu ersetzen. Denn wir brauchen Produkte, die nicht nur problemlos zu verarbeiten, sondern auch gesundheitlich und ökologisch unbedenklich sind. Das können Produkte heute leisten. In diesem Zusammenhang sehe ich Emicode EC 1 als handwerksspezifisches Qualitätsmerkmal für niedrige Emissionen. Der Blaue Engel ist dagegen ein Umweltlabel im allgemeineren Sinne. Der GEV ist es gelungen, ein Bewertungssystem zu etablieren, das unterschiedliche Bauwerkstoffe hinsichtlich ihrer Emissionen einordnet. So konnte zugleich einer Inflation verschiedenster Umweltauslobungen vorgebeugt werden. Daher ist unbestritten, dass der Emicode im professionellen Handwerk einen guten Namen genießt. Auch die ausschreibenden Stellen kennen ihn. Der Endverbraucher indes hat ihn bisher kaum wahrgenommen, stellt aber zu Recht eigene Ansprüche an die in seinen vier Wänden eingesetzten Produkte. Daher war die Forderung nach dem Blauen Engel verständlich. Aus unserer Sicht ist er jedoch eher ein gutes Marketinginstrument für Objekteure als ein wirklicher Umweltverträglichkeitsstandard. Wir haben für den Blauen Engel kein einziges Produkt in seiner Rezeptur ändern müssen, d.h. es werden keine neuen Ansprüche gestellt. Insofern bleibt der Emicode für den professionellen Verarbeiter ein gutes Instrument, weil er zudem kontinuierlich stichprobenartig überprüft wird. Dagegen ist der Blaue Engel ein Endverbrauchersiegel mit hoher Bekanntheit, aber ohne Kontrollmechanismus.

"Der Anspruch der GEV ist viel höher als der des Blauen Engel"


Dr. Norbert Arnold,
Leiter Produktservice Uzin Utz


Zum Thema Nachhaltigkeit gehört eine ganze Menge. Ich glaube, es kommt im Markt an, dass wir bei Uzin sehr viel für nachhaltige Produkte tun. Wenn ich sehe, dass bei Umweltproduktdeklarationen sehr viele Produktdaten gesammelt werden, dann frage ich mich auch, wer das verstehen soll? Ich glaube, die Architekten werden zukünftig diese Aufgabe haben. Der Endverbraucher kennt den Blauen Engel, der für Umweltschutz steht. Der Endverbraucher kennt EC 1 nicht, aber der Architekt muss den Gesamtzusammenhang verstehen. So macht der Blaue Engel z.B. zusätzliche Aussagen für Allergiker. Das hat nichts mit Umweltschutz zu tun, sondern zielt auf den Verbraucherschutz ab. Bei der GEV geht es ausschließlich um den Umweltschutz. Deshalb will ich an dieser Stelle eine Lanze für die GEV brechen: Das Ziel der GEV ist, dass möglichst alle Produkte mit EC 1 ausgezeichnet werden. Beim Blauen Engel sollen maximal 30 bis 40 % das Siegel tragen, sonst ist er nämlich überflüssig. Bei den Zertifizierungsvoraussetzungen sind sich EC 1 und Blauer Engel ähnlich. Aber der Anspruch der GEV ist viel höher als der des Blauen Engel.

"Wir haben ein einfaches und transparentes Ratingsystem geschaffen"


Anselmo Marchi, Geschäftsführer Kerakoll

Wenn man heute europaweit im Markt tätig ist, ist es verwirrend, dass jedes Land seine eigenen Zertifizierungen hat. Im Interesse der Endverbraucher und auch der Verleger ist es wichtig, in eine gemeinsame Richtung zu gehen.

Kerakoll hat ein System entwickelt, das wir bisher in Italien und noch nicht in Deutschland vorgestellt haben. Wir haben ein übersichtliches Rating geschaffen, das aus fünf verschiedenen Parametern besteht: Wir haben alle Produkte mit der Bezeichnung "Eco 0" bis "Eco 5" klassifiziert. Soll ein z.B. zementäres Produkt die fünf Voraussetzungen erfüllen, muss es mindestens 60 % Mineralien und mindestens 30 % recyceltes Material enthalten. Der CO2-Wert bei der Zementherstellung muss niedriger sein als 250 g/kg, die VOC Emissionen dürfen 200 g/m nicht überschreiten und im ausgehärteten Zustand muss das Material unproblematisch entsorgt werden können Wir finden, das ist eine sehr einfache und transparente Lösung.

