Kork: Nachwachsender Rohstoff aus dem Mittelmeerraum

Kork mit unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten von Dekoration bis Technik

Kork ist ein nachwachsender Rohstoff mit herausragenden technischen Eigenschaften, unerschöpflichen Einsatzmöglichkeiten und einer positiven Ökobilanz - bessere Voraussetzungen für die Nutzung eines Rohstoffes in unserer sensiblen Umwelt kann es kaum geben. Kork ist die Rinde der vornehmlich im westlichen Mittelmeerraum beheimateten Korkeiche. Geschält wird die Rinde alle neun Jahre. Rund zwanzig Mal kann im Verlauf des Lebens einer Korkeiche die Rinde ohne Beschädigung des Baumes geerntet werden. Eingesetzt wird der Rohstoff als Verschluss von Flaschen, als Baustoff, als Bodenbelag, für dekorative Zwecke und für unzählige technische Bereiche.

Kork ist die Rinde der Korkeiche (Quercus Suber). Alle neun Jahre wird sie abgeschält, ohne dass dadurch der Baum beschädigt wird. Während der Lebenszeit des Baumes geschieht dies rund zwanzig Mal. Die Rinde ist bei der Ernte zu einer Stärke von rund 4 cm gewachsen. Angegeben wird die Dicke nicht in metrischen Maßen, sondern in der aus dem 17. und 18. Jahrhundert bekannten Maßeinheit der Pariser Linie. Eine Linie entspricht 1/12 Zoll, etwa 2,2 mm.

Kork besteht insbesondere aus Suberin und Lignin. Tannine bestimmen seine gelbliche Farbe. Kork hat eine sehr filigrane Zellstruktur. Im Querschnitt ist sie vergleichbar mit Bienenwaben. Die 14-seitigen Zellen sind mit Luft gefüllt. Auf einen cm3 kommen im Durchschnitt 40 Mio. derartiger Zellen. Folglich besteht ein einziger Weinkorken aus ungefähr 800 Mio. feinster, mit Luft bzw. mit Gas gefüllter Zellen. Auf das Volumen bezogen besteht Kork zu 60% aus Luft. Diese Angabe bezieht sich auf die gesamte Rinde. Nach Entfernung der verhältnismäßig schweren Borke erhöht sich der Anteil der Luft im Vergleich zum Volumen auf 80-90%. Dies erklärt die äußerst geringe Dichte bzw. das geringe Raumgewicht von Naturkork.

Positive Ökobilanz

Die Korkeichen-Haine im Mittelmeerraum leisten einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Der Baum ist überaus genügsam und kommt mit sehr wenig Feuchtigkeit aus. Ohne die Korkwälder würde die Gefahr einer fortschreitenden Versteppung bestehen. Die Korkeiche nimmt wie jeder andere Baum im Zuge der Fotosynthese das den Treibhauseffekt verursachende Kohlendioxid (CO2) aus der Umwelt auf und wandelt es um in Sauerstoff und Karbon. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie haben portugiesische Forscher 2006 in den Korkwäldern eine jährliche Aufnahme von 179g Karbon/m3 gemessen. Umgerechnet auf die gesamte Fläche der Korkwälder allein in Portugal bedeutet dies eine Absorption von 4,8 Mio. t CO2. Diese Menge entspricht etwa 5,5% der jährlichen Belastung durch CO2 in dem südosteuropäischen Land.

Geographische Verteilung und Erntemengen

Korkwälder wachsen im warmen Klima der Mittelmeerregion in Gebieten bis zu einer Höhe von 500 m über dem Meeresspiegel. Die jährliche Niederschlagsmenge in diesen Gegenden beträgt nur 600-800 l/m2. Der Baum hat sich diesen klimatischen Verhältnissen angepasst und übersteht die sehr heißen und trockenen Sommermonate, ohne Schaden zu nehmen. Insgesamt umfassen die Korkeichenwälder eine Fläche von ungefähr 2,3Mio. ha. Die größten Anbauflächen befinden sich mit 736.000 ha in Portugal und 500.000 ha in Spanien im südlichen Teil der iberischen Halbinsel. Die jährliche Erntemenge im Mittelmeerraum liegt bei ungefähr 340.000 t. Diese Menge würde theoretisch ausreichen, um 100 Mio. m2 Korkbodenbelag zu produzieren. Die Produktion von Fertigerzeugnissen aus Kork konzentriert sich allerdings mit einem Anteil von rund 85% auf Portugal. Das Land importiert deshalb zusätzlich in großen Mengen Rohstoff aus Spanien und Nordafrika zur Weiterverarbeitung in der heimischen Industrie.

Wilde Korkvorkommen gibt es daneben in China in der Region um die alte Kaiserstadt Xian. Allerdings unterscheidet sich die Rinde der asiatischen Korkart wesentlich von der im Mittelmeerraum beheimateten Spezies. Bedingt durch ein kühleres Klima und eine kürzere Wachstumsperiode fällt die asiatische Korkrinde deutlich dünner aus. Über die jährliche Erntemenge in China gibt es bisher keine gesicherten Daten. Schätzungen gehen von maximal einigen 10.000 t aus.

Alte und neue Anwendungsbereiche für Kork

Neben den Bodenbelägen aus Kork nehmen Wein- und Sektkorken nach wie vor eine herausragende Stellung in der gesamten Wertschöpfungskette ein. Trotz den in jüngster Zeit zunehmenden alternativen Verschlusssystemen für Weinflaschen in Form von Aluminium-Drehverschlüssen oder Stopfen aus Kunststoff werden jährlich rund 12 Mrd. Wein- und Sektflaschen mit Korken verschlossen. Damit repräsentiert der Korkstopfen etwa 70% des gesamten Korkmarktes. Darüber hinaus wird Kork u.a. als Wärme- und Kälteisolierung im Hochbau, als Wandbelag, als Trittschalldämmung und in Form von feinem Korkmehl für die Herstellung von Linoleum und Akkumulatoren benötigt.

Technische Einsatzbereiche als Zylinderkopfdichtungen, als Expansionsdichtungen im Betonbau, als Baumaterial in Luft- und Raumfahrt und ganz aktuell in jüngster Zeit als Schrot zur Bekämpfung des Ölteppichs im Golf von Mexiko sind markante Beispiele für neue Einsatzbereiche des Naturproduktes.
aus Parkett Magazin 06/10 (Holz)