"Die Zukunft sind selbstliegende Teppichböden mit Schwerbeschichtung"


Ernst Dieckmann,
Geschäftsführender Gesellschafter Wulff


Wir haben es heute mit ganz anderen Problemen zu tun, als einer Entscheidung zwischen Emicode und Blauem Engel. Durch Verlegewerkstoffe, Bodenbeläge und Altuntergründe entstehen Wechselwirkungen, die schwer einzuschätzen sind. Wenn man einen EC 1-Kleber oder einen Blauen Engel-Kleber führt, ist nicht automatisch alles in Ordnung.

Das Problem werden zukünftig störende Gerüche sein. Ich glaube, damit sollten wir uns viel mehr befassen. In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr mit der Entwicklung von Faserbindern für Nadelvliesbeläge und Teppichbeschichtungen beschäftigt. Darum werden geruchsneutrale und sehr emissionsarme textile Bodenbeläge, ob sie nun verklebt oder auch wieder aufnehmbar verlegt werden (das ist mein angepeiltes Endziel), die Zukunft sein.

Ferner glaube ich, dass in Zukunft Belags- und Kleberhersteller eine gemeinsame Empfehlung abgeben müssen, die nicht nur das Thema Emissionen und Geruch beinhaltet sondern auch vordergründig technische Probleme und Risiken ausschaltet.

"In einer Zeit der Globalisierung und eines Europas ohne Grenzen können wir uns in Deutschland keine Nische aufbauen"


Werner Schröder,
Vertriebsleiter Ardex


Ich frage mich, was es in einer Zeit der Globalisierung und einem Europa ohne Grenzen bedeuten soll, wenn wir in Deutschland meinen, wir können uns mit dem Blauen Engel eine Nische aufbauen.

Als international aufgestelltes Unternehmen ist der Blaue Engel für uns nicht sinnvoll - auch wenn er sicher mal einen Wert für den Verbraucher hatte. Aber die Kriterien sind zu lasch. Wenn das das Ziel ist, über das wir hier reden, und die Nachhaltigkeit bei 300 g Klebstoff in einer Nachhaltigkeitsproklamation mündet, die wir irgendwann einmal erstellen müssen, dann opfern wir uns irgendwelchen Marketing-Gags, für die ich kein Verständnis habe - und Marketing ist in der Regel teuer.

"Wir brauchen ein Umweltlabel, das europaweit und international Anerkennung genießt"


Ralph Meyer, Verkaufsleiter Forbo Erfurt

Wir sind seit der Gründung bei der GEV dabei und von EC 1 überzeugt. Wir brauchen ein Umweltlabel, das europa- und weltweit Anerkennung genießt. Wir stellen auf dem deutschen Markt mit Blauem Engel und EC 1 immer fest, dass wir die Bekanntheit der Umweltzeichen verstärken müssen.

Wenn wir die Nachhaltigkeit und Emissionsarmut unserer Produkte kommunizieren wollen, müssen wir ein System am Markt etablieren. Wir sind davon überzeugt, dass ein System wie z.B. DGNB kommen wird. Mit EC 1 Plus und Blauem Engel haben wir schon einiges getan - aber das reicht noch nicht.

"Aus ökologischer und ökonomischer Sicht reicht ein Siegel aus"


Christian Löher, Geschäftsführer Bona Deutschland

Aus ökologischer und ökonomischer Sicht würde ein Siegel ausreichen. Wir von Bona haben den Blauen Engel zusätzlich zu EC 1 beantragt, weil es der Markt verlangt. Zunehmend werden auch Zertifizierungen durch die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) wichtiger.

BTH Heimtex und FussbodenTechnik diskutierten mit Verlegewerkstoffbranche und Objekteuren: Objekteur Karsten Krause eröffnete den Roundtable mit einem kurzen Initiativvortrag. Dr. Norbert Arnold (Uzin), Christian Löher (Bona), Michael Steinert (SN-Verlag), Bernhard Lübbers (Objekteur) und Axel Bornefeld (Henkel) hören aufmerksam zu.
Günther Hermann (Zweiter von links, Mapei) ist vom Blauen Engel nicht überzeugt. Manfred Krapp (Objekteur), Rene Spiegelberger, Werner Schröder (Ardex), Sönke Stoltenberg (Objekteur), Ralf Wollenberg (Objekteur) und Peter Sellmann (Objekteur).
Ernst Dieckmann (Vierter von rechts, Wulff) fokussierte besonders auf das Thema Gerüche. Ralph Meyer (Forbo Erfurt), Christian Harder (FussbodenTechnik), Thorsten Schlapkohl (Objekteur), Klaus Bauer (Objekteur), Manfred Krapp (Objekteur) und Günther Hermann (Mapei) folgen seinen Ausführungen.
Umweltzeichen aus Sicht eines Architekten beschrieb Michele Turnaturi (Zweiter von links). Anselmo Marchi (Kerakoll), Claudia Weidt (BTH Heimtex), Norbert Blach (Botament), Michael Krüger (Objekteur) und Peter Mau (ParkettMagazin).

International ist das amerikanische Zertifizierungssystem LEED wahrscheinlich am meisten verbreitet. Das betrifft uns auch in Deutschland: So müssen alle Unternehmen, die an der US-Börse notiert sind, nach LEED-Standard bauen. Das heißt, wenn die Deutsche Bank in Deutschland Parktettarbeiten ausschreibt, müssen diese LEED-zertifiziert werden.

Allerdings bleibt dieser Standard weit hinter EC 1 und Blauem Engel zurück, so dass man automatisch die LEED-Voraussetzungen erfüllt.

"Nichts ist wünschenswerter als ein Signet, mit dem alle leben können"


Günther Hermann,
Marketingmanager Fußbodentechnik Mapei


Seit ca. fünf Jahren sind unsere Produkte mit dem Emicode EC 1 gekennzeichnet. Wir führen EC 1 und Blauer Engel nicht aus Überzeugung, sondern, weil der Markt uns gezwungen hat. Die öffentliche Hand schreibt heute den Blauen Engel aus. Wir sind nicht davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist.

Als Marktführer in den USA haben wir einschlägige Erfahrungen: Wenn Sie sich in den USA ein technisches Merkblatt anschauen, dann brauchen Sie eine Viertelseite, um die ganzen Signets der verschiedenen US-Staaten abzubilden. Wenn wir diese Zustände irgendwann in Deutschland bekommen, werden die Klebstoffe immer schlechter werden, weil jemand die Siegel bezahlen muss.

Ich hoffe nur, dass EC 1 Plus mittelfristig dem Blauen Engel den Rang ablaufen wird, weil nichts wünschenswerter ist, als ein Signet im Markt, mit dem alle leben können.

"Je mehr Umweltsiegel es gibt, desto schwieriger wird es zu argumentieren"


Norbert Blach, Vertriebsleiter Botament

Wir haben für unsere neue Marke Botafloor die Umweltzeichen EC 1 und Blauer Engel beantragt. Als Newcomer am Markt wollen wir unseren Kunden und den an sie durch Ausschreibungen gestellten Anforderungen so weit wie möglich entgegenkommen.

Aber wir haben den Blauen Engel nicht aus Überzeugung beantragt, sondern aus der Notwendigkeit, dass er bei Ausschreibungen teilweise vorgegeben wird. Denn: Je mehr Umweltsiegel wir verwenden, desto schwieriger machen wir es dem Handwerker, die Unterschiede zu erklären.

Ein gutes Beispiel, wie man es besser machen könnte, ist die Schadstoffklassifizierung von Autos: Da gibt es Klassen von 1 bis 5 - das ist transparent und leicht verständlich, aber auch kontrollierbar, sodass Verstöße unmittelbar geahndet werden können. Ich wünsche mir eine transparente, für alle verbindliche Klassifizierung und Kennzeichnung.

"Wir Architekten tendieren dazu, Pakete aus Bodenbelag, Kleber und Spachtelmasse auszuschreiben"


Michele Turnaturi, Turnaturi Architekten

Als Architekt muss ich der Aufforderung, dem Bodenbelag mehr Gewicht zu geben, eine Absage erteilen. Ein Architekt kann sich nicht so ausgiebig mit einem Thema beschäftigen, wie er es gerne würde. Dafür fehlen Zeit und Kapazitäten. Aus diesem Grund verlassen wir uns auf die Zertifizierung. Die Entwicklung geht ganz klar in diese Richtung. Das kann LEED genauso sein wie DGNB, letzteres würden wir in Deutschland bevorzugen. Im privaten Markt setzt sich der Blaue Engel durch, weil man damit den Endverbraucher ansprechen kann. Als Architekt tendieren wir dazu, Pakete aus Bodenbelag, Kleber und Spachtelmasse auszuschreiben. Von dem ausführenden Verleger wird erwartet, dass er weiß, welcher Aufbau zusammenpasst.

"Bei Ausschreibungen wird verstärkt auf Umwelt- und Geruchsproblematiken hingewiesen"


Ralf Wollenberg, Kadereit Bodenbeläge

Wir als Objekteure sind sehr stark im öffentlichen Bereich tätig. Ich sehe verstärkt Ausschreibungen, bei denen tatsächlich auf Umwelt- und Geruchsproblematiken hingewiesen wird. Es geht sogar so weit, dass ein Bodenbelagshersteller jetzt ein Paket aus zertifiziertem Belag, Verlegewerkstoffen und Verlegern geschnürt hat.

Im Objektbereich geben die Entscheider fremdes Geld aus. Deren Interesse ist es nicht, besonders hochwertige Produkte einzusetzen. Vielmehr wollen sie im Schadensfall ein Schriftstück in der Hand haben, dass sie "freispricht".

Beim Architekten ist das ähnlich: Für einen Architekten ist ein Bodenbelag ein Nebenprodukt. Da muss die Farbe stimmen und er soll perfekt liegen. Der Architekt macht es sich also einfach, indem er ausschreibt "umweltfreundlich mit Blauen Engel-Produkten zu verlegen'. Damit ist das Thema für ihn erledigt.

"Wir brauchen beide Siegel - den Blauen Engel für die Verbraucher und EC 1 für die Architekten"


Michael Krüger,
Günter Krüger & Söhne


Ich finde es gut, dass wir zwei Label haben. Das EC 1 Label setzt sich immer mehr durch, wir finden es immer mehr in den Ausschreibungen. Doch für uns ist es viel einfacher, wenn wir bei Privatkunden mit dem Blauen Engel argumentieren können. Dann haben wir auch keinen Erklärungsnotstand. Wenn wir im Gegensatz dazu mit dem Architekten über das Geschäft im Objekt sprechen, ist EC 1 für uns einfacher zu erklären. Meine Meinung ist, dass wir beide brauchen. Man kann nicht nur mit dem Blauen Engel arbeiten.

"Kunden und Verbraucher sind heute anders sensibilisiert als vor 20 Jahren"


Karsten Krause,K & R Bodenbeläge und Dekoration

Wir müssen die öffentliche Wahrnehmung von Umweltlabeln, Gefahrstoffdiskussionen und Innenraumlufthygiene respektieren. Die Kunden und Verbraucher sind heute anders sensibilisiert, als das noch vor 20 oder 30 Jahren der Fall war. Deshalb kommen wir nicht daran vorbei. Es werden zunächst einmal öffentliche Gebäude, Verwaltungsgebäude, Büroobjekte im Sinne der Nachhaltigkeit zertifiziert.

Wir können natürlich auch mal an den Punkt kommen, an dem uns das Ende des Thema Kleber bevorsteht. Das wird der Klebstoffindustrie nicht gefallen. Wenn man das Thema Nachhaltigkeit und Zertifizierung von Objekten ernsthaft weiter entwickelt, könnte am Ende dieser Entwicklung stehen, dass Bodenbeläge nur noch zertifizierbar und nachhaltig sind, wenn sie gar keinen Kleber mehr brauchen

"Wir sollten uns mit möglichst wenig Labeln begnügen"


Manfred Krapp,
Krapp Bodenbeläge


Wir dürfen nicht vergessen, dass die meisten Rohstoffe, die in unseren Verlegewerkstoffen und Bodenbelägen enthalten sind, nicht nachwachsen. Deshalb sollten wir sehr vorsichtig sein mit dem Begriff der Nachhaltigkeit.

Bei den Labels selbst möchte ich auf Folgendes hinweisen: Ich habe im Internet gegoogelt und herausgefunden, dass man allein auf vier Qualitätslabel stößt, wenn man ein Kanu leihen möchte - oder gar auf 19, wenn man ein Stück Fleisch kaufen will. Ich glaube, wir sollten uns mit möglichst wenig Labels begnügen. Und wenn sich das nicht vermeiden lässt, sollten diese miteinander vergleichbar sein. Die amerikanischen Verhältnisse, dass Nordrhein-Westfalen möglicherweise ein anderes Label hat als Bayern, helfen uns nicht weiter.

"Es kommt ganz entscheidend auf die Zielgruppe an"


Thorsten Schlapkohl, Trebelsberger & Schlapkohl

Bei der Auswahl der Umweltsiegel kommt es ganz entscheidend auf die Zielgruppe an - handelt es sich um Privatkunden, Architekten, Wohnungsbaugesellschaften, öffentliche Ausschreibungen oder Generalunternehmer? Wir leben in einer Zeit, in der sich alles stark verändern wird. Dabei muss jeder Objekteur selbst seine Position finden.

"Der Blaue Engel hält uns den Rücken gegenüber dem Verbraucher frei"


Sönke Stoltenberg,
Stoltenberg & Arnold Raumgestaltung


Für den Fall, dass es nach der Bodenbelagsverlegung zu Gerüchen kommt, wendet sich der Endkunde immer an den Verarbeiter. Wir haben dann die Erklärungsnöte. Der Blaue Engel hingegen hält uns den Rücken frei und er vereinfacht die Beratung, weil er selbsterklärend ist.

Bevor ich einem Endkunden Emicode EC 1 erklärt habe, ist der bereits ermüdet. Für uns ist der Blaue Engel ausreichend - er ist klar, überzeugend und jeder kennt ihn. Das Schöne an dem Thema ist: Der Markt wird das automatisch regeln. Wir als Verarbeiter können uns ganz beruhigt zurücklehnen.

"Wir brauchen den Blauen Engel, weil er einen Bekanntheitsgrad von 80 % hat"


Klaus Bauer,
Fussboden Bauer


Ich finde, dass wir ein Emblem wie den Blauen Engel brauchen, weil er einen Bekanntheitsgrad von 80 % hat. Fast jeder Endverbraucher kann damit etwas anfangen. Es gibt Umfragen, laut denen 38 % der Befragten darauf achten, ob Produkte mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sind. Sicherlich war es von der GEV sehr gut, dass man ab 1997 die Grundlagen geschaffen hat, um die Produkte vergleichen zu können.

Man sollte aber nicht zu viele Label schaffen, damit Endverbraucher, Architekten und Planer ein Logo haben, bei dem sie erkennen, das Produkt ist umweltverträglich und funktioniert.

"Bei weiteren Siegeln verpufft die Wirkung gegenüber Architekten, Bauherren und Verbrauchern"


Peter Sellmann,
Noack & GFR


Für uns als Objekteur wäre es wichtig, dass man sich auf ein Siegel beschränkt. Wenn man mehrere Siegel hat, verpufft die Wirkung gegenüber Architekten, Bauherrn und Endverbrauchern. Mit einem aussagekräftigen Siegel kann man eine klare Aussage dazu machen, mit welchem Klebstoff man Bodenbeläge umweltbewusst auf den Estrich bekommt.

In unserem täglichen Geschäft spielen die Siegel bislang eine eher untergeordnete Rolle. Auch in Ausschreibungen stoßen wir noch nicht auf die Umweltsiegel. Unsere Kunde setzen auch so voraus, dass wir uns bei den Klebstoffen an die Gefahrstoffverordnung halten und umweltverträgliche Produkte einsetzen.

aus BTH Heimtex 10/10 (Klebstoffe)